30 Juli 2020

30. Jul, 2020


Die NBA lebt – wenn auch unter besonderen Umständen. Nach beinahe fünf Monaten Auszeit meldet sich die beste Basketballliga der Welt aus Disney World in Orlando, Florida zurück, um die coronaverseuchte Spielzeit 2019/20 zu Ende zu bringen. In der Western Conference kämpfen 13 Klubs um die acht Playoff-Plätze. Die Chefküche checkt sie kompakt auf Herz und Nieren und liefert wie immer unerschütterliche Prognosen.

von NBACHEFSQUAD | 30. Jul, 2020



Los Angeles Lakers

(Anno Haak) @kemperboyd

Flashback: 49-14 Siege, 1. Platz Western Conference
Schedule: LAC / TOR / UTA / OKC / HOU / IND / DEN / SAC
Plus: J.R. Smith (Ersatz für Bradley), Dion Waiters
Minus: Avery Bradley (Privat)

Er hat die Insel verlassen. Am 6. März hat Neon Dion Kellner Island gegen die Blase getauscht. Von der er gar nicht wissen konnte, dass sie aufgepumpt werden würde. LeBron hat zur Feier des Sechsten im Corona die alte Nummer vom South Beach verliehen und den alten Anzeigetafellegastheniker ans andere Ende der Bank setzen lassen. Ob Smith (seit nahezu zwei Jahren keine NBA-Luft mehr geschnuppert) und der Godfather of headcases die Lösung der von Avery Bradley verursachten Probleme sind, darf man bezweifeln.

Die Absenz von Bradley sowie die Daumenverletzung Rondos (Rückkehr frühestens Ende Augsut) dünnt die qualitativ ohnehin schon Caruso-Pointen-dünne Guard-Rotation weiter aus. Auch im Übrigen hatte man nicht den Eindruck, dass die gerade in den Rhythmus geslideten Lakers durch die viereinhalbmonatige Unterbrechung sonderlich begünstigt worden wären.

Der beste LeBron James seit „The Block“, DPOY-Kandidat Monobraue und die immer(lila)goldene Anspruchshaltung lassen etwas anderes als die Entführung des Larry O’Brien aus Disney gar nicht zu. Den Clippers ihren Platz zu weisen und dem Greek Freak das Herz zu brechen, ist der Anspruch. Den sie erfüllen könnten, wenn alle gesund und virusfrei bleiben.

Prediction: 5-3, 1. Platz Western Conference



LA Clippers

(Marc Lange) @godzfave44

Flashback: 44-20 Siege, 2. Platz Western Conference
Schedule: LAL / NOP / PHX / DAL / POR / BKN / DEN / OKC
Plus: Joakim Noah
Minus: -

Die lange Covid-Unterbrechung spielte den beiden Superstars der Clippers ein wenig in die Karten. Paul George ärgerte sich fast die gesamte reguläre Saison mit Schulterproblemen herum. Diese sind, laut eigener Aussage, mittlerweile auskuriert. Auch Kawhi Leonard, der die letzten Monate wahrscheinlich eher als ausgiebiges Load Management wahrnahm, konnte die Pause zur Genesung nutzen. 13 Spiele verpasste der amtierende Finals MVP aufgrund mehrerer Wehwehchen. Dass beide Stars völlig genesen in Orlando auf dem Parkett stehen werden, sind gute News für die Jagd nach dem ersten NBA-Titel der Teamhistorie.

Auch sonst gibt es kommt der Kern der Clippers langsam wieder zusammen: Der an Corona erkrankte Landry Shamet kehrt rechtzeitig zum Auftakt der Seeding Games zurück. Auch Ivica Zubac, Montrezl Harrell und Patrick Beverley, die allesamt aufgrund privater Umstände noch gar nicht oder kurzzeitig nicht in der „Bubble“ waren, sollen für den ersten Knaller gegen die Lakers zur Verfügung stehen. Einzig Lou Williams hat seinem Team mit dem Ausflug in den Strip Club während seiner genehmigten Abwesenheit einen Bärendienst erwiesen. Der sechste Mann wird die ersten beiden Partien gegen die Lakers und Pelicans verpassen.

