28 Februar 2020

28. Feb, 2020


Eineinhalb Monate vor Ende der Regular Season kämpft wie immer die Mehrheit der NBA-Teams um die Playoffs und um Positionierungen. Die auf der Stecke Gebliebenen hingegen haben längst den 19. Mai rot im Kalender markiert – denn dann findet die Draft Lottery statt. Bevor sich diese Teams in den frühen Sommerurlaub verabschieden, analysiert die #NBACHEF-Redaktion die Situation der diversen Tiefflieger. Wer hat enttäuscht, für wen sieht es richtig düster aus und für wen gibt es 2021 Hoffnung?

von NBACHEFSQUAD  | 28. Feb, 2020


Die Enttäuschung 2020

Anno Haak @kemperboyd: Da ich mit den Sommer-„Geheimfavoriten“ auf den achten Platz wie Bulls, Kings oder Washington (!?) wenig anfangen konnte, eigentlich niemand. Die Warriors und die Pelicans (die ja auch noch nicht gänzlich raus sind) lasse ich wegen des absurden Verletzungspechs außen vor. Am ehesten unterwältigen mich die Blazers, aber die hatten auch Pech beim Fitbleiben, im Sommer ungeschickt getradet und im letzten Jahr klar überperformt.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Da ich recht zuversichtlich bin, dass es die Portland Trail Blazers noch in die Playoffs schaffen werden, entscheide ich mich hier für die Detroit Pistons. Motown war schon letztes Jahr nur ein halbes Playoff-Team und hat sich im Sommer abgesehen von Derrick Rose nicht verstärkt. Trotzdem ist es nicht nur mit Verletzungen zu erklären, dass die Pistons hinter vermeintlich schwächeren Teams wie den Wizards und Hornets stehen.






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Stefan Dupick @hoopsgamede: Die Warriors, das hängt zwar ganz eindeutig mit der Verletzungsmisere zusammen, dennoch habe ich nicht erwartet, dass die Dubs zum schlechteste Team der Liga mutieren.

Marc Lange @godzfave44: Keine Frage: Der Westen ist auch diese Saison wieder unglaublich kompetetiv. Trotzdem sind die Sacramento Kings für mich vielleicht die größte Enttäuschung der laufenden Saison. Letztes Jahr spielte das junge Team um De'Aaron Fox und Marvin Bagley erfrischenden Basketball. Die Trendkurve zeigte in Sacramento seit gefühlten Ewigkeiten mal wieder nach oben. Eine Playoff-Teilnahme im nächsten Jahr war das klare Ziel. Verletzungen machten den Kings jedoch einen Strich durch die Rechnung. Bagley kam diese Saison erst auf 13 Spiele. Fox verpasste bereits 18 Partien. Das Team steht bei 24-33 und die Playoffs sind so gut wie abgehakt. Schade.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Auch wenn die Conference Finals 2019 fool's gold waren, von der eigenen Erwartungshaltung sicherlich die Blazers. Eine späte Rettungsmission in Richtung Playoffs liegt zumindest noch im Bereich des Möglichen. Der chancenlose First Round Exit steht dann aber schon in Stein gemeißelt, als Quittung der fehlerdurchtränkten Offseason. Davon ab hatte ich mir von den Hawks (29 Siege letzte Saison) und Pistons (41) deutlich mehr versprochen.


Tief in der Tinte

Haak: Die Sacramento Kings. Der vermeintlich Postseasonhoffnung versprühende Kern funktioniert nicht, die laufende Saison ist der Beleg. Sie sind 12., ZWÖLFTER (!) im Westen. Obwohl die Blazers, Warriors und Spurs ungewöhnlich abstinken und die Suns und Wolves unnötig wieder ein Jahr verschenken. Wenn es 2020 nicht reicht, reicht es nie mehr. Hoffnungslosigkeit, Deine Farbe sei purpur.

Lagenstein: Die Cleveland Cavaliers sind ohne LeBron James seit 1998 nicht mehr in die Playoffs gekommen. Diese Serie wird so schnell nicht enden. Wenn Drummond in seinem Vertrag bleibt, müssen die Cavs ihm und Kevin Love im kommenden Jahr über die Hälfte ihres Salary Caps bezahlen. Der sportliche Wert dafür ist überschaubar. Selbst wenn Geld da wäre. Wer will schon nach Cleveland? Bleibt noch der Draft und da müssen die Cavs hoffen, unter den ersten zehn zu ziehen. Sonst wandert der Pick nach Atlanta.

Dupick: Die Pistons haben in den letzten Jahren nicht viel richtig gemacht! Blake ist für teures Geld noch lange gebunden und zuletzt wurde der Franchise Player zum Discount Preis zu den Cavs verschifft. Es ist kein Fundament vorhanden, Wood oder Doumbouya haben Talent, aber um die beiden lässt sich kein Team aufbauen.

