04 Februar 2020

4. Feb, 2020


Trade Deadline Woche. Die Gerüchteküche rumort – Vorschläge, Ideen, Konzepte aus allen Ecken, bis das Gefeilsche am 6. Februar seinen Klimax erreicht. Damit in all dem Durcheinander der Überblick nicht verloren geht, liefert die #NBACHEF-Küche eine kompakte Übersicht. 30 Teams, ihre wichtigsten Verhandlungsgüter und die jeweilige Wahrscheinlichkeit auf einen Trade.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 4. Feb, 2020





Atlanta Hawks

Ammos: Chandler Parsons, Evan Turner, Alex Len
Need: Center, Tiefe, Geduld

Die Hawks stehen in der Tabelle auf einem Level mit dem Knicks und Cavaliers, das macht sie zu einer der großen Enttäuschungen der Saison. Die Playoffs sind längst abgehakt, in der laufenden Spielzeit geht es nur noch darum, sich für die Draft Lottery in Position zu bringen sowie in die Zukunft zu investieren und/oder den vorhandenen Cap Space sinnvoll einzusetzen. Atlanta ist das einzige Team unterhalb der Grenze (ca. 2,6 Mio. $), allein deswegen werden die Telefone zur Deadline nicht still stehen. GM Travis Schlenks sollte nichts unversucht lassen, nach Allen Crabbe auch die auslaufenden Verträge von Chandler Parsons und Evan Turner loszuwerden. Im eigenen Kader brauchen die jungen Hawks vorrangig einen echten Center: Houstons Clint Capela, Detroits Andre Drummond und Oklahoma Citys Steven Adams werden gehandelt. Ein Trade ist wahrscheinlich.



Boston Celtics

Ammos: Picks, Picks, Picks...
Need: Rim Protection, Rebounding, Tiefe

Seit einer gefühlten Ewigkeit mangelt es den Celtics an Zonenpräsenz. Mit Daniel Theis und Enes Kanter als Center-Rotation in die Playoffs zu gehen käme insbesondere gegen die 76ers oder Bucks einer Kapitulation gleich, daher ist „Trader Danny“ Ainge eigentlich zum Handeln gezwungen. In der Schatzkiste hat er auch dieses Jahr mehrere Erstrunden-Picks (Memphis, Milwaukee, den eigenen), jene öffnet Ainge aber bekanntlich äußert ungern. Vor allem da die verfügbaren Optionen wie Dewayne Dedmon (qualitative Lücken), Steven Adams (teuer) oder Andre Drummond (beides) überschaubar bleiben. Ohnehin werden die für einen Deal größeren Formats notwendigen Leistungsträger unantastbar bleiben, eher opfert Boston einen der Youngster wie Romeo Langford oder Grant Williams. Ein Trade ist erwünscht, aber schwierig.



Brooklyn Nets

Ammos: Spencer Dinwiddie, Garrett Temple
Need: Offensive, Power Forward, Small Forward

Kyrie Irving forderte erst kürzlich nonchalant Verstärkungen und nannte dabei einen Kern um sich selbst, den verletzten Kevin Durant, DeAndre Jordan, Garrett Temple, Spencer Dinwiddie sowie Caris LeVert – der noch erweitert werden müsse. Leistungsträger wie Jarrett Allen, Taurean Prince und Joe Harris ließ er außen vor. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass dieses Trio im Schaufenster steht, erhöht jedoch die Temperatur in der Gerüchteküche. Angesichts der Tiefe auf den Guard-Positionen würde wenn überhaupt eher ein Trade Dinwiddies oder Temples Sinn ergeben, ein qualitatives Upgrade auf den Forward-Positionen Brooklyn gut stehen – doch sind sie bereit, dafür in die Tasche zu greifen? Die durchwachsene Zwischenbilanz sowie die offensichtlichen internen Zerwürfnisse sprechen dafür, dass ein Trade wahrscheinlich ist.