Insgesamt sieht eine optimale Vorbereitung auf den Re-Auftakt wohl anders aus. Aber dass zumindest der Rest des Teams fit und mit an Bord ist, ist ein erfreulicher Trend für Doc Rivers und sein Coaching Staff. In den nächsten acht Partien wird LAC allerdings eher nach unten als nach oben schauen. Mit fünf Spielen Vorsprung auf Platz eins im Westen sind die Lakers schon (fast) in uneinholbarer Ferne. Auf Platz drei lauern hingegen die Nuggets mit 1,5 Spielen Rückstand. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, dass die Clippers als einer der Top-Favoriten in den Saisonbetrieb zurückkehren. Die Seedings Games werden für Kawhi und Co. aber eher Generalproben-Charakter haben, um wieder in den Spielfluss zu kommen und die letzten Weichen für den antizipierten „Battle of Los Angeles“ in den Conference Finals zu legen.

Prediction: 6-2, 2. Platz Western Conference



Denver Nuggets

(Seb Dumitru) @nbachefkoch

Flashback: 43-22 Siege, 3. Platz Western Conference
Schedule: MIA / OKC / SAS / POR / UTA / LAL / LAC / TOR
Plus: -
Minus: -

Nikola Jokić ist nicht nur Denvers bester und wichtigster Spieler, sondern war während der monatelangen Zwangspause auch die bestimmende Figur im News-Cycle rund ums Team aus den Rocky Mountains. „Slim Jokic“ dominierte die Schlagzeilen, bis bekannt wurde, dass der All-Star Big nicht nur mächtig Gewicht verloren, sondern sich in seiner serbischen Heimat obendrein mit COVID-19 infiziert hatte. Nicht gut. Wie würde sich ein weniger korpulenter „Joker“ auf dem Parkett anstellen? Die Ansätze in den Testpielen nach überstandener Ansteckung waren ermutigend.

Während das Team von Mike Malone seine Offense weiterhin um einen der besten Post-Player ligaweit aufziehen wird, bleiben Fragen – vor allem defensiv, wo gegen die Top-Teams der Conference weiterhin Antworten auf Problemstellungen wie 'Leonard', 'James' oder 'Harden' fehlen. Die Mankos auf dem Flügel und die jetzt jahrelange Volatilität von Gary Harris als Shooter (nur 33,3% von Downtown in dieser Saison) werden irgendwie überwunden werden müssen.

Vielleicht schmeißt Coach Malone häufiger Testballons wie Bol Bol oder Michael Porter Jr. gegen die Wand, in der Hoffnung, so Mismatches zu kreieren und den Gegner mit unorthodoxen Lineups (wie die Jumbo-Five im Test) zu düpieren. Die Schwierigkeiten am hinteren Ende sowie der fehlende Punch hinter der dynamischen Achse Jokić/Murray dürften es den Nuggets allerdings schwer machen, den Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen.

Prediction: 3-5, 3. Platz Western Conference



Utah Jazz

(Christoph Lenz) @NBAKenner

Flashback: 41-23 Siege, 4. Platz Western Conference
Schedule: NOP / OKC / LAL / MEM / SAS / DEN / DAL / SAS
Plus: -
Minus: Bojan Bogdanović (Handgelenk)

Nicht nur die NBA-Welt, sondern die ganze Welt blickte am 11. März nach Utah, wo Rudy Goberts humorvoller Umgang mit den Gefahren des Corona-Virus der Auslöser für Hohn, Spott, Wut und Fassungslosigkeit war. An diesem Abend wurde die NBA-Saison gestoppt und für viele (nicht zuletzt Gobert) war dieser Moment der, in dem die Tragweite der viel zitierten „aktuellen Situation“ bewusst wurde. „Danach ist man immer schlauer“ denkt sich wohl auch der französische Center, war er zum Zeitpunkt seiner Späße mit Mikrofonen und Reportern bei weitem nicht der einzige, der die Gefahren nicht ernst (genug) nahm.

Was für die Jazz in Orlando zur Zerreißprobe werden wird ist die Tatsache, dass nicht nur die Öffentlichkeit teils verächtlich auf Gobert blickte, sondern auch sein Co-Star Donovan Mitchell. Wenn die beiden ihr Verhältnis professionell und auf dem Court fruchtbar halten, gibt es die Chance, dass sie den schwerwiegenden Ausfall von Bojan Bogdanović zumindest teilweise kompensieren können.

