18 August 2020

18. Aug, 2020


Nach Monaten der Ungewissheit und Wochen der Bubble-Gum starten endlich die NBA Playoffs und damit richtiger Basketball! Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content füttern. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - auf den Punkt wie Ausrufezeichen.

von BJÖRN PAHLKE @newera0813 | 18. Aug, 2020


Entrée

In der ersten Runde der Eastern Conference Playoffs treffen die Milwaukee Bucks, Erster der Tabelle, auf die achtplatzierten Orlando Magic. Es ist erst das zweite Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der Postseason. Die einzig andere Serie der Beiden fand in der Saison 2000/01 statt, als noch Namen wie Tracy McGrady oder Ray Allen die Schuhe schnürten. Milwaukee gewann damals mit 3-1.

In dieser Saison duellierten sich die Teams viermal. Die Partien gingen allesamt an die Bucks. Und das nicht zu knapp. Lediglich in einer Partie schafften es die Magic, den Rückstand am Ende einstellig zu halten und verloren „nur“ mit neun Punkten Unterschied. In der Bubble überzeugte beide Teams nicht wirklich, doch das mag nichts heißen, denn für beide stand die Platzierung im Osten relativ früh fest.


Für die Bucks lief in dieser Saison alles nach Plan. Sie haben die beste Bilanz der ganzen NBA und haben auch personell keine Ausfälle zu beklagen. Durch ihr Load Management in der Bubble wurde das Risiko für Verletzungen so gering wie möglich gehalten. Auch die Kopfnuss von Giannis Antetokounmpo gegen Moritz Wagner hatte keine gravierenden Folgen, denn die gerechte Strafe von einem Spiel Pause hat er schon beim letzten Seeding Game gegen die Grizzlies abgesessen.

Beim „Heimteam“ aus Orlando sieht die Situation deutlich anders aus. Besonders die Verletzung des gerade erst wieder fit gewordenen Jonathan Isaac wiegt schwer. Evan Fournier und Aaron Gordon scheinen allmählich wieder in Form zu kommen, doch der beste Bankspieler, Terrence Ross, musste die Bubble kurzfristig verlassen. Mittlerweile ist er wieder zu seinem Team gestoßen. Dennoch bleibt die Frage: Wie fit und eingespielt sind die Magic wirklich?


Warum Milwaukee gewinnt

Die Milwaukee Bucks haben nicht nur die beste Bilanz der Liga, sondern haben auch noch die beste Punktedifferenz aller NBA-Teams. Daher ist es kein Wunder, dass sie in dieser Saison Orlando bisher keine Chance ließen. Hinzu kommt, dass sie mit Sicht auf die nackten Zahlen die beste Offense mit 118,7 Punkten pro Spiel und die zweitbeste Quote aus dem Feld (47,6 %) bieten. Unterm Korb fangen sie zudem mit weitem Abstand die meisten Rebounds (51,7 Rebounds pro Partie).

Angeführt wird das Team vom amtierenden und wohl auch kommenden MVP der Liga. Antetokounmpo zu stoppen ist praktisch unmöglich. Wenn er zum Korb zieht, wird es düster für die Orlando Magic. Weder Gordon, noch Vucevic, noch sonst jemand werden gegen seine Athletik ankommen. Zudem ist er auch in der Defensive ein Monster und steht nicht zu Unrecht zur Wahl des DPOY. Ihn aus dem Spiel zu nehmen, ist für jede Mannschaft nahezu unmöglich.


Die komplette defensive Aufmerksamkeit wird sich auf den „Greek Freak“ richten und genau hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel, der den Bucks in die Karten spielt. Wenn Giannis zwangsläufig gedoppelt wird, eröffnen sich automatisch Räume für seine Mitspieler. Gerade Khris Middleton,  Brook Lopez und Co. haben hier die Chance, den freien Raum in Punkte umzuwandeln. Und dass sie das können, ist kein Geheimnis.

Sicher ist das komplette System der Bucks auf Giannis zugeschnitten, doch Milwaukee besitzt zusätzlich eine enorme Tiefe im Kader. Praktisch jeder Spieler hat sich im Vergleich zur Vorsaison verbessert. Auch wenn die Bucks den Dreier, besonders in der Bubble, nicht mehr so effizient wie in der letzten Saison treffen, hat man dennoch den Eindruck, dass sie einen Sprung nach vorne gemacht haben und noch gefährlicher daherkommen.


X-Faktor Bucks

In der Serie gegen die Magic wird es vor allem darum gehen, zu testen, was passiert, wenn Giannis mal nicht sein A-Game auspackt. Hier sind besonders seine Co-Stars gefragt. Middleton hat zur Genüge bewiesen, dass er das Potential dazu hat, doch besonders Lopez findet wieder zu seiner gewohnten Stärke zurück.

Der Center hat sein Spiel in den letzten Jahren vom Low Post immer mehr nach außen gezogen. In der Bubble überzeugte er mal so richtig und trumpfte in vielen Spielen sogar als Top-Scorer auf. Sicher auch, weil Coach Budenholzer Giannis nicht so einsetzte, wie er es in den Playoffs tun wird, doch gegen die Magic könnte gerade Lopez der Spieler sein, den die Bucks als Alternative zu Giannis erziehen können.

