03 Februar 2020

3. Feb, 2020


Die NBA Trading Deadline steht vor der Tür. Seit Wochen tauchen immer wieder hochkarätige Namen als potenzielle Tauschobjekte auf. Fast jedes Team hat Motivation für mindestens einen Deal – sei es, um sich personell zu verstärken, Draft-Picks einzukaufen oder Geld zu sparen. Wie jedes Jahr hat die #NBACHEF-Redaktion die Trade-Maschinen heiß laufen lassen und fünf mehr oder minder spektakuläre Fake-Trades kredenzt. Es ist angerichtet...

von NBACHEFSQUAD  | 3. Feb, 2020


Trade 1: Hawks – Heat – Thunder

ATL: Steven Adams
MIA: Danilo Gallinari, Mike Muscala
OKC: Justise Winslow, Meyers Leonard, Chandler Parsons, 2020 1st Rd. Pick (BKN via ATL)


Daniel Schlechtriem @W14Pick: Sam Presti betreibt ein wenig sportliche Selbstsabotage, weil es aus kaufmännischer Sicht Unsinn wäre, Gallinari zu behalten und Adams weiter zu bezahlen. Daher schickt OKC das Duo mit besten Grüßen in ein neues Abenteuer. Die Hawks wollen unbedingt einen echten Center und holen in Adams die beste realistische Lösung, denn der gilt als umgänglich und spielt immer hart, ein Vorbild für die jungen Habichte. Mit seinen 26 Jahren ist der Kiwi außerdem noch jung genug, um am Pfirsich-Rebuild mitzuwirken, Atlantas Payroll wiederum niedrig genug, ihn eineinhalb Jahre überzubezahlen. Die Heat erhalten in Gallinari (plus Muscala als Dreingabe) nicht weniger als eine zusätzliche offensive Dimension, die ihnen auf diesem Level auf den Forward-Positionen fehlt und schickt dafür den mindestens zwei Klassen schlechteren Leonard (Buyout?) in den mittleren Westen, zusammen mit dem noch jungen und flexiblen und damit für die Thunder interessanten Justise Winslow – die Heat haben gezeigt, dass sie ohne ihn Erfolg haben. Aus Atlanta kommt der entbehrliche Pick der Nets (die Hawks werden selbst hoch picken, brauchen nicht zwingend den zusätzlichen First Rounder) nach Oklahoma City zusammen mit dem auslaufenden Deal von Chandler Parsons (Buyout!). So schiebt sich OKC unter die Luxury Tax-Grenze.

Gerrit Lagenstein: Ich bin kein Fan von Trades, die nur gemacht werden, um Geld zu sparen. Sportlich würden die Wechsel den Thundern ordentlich weh tun. Der Abstand zu den Nicht-Playoff-Plätzen ist gerade zwar noch sehr komfortabel, ein Verpassen der Postseason ist ohne Adams und Gallinari aber durchaus realistisch. Das würde OKC zwei potentielle Heimspiele und damit einige Millionen kosten. So groß wäre die Ersparnis also nicht. Ein mickriger Pick, von dem sie eh mehr als genug haben, scheint mir da zu wenig. Bei Miami und Atlanta sehe ich weniger Einwände.

Christoph Lenz: Ohne es im Detail rekapituliert zu haben ist das durchaus einer der besseren Trades, die dieses Format in den letzten drei Jahren hervorgebracht hat. Der Knackpunkt, der diesen Deal in meinen Augen nicht passieren lassen wird ist, dass die Thunder kein Interesse am verletzungsanfälligen Winslow haben werden. Auch ein weiterer Draft-Pick ist weniger attraktiv als die Aussicht auf eine spannende Rolle, die sie im ausgeglichenen Westen in den Playoffs spielen könnten wenn sie Adams und Gallinari halten. Allein die Playoff-Teilnahme mit einer besseren Regular Season Bilanz als die des Offseason-Trade-Partners aus Hosuton scheint Ziel genug, um auf den zigsten Draft-Pick zu verzichten.

