02 Januar 2020

2. Jan, 2020


Das neue Jahr ist da und somit der geeignete Zeitpunkt für den Blick zurück und voraus. Wer brannte sich 2019 in die Erinnerungen der Basketballwelt und wer wird es 2020 tun? Was sollte sich in der NBA ändern? Die #NBACHEF-Redaktion schwelgt in Erinnerungen, wagt Prognosen und verkündet die Wünsche für das nächste Basketballjahr.

von NBACHEFSQUAD  | 2. Jan, 2020


Das NBA-Jahr 2019 bleibt in Erinnerung für...

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Alle Teams außerhalb der Bay Area. Mit dem Ende der Dekade ging auch die Dynastie der Warriors zu Grunde. Gewinnen hat endlich wieder einen Sinn, denn in den Finalspielen wartet nicht mehr der übermächtige Endgegner aus Golden State. Es lebe die Spannung.

Jonas Röhrig @jonasRo19: Kawhi Leonard, der eigenhändig die Erfolglosigkeit in Toronto, die Dynastie in Golden State und die Superteam-Träume der Lakers beendete. In seiner einzigen Saison in Toronto schenkte er der Stadt ihren ersten Titel, bevor er in einer beispiellosen Free Agency einen neuen Contender in LA nach seinen Vorstellungen schuf. Innerhalb eines Jahres stieg er zum besten (Playoff-) Spieler der Liga und zum einflussreichsten Strippenzieher hinter den Kulissen auf. Kawhi drückte diesem Jahr seinen Stempel auf wie es vor ihm nur LeBron im „Decision“-Jahr 2010 gelang.


Anno Haak @kemperboyd: Ich freue mich auf das Comeback des Jahres 2021 mit Curry, Thompson, Green, dem Tradegegenwert für Russell und dem Lotterie-Pick 2020, aber... Den Niedergang der Golden State Warriors. Seit Pippen seinen Trade nach Houston forderte und Jordan in den zweiten Sonnenuntergang ritt, ist keine Dynastie mehr so auseinandergebrochen. Das gülden-blaue Medizinlehrbuch für katastrophale Verletzungen ist mein Nonbelletristik-Worstseller 2019.

Stefan Dupick @hoopsgamede: Den Meister aus Kanada. Lange Zeit wurden die Raptors nur als Außenseiter gehandelt, doch am Ende kamen viele glückliche Umstände zusammen und Kawhi konnte den Titel nach Toronto holen.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Raptors und ihr Triumph über die Warriors. Der Weg dahin – sprich: Kawhis Buzzer gegen die Sixers – war schon ein Fall für die Geschichtsbücher, die erste Championship einer kanadischen Mannschaft ist es allemal. Die Veteranen Kyle Lowry und Marc Gasol haben ihre Karriere gekrönt und Golden State zurück in menschliche Sphären geholt. 2019 war das Jahr der Toronto Raptors und Kawhi Leonards. Dirks Abschied wollen wir an der Stelle aber nicht unterschlagen.


2020 wird ein gutes Jahr für...

Lagenstein: Die Ticketverkäufer des Staples Center. Die LA-Teams scheinen for real zu sein. Bisher standen die Lakers und Clippers nur einmal im gleichen Jahr in der zweiten Runde der Playoffs – und schieden dort beide aus. Die Conference-Semis sollten 2020 das Minium sein, was beide Franchise erreichen.


Röhrig: Neutrale NBA Fans, denn trotz Load-Management und sinkenden Einschaltquoten ist die Liga so spannend und unterhaltsam wie lange nicht. Die Superstar-Duos aus Los Angeles und Houston, dazu Giannis‘ Bucks, das Experiment in Philadelphia sowie überraschend starke Teams aus Dallas, Boston und Miami versprechen spannende Playoffs 2020. Dass wir dazu mit Luka Dončić den besten 20-Jährigen seit LeBron bewundern dürfen und auch weiterhin Witze über die Knicks machen können, macht die Vorfreude auf das kommende Jahr nur noch größer.