Lange: Mit Sexton und Garland haben die Cleveland Cavaliers zwar zwei vielversprechende Talente in den eigenen Reihen. Allerdings zeigt das Team für die nächsten Jahre trotzdem wenig Upside. Die Cavs haben historisch Probleme damit, attraktive Free Agents an Land zu ziehen, solange der König nicht in der Stadt ist. Somit ist die Organisation von sehr geschickt eingefädelten Trades abhängig, um in den nächsten Jahren überhaupt vielleicht mal wieder um den achten Platz im Osten mitzuspielen. Und das ist bereits ein großes Vielleicht.

Schlechtriem: Die üblichen Verdächtigen. Niemals werden sich die Knicks aus dem Sumpf ziehen, solange der inkompetente wie unberechenbare James Dolan regiert. Die Cavs werden nur mit dem bislang immer treuen Glück in der Lottery zu retten sein. Collin Sexton und Darius Garland als Franchise Player ist eine Sackgasse. Und – machen wir uns nichts vor – die Kings sind und bleiben die Kings. Einen Schritt nach vorne (2018/19), zwei zurück (2019/20). Alle drei Klubs stehen auf absehbare Zeit weit oben in den Reverse Standings.



Totes Geld

Haak: Diese Saison? Die Detroit Pistons zahlen formal Josh Smith (die Älteren werden sich erinnern) und Joe Johnson 5,5 Mio. $, dazu hat man Jackson nach ca. 50 Spielen abgefunden, rechnet auch mit 17 Mio. $ gegen den Cap. Zusammengerechnet: 130 Mio., also hauchzart an der Luxussteuer vorbei, für 19 Siege. Das gilt es zu schlagen. „Hold my beer“, schallt es perspektivisch aus der Hauptstadt, aber D.C. ist zumindest am hinteren Ende des Playoffrennens beteiligt und hat in Beal und (theoretisch) Wall zwei überdurchschnittliche Spieler, was zwei mehr sind als Detroit. Die Pistons haben dafür mit rund 50 Mios. garantierten Dollars nächstes Jahr halb so viel festgelegt wie die Zauberer. Enges Rennen, ich nehme die Pistons.

Lagenstein: Sieben Teams haben im Sommer über 300 Millionen Dollar in neue Spieler investiert. Vier davon stehen auf einem Playoffplatz. Die Warriors müssen auf die Splash Brothers verzichten. Portland könnte es noch schaffen. Sacramento hat keine Ausrede. Hier hieß es nur mal wieder: viel Geld für Mittelklasse. Aber das ist bei den Kings ja nichts neues.

Dupick: Die Cavs treffen fragwürdige Entscheidungen. Love ist auf der falschen Seite der Dreißig, zu teuer und zu lange gebunden. Der Trade für Drummond war zwar nicht teuer, könnte dies aber im Sommer werden. Zudem wurden die letzten beiden Lottery Picks in Spieler investiert (Sexton und Garland), die beide den Ball brauchen und sich gegenseitig im Weg stehen. Und dann waren da noch die überbezahlten Nance, Exum und Thompson, letzterer wird immerhin im Sommer Free Agent.

Lange: Nikola Vučević, Aaron Gordon, Terrence Ross und Evan Fournier kosten die Orlando Magic nächste Saison knapp 78 Mio. $. Auch die Saison darauf sind zumindest Vooch, Gordon und Ross immer noch mit üppigen Verträgen ausgestattet. Auch wenn die genannten Spieler jeweils keinen absolut katastrophalen Kontrakt bzgl. der eigenen Leistung besitzt, haben die letzten Jahre bewiesen, dass sich die Magic mit diesem Kern seit einigen Jahren (und auch noch in naher Zukunft) im Fegefeuer der Mittelmäßigkeit einzementiert haben.


Schlechtriem: Wieder Portland. Die Blazers zahlen dieses Jahr 137 Mio. $ Salär dafür, dass ein mühevoll erkämpfter achter Platz inzwischen das Best-Case-Szenario ist. Bei dieser Payroll sollte zumindest eine halbwegs vernünftigte Bank rausspringen, stattdessen lassen sie sich von den jungen Grizzlies den Schneid abkaufen. Eine Rückkehr in die Conference Finals war nie realistisch, die Playoffs zu verpassen – wonach es immer mehr aussieht – wäre angesichts der drohenden Luxury Tax für Neil Olshey und Terry Stotts nur schwer zu erklären.


Nächstes Jahr Playoffs!