Gelingt den beiden genau das nicht, steht Utah mit dem Rücken zur Wand und droht im extrem engen Playoff-Mittelfeld der Western-Conference bis auf Platz sieben abzurutschen und ein aussichtsarmes Duell mit einem der beiden Topfavoriten aus Los Angeles zu riskieren.

Prediction: 4-4, 5. Platz Western Conference



Oklahoma City Thunder

(Anno Haak) @kemperboyd

Flashback: 40-24 Siege, 5. Platz Western Conference
Schedule: UTA / DEN / LAL / MEM / WAS / PHX / MIA / LAC
Plus: Devon Hall
Minus: Isaiah Roby (Fuß)

Die Thunder sind das Anti-Corona der Liga. Nicht nur dass sie im Team auch ohne Antikörper und Impfstoff keinen einzigen Infektionsfall zu beklagen hatten, sie waren DIE Feelgood-Story der unterbrochenen Saison. Und die nächste haben sie auch schon parat: Edelverteidiger Andre Roberson steht in Orlando nach zweieinhalb Jahren Verletzungspause wieder auf dem Parkett und darf daher wie ein Neuzugang betrachtet werden.

Von der versammelten Expertenschaft (und wohl auch der Franchise-Führung selbst) war im besten Fall ein Übergangsjahr, eher Jahr eins des totalen Neubaus erwartet worden. Da man für den nolens volens erworbenen Chris Paul und seinen riesigen Vertrag aber keinen Abnehmer fand, ging man auch ohne die im Sommer verlorenen Russell Westbrook und Paul George auf einen (wohl vorerst letzten) Win-Now-Trip und reüssierte. Die Thunder werden Postseason-Basketball in Disney spielen, das steht bereits fest.

Dank Dennis Schröders „Ergänzungsspieler des Jahres“-Saison, SGAs zweitem Durchstarterjahr und Pauls viereinhalbtem Frühling ist sogar der Heimvorteil in Reichweite, sogar die Denver Nuggets auf Platz drei sind mit 2,5 Spielen voraus noch zu fangen.

Die Bilanz von nur zehn Siegen aus 29 Spielen gegen Plus-500-Teams spricht im schweren Bubble-Schedule allerdings eher für ein Abrutschen. Auch dass Schröder im August zum ET des zweiten Kindes die Blase verlassen und so mehrere Spiele verpassen wird, hilft nicht. Dennoch sind die Thunder auch dank des Drei-Guard-Lineup, das ein absurdes Net-Rating von Plus-28 in 400 Minuten produzierte, das Team im Westen, gegen das wohl in Runde eins keiner spielen will.

Prediction: 3-5, 7. Platz Western Conference



Houston Rockets

(Daniel Schlechtriem) @W14Pick

Flashback: 40-24 Siege, 6. Platz Western Conference
Schedule: DAL / MIL / POR / LAL / SAC / SAS / IND / PHI
Plus: Luc Mbah a Moute (Ersatz für Sefolosha), David Nwaba (Achilles)
Minus: Thabo Sefolosha (Privat), Isaiah Hartenstein

Die Rockets könnten einer der wenigen sportlichen Gewinner der langen Covid-Pause werden, denn zum einen waren sie zum Zeitpunkt der Unterbrechung schwer außer Form (Niederlagen gegen die Knicks, Hornets und Magic Anfang März), zum anderen quälte sich in Eric Gordon einer der Leistungsträger hinter dem All-Star Duo Harden/Westbrook mit diversen Verletzungen durch die gesamte Spielzeit. Gordon verletzte sich kurz vor dem Re-Start erneut, jedoch handelt es sich um einen verstauchten Knöchel, eine typische Basketballerverletzung. Diese sollte ohne größere Nachwirkungen in rund zwei Wochen auskuriert sein, sodass der Flügelspieler zu den Playoffs wieder auf dem Feld stehen wird.