Anno Haak: Für die meisten wenig überraschend nehme ich hier die Perspektive der Habichte ein und muss in nahezu allem widersprechen. Den Pick halte ich auch für verzichtbar (s. u.), aber nicht für einen „echten“ Center („echt" steht für „spielt wie Shaq 1993, nur ohne die Fußarbeit“). Sie wollen wohl einen solchen, man fragt sich nur wozu. Wenn es der allerdings schon sein sollte, dann bitte nicht der eindimensionale Smasher aus Down Under. Und den Cap Space würde ich gerne für Picksammeltrades behalten, nicht für den Pick, der James Harden war. Schick Winslow nach A-Town, dann können wir reden. OKC will Playoffs spielen. Picks haben sie genug, Adams bekommst du auch im Sommer noch an den Mann. Warum Miami sich für einen Acht-Wochen-Lease von Gallinari an dieser Travestie beteiligen soll, erschließt sich mir nicht.

Seb Dumitru: Atlanta könnte einen harten Hund wie Adams weiß Gott gut gebrauchen, um diese Abscheulichkeit von einer Team-„Kultur“ endlich auf Vordermann zu bringen. Eigentlich wollten die Hawks heuer um die Playoffs mitspielen – dümpeln im Februar mit peinlichen 13 Siegen aber hinter 28 von 29 anderen Teams hernieder. Miami sagt sofort „Ja“, denn Gallinari repräsentiert ein massives Upgrade für den unter-dem-Radar-Conference-Finals-Kandidaten aus dem Sunshine State. Das Problem und der Spielverderber hier bliebe OKC: Da dieses Team um die Playoffs mitspielt (und diese mit großer Wahrscheinlichkeit auch erreichen wird), scheint ein kompletter Frontcourt-Abriss unrealistisch – wenngleich bei der Gelegenheit, Salär und Luxussteuer einzusparen, Clay Bennett immer die Ohren spitzt wie Schäferhunde.


Trade 2: Cavaliers – Warriors – Timberwolves

CLE: Andrew Wiggins, Omari Spellman
GSW: Kevin Love
MIN: D'Angelo Russell


Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Kevin Love ist der beste (Offensiv-)Spieler, der zur Trade Deadline realistisch zu bekommen ist. Trotzdem ist der Markt für ihn nicht groß. Mit den Golden State Warriors gibt es aber ein Team, was sich unbedingt verstärken muss, wenn es die zweite Karrierehälfte von Curry und Thompson nicht verschenken will. Sind beide wieder gesund, wird Russell überflüssig auf den Guard-Positionen. Einzig dort haben die Cavs aber leider schon etwas Talent für die Zukunft. Da kommen die Timberwolves ins Spiel. Sie werden endlich Andrew Wiggins los, was Towns noch mehr freut, weil dafür sein Buddy Russell kommt. Wiggins ist zurück in der Stadt, die ihn einst draftete und kann so viel scoren wie er will, denn sonst kann das bei den Cavs ja kaum jemand. Spellman ist nur aus finanziellen Gründen dabei. Die Warriors, die schon vor Jahren mit Love flirteten, hätten sich den Power Forward sonst nicht leisten können. Da bei keinem der drei Teams in dieser Saison noch groß was geht, könnte der Trade genauso gut erst im Sommer stattfinden.

Lenz: Strukturell ein schöner, einfacher Trade mit großen Namen. Nichtsdestotrotz sagen hier lediglich die Timberwolves „Ja“, während die Warriors in Russell im Sommer viel mehr Potenzial ausschöpfen wollen als Love (der als Notnagel wie von Gerrit gesagt auch dann noch verfügbar sein wird) und die Cavs sich mit der Rückkehr von Wiggins weder finanziell noch spielerisch einen Gefallen tun würden. Im Sommer könnten Sie dann Love direkt für Russell tauschen und in dem Zug den „Sexland“-Backcourt auflösen, um andere Löcher zu stopfen.