Charlotte Hornets

Ammos: Malik Monk, Cody Zeller, Bismack Biyombo, Marvin Williams, Michael Kidd-Gilchrist
Need: Rebuild des Rebuilds des Rebuilds

Der 1. Juli 2020 rückt näher – dann haben die Hornissen endlich den debakulösen Sommer 2016 weitgehend überwunden und nach aktuellem Stand nur etwas über 76 Mio. $ (inklusive des offensichtlichen Opt-Ins Nicolas Batums) in den Büchern. Weil Charlotte sportlich mal wieder keine Rolle spielt und sich dies auf absehbare Zeit nicht ändert, stehen vor allem die auslaufenden Verträge von Biyombo (17,0 Mio. $), Williams (15,0 Mio. $) und Kidd-Gilchrist (13,0 Mio. $) im Sonderangebot, ebenso wie Malik Monk, der auch in seinem dritten NBA-Jahr nicht voran kommt und hinter Devonte' Graham sowie Neuzugang Terry Rozier kein Land sieht. Batums Vertrag bleibt derweil nicht vermittelbar. Ein Trade ist gut möglich.



Chicago Bulls

Ammos: Thaddeus Young, Kris Dunn, Denzel Valentine
Need: Geduld, Tiefe

Der Rebuild der Bulls geht weiter schleppend voran, obwohl Talent en masse vorhanden ist. Außerhalb Chicagos fragt sich die Basketballwelt weiter, warum Jim Boylen eine dauerhafte Stelle als Cheftrainer innehat oder was „GarPax“ eigentlich noch in den Sand setzen müssten, um für die andauernde Misere zur Verantwortung gezogen zu werden. Neueste Errungenschaft: Der erst im Sommer verpflichtete Thad Young steht auf dem Trade Block, wird vor allem mit den Clippers in Verbindung gebracht, die allerdings nicht viel an Gegenwert auf den Tisch legen können/werden. Der kommende Restricted Free Agent Kris Dunn sollte ebenfalls Verhandlungsgegenstand werden. Weil die Bulls chronisch unruhig sind, aber auch dringend etwas verändern müssen, ist ein Trade wahrscheinlich.



Cleveland Cavaliers

Ammos: Kevin Love, Tristan Thompson, Brandon Knight, John Henson, Matthew Dellavedova… (so ziemlich jeder bis auf Collin Sexton und Darius Garland)
Need: LeBron James

Die Cavs singen immer noch den Post-LeBron-Blues, immerhin hat GM Koby Altman den hinterlassenen Scherbenhaufen bald aufgefegt. Cleveland ist mehrere Jahre davon entfernt, sportlich relevant zu sein – und entsprechend ein umso wichtigerer Faktor zur Deadline. Hauptpreis Kevin Love ist nicht für den gewünschten Erlös vermittelbar, Tristan Thompsons dicker Vertrag läuft aus, das macht ihn halbwegs beweglich. Love und Thompson sind allerdings bei weitem nicht Altmans einzige Optionen: Mit dem Deal Jordan Clarkson gegen Dante Exum wurden die Cavs schon aktiv, ein weiterer Trade ist sehr wahrscheinlich.



Dallas Mavericks

Ammos: Courtney Lee
Need: Wing, Tiefe

Die schwere Verletzung Dwight Powells hat die Dynamik der Mavs von einem vorsichtigen Beobachter hin zum Käufer verändert. Die Addition Willie Cauley-Steins löst das dringende Problem in der Zone, belebt jedoch die durchschnittliche Verteidigung nur leidlich. Um diese zu stabilisieren wird Dallas Interesse an Andre Iguodala von den Grizzlies sowie Robert Covington von den Timberwolves nachgesagt, als Alternativen gelten Rondae Hollis-Jefferson von den Raptors sowie Michael Kidd-Gilchrist von den Hornets. Wirklich viel anzubieten hat die „Bank of Cuban“ allerdings nicht. Der auslaufende Vertrag Courtney Lees alleine genügt nicht, einen Erstrunden-Pick darf Dallas wegen der Stepien-Rule nicht anbieten, denn die Picks 2021 und 2023 sind bereits im Trade um Kristaps Porzingis verpfändet worden. Der ungeschützte 2nd Round Pick der Warriors – mit großer Wahrscheinlichlichkeit irgendwo zwischen #31 und #33 – ist Dallas' letzte Ass im Ärmel. Ein weiterer Trade ist erwünscht, aber schwierig.