Coach Mike D'Antoni stellte im Februar infolge des aufsehenerregenden 12-Spieler-Trades um Clint Capela und Robert Covington sein Spielsystem auf Super Small Ball um, mit dem 1,96 Meter großen P. J. Tucker als nominellem Center. Die lange Pause gab D'Antoni die Gelegenheit, diese auf die Spitze getriebene Variante des modernen Basketballs zu verfeinern und zu justieren, im zweiten Trainingslager insbesondere die defensive Abstimmung zu optimieren.

Personell ändert sich nur eine Kleinigkeit: Veteran Sefolosha verweigerte die Reise nach Orlando. Als Ersatz holten die Rockets Luc Mbah a Moute zurück, der allerdings seit fast zwei Jahren kein NBA-Spiel absolviert hat und zudem noch vorerst eine COVID-19 Infektion auskurieren muss. Dass Westbrook und Gerüchten zufolge auch Harden selbst mit Corona infiziert waren, sorgte für keine optimale Vorbereitung.

Trotzdem bleibt der eigene Anspruch der Rockets nicht weniger als die Championship. Derart präsentierten sie sich bis zum Lockdown im März eher selten. Mit nur einem Spiel Rückstand auf Rang vier und einem nicht übermäßig schwierigen Spielplan hat Houston im Kampf um die Playoff-Platzierungen jedoch genug Potential für eine bessere Ausgangsposition als Platz sechs. Das Small Ball-Experiment ist derweil spannend genug, um den Thron des Westens anzugreifen.

Prediction: 5-3, 4. Platz Western Conference



Dallas Mavericks

(Seb Dumitru) @nbachefkoch

Flashback: 40-27 Siege, 7. Platz Western Conference
Schedule: HOU / PHX / SAC / LAC / MIL / UTA / POR / PHX
Plus: Trey Burke (Ersatz für Cauley-Stein)
Minus: Dwight Powell (Achilles), Courtney Lee (Wade), Jalen Brunson (Schulter), Willie Cauley-Stein (Privat)

„Luka der Heilsbringer“ hat aus den Dallas Mavericks im Alleingang einen Playoff-Teilnehmer gemacht, der auch die kühnsten Erwartungen vor der Saison längst übertroffen hat. Ein Einbrechen nur noch mathematisch möglich, in Realo aber natürlich höchst unrealistisch, werden die Mavs nicht auf den letzten Metern ertrinken, sondern zum ersten Mal seit 2016 wieder den Einzug in die Playoffs schaffen.

Alles steht und fällt natürlich mit MVP-Kandidat Dončić, der sicher auch im Rennen um den 'Most Improved Player' Award ein paar Stimmen abgreifen wird – so massiv ist seine Verbesserung als Sophomore eben. Im System von Rick Carlisle und umsäumt von idealen Rollenspielern ist Dončić zum Motor der statistisch besten Offensive der Historie geworden. Und obwohl durch die Verletzung von Dwight Powell Lukas präferierter Pick-and-Roll Partner und Rim-Runner ausfiel, stolperten die Mavs in eine noch verheerende Variante ihrer Turbo-getriebenen Offense.

Kristaps Porzingis als einziger Big Man neben Luka, Dorian Finney-Smith und zwei Shootern (bevorzugt Seth Curry und Tim Hardaway Jr.) hievte diese Punkteproduktionsmaschinerie auf Eichhörnchen-auf-Crack Niveau. Der Weckruf wird vermutlich in Runde eins folgen, wenn Dallas' schwache Bilanz gegen Top-Teams, das Fehlen eines elitären zweiten Perimeter-Verteidigers, sowie die unterduchschnittliche Defensive nicht mehr neutralisieren können, dass sich Abwehrreihen vermehrt auf Dončić konzentrieren und die bombastische Attacke der Mavs so ausreichend ausbremsen werden.

Prediction: 4-4, 6. Platz Western Conference



Memphis Grizzlies

(Christoph Lenz) @NBAKenner

Flashback: 32-33 Siege, 8. Platz Western Conference
Schedule: POR / SAS / NOP / UTA / OKC / TOR / BOS / MIL
Plus: Anthony Tolliver
Minus: -

Die Grizzlies werden in Orlando darum kämpfen, nach zwei Jahren Abstinenz den Sprung zurück in die Playoffs zu schaffen. Bei einem „normalen“ Saisonverlauf wäre ihr Vorsprung von drei Siegen bei einem Spiel weniger definitiv komfortabel gewesen. Obwohl die Anzahl der restlichen Spiele signifikant reduziert wurde, hat sich die Playoff-Wahrscheinlichkeit der Grizzlies nicht wirklich erhöht, denn durch die Regelung zum Play-In müssten sie ihren Vorsprung auf mehr als vier Siege ausbauen, um die Postseason zu sichern.

