05 Februar 2020

5. Feb, 2020


Die Trade Deadline rückt mit großen Schritten näher und folglich steigt die Temperatur in der Gerüchteküche. Noch bis zum 6. Februar dürfen die 30 General Manager der Association nach Lust und Laune schachern und feilschen. Auf dem Weg dorthin kredenzt die NBACHEF-Redaktion wie jedes Jahr die wichtigsten Trade Chips der Jagdsaison. Heute: Kyle Kuzma.

von YANNICK ZINSSER @yannickznr | 5. Feb, 2020


Der (gefühlt) ewige Trade-Kandidat Kyle Kuzma ist abermals ein Hauptbestandteil der Gerüchteküche zur Deadline. Aber wieso wird der von vielen als Steal bezeichnete 27. Pick des Drafts 2017 immer wieder mit einem Trade in Verbindung gebracht?

Nachdem sich die Lakers im Deal um Anthony Davis für Kuzma und beispielsweise gegen Brandon Ingram und Lonzo Ball entschieden hatten, machte es den Anschein, dass die Lakers noch viel vorhaben mit dem 2,07 Meter großen Forward aus Michigan. Nicht zuletzt, weil Kuzma in seinem vergangen Sophomore Year starke 18,7 Punkte pro Spiel bei einer ordentlichen Quote von 45% aus dem Feld auflegte.

Es schien sicher, dass Kuzma hinter Davis und LeBron James als klare dritte Option in die Saison geht und ein wichtiger Teil bei der Mission Championship 2020 der Lakers wird. Die Realität sieht jedoch anders aus: Immer wieder geplagt von kleineren Verletzungen kam Kuzma noch nicht wirklich richtig in Fahrt. Auf seiner Habenseite stehen „nur“ 13 Punkte pro Spiel bei 43% aus dem Feld. Lediglich seinen Dreier trifft er besser im Vergleich zur Vorsaison.

Kuzmas großes Problem in dieser Saison ist die Konstanz. Sinnbildlich hierfür eine Vier-Spiele-Serie im Januar, in der er folgende Punkte auf Scoreboard brachte: 36–11–4–23. Auch deswegen scheint die Zukunft bei den Lakers nicht sicher. Gerade bei einem Team mit hohen Ambitionen muss selbst ein junger Spieler wie der 24-Jährige eine Konstante auf dem Court sein. Dass Anthony Davis auf einem echten Center neben sich besteht und somit sein Spiel zunehmend dem Kuzmas ähnelt, erschwert die Situation für das Eigengewächs der Lakers.







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Auch deshalb berichteten mehrere Journalisten (u. a. Sam Amick) zuletzt, dass Los Angeles in der Personalie Kyle Kuzma gesprächsbereit bezüglich eines möglichen Trades sind. Der Marktwert des talentierten Forwards lässt sich nur schwer einschätzen, was einen Deal mitten in der Saison erschwert. Trotzdem sind meiner Meinung nach folgende Trade-Szenarien möglich:

Sacramento Kings

Es ist kein Geheimnis, dass die Lakers großes Interesse an Bogdan Bogdanović haben und bereit wären, hierfür Kuzma abzugeben. Die Kings boten angeblich zunächst Nemanja Bjelica im Austausch, die Lakers beharren hingegen auf Bogdanović. Denn der 27 Jahre alte Scharfschütze würde mit seinem starken Wurf perfekt in das Konstrukt der Lakers passen.

Die Frage, die sich hierbei jedoch stellt: Was würde der Trade für die Kings mit sich bringen? Kuzma ist drei Jahre jünger als Bogdanović und würde somit perfekt zur jungen Garde bestehend aus De'Aaron Fox, Marvin Bagely III und Buddy Hield passen. Außerdem hätte er bei den Kings deutlich mehr Zeit, sich weiter zu entwickeln, da die Ansprüche der Kings vorerst bedeutsam geringer als die der Lakers sind.


Ein starker Scorer, der auch mal selbst kreieren kann, würde den auf Platz 21 im Offensiv-Rating stehenden Kings sicher auch nicht schaden. Dennoch wäre ein Trade für die Kings mit viel Risiko verbunden, noch mehr aber für die Lakers, denn Bogdanović wird im Sommer Restricted Free Agent und darf einige hochdotierte Angebote erwarten, die Lila-Gold so unter Umständen nicht mitgehen kann. Daher ist ein Tausch zwischen Kuzma und Bogdanović unwahrscheinlich.

