24 Dezember 2019

24. Dez, 2019


Für manche ist es das Fest der Liebe. Für die Liga, die niemals schläft, ist der 25.12. nur der zehnte Tag der Gelegenheit, Sommerdeals in Tradepakete zu packen und sich selbst ein Rosterupgrade zu schenken. NBAChef bäckt die kleinen und die großen Tauschplätzchen knusprig durch. Heute: Jordan Bells

von ANNO HAAK @kemperboyd | 24. Dez, 2019


Start

Die Cleveland Cavaliers sind im zweiten Jahr des zweiten Neuaufbaus post LeBron James (Anm. d. Unterz.: die Cavaliers gemahnen an den Realitätsgehalt der „Zeit fliegt“-Floskel in der NBA, vor nur drei Jahren, sechs Monaten und vier Tagen waren sie Champion). Jede Altlast aus der Ära der beendeten Dürre steht zum meistbietenden Verkauf.

Dazu gehören neben dem immer wieder vor Gerüchtekutschen gespannten Kevin Love und dem eher in Reality Shows relevanten Tristan Kardashian auch im Rebuild unbrauchbare Startergeldverdiener wie Brandon Knight oder eben Jordan Clarkson.

Die Jazz sind im 'Gewinnen, und zwar gestern, wenn es geht'-Modus wie sonst nur Topfavoriten wie die Houston Rockets oder die Milwaukee Bucks. Rubio im Sommer wehrlos gen Wüste ziehen zu lassen hat sich nicht als der 'Addition durch Subtraktion'-Move herausgestellt, den man am Salzsee erhofft hatte. Auf der Playmakerposition war und ist Utah diesseits von Allesmacher Mitchell eher dürr bestückt.


Schuss

166 days! The drought is over! Der erste Trade seit Westbrooks infamem Umzug nach Houston am 11. Juli nimmt Gestalt an. Die Cavaliers nehmen Dante Exum auf und lassen sich das mit zwei Secondroundern bezahlen, die Jazz erhalten Jordan Clarkson. Listengold:

CLE: Dante Exum, 2022 2nd Rd Pick (SAS), 2023 2nd Rd Pick (GSW)
UTA: Jordan Clarkson



Jazz

Die Jazz stellen einen der in nahezu jeder denkbaren Kategorie schlechtesten Benchmobs der Association. Dazu trug auch Exum (wenn auch in bescheidenem Umfang) bei. In den nur noch rund acht Minuten, die er pro Partie von Coach Quin Snyder erhielt, zauberte er ein ORtg von 86 (!) auf die Parketter, die die Welt bedeuten, dies in ohnehin nur elf Spielen. Von der hier und da erträumten Competition im MIP-Race war der verletzungsanfällige Australier ebenso weit entfernt wie von der Stellung als produktiver Rollenspieler eines Contenders.

Clarkson, so fragwürdig sein bisweilen ineffizientes Gechucke daherkommen mag, hat mit 22/4/4 auf 36 Minuten bei einem TS% von immerhin 58,1 zumindest die Hoffnung aufkeimen lassen, in einem weniger dysfunktionalen Team als den Cavs helfen zu können. Das Rayjon Tucker Märchen allein wird wohl nicht reichen.


Sein Vertrag ist mit rund 14 Mio. garantierten Dollars zwar zu groß, läuft im Sommer aber aus. Das Risiko hält sich für Utah ergo in engen Grenzen.


Cavs

Die Cavaliers tun, was man im Wiederaufbau eben so tun sollte. Anlagegüter für den großen Knall sammeln und das zarte Pflänzchen Hoffnung gießen. Die Frage, ob man für den ordentlich aufspielenden Clarkson und seinen auslaufenden Vertrag im Vakuum sogar mehr hätte bekommen können, ist müßig. Räume sind mit Luft befüllt und das Leben ist keine Trade Machine. Die Zeiten, in denen man den Deal des Turtlenecktattoos für einen Steal hielt, sind auch schon lange vorbei.


Dass Exum neben den Jungspunden Collin Sexton (20) und Darius Garland (19) redundant wirkt, ist wohl wahr, aber in diesem Stadium der Wiederauferstehung der Cavs ähnlich wichtig wie die Frage, ob Jesus an Karsamstag Schnupfen hatte. Exums Karriere liegt inzwischen zwar schon zu lange auf 'hold', als dass sein Durchbruch noch in die „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ Schublade passt. Aber einen Gamble ist der fünfte Pick von 2014 (whatupp Jahrhundertdraft?!?) durchaus wert, zumal sein Vertrag mit unter 10 Mio. $ p. a. ohne weiteres tragbar ist (die Cavs werden 2020 ohnedies rund 40 Mio. $ zur freien Verfügung haben).

Die Picks aus Oakland und San Antonio, tja nun... ich habe drei Lichterketten an den Baum gehängt und noch eine vierte im Regal. Für den Fall der Fälle nice to have. Allerdings: Cleveland gibt wahrscheinlich drei der nächsten fünf eigenen Zweitrunden-Picks ab. Da sind zwei Wahlrechte in der 'incoming'-Spalte durchaus von Nutzen.


Die Rechnung bitte

Angesichts der nicht mal Pfützenniveau erreichenden Tiefe von Utahs Bänkchen und Conleys fürchterlicher Offensivsaison geht Clarkson als Idee völlig in Ordnung. Die Cavs munitionieren sich weiter für die erhoffte Rückkehr ins Playoffrennen 2021 und beyond. Bricht Exum doch noch durch, könnten die Cavs den Tausch sogar gewinnen. Fürs erste ergibt es für beide Seiten Sinn.

Vorteil: Jazz und Cavaliers