17 August 2020

17. Aug, 2020


Nach Monaten der Ungewissheit und Wochen der Bubble-Gum starten endlich die NBA Playoffs und damit richtiger Basketball! Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content füttern. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - auf den Punkt wie Ausrufezeichen.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports | 17. Aug, 2020

Entrée

Luka Dončić und Kristaps Porziņģis gegen Paul George und Kawhi Leonard. Die Superstar-Bühne der Serie ist prall gefüllt und äußerst interessant, weil die Stärken sich auf beiden Seiten so unterschiedlich sind. Die Mavs haben mit Luka einen überragenden Spielmacher, der in der Bubble gegen die beste Defense (Milwaukee Bucks) einfach mal schlappe 19 Assists auflegte. Mit dem Zinger steht ein endlich wieder im Vollbesitz seiner Kräfte befindender Big Man mit superweichem Handgelenk an seiner Seite.

LA bringt zwei der besten Two-Way-Player der Association mit, die mit dem Flügel genau da auflaufen, wo Dallas nicht ganz so stark besetzt ist. Punkte sollten in dieser Serie also keine Mangelware sein. Immerhin treten die beiden Teams mit dem höchsten Offensiv-Rating gegeneinander an.

Die Ausgangslage ist dennoch klar. Die Clippers sind der klare Favorit. In Disney World gibt es zwar keinen Heimvorteil, trotzdem wäre ein Weiterkommen der Mavs ein echtes Upset. Dallas gehört mit seinem jungen Kern die Zukunft. Playoff-Erfahrung gibt es aber so gut wie keine bei relevanten Spielern. Das sieht bei den Clippers ganz anders aus. Amtierender Finals MVP und so.

Dieses Team wurde gebaut, um um den Titel mitzuspielen. Es soll endlich in die Conference Finals gehen, um das Manko der Lob City Jahre abzulegen. Da wäre ein Erstrunden-Aus gegen eine zwar talentierte aber auch limitierte Mannschaft desaströs.


Warum L.A. gewinnt

Weil sie im Gegensatz zu den Mavericks das ausgeglichenere Team sind. Dallas mag das etwas höhere Offensiv-Potential haben, dafür haben die Clippers die um Längen bessere Verteidigung. Das spiegelte sich auch in den drei Duellen in der regulären Saison wieder, die LA allesamt gewann.

Das Letzte ist gar nicht lange her. Am 6. August gewannen Kawhi und Co. 126-111. Dallas hielt drei Viertel gut, nur um dann wie so häufig in den entscheidenden Minuten abreißen zu lassen. Dončić und Porzingis erzielten 59 Punkte zusammen. Danach kam jedoch lange nichts. Als das Star-Duo am Ende müde war und die Clippers die Räume noch enger machten, wirkten die Texaner einfallslos.

Auf der anderen Seite sprang Marcus Morris Leonard und George in der Crunchtime mit zwei späten Dreiern zur Seite. Außerdem glänzte Ivica Zubac mit 15 Rebounds und 21 Zählern bei 100!!!% aus dem Feld. Mit Patrick Beverley und Montrezl Harrell liefen zwei weitere starke Spieler noch gar nicht mit auf.


Die beiden werden in den Playoffs zurück auf dem Feld erwartet und gerade als Verteidiger für die Dallas-Stars extrem wertvoll sein. Generell kamen die Clippers recht locker zu ihrem zweiten Platz im Westen. Der höchste Gang wurde selten eingeschaltet und doch sind sich alle sicher, dass es ihn gibt. Auch weil Kawhi Leonard es und eindrucksvoll bewiesen hat im letzten Jahr. Damals trug er ein Team in die Finals, was ohne ihn wahrscheinlich schlechter war als es sein jetziges ohne ihn ist.


X-Faktor Clippers

Lou Williams. Dallas hat fähige Verteidiger in seinen Reihen. Die sind aber eher nicht auf den Guard-Positionen zu Hause. Beispiel gefällig: Damian Lillard mag gerade super heiß sein. Bei seinen 61 Punkten gegen die Mavs wurde es ihm aber häufig auch sehr leicht gemacht. Diese Räume wird der ewige Sixth-Man-of-the-Year auch nutzen können.

Und auch müssen. Gerade wenn die Starter auf beiden Seiten auf der Bank sind, sollte sich die höhere Qualität der Clippers Ergänzungsspieler durchsetzen. Wie gut, dass Williams nach seiner Strip-Club-Pause so langsam wieder in Schuss kommt.