Haak: Die LA Clippers, weil sie Meister werden. James Harden, weil er nach dem Sommertrade in Boston bessere Chancen auf die Finals 2021 haben wird. LeBron James, weil er der erste Spieler wird, der während seiner aktiven Karriere in die Hall of Fame aufgenommen werden wird. David Fizdale, weil er ein Jahresgehalt von James Dolan bekommen wird, ohne was zu tun. UND Anthony Davis, weil er sich frei aussuchen kann, wer ihm ab kommendem Jahr 40 Mio. $ p. a. fürs nächste Erstrunden-Aus zahlt.

Dupick: Den NBA Fan. Es gibt nicht mehr das ultimative Superteam und somit ist der Weg zum Titel offen. Die Bucks, Lakers, Clippers oder 76ers scheinen die Favoriten zu sein, es gibt aber ein halbes Dutzend weiterer Teams, die ihren Hut in den Ring werfen könnten.

Schlechtriem: Die Spannung in der Liga. Nach Jahren Warriors/Cavs geprägt von vorhersehbaren Sweeps war schon letztes Jahr der Osten verdammt offen und die Bucks, Celtics und 76ers hätten genauso gut in die Finals einziehen können. 2020 gesellen sich die Heat und die Pacers (mit Oladipo) dazu, die Nets mit Durant lauern auf 2021. Der Westen ist noch unvorhersehbarer und hier gibt es nicht mal einen echten Favoriten. Ab den Conference Semis kann alles passieren.


2020 wird ein schlechtes Jahr für...

Lagenstein: Freunde des Defensivbasketballs. In der NBA fallen so viele Punkte wie seit den Sechzigerjahren nicht mehr. Inexistente Abwehrstärken durch noch größeren Fokus auf die Offensive zu kompensieren, ist das neue Credo der Liga. Das mag beim ersten Blick auf den Boxscore spektakulär wirken. Die fehlende Bereitschaft Körbe zu verhindern, lässt das eine oder andere Spiel aber auch zur kompletten Farce verkommen.

Röhrig: Alle Contender im Westen, die ihre Heimspiele nicht im Staples Center bestreiten. Die ersten Saisonmonate haben gezeigt, dass der Weg in die Finals nur durch eines oder sogar beide LA Teams führen wird. Weder Denver noch Houston scheinen derzeit in der Lage, in einer Serie vier Spiele gewinnen zu können und auch Utah kann die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllen. LeBron scheint vollkommen gesund und motiviert zu sein, die Clips sind ein defensives Monster und haben die beste Bank der Liga. Schlechte Nachrichten für den Westen.

Haak: Die Brooklyn Nets, weil sie in ihr eigentlich funktionierendes Kollektiv erst Kyrie Irving und dann Kevin Durant einbauen müssen und dabei schlecht aussehen werden. Und die Atlanta Hawks, weil sie auch mit noch einem Lotterie-Pick nicht in die Nähe der Post Season kommen werden.

Dupick: Knicks-Fans, mal wieder! Im Big Apple wird es auch im nächsten Jahr nicht viel zu lachen geben, weder in der Saison, noch in der Free Agency.

Schlechtriem: All die Mannschaften, die sich ohnehin schon länger selbst im Weg stehen. Die Knicks, Bulls, Kings, Suns, Hornets, Hawks … sie alle haben ihr Hauptproblem in der Besitzerloge und/oder im Front Office sitzen – und das löst sich bekanntlich selten von selbst. Auch dieses Jahr werden diese Stammzuschauer der Playoffs nicht mitspielen dürfen, wieder keinen Schritt nach vorne gemacht haben und in der bemerkenswert schwachen Free Agency-Klasse noch weniger Gelegenheit, sich aus dem Sumpf zu ziehen. Selbst mit hohen Draft-Positionen ist diesem Ensemble des Grauens nicht zu helfen.



Der Neujahrsvorsatz der NBA

Lagenstein: Mehr Erholung für die Spieler. Deshalb streichen wir vier Partien und fügen drei andere für den grandiosen NBA-Cup hinzu. Jupp, dieser Neujahrsvorsatz klingt genauso clever wie 99 Prozent aller anderen.