Denver Nuggets

Ammos: Malik Beasley, Torrey Craig, Juan Hernangómez
Need: Superstar

Allen Verletzungen zum Trotz ist Denver stabil auf Kurs in Richtung Heimvorteil. Die Probleme der Vorjahre bleiben jedoch ungelöst. Den Nuggets brauchen einen echten Spielmacher – und noch viel mehr ein zweites All-Star Kaliber neben Nikola Jokić. Gegen die Superstar-Duos des Westens fehlt es an Vorstellungskraft, dass für die Mile High City in der Postseason mehr als die erste oder zweite Runde drin ist. Dies allein und die Tiefe des Kaders ist eigentlich ein guter Handlungsgrund, allerdings wird ein echter Gamechanger, der Denver auf ein neues Level hievt, zur Deadline nicht verfügbar sein. Davon ab ist keine Bereitschaft zu erkennen, sich von Leistungsträgern wie Jamal Murray, Gary Harris oder Will Barton zu trennen. Sofern nichts komplett Unvorhersehbares geschieht, werden die Nuggets – wenn überhaupt – den Kader erst in der Offseason auf den Kopf stellen. Zur Deadline ist ein Trade eher unwahrscheinlich und wenn, dann in kleinem Rahmen.



Detroit Pistons

Ammos: Andre Drummond, Derrick Rose, Reggie Jackson, Tony Snell, Luke Kennard, Langston Galloway, Markieff Morris… (der ganze Kader)
Need: Jugend, Draft Picks

Spätestens mit der Knieoperation Blake Griffins ist die Saison der Pistons gelaufen. Detroit hat zwar noch theoretische Chancen, ins Schneckenrennen um die hinteren beiden Playoff-Ränge der Eastern Conference einzugreifen, ohne Griffin bleiben diese Chancen aber in der Tat theoretisch. Das macht die Trade Deadline zur ersten Weichenstellung für die nächste Spielzeit. Andre Drummond wurde verfügbar gemacht, auch die auslaufenden Deals von Reggie Jackson und Langston Galloway sind günstig zu haben, im Austausch für den ehemaligen MVP Derrick Rose oder das Schlachtross Markieff Morris dürfen die Pistons sogar etwas mehr erwarten. Womöglich steht in der Motorstadt der totale Rebuild bevor, daher ist ein Trade sehr wahrscheinlich.



Golden State Warriors

Ammos: D'Angelo Russell, Alec Burks, Glenn Robinson III
Need: Tax Cut, Oktober 2020

Steph Curry und Klay Thompson sollen noch im Laufe der Saison zurückkehren, werden sich aber höchstens für die nächste Spielzeit warm laufen, denn beim fünfmaligen Finalisten liegt der Fokus längst auf dem kommenden Jahr. Nicht nur die Draft Lottery ist interessant – dass D'Angelo Russell bei den Dubs nicht alt werden wird, darf als offenes Geheimnis verstanden werden. Es ist eher eine Frage, wann die Warriors den ehemaligen Net und Laker traden, nicht ob. Die Wolves und neuerdings die Knicks sind stark am All-Star 2019 interessiert. Kurzfristig geht es Golden State primär darum, die eigene Payroll zu drücken, aktuell sind die Champions von 2015, 2017 und 2018 knapp vier Mio. $ über der Luxussteuergrenze. Um das zu ändern liegen die auslaufenden Deals von Alec Burks und Glenn Robinson ebenso auf dem Wühltisch wie der des bereits verscherbelten Willie Cauley-Steins. Für den großen Deal besteht keine Eile, wenigstens ein kleiner Trade ist aber wahrscheinlich.



Houston Rockets

Ammos: Clint Capela, Nenê
Need: Wing, Defense

Wie jedes Jahr gehört Houstons Daryl Morey zu den aktivsten Marktschreiern, um sein Team kurzfristig zu verstärken, dieses Mal vor allem auf dem Flügel: Etwas Defense, etwas Härte – und einen halbwegs zuverlässigen Dreier nicht vergessen. Spieler dieses Profils sind durchaus verfügbar, allerdings nicht zum Schnäppchenpreis. Der neue Fokus auf Small Ball inklusive P.J. Tucker als verkapptem Big schiebt den etatmäßigen Center Capela auf den Trade Block, Houston wird ihn jedoch nur für einen wirklich qualitativen Wing opfern. An weiterem Spielermaterial hat Morey wenig zu bieten, der ungarantierte Deal von Nenê oder die auslaufenden Verträge von Tyson Chandler und Thabo Sefolosha taugen höchstens zum Gehälterausgleich. Immerhin stehen zwei Trade Exceptions in Höhe von etwas über drei Mio. $ zur Verfügung, die am Tag nach der Deadline auslaufen. So ist Moreys bester Trade-Chip neben Capela wieder mal der eigene Erstrunden-Pick, seit 2015 (Sam Dekker) haben die Rockets nicht mehr in der ersten Runde ausgewählt. Die Chancen stehen ordentlich, dass die Serie 2020 Bestand haben wird. Trade sehr wahrscheinlich.