Haak: Lächelnd sinniert der Linksstehende über den Sommer 2014, als er die Warriors dafür schalt, Klay Thompson nicht in einen Kevin Love Trade involvieren zu wollen. O tempora o mores. Ich glaube fast, die Warriors (mehr dürfte es für Russell nicht geben) und die Cavs (mehr dürfte es für Love nicht geben) machen das nach kurzer Bedenkzeit. Es sollte (aber ich bin unsicher, ob es das tut) an den Twin Cities scheitern, denn den immer noch suspiziösen Russell für den MIP-Kandidaten zu tauschen, würde im Westen relativ sicher bedeuten, auf der Stelle zu treten.

Dumitru: Guter Deal für alle Teams, denn Love passt besser in die Zukunftspläne der Dubs als der Guard, der nie so gut sein wird wie Curry oder Thompson – aber eben ebenfalls im Backcourt spielt. Um Russell buhlen die Wolves bekanntlich seit dem Sommer. Von der Gelegenheit, Towns' Buddy und den Point Guard der Zukunft im Tausch für Sorgenfall Wiggins zu verpflichten, träumen Rosas & Co. nicht nur Nachts. Cleveland erhielte im Tausch für den im Rebuild fehlplatzierten Love seinen ehemaligen Nummer eins Pick von 2014 zurück – und den vielleicht besten „Projekt-Star“, den es in diesem Markt für seinen angefressenen, fünffachen All-Star Big erstehen könnte.

Schlechtriem: Die Wolves machen das sofort, die Warriors müssen auch nicht lange überredet werden, denn bessere und passende gestandene Qualität mit Blick auf einem erneuten Titel-Run 2021 werden sie für Russell nicht bekommen. Nur für die Cavs ergibt das nicht so recht Sinn. Wiggins wird niemals seine Vorschusslorbeeren rechtfertigen und braucht eine eiserne Faust über sich, um wenigstens einigermaßen zu funktionieren. Die wird er überall in der Association eher finden als in Cleveland. Ganz zu schweigen von seinem miserablen 130 Mio. $ Vertrag bis 2024 – einem der schlechtesten Preis-Leistungs-Deals ligaweit. Im Gesamtpaket ist Wiggins nicht das Pferd, auf das ein Team im Rebuild setzen will, deshalb scheitert dieser Trade an Cleveland. Spätestens im Sommer wird sich ein Konstrukt mit Love zu den Warriors und Russell zu den Wolves dennoch realisieren lassen.


Trade 3: Celtics – Rockets – Grizzlies

BOS: Clint Capela, Austin Rivers, Jae Crowder
HOU: Marcus Smart, Daniel Theis, Bruno Caboclo
MEM: Romeo Langford, Isaiah Hartenstein, 2020 1st Rd. Pick (MEM via BOS)


Christoph Lenz @NBAKenner: Die Idee für den Kern dieses Trades, Capela für Smart, entstammt einem Nebensatz des (mit Rockets GM Morey befreundeten und in Boston sehr gut vernetzten) „Podfather“ Bill Simmons, der inmitten einer unrealistischen Embiid-Trade-Phantasie, genau diesen Tausch in typischer Newsbreaker-Manier etwas „versteckt“ als Option erwähnte. Für Houston bedeutet es den Verlust von Capela, der in den letzten Jahren speziell in den Playoffs eher eine Last war, zugunsten des Defensiv-Spezialisten Smart, der dabei helfen kann die Lücken zwischen Harden und Westbrook zu stopfen. Dazu Theis als Option, einige Capela-Minuten zu füllen und Caboclo, der in einer limitierten Bankrolle Spielzeit finden könnte. Boston bekommt den so dringend gesuchten Big Man, der im Osten besser helfen kann als im Westen, dazu kehrt Jae Crowder zurück und kann seinen zweiten Frühling fortsetzen. Austin Rivers könnte einen Teil des Lochs stopfen, das der Smart-Abgang reißt. Für Memphis bedeutet es in erster Linie Kontrolle über den eigenen Pick zu haben, mit Langford und Hartenstein gibt es sogar noch etwas Talent dazu, das der aufstrebenden Truppe aus Tennessee auch ohne Crowder im Playoff-Rennen halten könnte.

