06 Februar 2020

6. Feb, 2020


Ultimatum, die erste in der 20er Dekade. Zur Trade Deadline wird es in der Dealküche traditionell nochmal weihnachtsbäckereiwarm. Die Chefküche beurteilt wie der Guide Michelin Restaurants, ob die Roster knusprig durchgebacken oder die Zukunftsaussichten unter dem Druck der gnadenlos Richtung 9pm Ostzeit tickenden Uhr latschig gekocht wurden. Heute II: The Land ohne König“ oder „König ohne the Land“.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 6. Feb, 2020

Start

Detroit ist stuck in neutral wie ein Dieselfahrer, der CO2-Ausstoß sparen will (jaja, was für Vergleiche). Detroit ist überteures Mittelmaß in Reinkultur. Blake Griffins Saison ist vorbei. Drummond befüllt zwar den Boxscore, macht die Mannschaft aber nicht besser. Der Rest ist ein Ferrari, wenn es von Ferrari Diesel gäbe. Sieht gut aus, kostet aber zu viel, steht zu oft in der Werkstatt und wird auch nicht gut geführt (ich ziehe das Autobild jetzt durch).

Cleveland war ein Seller, bis sie ein Buyer wurden. Kevin Love loswerden ist eigentlich TOP 1 bis 23 auf der Post-King-Agenda. Zwar hatten die wenigsten damit gerechnet, dass es mit dem Abgang in der laufenden Saison in diesem Februar im Jahr des Herrn 2020 nach Christi Geburt etwas werden würde. Doch der Trade für den in Salt Lake City glücklosen Australier gegen Jordan Clarkson kurz vor Weihnachten schien den Ton vorzugeben. Cleveland verkauft, was aus der LeBron-Ära übrig und zu Geld zu machen ist und hofft auf den Entwicklungssprung der Jungspunde, vor allem Collin Sexton.

Schuss

Halfter geöffnet und durchgeladen für den Autospruch des Textes: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, als wollte man anfahren und hat den Gang nicht drin. Nach Dante Exum holen die Cavs den zweiten (fast) gescheiterten Pro ins Roster, das der lustloseste Kapitän seit Eddie Irvine während Schumis Beinbruch anführt. Detroit erhält verlorene Söhne, sinnfreie Big Men und einen Pick. Listengold:

CLE: Andre Drummond
DET: Brandon Knight, John Henson, 2023 2nd Rd. Pick (lesser of via GSW/CLE)

Pistons

Ein Prosit der völligen Überschätzung der eigenen Position. Noch vor wenigen Wochen zeigten sich die Autostädter zwar gesprächsbereit betreffend einen Wechsel des (vermeintlichen) Franchise-Centers. Doch riefen sie als Preis mehrere Erstrundenwahlrechte auf. Die war, eigentlich unerstaunlicher Weise, niemand bereit zu bezahlen. Also verzogen die Pistons keine Miene, jedoch einen Schmollmund. Mit unbewegtem Gesicht erklärten sie Drummond offenbar noch wenige Stunden vor der Deadline, er werde mindestens bis Sommer in Motor City verbleiben. Irgendeine Nachricht, sie könnten es sich anders überlegt haben, ließen die Manager des Champions von 2004 ihrem teuersten Angestellten offenbar nicht zukommen.


Doch hatten sie das. Die Fleischprodukte, die man eigentlich Quellen nennt, spekulierten, das Front Office in Motor City habe „befürchtet“, Drummond könnte seine Spieleroption im kommenden Sommer über rund 28 Mio. $ doch ziehen. Lange war man sicher gewesen, der Big werde 2020 den (zweiten) großen Zahltag, lies: mehrere Jahre garantiertes Geld suchen. Das aber wollten ihm die Pistons, soviel schien schon länger klar und muss auch Drummond trotz zitiertem Jammertweet klar gewesen sein, nicht bezahlen.