Der Ausfall von Justise Winslow dürfte den Hoffnungen zumindest einen kleinen Dämpfer geben, er hätte das Team um Ja Morant und Jaren Jackson Jr. mit einer interessanten, zusätzlichen und „anderen“ Note verstärken können. Die Last auf den Schultern der Erben von Grit & Grind ist enorm, für das junge Führungs-Duo eine absolute Feuerprobe.

Es braucht weder viel Fantasie um sich vorzustellen wie Morant und Jackson auf der großen Bühne über sich hinauswachsen und ein Husarenstück vollbringen, noch ist es unwahrscheinlich oder wirklich problematisch wenn die Youngster noch nicht die nötige Reife haben und ein Scheitern als Anreiz für zukünftige Verbesserungen nehmen würden.

Die Grizzlies sind die Wundertüte der Western Conference und definitiv einen zweiten Blick wert.

Prediction: 2-6, 10. Platz Western Conference



Portland Trail Blazers

(Seb Dumitru) @nbachefkoch

Flashback: 29-37 Siege, 9. Platz Western Conference
Schedule: MEM / BOS / HOU / DEN / LAC / PHI / DAL / BKN
Plus: Jaylen Adams
Minus: Trevor Ariza (Privat), Caleb Swanigan

Die Saison der Portland Trail Blazers drohte vollends den Back hinunter zu gehen, als ihnen nach schwachem Start und dem langfristigen Fehlen von Jusuf Nurkić und Zach Collins auch noch Rodney Hood mit gerissener Achillessehne wegknickte. Obwohl Damian Lillard sein Menschenmöglichstes tat, um Rip City auf Playoff-Kurs zu halten, schaffte es dieses Team nie, seine massiven Probleme am defensiven Ende und verloren gegangene, spielerische Identität wettzumachen. Daran konnten auch die viel gescholtenen Hassan Whiteside und Carmelo Anthony nichts ändern.

Monate später hat sich der Wind gedreht. Die zusätzliche Regenerationszeit für Nurkić und Collins hat möglich gemacht, dass beide etatmäßigen Starter auf den großen Positionen wieder fit und einsatzbereit sind. Vor allem Nurkić Rückkehr ändert alles. Der Bosnier ist als Rebounder, Verteidiger, Screener und Passgeber unersetzlich und das fehlende Yang zu Lillards Yin. „Dame Dolla“ spielt ohnehin die vermutlich beste Saison seiner Karriere, führt die Liga bei den absolvierten Minuten an, netzt lächerliche 62% True Shooting und platziert bei Punkten und Assists unter den Top-6 ligaweit.

Die Blazers stellten schon während der Saison die beste Offensive gegen Top-10 Defensiven. Mit Nurkics Rückkehr ist gewährleistet, dass alle Puzzleteile an ihre richtige Stelle rücken – und Portland plötzlich nicht nur über einen formidablen Kern in der Spitze verfügt (die Top-Sieben sind tough), sondern mit Momentum in Richtung siebte Playoff-Teilnahme in Folge powert. Das Conference Finale mag ihnen heuer verwehrt bleiben. Als ausgebuffter Kontrahent in Runde eins – ein realistisch erreichbares Bubble-Ziel für diese Veteranentruppe – sind die Blazers allerdings kein Witz.

Prediction: 5-3, 8. Platz Western Conference



New Orleans Pelicans

(Seb Dumitru) @nbachefkoch

Flashback: 28-36 Siege, 10. Platz Western Conference
Schedule: UTA / LAC / MEM / SAC / WAS / SAS / SAC / ORL
Plus: Sindarius Thornwell
Minus: Josh Grey

Der Saisonanfang war brutal für die Pels: vom Spielplan gehasst und von Verletzungen dezimiert, stolperte der Klub aus dem Bayou zu einer 6-22 Auftaktbilanz. Nummer eins Pick Zion Williamson war zum Jahreswechsel noch immer nicht auf dem Parkett zurück, es gab Gerüchte, er würde überhaupt nicht spielen in 2019/20. Spätestens da waren die Pelicans längst abgeschrieben. Im neuen Jahr änderte sich das Schicksal dieses Teams.