Haak: Der Zeitunterschied und der erdfarbenhässliche Hardenisoball bedingt, dass ich relativ wenige Rockets-Spiele sehe. Vielleicht deshalb verstehe ich die Idee eines imminenten Capela-Trades nur sehr bedingt. Sei es drum. Unterstellt, man will den Schweizer abschieben, würde ich das machen, wenn ich der mit Simmons gut befreundete GM bin. Warum die Celtics ihren besten Verteidiger und ihre Seele abgeben sollten, wüsste ich aber bei diesem Gegenwert nicht. Der Memphis Pick ist 1-6 geschützt, dahinter braucht man ihn nicht so dringend, dass man dafür Crowder opfern sollte.

Dumitru: De facto tauschen die Celtics und Rockets hier Capela und Rivers für Theis und Smart. Ich sag's kurz und knackig: einem solchen Deal würde Ainge niemals zustimmen. Und das ist smart wie Marcus, denn Theis und Smart geben den C's und ihrer Kultur viel mehr, als es die beiden Neuzugänge aus Houston könnten. Wäre die Rückkehr von ex-Celtic Crowder genug, um die Nadel hier zu verschieben? Auch Houston würde einbüßen, denn Theis ist kein Upgrade zu Capela, und Smart kein Flügelspieler, der auch mal auf Groß ausweichen kann. Genau solch einen suchen die Texaner händeringend.

Schlechtriem: Schon klar, dass einem Celtics-Homer wie Simmons das gefällt. Die Celtics verlieren sportlich an keiner Stelle, bekommen dafür einen der besseren Center der Liga. Die Grizzlies können ihr Glück kaum fassen: Für Crowders auslaufenden Vertrag plus „Two Years Away From Being Two Years Away“ bekommen sie einen Lottery Pick 2019, den G-League MVP und einen weiteren First Rounder 2020? Krachend scheitert dieser Trade an den Rockets. Die wollen einen 3&D-Forward, keinen Guard. Smart ist ständig verletzt und trifft keinen Dreier – was soll er dann in Houston (zumal er wahrscheinlich eh früher oder später mit den Majestäten Harden und Westbrook aneckt)? Mit Theis statt Capela in der Mitte brauchen die Texaner in den Playoffs gar nicht erst anzutreten („Last“ stimmt übrigens so gar nicht, frag mal Towns oder Gobert). Und Bruno war vor kurzem erst nicht gut genug für die Rockets, warum sollte er es jetzt plötzlich sein? Bei aller Freundschaft hört sich Morey das nicht mal bis zum Ende an. Daumen runter.

Lagenstein: Den Free-Hartenstein-Ansatz finde ich schon mal sehr gut. Die Grizzlies sind sicherlich ein Team, das ihm mehr Chancen auf Spielzeit gewähren kann. Ob die Celtics Capela wirklich brauchen, finde ich schon fragwürdiger. Seine Stärken liegen ganz klar in der Defensive und da macht Boston auch ohne Star-Center einen passablen Job. Für mich überwiegt die Subtraktion von Smart und Theis. Allein, dass Houston bereit ist, Capela für genau diese Spieler abzugeben, sollte dem Rekordmeister zu denken geben. Für alle Fans, die P.J. Tucker komplett auf der Fünf sehen wollen, wäre der Deal natürlich ideal.


