03 Dezember 2019

3. Dez, 2019


Das erste Viertel der NBA-Saison ist gespielt und die #NBACHEF-Redaktion hält einen Moment inne, um ein Zwischenfazit zu ziehen und einen Ausblick zu wagen: Für wen geht es in den verbleibenden drei Vierteln nach oben, für wen nach unten? Welcher Coach darf frühzeitigen Urlaub planen? Und welcher namhafte Spieler wird dieses Jahr getradet?

von NBACHEFSQUAD  | 3. Dez, 2019


Der Durchbruch

Jonas Röhrig @jonasRo19: Noch vor einem Jahr schien die mittelfristige Zukunft der Miami Heat sehr dunkel zu sein; überbezahlte Spieler blockierten den Cap Space, sportlich schien man im Mittelmaß gefangen. Heute liegt Miami auf einem der vorderen Plätze im Osten, spielt die drittbeste Defense der Liga und führt die NBA bei der Dreierquote an (38,8%). Der Plan von Miami auf Butler und interne Verbesserungen zu vertrauen scheint aufzugehen. Bam Adebayo ist ein ernstzunehmender MIP-Kandidat, Nunn und Herro sind das aufregendste Rookie-Duo der Liga und Veteran Dragić geht in seiner Rolle als sechster Mann voll auf. Die vielen günstigen Verträgen machen Miami außerdem zu einem Kandidaten für einen Superstar-Trade. South Beach is back!

Stefan Dupick @hoopsgamede: Da ich den Teams im Westen noch nicht so ganz traue (auch wenn Lukas Mavs echt gut aussehen), gehe ich hier mit den Heat. Miami liefert, was sich die Fans am South Beach erhofft haben und selbst wenn die Youngster um Nunn, Herro und Robinson das Niveau nicht halten sollten, dürfte ein Platz in den Playoffs frühzeitig fix sein.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Klare Sache. Die Dallas Mavericks. Gegen die Clippers wurden Dončić und Co zwar wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, aber das ist ok. Die Clips schielen auf den Titel. Soweit sind die Mavs noch nicht. Nach drei Jahren in Folge ohne Playoffs würde ein erneutes Verpassen der Postseason nach diesem Start doch sehr verwundern. Dafür ist die Offense einfach zu gut.

Anno Haak @kemperboyd: Die Dallas Mavericks. Der Slowene mit den vielen Sonderzeichen im Nachnamen schippert Richtung Karrierepraecox MVP-Kampagne. Und wenn irgendein Hufschmied mit ausreichender Wingspan Porzingis den Rost von den Gliedern geklopft hat, dann Gnade der Western Conference. Die hässlichsten City Edition Jerseys westlich von Brooklyn bis Mai in Augenkrebs HD. Ich freue mich.


Daniel Schlechtriem @W14Pick: Dallas sieht in der Tat zur Zeit wie ein sicherer Playoff-Teilnehmer aus, Miami in diesem Osten sowieso. Deshalb werfe ich mal noch die Minnesota Timberwolves in den Topf. Vergangenen Monat habe ich sie für "real" erklärt, dabei bleibt es. Die Wolves sind nicht grundlegend besser als im letzten Jahr, profitieren aber von der Schwäche der Konkurrenz, namentlich der Warriors, Thunder, Spurs und Blazers - allesamt letztes Jahr in den Playoffs. Das schafft Platz. Minnesota Post-Thibodeau wird einer der Nutznießer sein und im besten Fall die Basis setzen für 2021, wenn Teague und Dieng nicht mehr auf der Gehaltsliste stehen.


Der Turnaround

Röhrig: Der härteste Schedule der Liga im ersten Saisonviertel erschwerte die Situation, als die New Orleans Pelicans mit Verletzungen ihrer Leistungsträger zu kämpfen hatten. Team-MVP Jrue Holiday kam dazu nur langsam in die Saison und erzielte in den ersten acht Spielen nur knapp 14 Punkte bei 23% Dreierquote. Seitdem ist er aber heiß gelaufen (42% Dreier) und produziert auf beiden Seiten des Parketts wie wir es von ihm gewohnt sind. Im Dezember soll auch Zion wieder zum Team stoßen, was den Pels einen enormen Schub geben wird. Die Achillesferse bleibt die Defense (Platz 27), die aber durch die Rückkehr der Verletzten, insbesondere von Derrick Favors, etwas stabiler werden sollte.

Dupick: Was da gerade in Portland los ist, dürfte doch viele überraschen. Ich gehe davon aus, dass die Blazers um Dame und C.J. eine Aufholjagd starten werden, spätestens wenn ein „der große Trade“ eingetütet ist (ich glaube noch immer dran!) und es einen weiteren Star in der Rip City zu bewundern gibt. Und dann ist da ja auch noch Melo... ach lassen wir das lieber...

Lagenstein: Die letzten 20 Jahre der NBA ließen die San Antonio Spurs vermuten, doch da fehlt mir wirklich der Glaube. Zuversichtlicher bin ich bei den Portland Trail Blazers. Die Melo-Verpflichtung scheint zumindest für den Moment zu helfen. Spätestens mit der Rückkehr von Jusuf Nurkić wird die Aufholjagd so richtig beginnen.