Das alles spiegelt indes ein völlig taktisches Verhältnis zum vermeintlich besten Spieler der Franchise und seiner (möglichen) Zukunft in Detroit wieder. Wirklich überzeugt jedenfalls waren die Pistons von ihrem besten Big seit Ben Wallace wohl nicht. Abgeben war die logische Konsequenz, aber der selbst verschuldete Preisverfall wiegt schwer.

Drummond – sag wie Autolack (ja, durchziehen), was Du willst – ist einer der besten Rebounder der NBA. Er befüllt indes nicht nur den Boxscore mit Abprallern wie niemand seit Rodman. Er ist auch nach fortgeschrittenen Metriken einer der bessern Boardfischer der Liga. Punkten kann er auch, auch wenn der Wurf oder das, was im Ansatz davon zu sehen ist, nicht fällt. Dank immer noch kapital verwunschener Freiwurfquote resultiert so etwa eine TS% von absolut unterdurchschnittlichen 55%. Dafür kommende Saison ggf. nochmals fast 30 Mio. $ zu löhnen, erscheint nicht sehr attraktiv.


Nur will man sich die Augen auskratzen bei den potentiellen Antworten auf die Fragen, die an einem solchen Trade dranhängen. Glauben die Pistons, auf dem freien Markt im kommenden Sommer einen besseren Spieler als Drummond zu entdecken? Wenn ja, wen? Wenn einer identifiziert ist: warum soll der nach Detroit kommen? Wenn nein: will man mit Griffins untradebarem Vertrag in einen Rebuild starten? Es wirkt alles heillos ungeplant.

Knight und Henson sind nicht der Rede wert. Ihre größte Qualität sind ihre auslaufenden Verträge. Der Rede wert wäre eher die Frage, warum statt Drummond immer noch Derrick Rose ein Trikot mit den blauen Bremsspuren trägt.

Cavs

Westbrook in Cleveland. Nein, Sie haben nichts verpasst. Drummond in „The Land“ ist nur absolut und komplett #whynot. Warum denn nicht? Wenn Drummond für einen Zweitrunden-Pick und zwei Verträge, die sowieso auslaufen und nicht mehr in die Landschaft passen, zu haben ist: warum denn um Himmels Willen nicht.

Dass er sich im Sommer nochmals einen 28-Mio-Schluck aus der Gilbert-Pulle nehmen könnte, so what? Es ist ja nicht so, dass die Cavs nächstes Jahr um irgendwas gespielt hätten, das Drummonds Vertrag ihnen verbaut. Geht er im Sommer, ist nichts Schlimmes passiert. Der Zweitrunden-Pick in drei Jahren tut nicht weh, die 30 Mio. $ nur Dan Gilberts Enkeln.







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Für einen Playoffpush kommt der Trade natürlich zu spät, aber 2021 kann man nochmals angreifen, sollte der Center verlängern. Geht auch das schief, bleiben immer noch Trademöglichkeiten zur nächsten Deadline. Es ist vielleicht kein Winwin für Cleveland, aber die clevere Organisation von mehr Zukunfts-Optionen für nur einen Secondrounder ist ein starker Move in einem Markt, in dem es für Zweitrundenpicks normaler Weise nur Dödelverträge wie die jetzt abgegebenen zu haben gibt.

Rechnung

Was die Pistons da treiben, sei Gegenstand historischer Basketball-Forschung. Ein Zweitrundenpick ist mehr als nichts. Aber die 28 Mio. $ hätten nicht sehr wehgetan und nächstes Jahr wäre auch noch eine Trade Deadline gewesen. Die Beschwerden von Drummond über den Umgang mit ihm werden den Ruf der Pistons als das Gegenteil von Player Hotspot nicht verbessern. Cleveland bekommt den besten Spieler und vielleicht zwei Playoff-Heimspiele 2021 für im Grunde nichts.

Vorteil: Cavs by a landslide