06 Februar 2020

6. Feb, 2020


Ultimatum, die erste in der 20er Dekade. Zur Tradedeadline wird es in der Dealküche traditionell nochmal weihnachtsbäckereiwarm. Die Chefküche beurteilt wie der Guide Michelin Restaurants, ob die Roster knusprig durchgebacken oder die Zukunftsaussichten unter dem Druck der gnadenlos Richtung 9pm Ostzeit tickenden Uhr latschig gekocht wurden. Heute I: der lila Chaosclub und das Kellerkind der rechten Hälfte.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 6. Feb, 2020

Start

Die Atlanta Hawks sind das schlechteste Team der Liga, zu dem nächstes Jahr nicht Stephen Curry zurückkehrt. Sie haben mit Trae Young aber den Franchisespieler der Zukunft gefunden und jede Menge Ausschussware mit teamfreundlichen Vertagsrahmendaten zur Abgabe im Gegenzug für Zukunftsassets.

Die Kings machen Kings-Sachen, also im Klartext: Dinge, die keiner versteht. So wurde der im Sommer für recht teures Geld nach Nordcali gelockte Dewayne Dedmon mit ca. 15 Min. pro Partie von Coach Luke Walton dermaßen befremdet, dass der gebürtige Sonnenstaatler Dedmon öffentlich verlangte, die alte Heimat wieder verlassen zu dürfen. Dedmon, dem die Kings kommendes Jahr rund 14 Mio. $ und sodann eine weitere Million garantierte Dollars schulden, musste weg, und zwar gestern, wenn es machbar ist.

Schuss

Die Hawks entsorgen zwei Karteileichen aus den Sommern 2018 und 2019. Im Gegenzug darf Dedmon den Sinnlostodesstern der Liga wieder verlassen und in die alte sportliche Heimat zurück. Die Hawks erhalten für die Bereitschaft, den teuersten Vertrag des Deals zu nehmen, noch zwei Picks. Listengold:

SAC: Alex Len, Jabari Parker
ATL: Dewayne Dedmon, 2020 2nd Rd. Pick (via HOU), 2021 2nd Rd. Pick (via MIA)

Hawks

Atlanta und sein spiritus rector Travis Schlenk haben jetzt die vergangenen zwei Jahre nicht gerade die Sterne vom Himmel getradet. So richtig war auch die Sucht nach „echten“ Big Men im zeitlichen Umfeld der Deadline nicht nachvollziehbar.

Nachdem die aber mit der Verpflichtung des Schweizer Centers aus Houston befriedigt war, waren zwei Dinge klar: die Hawks wollen ab der kommenden Saison gewinnen und dafür wird man auch bereit sein, größere Verträge in den vorhandenen bzw. absehbaren Cap Space fließen zu lassen. Auftritt: Dedmon.



Der Big, einst von der Vorzeigekultur unter Popovich deutlich über Wert trainiert, hatte seinen Abschied aus Sacramento forciert, hätte sich dabei aber wohl selbst nicht träumen lassen, nostalgische Gefühle für die alte Heimat im Süden ausleben zu dürfen. Dort hatte er zwischen 2017 und 2019 schon einmal die Brötchen verdient, die es für purpurne Plüschtapetensitze wie oben braucht.

Sein Ruf als defensiv ankerstarker Big mit softem Touch bis hinaus an die Dreierlinie, die die Welt bedeutet, ist allerdings besser als die Realität. Im laufenden Jahr trifft er bei immerhin zwei Triple-Versuchen pro Spiel nicht einmal 20 %. Defensiv sieht er zwar im Augentest gut aus, hat seit der als Ausreißer zu qualifizierenden Saison am Alamo aber nie nachweisen können, dass sein dort begründeter Ruf als elitärer (Rollen-) Verteidiger berechtigt wäre. Unter dem Strich war er sowohl in Atlanta wie auch bei den Kings ein Minusspieler.

Es bleibt die Hoffnung, dass er in einem vernünftig gestalteten Umfeld zurück zur Popovich'schen Stärke oder wenigstens Ansätzen davon findet. Vielmehr als 20 nicht allzu verunreinigte Bankminuten erwartet man nicht von Dedmon im schmutzigen Süden. Dafür bezahlt man ihm zwar Startergeld, allerdings ist dank der abgelegten Schwachsinnsdeals von Allen Crabbe, Evan Turner und Chandler Parsons nächstes Jahr Gehaltsspielraum ohnehin kein Thema. Hinzu kommt, dass man für die vollkommen überflüssigen Len und Parker nicht nur einen – wenn auch überbezahlten – Rollen-Big, sondern obendrein noch zwei Draftwahlrechte erhält.

Kings

Es ist immer und jedes Jahr das Gleiche. Seit der infamen Jagd nach Rajon Rondo in dessen erstem von, wie wir heute wissen, vielen Jahren als Minusspieler denkt man, dass es kaum noch schlimmer kommen könne bei dem Team mit dem längsten Playoffdrout seit die Menschheit Playoffspiele ausrichtet. Doch, es kann.

Len hat sich nach seinem komplett vermurksten Saisonstart zwar halbwegs erholt.


„Erholt“ heißt hier, dass er sein NetRtg von knapp unter Minus 18 im November auf Minus 1,2 in acht Spielen im Januar gesteigert hat. Es hat Gründe, dass die Phoenix Suns ihn vor drei Jahren ohne Gegenangebot auf der QO spielen lassen konnten und ihn dann ohne Gegenwehr ziehen ließen.

Jabari Parker wird bekanntlich nach eigenen Angaben nicht für Defense bezahlt. Das liegt in erster Linie daran, dass außer dem Verwalter der Assets der Sacramento Kings niemand auf der Welt Geld dafür bekommt, nichts zu tun. Offensiv kann man ihn sich, wie ich im Fake Trade behauptete, schön saufen. Dafür allerdings braucht es Absinth. 108,9 ORtg (per NBA Stats) sind wenig berühmt.





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Unabhängig davon besitzt das Mitglied des einstig als Jahrhundertdraftjahrgang gerühmten Durchgang 2014 eine Spieleroption für kommende Saison. Die ist zwar nur rund 7,5 Mio. $ wert, repräsentiert aber dennoch das Gegenteil von Teamkontrolle in einer Franchise, die eigentlich auf Flexibilität angewiesen wäre, um dem nicht einmal hoffnungslosen Kern um Buddy Hield, Harrison Barnes und De'Aaron Fox passende Teile zuzuführen.

Man mag noch einwenden, dass Dedmon in die „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“-Schublade passt. Aber für den beendeten Schock noch zwei Draft Picks obenauf legen zu müssen, ist abenteuerlich und gar nichts anderes. Wohlgemerkt: einen Schrecken, den man selbst ohne Not im Sommer ins Roster geladen hatte.

Rechnung 

Ich nehme an, die meisten haben bereits verstanden, dass auch eine lila-graue Brille nicht helfen würde. Es ist Schlenks bester Trade. Was mehr über die Kings als über Schlenk sagt.

Vorteil: Hawks