Trade 4: Hawks – Cavaliers

ATL: Kevin Love
CLE: Evan Turner, Jabari Parker, 2020 1st Rd. Pick (BKN via ATL)


Anno Haak @kemperboyd: Dass Atlanta über den Draft ein Topteam zusammenbekommt, ist so wahrscheinlich wie ein Sieg von „Ford vs Ferrari“ beim Oscar. Es ist Zeit für eine Abkürzung, damit Trae Young 2022 nicht auf die Idee kommt, die Wiesen in Miami seien grüner. Free Kevin also. Mit ihm, Young und der restlichen Rasselbande ist Atlanta sofort ein Playoffkandidat im Osten. Turners Kopfkratzervertrag läuft aus. Parker macht's offensiv nicht mal schlecht, den kann sich Cleveland schön saufen, v. a. da sein Vertrag spätestens 2021 ebenfalls endet, er ergo ab Sommer ein (Mini-)Tradechip ist. Dazu muss wohl ein Erstrunden-Pick. Den der Nets in diesem Jahr halte ich für verzichtbar.

Dumitru: Für Atlanta wäre Love natürlich die personell beste Addition in diesem an realistisch erhältlichen Stars knapp bemessenen Trade-Markt. Mit ihm zwischen Young, Collins, Hunter und Huerter sähen die Hawks plötzlich wie ein echtes NBA-Team aus. Aber beißt Cleveland ausgerechnet bei Jabari Parker und Evan Turner an – zwei der größten Enttäuschungen unter allen Top-Zwei Picks in der modernen NBA-Geschichte? Da geht für die Cavaliers viel, viel mehr – zum Beispiel in Phoenix, Denver oder Portland.

Schlechtriem: Nur ein First Rounder plus Salary Müll ist recht wenig für einen fünffachen All-Star, geringe Nachfrage hin oder her. Für die Hawks ergibt dieser Deal allerdings auch nicht so recht Sinn. Atlanta setzt auf Zukunft und Jugend, warum dann einen verletzungsanfälligen 31-Jährigen holen, der bei einem Contender besser aufgehoben wäre? Love würde Atlantas Defizite in puncto Führung, Rim Protection und Rebounding nicht oder nur sehr bedingt beheben, außerdem bestünde eine gewisse Redundanz, weil er und John Collins kaum nebeneinander funktionieren würden. Auch wenn es Kollege Haawk nicht gerne hört: Zu retten ist diese Saison eh nicht mehr, dann lieber auf einen hohen Draft Pick gehen und wenn überhaupt einen klassischen Center, eine echte Zonenpräsenz, holen.

Lagenstein: Da die Cavs wohl froh sein müssen, wenn sie Kevin Love überhaupt loswerden, dürften sie bei diesem Deal eigentlich nicht Nein sagen. Auch Atlantas Motivation ist durchaus nachvollziehbar, wobei ich das mit dem Playoff-Kandidat sofort noch nicht sehe. Mit weiteren Verstärkungen und einem netten Pick, dann 2021 schon eher. Lieber würde ich aber natürlich meinen Love-Trade sehen... ;)

Lenz: Beim Statement „Atlanta sofort ein Playoffkandidat“ musste ich erst schlucken, einen Blick auf die Tabelle werfen, mit dem Kopf schütteln und dann zähneknirschend zustimmen. Für mich ist dieser Trade nicht offensichtlich, aber dennoch inhaltlich passend und keiner verliert. Atlanta kann sich Love locker leisten und sich weiter professionalisieren, Cleveland kann die Stimmung aufbessern, leert die Bücher (wofür auch immer) und fängt bei null an.


Trade 5: Pistons - Lakers

DET: Kyle Kuzma, Quinn Cook
LAL: Derrick Rose


Seb Dumitru @nbachefkoch: Derrick Rose ist mit 18,9 Punkten und 5,9 Assists im Schnitt einer der wenigen Lichtblicke in Detroit, spielt dort den besten Basketball seit seinem kometenhaften Karrierebeginn. Die Lakers suchen händeringend nach einem zweiten Spielmacher, der Druck auf die Defensive ausübt und LeBron James entlastet (nein, Rajon Rondo kann das alles nicht). Und spätestens nach fast vier Monaten ist klar, dass die Lakers trotz, nicht wegen Kyle Kuzma im Westen an Position eins stehen. Rose' Akquisition passt nicht nur besser ins Zeitraster von Lila-Gold. D-Rose gäbe diesem Top-Contender auf Anhieb eine Dimension, die momentan einfach noch fehlt. No-brainer Deal für Los Angeles.