Indiana Pacers

Ammos: T.J. Leaf
Need: Victor Oladipo

Indianas Franchise Player ist zurück und die Pacers damit auf der Landkarte im Rennen um die Eastern Conference. Die Zwischenbilanz mit Ausblick auf die oberen vier Ränge ohne Oladipo ist beeindruckend, daher haben die Pacers wenig Grund zur Veränderung und können getrost die weitere Entwicklung abwarten, ohne einen relevanten Akteur abgeben zu müssen. Höchstens ein kleiner Deal um einen Spieler der hinteren Bank wie T.J. Leaf ist denkbar, der Erstrunden-Pick für den kommenden Draft wurde auch bereits verpfändet. Aus gutem Grund stehen die Pacers weit außerhalb der Gerüchteküche, ein Trade ist unwahrscheinlich.



LA Clippers

Ammos: Moe Harkless, Ivica Zubac, JaMychal Green, Patrick Patterson
Need: Big

Die Clippers brauchen Verstärkung unterm Korb, wollen/können nicht mit Ivica Zubac und Moe Harkless als Starter in den nächsten Akt gehen – so weit, so bekannt. Ein offensiv wie defensiv versatiler Big soll es im Idealfall werden und LA ist bereit, besagten Harkless dafür auf die Waagschale zu werfen, ebenso wie die entbehrlichen Green und Patterson, gegebenenfalls auch die Youngster Jerome Robinson, Mfiondu Kabengele und Terance Mann. Für eine namhafte Addition muss der eigene Erstrunden-Pick wohl ebenfalls geopfert werden. Thaddeus Young von den Bulls gilt als wahrscheinlichste Lösung, Marcus Morris von den Knicks sowie Aron Baynes von den Suns sind ebenfalls im Gespräch. Die Raptors haben es im vergangenen Jahr mit der Addition Marc Gasols vorgemacht, nun sind die Clippers am Zug, ihre Championship-Ambitionen zur Deadline zu untermauern. Ein Trade ist sehr wahrscheinlich.



Los Angeles Lakers

Ammos: Kyle Kuzma, Kentavious Caldwell-Pope, Quinn Cook, Troy Daniels
Need: Guard, Athletik

Die Lakers haben eigentlich nicht viel Grund, etwas zu verändern, das gab auch LeBron James so zu Protokoll. Mit etwas Weitblick wird aber auch er wissen, dass er zu seiner eigenen Entlastung und auch mit Blick auf die Playoffs einen athletischen, explosiven Guard an seiner Seite gebrauchen könnte. Respektive, dass Kyle Kuzma vom reinen Spielertypen her in Los Angeles infolge der Ankunft Anthony Davis' redundant geworden ist. Derrick Rose von den Pistons wird mit Lila-Gold nachdrücklich in Verbindung gebracht, ebenso besteht Interesse an Bogdan Bogdanović von den Kings. Sollte Andre Iguodala wider Erwarten auf dem Buyout-Markt verfügbar werden, sind die Lakers einer der ersten Ansprechpartner. Ein Trade ist gut möglich.



Memphis Grizzlies

Ammos: Andre Iguodala, Jae Crowder, Josh Jackson
Need: Jugend, Draft Picks

Noch vor einigen Wochen waren die Grizzlies ein heißer Kandidat auf mehrere zukunftsorientierte Trades, doch die Siegesserie im Januar hat die jungen Bären unverhofft ins Playoff-Rennen katapultiert, sodass sich das neue Führungsduo Jason Wexler (Präsident) und Zachary Kleiman (GM) ernsthaft einer Richtungsdiskussion unterziehen muss. Vor allem Veteran Jae Crowder (29) und sein auslaufender Vertrag würden Memphis wenigstens einen 2nd Round Pick einbringen, ein Abgang ohne sofortigen Gegenwert jedoch die kurzfristigen Chancen auf die Postseason minimieren. Außerdem steht noch die ungeklärte Frage um den Finals MVP 2015 Andre Iguodala im Raum. An Angeboten für den ehemaligen Warrior mangelt es seit Monaten nicht – doch beharren die Grizzlies auf einem First Round Pick (den sie nicht bekommen werden) als Gegenwert. Unabhängig davon, ob sie von dieser Prämisse abweichen, ist ein Trade gut möglich.