Haak: Ich will Spurs sagen, weil Pop und weil ist immer der beste Tipp. Nur kann ich nicht, weil sie genau so schlecht stehen, wie sie sind. Und bei 7-14 müssten sie im Grunde 40 von 60 Spielen, also zwei von drei gewinnen, um noch in die Postseason zu schleichen. Mir fehlt der Glaube. Insofern: voltgrün ist die Hoffnung auf den bisher sehr schweren Spielplan und John Collins: die Atlanta Hawks.

Schlechtriem: Im Osten sind die ersten sieben Plätze mehr oder weniger schon klar. Eine große Aufholjagd sehe ich bei keinem der Teams mit negativen Bilanzen, eher ein Schneckenrennen um den achten Rang. Von der reinen Qualität her sollten sich am ehesten noch die Pistons auf Platz acht würgen. Im Westen sieht es schon anders aus: Gegen die Spurs zu setzen ist in den letzten beiden Jahren schief gegangen, dieses Mal sehe ich es nach dem ersten Viertel aber wirklich nicht mehr. Die Playoffs 2020 werden ohne San Antonio stattfinden, gleiches gilt für die Thunder und selbstverständlich die Warriors. Bleiben noch die Portland Trail Blazers. Zumindest im Nordwesten ist zu viel Qualität, um in den verbleibenden drei Vierteln nicht noch das Comeback auf den siebten oder achten Rang zu schaffen.



Der Ikarus-Kandidat

Röhrig: Auch wenn es eine unbeliebte Wahl sein wird, profitierten die Dallas Mavericks bisher vom dritteinfachsten Spielplan. Sie gewannen die Spiele, die sie gewinnen müssen, gegen klare Playoff Anwärter setzte es allerdings fast nur Niederlagen. Auch die 0-2 Bilanz gegen die grauenhaften Knicks sieht nicht gut aus. Luka Dončić legt momentan das höchste PER aller Zeiten auf und gewinnt den Mavs Spiele im Alleingang. Die Frage ob diese Leistungen und das ligaweit beste Offensiv-Rating zu halten sind, wenn der Spielplan schwieriger wird, müssen die Mavs für mich noch beantworten.

Dupick: Die Suns zu nennen wäre hier zu einfach, daher gehe ich mit den Mavs. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Luka dieses MVP-Niveau schon über die ganze Saison halten kann. Sollte Porzingis noch ein paar Spiele aussetzen müssen, dann wird die Luft in Dallas dünn. Fakt ist aber, dass die Mavs derzeit einfach nur Spaß machen, aber dieses Level kann das Team einfach nicht halten

Lagenstein: Die Toronto Raptors hatte ich nicht so gut erwartet. Doch sie spielen nunmal in der Eastern Conference. Weit abstürzen können sie dort nicht. Dafür ist die Konkurrenz südlich von Platz sieben einfach zu schwach. Mehr Sorgen um einen Playoff-Platz müssen sich die Phoenix Suns machen. Die 3-7-Bilanz in den letzten zehn Spielen gibt die Richtung vor.







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Haak: Ich hatte den Text für die Cavs schon fertig, aber die scheinen abzustürzen, bevor Spiel 20 erreicht ist. Im Grunde haben sich alle weitgehend eingependelt. Ich traue Indiana immer noch nicht so richtig, kann es aber nicht unterfüttern. Die Raptors nehmen die siebtmeisten Dreier und treffen 40%, das scheint mir regressionsanfällig. Und überhaupt: Siakam als Superstar übersteigt mein Vorstellungsvermögen. Toronto.

Schlechtriem: Keiner hat die Lakers? Dann wage ich mich ran. Die aktuelle Bilanz hat selbstverständlich angesichts ihres bisherigen Mickey-Mouse-Spielplans wenig Aussagekraft. Auch Pflichtsiege müssen erst mal geholt werden, die Probleme in Tinseltown werden aber beginnen, sobald (nicht falls) LeBron vom fortgeschrittenen Alter eingeholt wird und sobald (nicht falls) Anthony Davis verletzungsbedingt ausfällt. Für die ersten Playoffs seit 2013 wird es im Normalfall reichen, einen Contender oder gar Conference-Finalist sehe ich in Lila-Gold aber weiter nicht. Jetzt im Dezember, wenn der Schedule merklich anzieht, werden wir mehr über das tatsächliche Leistungsvermögen der Lakers erfahren.


Der wackligste Trainerstuhl

Röhrig: Es ist zwar die offensichtlichste Antwort, aber David Fizdale wird als erster Coach seinen Hut nehmen müssen. Im gewohnten New Yorker Chaos wird er wohl als Sündenbock für gravierende Fehler bei der Kaderzusammenstellung und die realitätsferne Selbstwahrnehmung des Front Offices hingestellt werden. Auch wenn dabei zu Unrecht kritisiert wird, ist sein Umgang mit den Youngstern des Teams mal wieder fragwürdig. Mitchell Robinson, Kevin Knox, Dennis Smith Jr. und Allonzo Trier sehen keine konstante Spielzeit und stehen weniger auf dem Parkett als in der letzten Saison. Solide Spielerentwicklung sieht anders aus.


