07 Februar 2020

7. Feb, 2020


Ultimatum, die erste in der 20er Dekade. Zur Tradedeadline wird es in der Dealküche traditionell nochmal weihnachtsbäckereiwarm. Die Chefküche beurteilt wie der Guide Michelin Restaurants, ob die Roster knusprig durchgebacken oder die Zukunftsaussichten unter dem Druck der gnadenlos Richtung 9pm Ostzeit tickenden Uhr latschig gekocht wurden. Heute: THE CHAMP IS HERE!

von ANNO HAAK @kemperboyd | 7. Feb, 2020

Start

Die Clippers wollen besser werden um nahezu jeden Preis. Das Gute am vom Logo genialisch montierten Roster war und ist, dass sie sich auch jeden ligaweit verlangten Preis leisten können, ohne den Kern aus den beiden Player-Empowerment-end-game-Superstars, Pat Beverley, Lou Williams und Montrezl Harrell anzugreifen. Insbesondere Ivica Zubac und Maurice Harkless galten als zugleich verzichtbar und anderswo begehrt.

Die Knicks sind der große Schwachsinn im großen Apfel. Das war, ist und bleibt so, solange der Countrymusiker mit der Abneigung gegen Charles Oakley das Schiff Jahr um Jahr in den sandigen Grund des Hudson steuert. Waren die meisten nach dem Sommer des irrsinnigen Flügelschlagens davon ausgegangen, die Knicks seien es realistisch angegangen und hätten die vielen Forwards mit den kurzen Verträgen als Assets für den anstehenden x-ten Neuaufbau geholt, zeigte sich im Lauf des Jahres, dass sie das Team ernsthaft für kompetetiv gehalten hatten. Also musste der Präsident anders als der in dem großen weißen Gebäude in der Hauptstadt gehen. Zwei. Tage. Vor. Der. Deadline. Irre.

Washington, tjanun. Beal ist immer noch da. Wall, man hat es fast vergessen, auch noch. Irgendwie soll es mit dem schwankenden Kader im nächsten (oder übernächsten) Jahr dann wieder irgendwohin (?) gehen. Wohl deswegen galten sie zur Deadline, auch in Ermangelung der Möglichkeit, Beal zu verschiffen (geht vong CBA her nicht) eher als Käufer, wenn auch nicht als großer. Der Kurs ist aber ähnlich wenig klar wie der Grund für Beals All-Star Snub.

Schuss

Die Knickerbockers ringen sich doch noch durch, einen ihrer Veteranen für etwas Brauchbares zu traden. Die Clippers werden noch besser. Die Wizards bekommen junges Blut für das, was ein Reload werden könnte. Listengold:

LAC: Marcus Morris, Isaiah Thomas
NYK: Maurice Harkless, Draft-Rechte an Issuf Sanon, 2020 1st Rd. Pick (LAC), 2021 1st Rd. Pick Swap Right (1-4 protected), 2021 2nd Rd. Pick (LAC via DET)
WAS: Jerome Robinson

Clippers

Die Clippers machen weiter fast alles richtig. Harkless hatte seit der Ankunft in der 4-Team-Extravaganza rund um Jimmy Butler keineswegs enttäuscht. Er gab den Clippers in knapp 23 Minuten exakt, was sie wollten. Solides Scoring neben den beiden gestaggerten Stars (58 TS%, 37% Dreier) und noch solidere Verteidigung am Flügel zur Entlastung von Kawhi Leornard und Paul George. Ein edler Arbeiter im Weinberg des Basketballherrn.


Alles, was ihn von einer Küste an die andere spülte, war der Satz, der für Amerika steht wie sonst nur „Read the transscripts“. Das Bessere ist der Feind des Guten. Das Bessere ist hier der Bessere. Er heißt Marcus Morris. Für ihn hat es sich in jeder Weise gelohnt, den „DeAndre Boozer“ zu machen.

Statt zwei Jahre durch die Mediokrität, die heute die San Antonio Spurs sind, zu kreuzen, erspielte er sich auf dem teamfreundlichen Vertrag in NYC den Ruf des begehrtesten Flügels der Liga zur Deadline. Der Zwilling legte nahezu 20 Punkte und fünf Rebounds pro Spiel auf, traf karrierebeste 44% von Downtown und wurde mit seiner rauhen Attitüde und der relativ engagierten Defensive zugleich ein Publikumsliebling im Garden.


