09 Februar 2020

9. Feb, 2020


Es ist Wahljahr in den US of A. KEINEN TRADE ZURÜCKLASSEN“, ist deshalb das Gebot der Stunde. Jeder Zweitrunden-Pick und jeder Dollar, der für fringe NBA Spieler über die Theke geht, matters. Das Roundup der kleinen Deals, die die Welt bedeuten.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 9. Feb, 2020

20er Jordans

HOU: Bruno Caboclo
MEM: Jordan Bell

Für den einen oder anderen Bulls-Fan war schon die Verschiffung des 38. Picks 2017 der casus Bell gegenüber dem eigenen Management. Nach zwei Jahren, in denen Bell mehr Playoff-Serien gewann als Tracy McGrady und mehr Titel holte als Charles Barkley und John Stockton zusammen sowie einem Signing in Minneapolis wurde Bell zum Wade Baldwin IV des Jahres 2020.

Erst war er (der kleinste) Teil des 12-Spieler-Wahnsinns vom Dienstag. Doch die Rockets hatten keine Verwendung für Bell. „Vertrau keinem über 2,05 Meter!“ halt (obwohl Caboclo sogar größer ist als Bell, macht mich fertig, das Rechercheergebnis). Bevor er also „Sushirestaurants“ ins Google-Suchfeld „In der Umgebung“ bei „Toyota Center Google Maps“ eingeben konnte, war schon wieder Koffer packen angesagt.







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Den Rockets spart das 300k Scheine und drei Zentimeter. Caboclo ist im Sommer dann übrigens sechs Jahre in der Liga. Es ist Zeit für 3x2-Witze.


Memphis kann den Ex-Draft-Steal testen und ihn mit Teamkontrolle (im Sommer RFA) ggf. in die Rotation der Zukunft einpflegen. Keine Picks und wenig gespartes Geld im Spiel. Es gewinnt, wer den besseren Spieler bekommt. Ergo.

Vorteil: Grizzlies


Selling out a dynasty: Alles muss raus aus San Francisco!

Der Champ von 2015, 2017, 2018 und Finalist von 2015 bis 2019 jeweils inklusive richtet weiter los Wochos aus. Das „Hard Cap“-bedingt eh schon „Kate Moss in ihrer Prime“-schmale Roster ist nach der Deadline nunmehr völlig ausgedünnt. Neben den Zusatzjuniortüten für die Wolves im Wiggins-Trade gab es auch noch Dumpstertrades wie nachstehend zu bestaunen.

DAL: Willie Cauley-Stein
GSW: 2020 2nd Rd. Pick (UTA via DAL)

Cauley-Steins Karriere hatte wie die von DeMarcus Cousins in Sacramento ihren unheilvollen Verlauf genommen. Ähnlich schnell wie bei Cousins war die Karriere südwärts und der Franchise-Pfad nordwärts gegangen, bei allerdings deutlich höherer Tattoodichte. In Oakland hatte er jetzt weder Bäume ausgerissen noch hätte es für die Krieger, deren Pläne auf April 2021 ausgelegt sind, irgendwas geändert, wenn das anders gewesen wäre.


Für die Warriors war jetzt die letzte Gelegenheit, für den Big noch etwas zu erlösen, was in der Zukunft Wert hat. Die Mavs brauchen einen Kurzfristersatz für den schwer verletzten Dwight Powell, ohne irgendein Langfrist-Asset abzugeben. Der Zweitrunden-Pick ist da der klassische Preis. Über die Erfolgsquote von Zweitrundenpicks ist alles gesagt und geschrieben. Das gilt auch in der Franchise, die Draymond Green jenseits Position 30 fand.

Vorteil: Mavs



GSW: 2020 2nd Rd. Pick (DAL via PHI), 2021 2nd Rd. Pick (DEN via PHI), 2022 2nd Rd. Pick (TOR via PHI)
PHI: Glenn Robinson III, Alec Burks

Schon ironisch, wie die Sixers inzwischen mit Zweitrundenwahlrechten herumaasen. Aber die Hortung derselben hat ja auch keine Meisterschaften gebracht, so WTF. Was der Sohn des 1994er Top Picks, der „Jr.“, nicht „“II.„“ heißt, den Sixers außer Füllmasse bringen soll, erschließt sich nicht. Aber ganz ehrlich: wen interessiert das? Sie haben mir den Satz „James Ennis III und Glenn Robinson III haben im III. Viertel die Trilichter ausgeschossen“ geklaut.


Hinzu tritt, dass der FFF-Hater aus Indiana außer dem großen Namen bisher wenig Bleibendes in der Liga hinterließ, die ihn einst für einen der besten 40 Spieler des Jahrhundertjahrgangs 2014 hielt.

Burks ist nach sieben Jahren in Salt Lake City ein totaler Luke Ridnour geworden, nur dass er für die Franchises, von denen er kassiert, auch Spiele macht. Die Stadt der brüderlichen Liebe ist nach The Land, Sac- und Oaktown der vierte Spitznamenalptraum seit 2018.