Miami Heat

Ammos: James Johnson, Kelly Olynyk, Dion Waiters
Need: Center, Forward, Tax Cut

Miamis Pate Pat Riley kennt bekanntlich wenig Skrupel, wenn er Chancen sieht, seine Truppe kurzfristig zu verbessern und hat bereits sämtliche sieben Zweitrunden-Picks bis 2026 veräußert, dazu auch noch drei First Rounder. Auf seiner Agenda stehen dieses Jahr allerdings auch einige Altlasten sehr weit oben. Johnson und Olynyk verfügen beide über eine Player Option fürs kommende Jahr, die sportlich nicht zu rechtfertigen sind. Waiters hat überhaupt nur noch bedingt mit Basketball zu tun. Um Platz zu schaffen und gleichzeitig einen dieser Problemfälle von der Gehaltsliste zu bekommen, müssten die Heat drauf zahlen, das ist angesichts der Aussicht auf Homecourt sowie der bestehenden Lücken auf den großen Positionen nur schwierig zu bewerkstelligen. Die Tiefe auf den Guard-Positionen sowie die Vielzahl an jungen, verheißungsvollen Talenten macht die Heat eigentlich handlungsfähig, jene Youngster wird Riley jedoch nicht so schnell abgeben. Ein Trade ist erwünscht, aber schwierig.



Milwaukee Bucks

Ammos: n/a
Need: Playoffs

Die Bucks marschieren wieder als Primus voran, wenn es nach ihnen ginge, könnte die Postseason morgen beginnen. Der Kader schmückt 15 garantierte Verträge, zur Debatte steht höchstens jener des angehenden Restricted Free Agents Sterling Brown, der anderswo vielleicht mehr Minuten versprochen bekommt – und auch mehr grüne Scheine, denn Milwaukees ausgereizter Cap Space kann sich im Sommer keine größeren Sprünge erlauben. Unter Handlungsdruck befinden sich die Hirsche allerdings nicht und wirklich viel von Wert wird ein Deal um Brown auch nicht generieren. Ein Trade ist unwahrscheinlich.



Minnesota Timberwolves

Ammos: Robert Covington, Allen Crabbe, Gorgui Dieng
Need: Point Guard, Jugend, Draft Picks

Mit dem Tausch von Jeff Teague zu Allen Crabbe haben die Wolves ihren ersten Zug bereits getan und damit etwas Cap gespart, außerdem einen Roster Spot geschaffen. Weil die Saison der Wölfe mal wieder ziemlich früh gelaufen ist, steht der Fokus auf dem nächsten Jahr und der gesamte Kader (minus Karl-Anthony Towns) auf dem Prüfstand. Einer der Protagonisten dieser Trade Deadline wird Minnesotas Robert Covington, der spätestens nach der Pleitenserie der Wolves seit Dezember auch verfügbar geworden ist. Teampräsident Gersson Rosas wird mutmaßlich die Interessenten bis kurz vor Ladenschluss gegeneinander ausspielen, gegebenenfalls den Bieterkrieg aber auch in den Sommer verlegen. Oben auf seinem Wunschzettel steht D'Angelo Russell von den Warriors, sollte dieser zur Deadline nicht zu bekommen sein, wird Rosas Covington als wichtigsten Trade-Chip unter Umständen sogar behalten. Davon ab ist der eben erst akquirierte auslaufende Vertrag Crabbes ebenso im Sonderangebot wie der weiterhin überfüllte von Gorgui Dieng. Andrew Wiggins gilt ebenfalls nicht als unantastbar, wird allerdings nicht zu vermitteln sein. Generell gehört Minnesota aber weiter zu den aktivsten Händlern, ein Trade ist wahrscheinlich.



New Orleans Pelicans

Ammos: E'Twaun Moore, Josh Hart
Need: Defense, Tiefe

Noch Mitte Dezember galten die Pelikane infolge von zwölf Niederlagen am Stück als heißer Kandidat für einen Räumungsverkauf. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet, das ersehnte Debüt Zion Williamsons gibt New Orleans Rückenwind und die Playoffs erscheinen plötzlich nicht mehr in unerreichbarer Ferne. Noch immer ist die Offensive nur Durchschnitt und die Defensive ein offenes Scheunentor, das macht die Pels zur Deadline womöglich von Verkäufern zur Käufer. Hierfür müsste der neue starke Mann am „Big Easy“, David Griffin, aber wohl einen der Picks der Lakers aus dem Anthony Davis-Deal oder aber einen seiner namhafteren Spieler wie Lonzo Ball oder J.J. Redick opfern – was eher nicht passieren wird. Jrue Holiday steht trotz aufrechterhaltener Nachfrage nicht zur Verfügung. Ein Trade ist erwünscht, aber schwierig.



