06 Februar 2020

6. Feb, 2020


Die Trade Deadline rückt mit großen Schritten näher und folglich steigt die Temperatur in der Gerüchteküche. Noch bis zum 6. Februar dürfen die 30 General Manager der Association nach Lust und Laune schachern und feilschen. Auf dem Weg dorthin kredenzt die NBACHEF-Redaktion wie jedes Jahr die wichtigsten Trade Chips der Jagdsaison. Heute: Marcus Morris.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 6. Feb, 2020


Die Stadt, die niemals schläft – im positiven Sinne – ist eigentlich Las Vegas, in der NBA im negativen Sinne New York und die Knicks, bei denen einfach keine Ruhe einkehrt. Die erfolgloseste Mannschaft des noch jungen Millenniums machte diese Woche dem Ruf als Chaos-Franchise wieder einmal alle Ehre, als sie den sportlichen Leiter Steve Mills nur zwei Tage vor der Trade Deadline von seinen Pflichten entband. Noch am Montag war Mills am Telefon, um mögliche Deals zu diskutieren.

Als möglichen Grund für die Demission Mills' gelten entgegengesetzte Vorstellungen in der Personalie Marcus Morris. Mills selbst wollte den erst im Sommer verpflichteten 30-Jährigen mit einem Langzeitvertrag ausstatten, GM Scott Perry und offensichtlich auch der Schöpfer des Chaos, Teambesitzer James Dolan, waren anderer Meinung.


Infolge dieses Manövers steht der 14. Pick des 2011 Drafts plötzlich wieder auf dem Marktplatz, die Frage stellt sich nicht mehr, ob er zur Deadline getradet wird – sondern wohin. Auf erhöhte Nachfrage können sich die Kniehosenträger verlassen, Morris spielt offensiv eine starke Saison (19,6 Punkte pro Spiel bei knapp 44% von der Dreierlinie – beides Career Highs) und kann mehrere Positionen verteidigen, auf dem Flügel und unterm Korb.

In Robert Covington und Andre Iguodala sind ähnliche Spielertypen bereits vom Markt, das stärkt die Verhandlungsposition der Knicks. Morris' auslaufender 15 Mio. $ schwerer Vertrag reizt vor allem Contender.

Battle of L.A.

Denn es scheint sich ein Wettbieten beider Teams aus Los Angeles anzubahnen. Die Clippers brauchen dringend einen weiteren Big, als wurfstarker aber auch bulliger Forward erfüllt Morris das Profil, um auch neben Kawhi Leonard und Paul George zu funktionieren. Die Lakers wiederum bräuchten Morris eher auf dem Flügel, nicht zuletzt um in einer potentiellen Playoff-Serie gegen besagtes Duo des Stadtrivalen eine athletische Antwort im Kader aufzuweisen.

New York wird mindestens einen Erstrunden-Pick für Morris fordern, den können nur die Clippers anbieten, zum Beispiel im Kombination mit den ebenfalls auslaufenden Verträgen von Maurice Harkless und Patrick Patterson.


Die Lakers, deren Pick wegen der Stepien-Rule kein Gegenstand eines Trades sein darf, müssen kreativer sein und stattdessen einen verheißungsvollen jungen Spieler offerieren. Kyle Kuzma gilt im Gegensatz zu letztem Sommer nicht mehr als unantastbar und die Knicks haben bereits Interesse am 24-Jährigen signalisiert, zusammen mit Kentavious Caldwell-Pope (der allerdings eine No-Trade Klausel innehält) oder Danny Green würde ein Trade funktionieren. Dass sich die Lakers von Green trennen oder die Knicks Interesse an KCP mitbringen respektive dieser sein Veto fallen lässt erscheint kaum möglich, für einen Wechsel zu Lila-Gold ist ein drittes Team erforderlich.

Zudem sind die Lakers neben einem Flügel händeringend auf der Suche nach einem explosiven Guard (Derrick Rose?), für dessen Addition wohl Kuzma in den Topf geworfen werden muss, sodass sie sich bei entsprechender Priorisierung im Bieterkrieg um Morris womöglich entwaffnen.

Übrigens steht auch Morris' Zwilling Markieff Morris von den Detroit Pistons auf dem Trade Block, weswegen das L.A.-Team, welches bei Marcus leer ausgeht, die Bemühungen um Markieff intensivieren könnte. Vielleicht landen die Brüder gar bei derselben Mannschaft – oder in derselben Stadt bei unterschiedlichen Mannschaften.


Weitere Optionen im Westen

Die Lakers und Clippers sind bislang als wahrscheinlichste Destination für Marcus Morris bekannt, wegen New Yorks und Morris' Flexibilität werden jedoch auch Dark Horses um die Dienste des jüngeren Zwillings mitbieten. Denkbar ist Interesse der Dallas Mavericks, die im Rennen um Covington und Iguodala ebenfalls leer ausgingen und für Morris zwar keinen Erstrunden-Pick, dafür aber den Second Rounder der Golden State Warriors anbieten können, der so früh in der zweiten Runde zum Einsatz kommen wird, dass er fast als Erstrunden-Pick gelten darf.

Zusammen im Paket mit dem entbehrlichen Courtney Lee würde dieser Trade funktionieren – allerdings müsste Dallas in diesem Szenario noch mehr drauflegen, um die Clippers zu überbieten, die ziemlich sicher ihren Erstrunden-Pick (wahrscheinlich irgendwo zwischen #25 und #28) verfügbar machen werden.

Ein weiterer denkbarer Interessent sind die Portland Trail Blazers. Diese haben sich in Carmelo Anthony und Trevor Ariza zwar schon namhaft auf Morris' Position verstärkt, leiden jedoch immer noch unter einer überschaubaren Bank sowie defensiven Lücken. Morris' Flexibilität würde beide Problemstellen in Angriff nehmen, allerdings erschwert die ohnehin schon überzogene Payroll der Blazers sowie die Vorschriften des Gehälterausgleichs einen Trade nach Portland.

GM Neil Olshey müsste den Knicks oder einem dritten Team den exzentrischen Center Hassan Whiteside (dessen Vertrag ausläuft, sonst wäre er nicht vermittelbar) schmackhaft machen und dazu selbstverständlich den eigenen Erstrunden-Pick opfern, der momentan allerdings in der Lottery läge und definitiv in den Top-20 landen wird.


Die Knicks haben ihrerseits eine Menge Optionen, um einen Trade passend zu machen. Die Verträge der Veteranen Bobby Portis (Team Option für 2020/21), Taj Gibson, Wayne Ellington, Elfrid Payton und Reggie Bullock sind ungarantiert oder nur teilweise garantiert fürs nächste Jahr, das junge Guard-Duo Dennis Smith Jr. und Frank Ntilikina will dringend weg und spielt noch im günstigen Rookie-Deal und selbst der im Sommer mit einem teuren Dreijahresvertrag ausgestattete Julius Randle wird für keinen allzu hohen Preis zu haben sein. Ein größeres Trade-Paket um Morris lässt sich also ohne weiteres schnüren.