Angeführt von Most Improved Player Favorit Brandon Ingram, der mit 24 Punkten, sechs Rebounds und vier Assists pro Partie zu New Orleans' MVP aufstieg, plötzlich heißem Shooting des als Schützen stark verbesserten Lonzo Ball, All-Defensive Team Variabilität von Jrue Holiday, und Zions triumphaler Rückkehr aufs Parkett, rissen die Pelicans 22 Siege aus 36 Partien ab und sprinteten schnurstracks ins Playoff-Bild der Western Conference zurück.

Nicht nur Zions Statistiken verblüfften (16 Mal mindestens 20 PTS in seinen 19 Partien, im Schnitt 23,6 PPG & 6,8 RPG), sondern auch die Tatsache, dass die Pelicans mit Williamson in der Formation eine der absolut besten Lineups der gesamten NBA stellen. Seit seiner Rückkehr am 23. Januar legt das Team von Lionel Hollins ein Top-5er Net-Rating auf, natürlich verstärkt vom hinten hinaus viel einfacheren Spielplan. Den haben die Wasservögel auch in der Orlando-Bubble – wenngleich der Weg in die Playoffs bei nur acht verbleibenden Partien natürlich ungleich schwerer geworden ist. Machbare 3,5 Siege Rückstand auf Platz acht und die Präsenz von Zion Williamson alleine machen die Pelicans gleichzeitig zu einem der Must-Watch Teams in der Blase.

Prediction: 6-2, 9. Platz Western Conference



Sacramento Kings

(Daniel Schlechtriem) @W14Pick

Flashback: 28-36 Siege, 11. Platz Western Conference
Schedule: SAS / ORL / DAL / NOP / BKN / HOU / NOP / LAL
Plus: Corey Brewer
Minus: Marvin Bagley III (Fuß)

Für Sacramento kam die Corona-Pause zur Unzeit, denn Luke Waltons Truppe hatte nach einem durchwachsenen Saisonstart endlich Fahrt aufgenommen und unmittelbar vor der Unterbrechung sieben der letzten zehn Begegnungen für sich entschieden. Die Kalifornier waren dabei, möglicherweise entscheidende Meter in Richtung des achten Platzes und damit der ersten Playoffs seit 2006 gut zu machen.

Dank dieser Siegesserie dürfen die Kings zumindest in Orlando mitmischen respektive sind nicht bis Dezember, dem angestrebten Saisonstart 2020/21, zum Zuschauen verdammt, was der noch heranwachsenden Mannschaft mit Blick auf die mittelfristige Zukunft zugute kommen wird.

Ein reiner Betriebsausflug wird der Trip nach Disney World dennoch nicht: Die dreieinhalb Spiele Rückstand auf die Grizzlies und Rang acht würden für die Play-Ins und damit einen Showdown um die Postseason reichen, jedoch stehen die Trail Blazers und Pelicans im Weg. Die beiden direkten Kräftemessen mit New Orleans werden also entscheidend im Kampf um den letzten Playoff-Platz im Westen sein.

Für die Kings spricht der recht einfache Spielplan, nur drei der acht Gegner weisen eine positive Bilanz auf. Gegen sie spricht die allgemeine Personalsituation: De'Aaron Fox verpasste den Großteil der Vorbereitung wegen eines verstauchten Knöchels. In Buddy Hield, Jabari Parker, Alex Len sowie zuletzt Harrison Barnes waren gleich vier Spieler in den letzten Wochen von einer Corona-Infektion betroffen. Richaun Holmes verstieß in der Disney-Bubble gegen die Hygieneregeln und wurde zu zehn Tage Quarantäne verdonnert.

Eine optimale Vorbereitung sieht anders aus, erst recht da die Kings gleich vom ersten Spiel an funktionieren müssen.