New York Knicks

Ammos: Marcus Morris, Julius Randle, Bobby Portis, Taj Gibson, Wayne Ellington, Reggie Bullock, Frank Ntilikina, Dennis Smith Jr., … (der ganze Laden minus R.J. Barrett)
Need: James Dolan geteert und gefedert auf einem Esel aus der Stadt

„Sell the team“ schallt es inzwischen regelmäßig durch den Madison Square Garden und während die Knicks-Fans am liebsten eine ganze Menge auf den Tisch legen würden, um Teambesitzer James Dolan zu verschiffen, nehmen die Sprechchöre zur Deadline eine etwas andere Bedeutung ein. Denn die gesamte New Yorker Mannschaft steht im Schaufenster, einzig Youngster R.J. Barrett ist als Teil der mittelfristigen Zukunft geplant (und den Knicks ist selbst ein Deal ihres No. 3 Picks 2019 zuzutrauen). An Interessenten für die Vielzahl an Veteranen mit arbeitgeberfreundlichen Verträgen wird es nicht mangeln, auch die jungen Guards Ntilikina und Smith brauchen dringend eine Luftveränderung. Ob ein großer Frühjahrsputz die Knicks in irgendeiner Form weiter bringt, darf selbstverständlich bezweifelt werden. Denn es passt ins Bild, dass die Kniehosenträger nachdrücklich am deutschen Nationalspieler Dennis Schröder interessiert sein sollen – anstatt einen echten Rebuild in Angriff zu nehmen. Bei der Lachnummer der Liga ist wieder mal Tag der offenen Türe, mehrere Trades sind sehr wahrscheinlich.



Oklahoma City Thunder

Ammos: Chris Paul, Danilo Gallinari, Steven Adams, Dennis Schröder, Andre Roberson, Terrance Ferguson
Need: Tax Cut, Jugend, Draft Picks

Kurzfristig in die Playoffs oder die langfristigen Chancen verbessern? Diese Frage müssen sich auch die Thunder um den handelsfreudigen GM Sam Presti stellen. Bisher lässt er sich nicht in die Karten schauen, ob OKC den Playoff-Run mitzunehmen gedenkt oder doch das kaufmännische Interesse voranstellt. Als Repeated Taxpayer ist die finanzielle Entlastung für den kleinen Markt im Mittleren Westen nicht zu unterschätzen, darüber hinaus hat die bisher kollektiv starke Saison dem Marktwert der offensichtlichen Kandidaten gut getan. Ein Trade ist daher wahrscheinlich: Dennis Schröder soll von den Knicks umworben sein, Steven Adams schon länger bei den Hawks im Gespräch und vor allem Gallinaris auslaufender Vertrag steht im Schaufenster, denn die finanziell eingeschränkten Thunder werden Schwierigkeiten haben, mit den hochdotierten Angeboten für den Italiener in der kommenden Free Agency mitzuhalten. Ein Mega-Deal um CP3 ist weiter schwer zu realisieren, sollte OKC entscheiden, den Kern dieser Mannschaft beisammen zu halten, bleibt immer noch die Option eines kleineren Dump-Trades, beispielsweise um Terrance Ferguson.



Orlando Magic

Ammos: Aaron Gordon, Evan Fournier, Mo Bamba
Need: Franchise Player

Für die Eastern Conference reicht's, für mehr aber nicht. Weil die direkten Konkurrenten auf die hinteren Playoff-Ränge keine Konstanz aufs Parkett bringen werden die Magic wieder Postseason-Basketball spielen. Wirklich voran kommt Orlando so aber nicht, der Graben zur Elite des Ostens bleibt zu weitläufig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der eigentlich als Franchise Player auserkorene, dieser Rolle aber nicht gewachsene Aaron Gordon nicht mehr als unantastbar gilt – Jonathan Isaac ist auf derselben Position kurzfristig günstiger und langfristig vielversprechender. Weil die Playoff-Teilnahme für den kleinen Markt in Disneyland von erheblicher Bedeutung ist, werden sie Gordon oder den ebenso zu teuren und daher entbehrlichen Fournier nicht komplett für Zukunftsversprechen über Bord werfen. Zumindest sind sie in der Position, den Markt in Ruhe zu sondieren und gegebenenfalls bis zum Sommer zu warten. Ein größerer Trade ist erwünscht, aber schwierig, ein kleinerer, beispielsweise um den stagnierenden Mo Bamba, allemal gut möglich.