Marquee Matchup

Wie schaffen es die Mavs gleichzeitig George und Leonard zu verteidigen? Laufen beide heiß werden es die Mavs wohl mit Finney-Smith und Kleber probieren. Die sind vor dem eigenen Korb zwar definitiv ein Mehrwert, in der Offensive aber gerade wenn der Dreier nicht fällt, eher eine Limitierung.

Mit guter Offense kann Steve Ballmers Franchise den Mavs also auch gleich noch deren Angriff versauen. Auch im Big Men Duell lässt sich Punkten. Porzingis und Boban sind zwar immer mal für einen Block gut, häufig aber auch ein Drehkreuz. Kleber ist anderweitig beschäftigt und viel mehr gibt die Rotation auf groß beim Champion von 2011 nicht her.


Warum Dallas gewinnt

Weil Dallas mit Luka Dončić immer gewinnen kann. Gab es je einen Sophomore mit einem besseren Basketball-IQ und mehr Freude am Spiel? Wobei der Slowene es hier manchmal übertreibt. Er will halt nicht einfach nur einen Assist spielen, sondern auch einen schönen. Das endet hin und wieder in katastrophalen Turnovern, die sich Dallas in dieser Serie nicht leisten darf.


Deutlich in der Überzahl sind aber natürlich seine Anspiele auf völlig freie Mitspieler, die dann nicht mal den besten Wurf haben müssen, einfach weil sie für ihren Abschluss so viel Zeit haben. Dončićs eigener Abschluss ist in der Zone elitär. Er ist häufig nur mit einem Foul stoppen. Von den Playoff-Teilnehmern gehen nur James Harden und der griechische MVP häufiger an die Linie.

Leider denkt Dončić auch immer, dass er regelwidrig verteidigt wurde, wenn kein Foulpfiff ertönt und er nicht getroffen hat. Diese Schiedsrichter-Diskussionen haben ihn schon so manchmal aus dem Spiel gebracht. Gleiches gilt für seinen Step-Back-Dreier. Der kann eine Waffe sein, ist aber keine effiziente. Viele trifft er davon nur, weil er auch viele wirft. Gerade in der Crunchtime kann und hat das Spiele gekostet. Die Mischung sollte es machen.

Auch Kristaps Porziņģis nimmt so viele Dreier wie noch nie, lief aber auch oft genug heiß, um das zu rechtfertigen. Das Einhorn muss dafür nicht mal sonderlich frei sein, weil er einfach über jeden Gegner rüber wirft. Da werden auch Zubac oder Joakim Noah nicht rankommen. Die Mission für die Mavs ist also klar: Das Heil in der Flucht nach vorne suchen. Der Schlüssel wird es dabei aber sein, sich am Anfang nicht so zu verausgaben, dass die Luft am Ende wieder dünn wird.


X-Faktor Mavericks

Dorian Finney-Smith ist Dallas bester Flügelverteidiger und damit in dieser Serie der Mavs’sche Schlüsselspieler. Der 27-Jährige hat 2019/20 seinen Durchbruch geschafft. Spielte erstmals mehr als 30 Minuten im Schnitt und startete in fast allen Spielen. Seine Verteidigungs-Skills waren schon immer sichtbar. In der Offensive war er dagegen lange ein Störfaktor.

Damit ist mittlerweile Schluss. Finney Smith hat seine Dreierquote auf akzeptable bis gute 37,7 Prozent gesteigert, obwohl er mehr wirft als in den letzten Jahren. In der Corona-Pause scheint er weiter an seinem Wurf gearbeitet zu haben. Gegen Milwaukee stellte er mit 27 Zählern ein neues Career High auf, traf sechs Triples. Genau das brauchen die Mavericks.



Marquee Matchup

Äquivalent zu den Clippers kommt auch hier das Playmaking von der Bank. Wer sorgt dafür, dass die Mavs nicht einbrechen, wenn Dončić eine Pause bekommt? In der regulären Spielzeit war das Jalen Brunson, doch der Guard fehlt in Orlando verletzungsbedingt. Als Ersatz kam Trey Burke. Der war letztes Jahr schon mal bei Dallas, konnte aber nicht überzeugen.

Ganz im Gegenteil zu den Bubble Games. Die Messzahl mag klein sein, doch auch in so wenigen Spielen muss man erstmal 44 Prozent von draußen schießen, bei immerhin fünf Versuchen pro Spiel. Burkes Punkteschnitt ist auf dem Niveau seiner besten Jahre in Utah. Steals sagen zwar nur bedingt etwas über seine defensiven Fähigkeiten aus, doch auch dort liegt er erstmals über einem pro Spiel. Er wird sich Lou Williams in den Weg stellen.


Die Rechnung, bitte!