Wenn Lopez an seinen Leistungen anknüpft, darf Giannis weiter durchatmen. Die Bucks können weiter an ihren Alternativen basteln und sind für Teams gewappnet, die eine echte Herausforderung für den Griechen darstellen.


Marquee Matchup

Khris Middleton gegen Evan Fournier. Die beiden Flügel-Schützen spielen in ihren jeweiligen Systemen eine wichtige Rolle. Hier kann es in der Serie zu einem echten Shootout kommen. Beide haben ordentliche Quoten vorzuweisen. Während Middleton 41,5% von außen trifft, kommt der Franzose Fournier immerhin auf 39,9% – beides weit über Ligadurchschnitt.


Hier wird es spannend zu beobachten, wer von beiden heißer läuft. Das Potential zum heißen Händchen haben beide, doch im Endeffekt macht es die bessere Gesamtausstattung bei Middleton aus, der ihn eine Stufe über Fournier hievt. Zudem hat Fournier in letzter Zeit mit Verletzungen zu kämpfen gehabt und muss seinen Rhythmus erstmal wiederfinden.


Warum Orlando gewinnt

Orlando ist auf dem Papier das schlechtere Team. In beinahe jeder relevanten Statistik sind die Bucks vorne. Wenn man ehrlich ist, spricht nichts, aber auch wirklich gar nichts für die Magic. Aber genau das könnte ihre Chance sein. Sie können befreit aufspielen und starten in die Serie, ohne die kollektive Erwartung, auch nur ein Spiel gewinnen zu können.

Auch in den Playoffs im letzten Jahr haben sie es geschafft, den späteren Champion aus Toronto überraschend in Spiel eins den Sieg zu klauen. Grund dafür war eine Monster-Performance von D.J. Augustin. Eine einzige Monster-Performance wird aber wieder nicht reichen. 2019 folgten auf den Auftaktsieg vier Niederlagen gegen die Raptors. Vielleicht schaffen sie es ja, so eine Leistung zweimal aufs Parkett zu zaubern und die Bucks ins Grübeln zu bringen.


Ein anderes Szenario wäre ein physisches, hartes Spiel, das zum Erfolg führen könnte. Die Vergangenheit hat gezeigt: Giannis ist anfällig für Offensiv-Fouls. Durch seine aggressive Spielweise nicht verwunderlich, muss es den Magic gelingen, dem MVP Fouls anzuhängen und ihn somit früh auf die Bank zu befördern. Nur ohne Giannis als Gegenspieler haben die Magic eine realistische Chance.

Wenn es nicht für Ballverluste reicht, muss es Orlando gelingen, einfache Körbe am Brett zu vermeiden und die Bucks an die Linie zu schicken. Deren Freiwurfquote ist mit 74,2% ausbaufähig. Besonders Giannis wirft mit nur 63,3% von dort gerne mal einen daneben.


X-Faktor Magic

Nikola Vučević. Der Montenegriner ist der einzige Spieler, der mit der Star-Power der Bucks mithalten kann. Die Offensive muss über ihn laufen und es muss Orlando gelingen, ihn von Giannis fernzuhalten. Als etablierter NBA-Star ist er in der Pflicht, seine Mannschaft zu führen und das Zepter in die Hand zu nehmen.


Im Post-Up hat er gegen die Bucks durchaus Chancen zu scoren und kann die Aufmerksamkeit der Defense auf sich ziehen. Dadurch könnten sich Räume für die Shooter der Magic ergeben, die dann auch heiß laufen müssen. Ohne eine übermenschliche Quote von außen werden die Magic keine Chance haben. Das ganze Team muss liefern, wenn sie nicht mit einem Sweep den kurzen Weg nach Hause antreten wollen.


Marquee Matchup

Giannis gegen Orlando. Hier ein einzelnes Matchup zu beschreiben hat keinen Zweck. Kein Spieler im Roster der Magic hat das Potential, Giannis zu stoppen. Nur als Team können sie die bereits genannten Fouls provozieren, Antetokounmpo eindämmen und frustrieren.

Nur im Verbund ist den Magic etwas zuzutrauen, da sie keinen Spieler besitzen, der das Spiel oder sogar die Serie an sich reißen kann. Es geht zunächst darum, Giannis aus dem Spiel zu nehmen und ihn, wie Moritz Wagner es vorgemacht hat, ein wenig zu „kitzeln“. Erst dann können sie sich darauf konzentrieren, die Co-Stars zu verteidigen. Gelingt auch das, muss natürlich auch die eigene Offensive funktionieren.

Das sind viele Szenarien, die gleichzeitig greifen müssen und insgesamt sehr unwahrscheinlich klingen. Das Upset-Potential ist gering, und eigentlich kann es in dieser Serie nur einen Sieger geben: Milwaukee. Es riecht stark nach Sweep.


Die Rechnung, bitte!