Dupick: Fizdale wird der erste, der gehen muss. Ob das jetzt richtig oder falsch ist, vermag ich nicht zu beurteilen, es passt aber einfach zu gut zu den Knicks, den Trainer zu feuern.

Lagenstein: Mit Charlotte und Washington stehen die Detroit Pistons mindestens hinter zwei Teams, die eindeutig weniger talentiert sind. Der Ausfall von Blake Griffin zum Saisonstart hat natürlich nicht geholfen, besser wurde es seit seiner Rückkehr aber auch nicht. Gelingt es Dwane Casey nicht, das Ruder rumzuwerfen, sollte sein Job ernsthaft in Gefahr sein. Ein Fortschritt zu den Van-Gundy-Jahren ist nicht zu erkennen.

Haak: Jim Boylen. And rightfully so.

Schlechtriem: David Fizdale wird über den Sommer hinaus nicht Knicks-Coach bleiben, das steht nach dem neuerlichen Zirkus im MSG fest. Weil sich die New Yorker ihres miserablen Rufs inzwischen bewusst geworden sind, denke ich, Fizdale wird zumindest noch eine Schonfrist erhalten. Jim Boylen wäre den nächste logische Kandidant, denn er lässt weiterhin alle Voraussetzungen eines NBA-Coaches vermissen. Weil GarPax dann aber einen Fehler eingestehen müssten, werden sie ihn auch noch eine Zeitlang halten. Daher blicke ich eher in Richtung Detroit und Dwane Casey sowieso Washington und Scott Brooks, weil dort Anspruch und Wirklichkeit noch ein größeres Stück auseinander gehen.


Der Blockbuster-Trade

Röhrig: Die San Antonio Spurs stehen bei einer Bilanz von 7-14, ein Trade von DeMar DeRozan scheint daher nicht unwahrscheinlich. Dafür gab es zuletzt erste Anzeichen, als DeRozan seine Instagram Seite leerräumte, genauso wie vor seinem Trade aus Toronto. Die Stats des mittlerweile 30-Jährigen können sich immer noch sehen lassen: 22/5/4 bei 53% aus dem Feld legen außer ihm nur LeBron, Dončić, Harden und Giannis auf. Sein fehlender Dreier (null Treffer bei vier Versuchen diese Saison) grenzt die Suche nach Tradepartnern natürlich stark ein. Verzweifelte Teams wie Orlando oder Detroit suchen aber händeringend nach offensivem Talent und gerade die Magic könnten den Spurs einige junge Spieler im Tausch anbieten.

Dupick: Ich sehe Kevin Love oder Danilo Gallinari ganz klar in Portland. In den letzten Tagen denke ich aber auch gerne darüber nach, wie die Warriors in der nächsten Saison wieder zum Contender werden können. Da wäre ein Trade von D-Lo naheliegend. Russell wird früher oder später verschifft werden, fraglich nur, ob das diese Saison schon ansteht, oder erst im Sommer.


Lagenstein: Aktuell sieht es nicht so aus als bräuchten die Heat Chris Paul. Deshalb und wegen seines Riesen-Vertrags glaube ich nicht an CP3. Viel lieber würde ich einen Trade von D’Angelo Russell zu den Timberwolves sehen. Die Warriors holten den Point Guard, um den Ausfall von Klay Thompson zu kompensieren. Nachdem sich auch alle weiteren Starter verletzten, gibt es da nichts mehr zu kompensieren. Lieber Russell für einen Spieler eintauschen, der nächstes Jahr besser zu fitten Curry und Thompson passt.

Haak: Ganz ehrlich: ich weiß nicht, was er intern erzählt, aber wenn Anthony Davis sich nicht bekennt, müssten die Lakers darüber nachdenken. Ihn im Sommer gratis wieder gehen zu lassen, geht eigentlich nicht. Wird aber nicht passieren. Ansonsten: wenn es dieses Jahr wieder nicht funzt, setze ich auf Harden. Das wäre aber was für den Sommer. Ich setze mal auf Blake Griffin (ja, habe hier die ausufernde „Superstar“-Definition benutzt).

Schlechtriem: Die Oklahoma City Thunder werden involviert sein. Vielleicht kommt dieses Jahr der Blockbuster-Deal gar nicht über den einen ganz großen Namen, sondern über die Quantität an Spielern gehobener Klasse, die auf die Reise geschickt werden. Chris Paul, Steven Adams, Danilo Gallinari, Dennis Schröder, dazu der auslaufende Vertrag von Andre Roberson... die Thunder verfügen über so viele Trade Ammos, dass ein Stillstand bis Februar völlig ausgeschlossen erscheint. Sam Presti traue ich es jederzeit zu, via Vier-Team-Trade (oder mehr) den Hof komplett zu leeren.