Schlechtriem: Los Angeles scheint der richtige Ort, um seine Karriere zu revitalisieren – Rajon Rondo und Dwight Howard haben es vorgemacht. Der MVP von 2011 schaffte selbiges im kalten Norden, um aber noch mal nach den Sternen zu greifen, ist Hollywood die richtige Adresse und auch der passende Fit. Die Lakers haben nicht die Zeit, auf Kuzma oder die nächste Offseason zu warten, Rose hat nicht die Zeit zu warten, bis die Pistons irgendwann wieder relevant werden. Deshalb ist dieser Trade der richtige Weg, auch für Detroit. Einen Lottery Pick werden sie für D-Rose nicht ergattern, bei Kuzma wissen sie, was sie bekommen. Grünes Licht von allen Seiten.

Lagenstein: Derrick Rose wieder tief in den Playoffs spielen sehen zu können, lässt sehr nostalgische Gefühle hochkommen. Der Junge hätte es nach all dem Pech in seiner Karriere definitiv nochmal verdient, um den Titel mitzuspielen. Aus Sicht der Lakers spricht außer der Krankenakte von D-Rose auch nichts gegen den Transfer und dieses Risiko ist angesichts der potentiellen Verbesserung verkraftbar. Kyle Kuzma dürfte sich schon weniger darüber freuen von einem Team, wo ihm auf der Vier ein besserer Spieler vor der Nase sitzt, zu einem anderem Team zu gehen, wo ihm ein besserer Spieler auf der Vier vor der Nase sitzt. Doch vielleicht können die Pistons Kuz nach Blake Griffins Genesung ja weiterdealen.

Lenz: Das große Problem, einen passenden Gegenwert für Kyle Kuzma zu finden, könnten die Lakers in diesem Konstrukt lösen, denn Kuzma, der von weiten Teilen der Lakers-Fans (und gemäß Reports aus den Davis-Talks im Sommer auch vom Lakers-Management) massiv überschätzt wird, könnte in diesem Szenario einen großen Namen nach Kalifornien bringen. Einziges Fragezeichen in diesem Deal ist, ob Detroit wirklich Interesse an Kuzma hat, oder ob sie lieber einen Draft-Pick hätten, der ihnen einen selbst wählbaren Spieler einbringt, der länger günstig ist und vielleicht besser in die Pläne passt.

Haak: Ich gucke Derrick Rose gern beim Spielen zu. Schon dass er mehr oder minder unverletzt durch die Saison kommt, macht Spaß. Die „Comeback Player of the Year“-Rufe verstehe ich. Aber ich meine, er würde den Lakers nicht wirklich helfen. Das Playmaking-Argument verstehe ich mit LeBron im Roster nur bedingt, viel Entlastung wird er in den Playoffs gar nicht wollen, werfen kann Rose immer noch nur – bestenfalls – durchschnittlich. Dass er ein Team auf hohem Niveau wirklich besser machen konnte, ist knapp eine Dekade her. Es kommt hinzu: Ich konnte nur wenige Lakers-Spiele schauen. Zahlenmäßig kann ich den verbreiteten Cook-Hate nicht so ganz nachvollziehen. Das Volumen und die Sample Size sind zwar gering (ca. 12 Min./Spiel in 32 Einsätzen), aber in denen scheint er ganz ordentliche Sachen zu veranstalten, zumindest trifft er Dreier (über 40%) und scheint dem Team defensiv wenig zu schaden. Rose ist da ein marginales Upgrade für teures Geld (verdient doppelt so viel wie Cook). Dass man Kuzma aufgegeben hat, verstehe ich, ich bin aber (noch) nicht bereit dazu.