Haak: Die Atlanta Hawks. Der Wunsch ist hier der Vater des Gedanken, aber sie haben jede Menge Talent, in Young als eines der wenigen Non-Playoffteams einen transformativen Spieler, Cap Space und (wahrscheinlich) einen weiteren Top-5-Pick. Der eine oder andere defensiv nicht völlig minderbegabte Flügel würde noch helfen, aber dafür sind ca. 40 Mio. $ da.

Lagenstein: Die Warriors wären die Captain Obvious Antwort. Mit meiner Wahl, den New Orleans Pelicans, gehe ich zwar nicht viel mehr Risiko ein. Aber was soll’s. Nola hat eine ausgeglichene Bilanz, wenn Zion mitspielt. Hätten sie die dieses Jahr, wären sie voll im Postseason-Rennen und der Nummer eins Pick wird noch besser werden. Fragt sich nur, ob er auch gesund bleibt.

Dupick: Das Grundgerüst der Hawks gefällt mir nach wie vor ganz gut. In Atlanta wird so bald kein Contender entstehen, aber Young, Huerter, Hunter, Collins und Capela sollten im kommenden Jahr um die Playoffs mitspielen können.


Lange: Der Hype um Zion war gerechtfertigt! Eine volle Saison mit dem Krafpaket wird dem jungen Pelicans Teams 2021 die erste Playoff-Teilnahme seit 2018 bescheren. Alle Daumen sind gedrückt, dass Williamsons Gelenke sein Gewicht auch auf NBA-Niveau für 82 Spiele tragen können.

Schlechtriem: Das Trio Steph, Klay und Draymond sollte auch Unterdurchschnittsmitspieler in die Playoffs hieven, allerdings glaube ich nicht, dass vor allem Curry noch mal annähernd 80 Spiele im Tank hat. Golden States Rückkehr an die Spitze wird also vor allem von Thompson und – ich wage es kaum auszudrücken – Andrew Wiggins abhängen. Ebenso mitmischen wird New Orleans, sofern im Sommer endlich der überfällige Trainerwechsel vollzogen wird. Ihr Kern um Holiday, Ingram (wird verlängern) und Williamson hat zumindest gute Karten, im Rennen um die Postseason 2021 ein gewichtiges (pun intended) Wort mitzureden.


With the 1st Pick...

Haak: Teil 1: die Warriors. Ich glaube immer noch nicht, dass Curry und/oder Thompson dieses Jahr nochmal spielen und selbst wenn... Teil 2: den Warriors noch mehr Glück zu wünschen, bringe ich nicht übers Herz. Wünschen ist aber generell schwer. Suns? Nein, weil Ayton. Wolves? Nein, weil die können damit nichts anfangen (schlag nach unter: Wiggins, Andrew). Cavs? Nein, weil hatten 3 in 4. Spurs? Nein, weil Duncan-Tanking. Bulls und Knicks? Sicher nicht, weil isso. Die Hornets, weil sie sich den Allerwertesten abgezockt haben dieses Jahr und die Hawks, weil sind meine.







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Lagenstein: Statistisch gesehen hat kein Team in der Lottery mehr Glück als die Cleveland Cavaliers. In Ohio will ich den Pick deshalb genauso wenig sehen wie bei den Warriors. Bleibt noch das aktuell drittschlechteste Team: die Hawks. Mit dem ersten Nummer eins Pick seit 1975 könnte Atlanta endlich auf dem Weg raus aus dem Tabellenkeller des Ostens sein.

Dupick: Die Warriors werden hier ganz vorne (oder hinten) landen. Ich gehe davon aus, dass die Dubs zudem in der Offseason sehr aktiv sein werden und versuchen, den eigenen Pick (und den der Wolves) zu traden, um in der kommenden Saison direkt wieder den Titel anzugreifen.

Lange: Waren die Verletzungen von Steph Curry und Klay Thompson am Ende vielleicht das Beste, was den Warriors passieren konnte? Mit etwas Lotterieglück können sich die Dubs in diesem Draft Top-Center James Wiseman schnappen, der durch sein nicht zu unterschätzendes, weiches Handgelenk wie die Faust aufs Auge nach Oakland passt. Curry, Thompson, Wiggins, Green & Wiseman? Sheesh. Die Warriors spielen nächstes Jahr wieder ganz oben mit.

Schlechtriem: In Zion Williamson und Ja Morant sind letztes Jahr zwei zukünftige All-Stars im Westen gelandet, deshalb hoffe ich im Sinne der Balance of Power darauf, dass dieses Mal der Osten von Fortuna begünstigt wird. Nicht die Knicks, Cavs oder Bulls, versteht sich – ein Team mit wenigstens solidem Fundament und Management wie die 2020 Wizards. Oder die Pistons, weil sie endlich konsequent sind.