Philadelphia 76ers

Ammos: Zhaire Smith
Need: Tiefe

Nur 6. im Osten, auf fremdem Parkett schwächer als manches Lottery-Team... die Saison der Sixers läuft nicht wie gedacht. Dabei haben sie in direkten Kräftemessen mit der Elite der Liga, etwa gegen die Bucks an Weihnachten oder gegen die Lakers Ende Januar gezeigt, dass sie können, wenn sie wollen. Auf dem Papier gehört die erste Fünf weiter zum Besten, was die Liga zu bieten hat, Fragen nach Al Horfords Kompatibilität oder Ben Simmons' Vereinbarkeit mit dem modernen Basketball stehen weiter im Raum. Philadelphia wird weder Horford noch Simmons traden, Veränderung muss dennoch her, weswegen der bislang im Schatten gebliebene Zhaire Smith (16. Pick 2018) die beste Trade-Option für GM Elton Brand darstellt. Immerhin hat er noch eine ganze Reihe 2nd Round Picks in der Schatulle, mit denen sich zumindest kurzfristige Verstärkungen realisieren lassen. Ein Trade ist wahrscheinlich.



Phoenix Suns

Ammos: Dario Šarić, Aron Baynes, Tyler Johnson, Elie Okobo, Jevon Carter
Need: Geduld

Die Suns kommen nicht so recht vom Fleck und können auch für 2020 den Urlaub bereits ab April buchen. Immerhin steht das Gerüst für die kommenden Jahre mit Devin Booker, DeAndre Ayton, Mikal Bridges sowie dem stark verbesserten Kelly Oubre Jr. Der Rest (minus Ricky Rubio, warum auch immer) ist zur Deadline zu haben, wobei vor allem die auslaufende Verträge von Šarić und Baynes einen passablen Gegenwert generieren sollten, sodass ein Trade wahrscheinlich ist. Tyler Johnson steht bei den Sonderangeboten, sein hoher Vertrag in Kombination mit seinem niedrigen Ertrag machen ihn aber eher zu einem Buyout-Kandidaten.



Portland TrailBlazers

Ammos: Hassan Whiteside, Mario Hezonja
Need: Defense, Tiefe, Tax Cut

Mit Carmelo Anthony und Trevor Ariza haben die Blazers bereits namhaft nachgerüstet, um die bislang verkorkste Saison irgendwie noch zu retten. Um auf Rang acht zu klettern brauchen sie Verstärkung im Front Court, die die Löcher in der unterdurchschnittlichen Verteidigung stopft. Die Bank kann auf allen Positionen Upgrades vertragen. Allerdings sind die Möglichkeiten von GM Neil Olshey inzwischen eingegrenzt. Demnächst wird Jusuf Nurkić nach langer Verletzung zurückkehren, das macht den voluminösen Vertrag des umstrittenen Hassan Whitesides entbehrlich – großes Interesse wird dieser jedoch nicht hervorrufen. Sollte keine sportliche Verbesserung möglich sein, wird Olshey zumindest versuchen, die Payroll unter die Luxussteuergrenze zu drücken, dazu muss er noch 6,3 Mio. $ frei machen. Ein weiterer Trade, zumindest ein kleiner, ist wahrscheinlich.



Sacramento Kings

Ammos: Bogdan Bogdanović, Dewayne Dedmon, Harry Giles, Kent Bazemore, Anthony Tolliver
Need: (Das weiß keiner so recht...)

Nichts Neues in Sacramento. Die Kings rennen den Erwartungen hinterher, werden auch dieses Jahr nicht an den Playoffs teilnehmen und hinter den Neuverpflichtungen des Sommers stehen dicke Fragezeichen. Der mit einem saftigen Dreijahresvertrag ausgestattete Dewayne Dedmon forderte öffentlich einen Trade, wegen der teuren Verlängerung Harrison Barnes' steht der Verbleib des eigentlich signifikanteren Bogdan Bogdanović infrage: Der serbische Scharfschütze wird im Sommer Restricted Free Agent und darf sich auf einen großen Zahltag freuen, den der kleine Markt im Norden Kaliforniens so möglicherweise nicht stemmen kann. Wegen der üblichen personellen Fehlgriffe und des Planungschaos sind die Kings wieder mal wahrscheinlicher Kandidat für einen Trade.