Röhrig: Die Überprüfung der „Coaches Challenge“ muss schneller ablaufen. NBA Spiele dauerten schon in den letzten Jahren eine halbe Ewigkeit, doch minutenlanges Vor- und Zurückspulen von kritischen Szenen nimmt dem Sport das Tempo und den Flow, den wir alle so lieben. An sich ist die Challenge zwar sinnvoll, aber wenn Fehlentscheidungen nur auf Kosten des Sports reduziert werden können sollte man sie hinterfragen. Vor allem solange noch unklar ist, ob wirklich weniger Fehler gemacht werden.

Haak: Den Hawks den ersten Pick zulosen käme mir entgegen. Ich würde mich aber auch sehr freuen, wenn sie mal bei einer vernünftigeren Organisation des Videobeweises von Amts wegen begännen.

Dupick: Wie jedes Jahr sollte der Spielplan reduziert und gestrafft werden, wenn das durch die Einführung eines neuen, In-Season Turniers passiert, dann bitte gerne! Einfach mal machen und mutig sein.


Schlechtriem: Adam Silver hat der Liga eine Innovationskur verordnet und die meisten Ideen klingen gut. Weniger Spiele? Vernünftig, aber dann bitte richtig und nicht 78 plus In-Season Tournament (welches trotzdem frischen Wind reinbringt, also ja!). Ein weiteres Mini-Turnier um die hinteren Playoff-Ränge zu ermitteln ist völlig sinnbefreit, letztlich wird doch nur darum gespielt, wer vom No. 1 oder No. 2 Seed in vier bis fünf Partien in den Urlaub geschickt wird. Können wir uns schenken. Die wichtigste Neuerung unter den vier Vorschlägen ist die Aufhebung der Conferences in den Final Four – sodass auch die besten beiden Mannschaften in den Finals stehen und wir keine Farce wie 2018 sehen. Einfach umzusetzen und im Sinne des Wettbewerbs. Wenn einzig das realisiert wird, bin ich schon zufrieden.


Mein Neujahrswunsch

Lagenstein: Möglichst viele Playoff-Serien, die im siebten Spiel mit dem letzten Wurf entschieden werden. 2016 darf noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein.

Röhrig: Bitte kein Play-In Tournament, das schon jetzt niemand wirklich versteht. Die Bedeutung der regulären Saison aufzuwerten ist der richtige Schritt, aber dafür braucht es kein zusätzliches Turnier. Die Komplexität des Saisonverlaufs wäre zu groß und für Nicht-NBA-Nerds kaum nachvollziehbar. Ob die Spieler, selbst mit einer Siegprämie von einer Mio. $ pro Kopf, das Ganze ernstnehmen würden mal dahingestellt. Verkürzt stattdessen einfach die Saison und viele Probleme (niedrige Einschaltquoten, kaum Teamtraining, Load-Management) wären gelöst.

Haak: Macht. Die. Spiele. Kürzer. Ich bitte Euch! Live in der Nacht gucken macht wirklich keinen Spaß mehr. Wenn die annähernd 15 Timeouts mal auf die vorgegebenen 75 Sekunden eingedampft würden statt daraus jedes Mal einen gefühlten Fünfminüter für Tiefpunkte der Schwachsinnsunterhaltung zu stricken, wäre schon (buchstäblich und im übertragenen Sinne) viel gewonnen.


Dupick: Spiel 7 der Finals in Los Angeles, LeBron bezwingt die 76ers im Alleingang und holt meinen Lakers den nächsten Ring.

Schlechtriem: An der Stelle ein Lob dafür, dass die Liga den Start der Free Agency von mitten in der Nacht auf zumutbare Uhrzeiten vorverlegt hat – unbedingt beibehalten. Zu tun gibt’s aber immer noch einiges: Bessere Refs (kaum zu glauben dass Durants Out-of-Bounds und Hardens nicht gezählter Dunk in weniger als zwölf Monaten stattfanden), weniger endlos lange Wartezeiten, weniger wichtigtuerische Ex-Profis, zu deren Zeiten einfach alles besser war und die die heutigen Spieler ja locker im Schlaf herspielen würden... und – wie jedes Jahr: Bringt endlich die Sonics zurück!