Prediction: 4-4, 11. Platz Western Conference



San Antonio Spurs

(Daniel Schlechtriem) @W14Pick

Flashback: 27-36 Siege, 12. Platz Western Conference
Schedule: SAC / MEM / PHI / DEN / UTA / NOP / HOU / UTA
Plus: Tyler Zeller
Minus: LaMarcus Aldridge (Schulter), Trey Lyles (Appendektomie)

Die erste Postseason ohne die San Antonio Spurs seit 1997 hat bereits vor der Zwangspause konkrete Formen angenommen. Zwar halten die Play-Ins bei vier Spielen Rückstand oder weniger die Texaner noch im Rennen, die Absenz von LaMarcus Aldridge verschärft jedoch die ohnehin schon komplizierte Lage. Jener mag in die Jahre gekommen sein, seine allabendlichen 18,9 Punkte und 7,4 Rebounds werden die verbliebenen Spurs jedoch nicht ohne weiteres substituieren. Wenigstens sind keine Fälle einer Corona-Infektion bekannt.

Als 11. im Offensiv- sowie (für eine Truppe von Gregg Popovich geradezu schleierhaft) 24. im Defensiv-Rating spielte San Antonio bislang alles andere als überragenden Basketball. Ohne Aldridge wird es an beiden Enden sogar schwierig, den Platz zu halten. Der als Ersatz verpflichtete Tyler Zeller hat seit April 2019 kein NBA-Spiel absolviert.

San Antonios Auftakt gegen die Sacramento Kings und Memphis Grizzlies wird jeweils bereits zum „Tod-oder-Gladiolen“-Spiel, zwei Niederlagen sind praktisch gleichbedeutend mit der frühen Abreise. Denn fünf der restlichen sechs Begegnungen finden allesamt gegen Kontrahenten aus dem Playoff-Feld statt. Dass die Spurs in nur acht Partien ihre vier Spiele Rückstand auf den letzten Playoff-Rang einholen ist folglich undenkbar. Die Aufrechterhaltung der Serie wird demnach nur über die Play-Ins möglich sein, dafür müssen die Spurs allerdings die Kings, Pelicans und Blazers überholen.

Die letzten Jahre haben gezeigt: Gegen die Spurs und Popovich zu wetten ist grundsätzlich keine gute Idee. Wir machen es trotzdem.

Prediction: 2-6, 12. Platz Western Conference



Phoenix Suns

(Daniel Schlechtriem) @W14Pick

Flashback: 26-39 Siege, 13. Platz Western Conference
Schedule: WAS / DAL / LAC / IND / MIA / OKC / PHI / DAL
Plus: Cameron Payne
Minus: Kelly Oubre Jr. (Knie), Jared Harper

Sechs Spiele und fünf Plätze Rückstand auf die Playoffs, dazu ein schwieriger Spielplan mit nur einem einzigen Gegner ohne positive Bilanz. Die Suns wissen vermutlich selbst nicht so richtig, warum sie in die Orlando-Bubble eingeladen worden sind. Vielleicht aus Symmetriegründen, vielleicht weil der Abstand zu den zwölftplatzierten Spurs gar nicht so groß ist.

Jedenfalls ist der Re-Start für Phoenix nicht viel mehr als eine bessere Summer League, Entwicklung, Erfahrungswert und vielleicht auch Experiment, um die Mannschaft um Devin Booker (23) und DeAndre Ayton (22) zu formen und für die Zukunft auszurichten.

Die Veteranen Aron Baynes und Ricky Rubio stehen nach auskurierter Corona-Infektion zur Verfügung, reduzierte Minuten wären dennoch keine Überraschung, vor allem sobald das Ausscheiden rechnerisch feststeht. Die acht Spiele bis zum 13. August sind für Coach Monty Williams eine Chance, junge und grüne Spieler wie Elie Okobo, Ty Jerome oder Cheick Diallo unter harter Wettkampfpraxis zu testen.

Gedankenspiele um eine Aufholjagd verbieten sich. Einen Rang aufzurücken wäre für die Suns schon ein bemerkenswerter Erfolg. Realistisch ist dies aber freilich nicht.

Prediction: 1-7, 13. Platz Western Conference