San Antonio Spurs

Ammos: DeMar DeRozan, LaMarcus Aldridge
Need: Rebuild

Die Spurs haben die 23. Playoffs in Folge noch nicht aufgegeben, dennoch bleibt die Frage nach der Sinnhaftigkeit der derzeitigen Ausrichtung ungeklärt. DeRozan und Aldridge haben zu wenig Hilfe, weswegen Gerüchte um einen Trade beider nicht abkochen. Hinter dem ehemaligen All-Star Duo fehlt es an Qualität, um im Westen ein nachdrückliches Wort um den umkämpften letzten Playoff-Platz mitzureden, die aufbegehrenden Blazers, Pelicans und Grizzlies sind in einer besseren Verfassung. Doch: Unter Gregg Popovich werden die Spurs nicht tanken, daher ändert sich auch ihre Position zur Deadline nicht. Sofern für DeRozan und/oder Aldridge kein wirklich überwältigendes Angebot eintrifft, bleibt San Antonio auf dem Marktplatz wieder mal nur Beobachter. Trade unwahrscheinlich.



Toronto Raptors

Ammos: Stanley Johnson, Rondae Hollis-Jefferson, Patrick McCaw
Need: Kawhi Leonard

Der Titelverteidiger gehört zu den positiven Überraschungen der Saison, hält derzeit eisern den zweiten Rang im Osten und bringt sich damit zumindest für eine Rückkehr in die Conference Finals in Position. Grund zur Veränderung gibt’s also wenig, für die Raptors wird der Sommer interessanter, wenn die Verträge der Leistungsträger Marc Gasol, Serge Ibaka und Fred VanVleet auslaufen. Allerdings ist Torontos Teampräsident Masai Ujiri nicht für seine Zurückhaltung bekannt, besonders zur Deadline. Das Überangebot auf dem Flügel lädt zumindest zu ein wenig Aktivität ein. Trade gut möglich.



Utah Jazz

Ammos: Ed Davis, Emmanuel Mudiay
Need: Tiefe, Stabilität

Die Jazz haben ihren wichtigen Deal bereits in trockenen Tüchern und mit der Addition von Jordan Clarkson für Dante Exum einen Treffer gelandet. Zwischenzeitlich waren die Mormonen mit 20 Siegen aus 23 Partien voll auf Kurs, die vier Niederlagen in Folge seit Ende Januar bringen das Schiff aber nicht zur Kollision. Utahs zweite Reihe hat auf dem Flügel und den großen Positionen Lücken, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln lassen sich diese aber nicht beheben, zumal der kommende Erstrunden-Pick bereits im Mike Conley-Trade abgegeben wurde. Ein Trade ist erwünscht, aber schwierig.



Washington Wizards

Ammos: Dāvis Bertāns, Ian Mahinmi
Need: 2023 (wenn John Walls Vertrag ausläuft)

Angesichts des Talentlevels und der chaotischen Personalsituation müssten die Wizards eigentlich auf einem der unteren Ränge der Eastern Conference stehen, werden aber gekonnt unterboten. So steckt Washington im Dilemma: Zu gut für einen Top-Pick, für die Playoffs wird’s aber nicht reichen (und angesichts eines drohenden Matchups mit den Bucks ist das auch besser so). Gefragt wird die Durchwahl des neuen GMs Tommy Sheppard zur Deadline dennoch sein, vor allem wegen des stark aufspielenden Dāvis Bertāns. Der Shooting Big mit dem auslaufenden Vertrag hat ligaweit Interesse hervorgerufen, vor allem für Contender stellt der Lette eine kurzfristige, preiswerte Verstärkung dar. Die Wizards werden nicht müde zu betonen, Bertāns in der Hauptstadt halten zu wollen, sollte dieser aber einen Wechselwunsch im Sommer signalisieren, bleibt Sheppard nichts übrig, als bis zur Deadline das beste Angebot abzuwarten. Ein Trade ist gut möglich, allerdings nicht um Franchise Player Bradley Beal: Der bleibt weiterhin unantastbar, während der rekonvaleszente John Wall noch auf Jahre nicht vermittelbar ist.