Detroit Pistons

Gerüchte zufolge sollen auch die Pistons ein möglicher Abnehmer der Personalie Kuzma sein. Für Detroit könnte die Saison nicht schlechter laufen. Geplagt von Verletzungen sind sie bis heute nicht in der Spielzeit angekommen und können sie jetzt schon nahezu abhaken. Daher würde es sich natürlich anbieten, sofort in die Zukunft zu investieren und ältere Leistungsträger abzugeben.

Ältere Leistungsträger wie den MVP von 2011, Derrick Rose. Einem Kuzma-Rose-Trade stimmen die Pistons wohl sofort zu, sie hätten einen vielversprechenden jungen Spieler für die Zukunft in ihren Reihen und könnten ihn eineinhalb Jahre zu günstigen Konditionen auf die Eignung höherer Aufgaben testen.

Die Lakers werden der Idee wohl etwas kritischer gegenüberstehen. Die Addtion Roses wäre es ein absoluter Win-Now Move, der angesichts seiner Krankenakte sowie der immer wieder auftretenden Störgeräusche im näheren Umfeld des ersten Picks 2008 mit viel Risiko verbunden ist. Dieses Risiko wird den Lakers in diesem Falle wohl zu groß sein. Deshalb ist auch hier ein Trade eher unwahrscheinlich.


New York Knicks

Lange galten die Minnesota Timberwolves als möglicher Handelspartner, den nun zu den Houston Rockets wechselnde Robert Covington hätten die Lakers im Hinblick auf ein mögliches Matchup mit dem Stadtrivalen in den Playoffs auch gerne gehabt, denn die Clippers sind bekanntlich auf dem Flügel mit Kawhi Leonard und Paul George nicht so extrem schlecht besetzt.

Diese Tür ist nun geschlossen, doch eine andere öffnet sich: Die New York Knicks haben sich informell nach Kuzma erkundigt, dort wäre Kuzma Teil des x-ten Rebuilds, könnte sogar als Anführer voran gehen. Im Austausch haben die Knicks jede Menge Optionen im Angebot.


Für den ligaweit gefragten Marcus Morris müssten die Lakers zwecks Gehälterausgleich – Morris steht mit 15,0 Mio. $ in den Büchern, Kuzma nur bei 1,9 Mio. $ – mehr in die Waagschale werfen, beispielsweise Flügelspieler Kentavious Caldwell-Pope. Je nach Bedarf kann New York aber auch einen der jungen Spielmacher Dennis Smith Jr. und Frank Ntilikina anbieten, Youngster wie Kevin Knox oder gestandene Veteranen wie Wayne Ellington, Taj Gibson und Reggie Bullock, den die Lakers erst letztes Jahr zur Deadline holten.

Doch auch hier liegen Steine im Weg: Die Knicks haben zwei Tage vor der Deadline ihren Teampräsidenten Steve Mills entlassen, der am Montag noch Trade-Gespräche führte. Wie verlässlich sind Verhandlungen mit den Knicks nun, angesichts der näher kommenden Deadline? Wie sicher können die Lakers sein, dass der impulsive Teambesitzer James Dolan einen fertigen Trade nicht in letzter Minute absagt? Diese Ungewissheit gestaltet auch einen Deal mit dem New Yorkern schwierig.

Fazit

Die Lakers stehen überlegen auf Platz eins der Western Conference. Warum also etwas ändern und Unruhe reinbringen? Vergangenes Jahr um diese Zeit taten sie sich mit dem öffentlich gewordenen Angebot für Anthony Davis keinen Gefallen, deshalb wird GM Rob Pelinka dieses Mal Vorsicht walten lassen. Der eigentliche Entscheider, LeBron James, gab schon zu Protokoll, dass die Lakers bereits bestens ausgestattet seien und folglich kein Trade nötig.


Die Gerüchte um Kuzma sind allerdings ein Indiz darauf, dass der blondierte Forward nicht unbedingt Gegenstand der Langzeitpläne der Lakers ist. Entgegen LeBrons Statement wird die sportliche Führung bis zur Deadline die Ohren nach einem kurzfristigen Deal gespitzt halten, der die Chancen auf den lila-goldenen Championship-Run erhöht.