Bei den Clippers verstärkt er die Abteilung „Ekeldefense in des Gegners Kopf“, kann zugleich die großen Vier beim Scoring entlasten. Einziges Fragezeichen ist, ob der bisweilen als eigenwillig geltende Scharfschütze mit der verkleinerten Rolle im Angesicht der nahenden Free Agency leben kann und will. Eine Usage von fast 24% wird in Kawhis Team selbst bei dauergeschonten Superstars nicht drin sein. Da sich aber wenig vertraglich besser versilbern lässt als ein Ring, sollte das kein Problem werden.







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Jerome Robinson war einer der wenigen Lotteriepicks, die in den vergangenen zehn Jahren die Kappe der Clippers aufsetzten. Doch übermäßig positiv aufgefallen war der 13. Pick des Draft 2018 bislang nicht. West und Kollegen dürften es für ein Geschenk des Himmels halten, Morris bekommen zu haben, ohne an Zubac, JaMychal Green oder Landry Shamet ranzumüssen.







Ein Beitrag geteilt von LA Clippers (@laclippers) am

Da insofern unabhängig von Morris die Rotation die in der Breite beste westseits der Bucks ist und bleibt, kann man den auslaufenden Deal und die Gefahr des rent-a-Morris mehr als verschmerzen. Den Erstrunden-Pick im laufenden Jahr braucht der Contender kaum, den Zweitrunder aus Detroit, auch wenn er früh zu liegen käme, noch weniger.

Es bleibt der bemitleidenswerte Isaiah Thomas. Durch die Trauer um die Schwester und die Verletzung in Boston spielend fällt er Kyrie Irving und Trader Danny zum Opfer, wird dann herumgereicht wie Sauerbier bzw. muss seine noch sauereren Brötchen in Denver und Washington verdienen, um nun die Chance, um eine Meisterschaft spielen zu können, wie eine Wurst einem Hund hingehalten und wieder weggezogen zu bekommen.







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Er soll nämlich entlassen werden. Auch der Karrierebestwert von über 41% 3P bei fast fünf Versuchen und die Aussicht auf weiteres Playmaking ließ die Clippers die defensiven Defizite wohl nicht übersehen.

Knicks

Was kann man zu den Knicks noch sagen? Im Grunde ist der Deal gar nicht schlecht. Im Ergebnis haben sie aus einem Vertragsjahr für Meister MM Sr. einen Erst- und einen Zweitrundenpick sowie ein (wiewohl aller Voraussicht nach sich nicht materialisierendes) Swap Right gemacht. Man kann mit Cap Space, wie sie ihn vergangenen Sommer hatten, schon Schlechteres veranstalten. Die Umstände und der Preis allerdings lassen wieder am Kopf kratzen.


Das Hin und Her im Umfeld über die Frage, ob man Morris traden oder doch mit ihm einen Playoffpush (wat?!?) machen solle, die Entlassung von Präsident Steve Mills mitten in der heißen Phase der Verhandlungen und die peinlichen Pläne, via D'Angelo Russell, Dennis Schröder oder Andre Drummond (Du lieber Himmel) doch noch zum Buyer werden zu wollen, werfen ein schales Licht auf den Handel.

Dass man den Clippers trotz langer Bieterkonkurrenz der Lakers, von denen man angeblich Danny Green neben Kyle Kuzma wollte (Freunde! Der! Sonne!), weder Shamet noch Zubac entlocken konnte, ist auch mediokres Verhandlungsgeschick. Das Beste an Harkless, dessen Rollenspielerwesen in New York aktuell überhaupt nicht gebraucht wird, ist sein auslaufender Deal. Immerhin das...

Wizards

Ganz ehrlich: Idk and Idgaf. Ich weiß wirklich nicht genau, was das soll. Robinson bringt zwar mehr Zukunft und einen längeren Vertrag als Thomas, aber auch ein höheres Gehalt mit, das einen sehr dicht an die Luxussteuerlinie bringt. Es spart also kein Geld, Robinson ist kein schlechter, aber ein suspiziöser Spieler und Draft Picks bringt der Trade auch nicht.







Ein Beitrag geteilt von Washington Wizards (@washwizards) am

Vielleicht hat irgendjemand im Front Office einen Narren an Robinson gefressen, vielleicht isst sein Agent gern mit Bradley Beals Schwager zu Mittag. Es ist nicht wirklich schlimm, aber belanglos. Es sieht nach einem dieser Gefallen für die Clippers und die Knicks aus, für die man bei nächster Gelegenheit Revanche verlangt. Kann man machen, vielleicht entwickelt sich der Guard ja noch.

Rechnung

Die Knicks machen hier eine ordentlichen Job (was sie mit den Picks anfangen werden, bleibt abzuwarten), die Clippers einen formidablen und die Wizards helfen, wo sie können.

Vorteil: Clippers