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Burks hat keinen verifizierten Instagram-Account und ist seit vier Jahren auf allen Stationen ein Minus-Spieler gewesen. Warum die Sixers solche Trades machen und vor allem, was das bringen soll bei dem Ziel, den Celtics und Bucks irgendwie gefährlich zu werden, erst recht, da der zur Rostersportclearance getradete Ennis, der Dritte, zumindest milder Plusspieler war, wenn er mal auf der Platte stand, erschließt sich nicht. Muss es ja auch nicht. Elton Brand wird schon wissen, was er t... Achso. Whatever.

Vorteil: Warriors

Golden State hat damit aus den fringe NBA-Pros Burks, Robinson 3, Cauley-Stein und dem Wiggins-Trade sechs Picks erlöst. Meyers is at it again.


Magie des Dritten

ORL: James Ennis III
PHI: 2020 2nd Rd. Pick (LAL via ORL)

Zur Sinnhaftigkeit des Trades ist im letzten Absatz alles gesagt. Ennis musste weg, damit die beiden Warriors die Glocke läuten können. Sinnvoll ist anders, zumindest entledigt man sich der Spieleroption, die Ennis aufs kommende Jahr besitzt. Spieleroptionen scheinen ja unter NBA-Bücherwürmern inzwischen ähnlich hoch angesehen wie ein DeRozan Midrangeshot.


Der Pick kommt von den Lakers und wird knapp vor Position 60 zu liegen kommen. Nuffsaid.

Vorteil: Magic


20er Jordans 2?

WAS: Shabazz Napier
DEN: Jordan McRae

Wozu Washington mit dem ordentlich performenden Ish Smith, dem verganangen Sommer akquirierten Isaac Bonga und dem bald zurückkehrenden John Wall und neben dem ständig den Ball in den Krallen haltenden Bradley Beal einen weiteren Playmaker braucht, verstehe ich nicht. Aber das liegt vermutlich daran, dass ich Napier für wenig mehr in Erninnerung behalten habe als dass er mal LeBron James' Wunschpick in Miami war, wenige Tage, bevor sich der König zurück ins heimische Reich begab.


McRae verteidigt keinen Baumstamm mit Achillessehnenriss kann aber, stopfen, werfen und Flügelminuten abgreifen, was die Nuggets besser gebrauchen können als noch einen Playmaker vom Schlage Napiers. Der Deal ergibt für Mile High deutlich mehr Sinn als für the District.

Vorteil: Nuggets


Die Deadline Überraschung we call the Atlanta Hawks

Ich war alles andere denn amüsiert über Schlenks Ideen zu den Todeslinien 2018 und 2019. Um so positiver überrascht waren die Aktionen der ersten Februarwoche 2020. Die Akquisitionen von Clint Capela und Dewayne Dedmon gefielen bereits, auch die ergänzenden weiteren Deals ergeben Sinn.

ATL: Skal Labissiere, Cash (2 Mio. $)
POR: 2024 2nd Rd. Pick (Top-55 protected)

Labissiere, der schon Gegenstand des letztjährigen Roundups war, war gefangen zwischen den Kings, die nichts mit ihm anzufangen wussten und den Blazers, bei denen er dank Jusuf Nurkićs Verletzung zwar mehr und qualitativere Zeit sah als gedacht. Neben John Collins, Dedmon und Capela braucht man ihn zwar nicht zwingend, aber ein Upgrade über den abgegebenen Alex Len ist er alle Male.


Der Pick geht nur nach Oregon, wenn die Hawks in vier Jahren Top 5 ligaweit abschließen. Das ist wahrscheinlich wie ein Maximaldeal für Labissiere. Und tritt der Fall doch ein, ist der Pick egal. Dass man dann im klammen A-Town, in dem man gerade Capela und Dedmon 70 Mio. $ garantiert hat und in einem Jahr Trae Young vorzeitig mit Geld zuschmeißen muss, auch noch zwei Millionen bekommt, um Portland beim Sparen von Luxussteuer zu helfen, rundet den Deal aus Habichtsicht ab.

Vorteil: Hawks



ATL: Derrick Walton Jr.
LAC: 2022 2nd Rd. Pick (Top-55 protected), Cash (1,3 Mio. $)

Walton ist einer der ganz wenigen modernen Basktetballer, die vier Jahre auf der Uni zugebracht haben. Nach dem Draft durch die Heat vor drei Jahren tingelte er vergangene Saison durch Europa und hielt dabei unter anderem kurz in Berlin an. An guten Tagen kann er defensiv eine Pest sein und offensiv und den Dreier treffen (42 % bei allerdings insgesamt nur 38 Karriereversuchen).







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Der Pick ist genauso hart geschützt wie der, der nach Portland geht. Den Clippers den Gefallen erwiesen zu haben, einen Rosterspot zu klären, wird nicht vergessen werden. Sinnvoll für beide, dennoch...

Vorteil: Hawks

Update 10.02.2020: Man sollte die Pressreleases der NBA-Franchises ab und an doch näher begutachten. Walton ist bereits entlassen. Labissiere soll behalten werden. Das ändert an der Bewertung des Trades Hawks und Clippers nichts, wohl aber an der euphorischen Besprechung von Schlenk. Warum ein playmakingtauglicher Guard entlassen, ein Big ohne Bedarf behalten wird, ist fragwürdig wie Jeff Teagues Trikotnummernauswahl.


Ende

Paul George wollte nicht mehr.


Ich höre nicht auf, Deadline. Wir sehen uns 2021. Grüße!