25 Juli 2020

25. Jul, 2020


Willkommen zur Award-Jahreszeit! Während sich die 22 besten Teams der beiden Conferences auf die sportliche Ausnahmesituation in der Orlando-Bubble vorbereiten, gilt es für uns, der „regulären“ Regular Season Revue passieren zu lassen. Im Countdown auf den Re-Start der Saison 2019/20 hat die #NBACHEF Redaktion ihre Favoriten in den sechs bekannten Kategorien gewählt.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 25. Jul, 2020


Und der Preis für den besten Coach geht an...

Coach of the Year:
Nick Nurse (Toronto Raptors)

Highlights:
- 2. Platz in der Eastern Conference trotz Abgang des Franchise Players
- Top-2 Defense, immerhin noch 12. im Offensiv-Rating
- Leistungsexplosion bislang unbekannter Spieler (Chris Boucher, Terence Davis)

Der Titelgewinn der Raptors 2019 wird immer vor allem mit Kawhi Leonard in Verbindung gebracht werden, was insbesondere angesichts seines spektakulären Game-Winners in Spiel 7 der Conference Semi-Finals gegen die Philadelphia 76ers nicht allzu verkehrt ist. Wer allerdings Zweifel am Anteil des damaligen Rookie-Coaches Nick Nurse hatte, sieht sich nach dieser Spielzeit eines Besseren belehrt.

Infolge des Abgangs Kawhis gen Clipperland wurden die Titelverteidiger vor der Saison 2019/20 mitunter auch wegen der gestärkten Konkurrenz im Osten kaum als Kandidat für einen der oberen Ränge eingeschätzt. Manch einer hielt sogar die Playoff-Teilnahme Torontos für nicht gesichert.

Kein Franchise Player, keine klare Hierarchie in der Offensive, fortgeschrittenes Alter der Leistungsträger, Verletzungsanfälligkeit... es gab in der Theorie viele Gründe, die Champions zumindest aus dem Kreis der Anwärter fern zu halten. In der Praxis legte der Norden prozentual sogar eine minimal bessere Regular Season hin als im Meisterschaftsjahr (71,9% Siegesquote gegenüber 70,7% 2019) und stand vor der Unterbrechung klar vor höher gehandelten Mannschaften, etwa den Boston Celtics.


Dieser anhaltende Erfolg entgegen aller Erwartungen verdeutlicht den Einfluss des 52-jährige spätberufenen Head Coaches und unterstreicht auch seine Rolle beim Gewinn der Meisterschaft. Nurses Raptors haben den Slogan ihres 2019er Finals-Kontrahenten „Strength in Numbers“ selbst verinnerlicht, bemerkenswert sind aber auch die individuellen Steigerungen.

Fred VanVleet und Pascal Siakam gelangen unter Nurse ein Quantensprung, im Falle Siakams sogar in All-Star Territorien. Norman Powell hat nach Jahren der Stagnation zu sich gefunden, die eingangs erwähnten ungedrafteten Nobodys Boucher und Davis legten multiple 20+ Punkte Spiele aufs Parkett. Weitere Beispiele werden folgen.

Eine Mannschaft ohne echten Superstar, die über das Kollektiv kommen muss, kann nur mit einem herausragenden Dirigenten an der Seitenlinie funktionieren. Hier hat Nurse in Toronto Großartiges geschaffen, auch ohne Leonard eine Einheit geformt, die sich in der Eastern Conference vor niemandem zu verstecken braucht. Und für den Primus aus Milwaukee vielleicht sogar erneut die größte Gefahr im Rennen um die Finals darstellt.

Zumindest beim NBACHEF-Voting zum Coach des Jahres hat Nurse den Vorjahressieger Mike Budenholzer von den Bucks bereits hinter sich gelassen – und das deutlich.


Abstimmungsergebnis:
1. Nick Nurse (15)
2. Erik Spoelstra (6)
-. Taylor Jenkins (6)
4. Mike Budenholzer (5)
5. Billy Donovan (4)
-. Frank Vogel (4)
7. Nate McMillan (1)
-. Gregg Popovich (1)

* Zum Abstimmungsverfahren: Jeder stimmberechtigte Redakteur wählt seine drei Favoriten und vergibt an diese je nach Präferenz drei, zwei oder einen Punkt.