17 August 2020

17. Aug, 2020


Nach Monaten der Ungewissheit und Wochen der Bubble-Gum starten endlich die NBA Playoffs und damit richtiger Basketball! Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content füttern. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - auf den Punkt wie Ausrufezeichen.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 17. Aug, 2020

Entrée

Die NBA Playoffs 2020 starten mit einem Western Conference Shootout: Denver gegen Utah. Die Northwest-Rivalen treffen zum fünften Mal in der Postseason aufeinander (3-1 Utah), und zum ersten Mal seit der Spielzeit 2009/10.

In der regulären Saison gewannen die Nuggets alle drei Duelle – allerdings immer erst spät und mit kumulativ mickrigen elf Punkten Differenz. In der Bubble kamen beide Teams nie richtig in Tritt: fünf Niederlagen bei nur drei Siegen aus acht Partien, das ist wahrlich nicht das plus-.500 Niveau, das man von diesen beiden Möchtegern-Contendern gewohnt ist.


Die personelle Situation auf beiden Seiten zwang beide Coaches zur Vorsicht, und dazu, ihre Rotation und taktische Ausrichtung massiv anzupassen. Bojan Bogdanović fehlt bei Utah mit einer schweren Handgelenkverletzung, die operativ behandelt werden musste. Will Barton und Gary Harris absolvierten für Denver keine einzige Partie, sollen aber – so hoffen die Nuggets – zu den Playoffs wieder einsteigen.

Für die Jazz erschwerend hinzu kommt, dass Point Guard Mike Conley am Wochenende die Bubble aus persönlichen Gründen verlassen musste. Es wird mindestens zwei Partien dauern, ehe der Veteran nach der Geburt seines Kindes wieder zum Team hinzu stoßen kann.


Warum Denver gewinnt

Die Nuggets sind gegen Utah in dieser Saison 2019/20 noch ungeschlagen. Dass die Jazzer dem Team von Mike Malone irgendwo liegen – und dieses First Round Matchup laut Verschwörungstheoretikern nicht zuletzt deshalb auch in der Bubble gejagt wurde – bewies auch der 134-132 Double-Overtime Erfolg vor knapp zehn Tagen.

Angeführt von Nikola Jokić, den Utah nicht in den Griff bekommt, stellte Denver auch in Orlando einen der besten Angriffe der Liga. Garbage Time ausgenommen, griff dieses Team auf Top-Vier Niveau an. Vor allem, wenn die Starter auf dem Parkett stehen, haben Jokić, Murray & Co. nur ganz selten Probleme, den Ball in den Korb zu befördern.

Die weiter unten im Detail adressierte Metamorphose von Michael Porter Jr. zum legitimen Teil einer künftigen Big Three verschiebt die Waage noch deutlicher zugunsten der Klumpen. In 67 Bubble-Minuten kommt dieses junge Trio auf +10. Jokić und Murray funktioniert bereits seit Jahren ausgezeichnet. Jokić plus Porter ist ein neuer, explosiver Look. Wenn Malone es schafft, jederzeit von zwei seiner drei Youngster überdurchschnittlich geliefert zu bekommen, sind die Nuggets gefährlich.

Denvers individuelle Defensivoptionen gegen Donovan Mitchell funktionieren ebenfalls exzellent. Mitchell ging in Crunchtime und in der Verlängerung der bisher letzten Partie zwar ab wie Schmitz' Spinne. Davor lag seine Trefferquote gegen die Nuggets in dieser Saison allerdings bei unter 30% (16-56 FG)! Vor allem Torrey Craig kennt „Spida“ ausgezeichnet. Craig hielt Mitchell bei 25% FG und vier Ballverlusten, wann immer er sein primärer Verteidiger war.

Die Tiefe der Nuggets könnte ebenfalls entscheidend werden – vor allem, wenn Gary Harris und Will Barton, zwei wertvolle Wing-Optionen, in den Kader zurück kehren. Beide gelten weiterhin als 'Day-to-Day'. Ihr Einsatz ist wahrscheinlich. Insgesamt ist die Crew von Malone auf allen fünf Positionen mindestens doppelt besetzt. Diese Vielfalt kann an schlechten Tagen der Stars immer noch produktive Lineup-Kombinationen garantieren, die für den Sieg sorgen.


X-Faktor Nuggets

Michael Porter Jr. war nicht nur einer der Breakout-Player in der Bubble, sondern verändert im Alleingang die Möglichkeiten dieser Franchise. Der Rookie legte während des Restarts bombastische 22,0 Punkte und 8,6 Rebounds pro Partie auf, traf dabei sengende 42,4 Prozent seiner langen Bälle. Die NBA honorierte das mit einer Second Team All-Bubble Nominierung für den 22-Jährigen.


Wenn der lange Flügelspieler, der aufgrund einer schweren Rückenverletzung im Draft 2018 tief stürzte (Pick 14), seine Leistungen konservieren und künftig über ganze Saisons abrufen kann, sind die Nuggets ein ganz anderer Klub.

Vorbei dann die Zeiten, in denen Jokić und Murray für die Punkteproduktion ihres Teams fast im Alleingang verantwortlich wären; Porters Fähigkeiten, im Flow der Nuggets-Offensive seine Wurfversuche zu jagen, als Cutter oder im High-Low-Game mit Jokic zu zünden und seine 2,11 Meter Länge auch an den Brettern einzubringen, gibt Denver in den nächsten Jahren einen fulminanten 1-2-3 Kern. Diese Playoffs werden ein erster, echter Härtetest für MPJ!


Marquee Matchup

Nikola Jokić gegen Rudy Gobert. Der Serbe ist bekanntlich einer der besten Big Men der NBA, legt heuer 19,9 Punkte und 9,7 Rebounds mit 7,0 Assists pro Abend auf. Vor allem im Duell mit dem mehrfachen Defensive Player of the Year wächst der „Joker“ aber noch einmal über sich hinaus. Jokić schenkte dem Franzosen und den Salt Lake Musikanten in den drei Duellen dieser Saison 29,3 Punkte, 12,0 Rebounds and 9,0 Assists im Schnitt ein.


Egal ob im Low Post, als Shooter, Angriffsdrehkreuz oder nach offensivem Staubsaugen, der All-Star Big wirft Utah zu viele Probleme entgegen, die Gobert nicht alleine lösen kann. Erreicht der Tanzbär nur ansatzweise Normalform, haben die Nuggets bereits einen Vorteil. Dominiert er, ist diese Serie schnell vorbei.


Warum Utah gewinnt

Utah mag auf dem Papier wie das unterlegene Team wirken – vor allem nach dem Ausfall von Shooter/Scorer/Defender Bogdanović (20 PPG). Über die gesamte Saison gesehen stand das Team aus Salt Lake City statistisch jedoch besser da, als der Kontrahent auf der anderen Seite (8. beim Net-Rating, gegenüber 9. bei Denver). Dieser Fakt (18. ggü. 19.) hat auch nach acht Bubble-Games Bestand.

Die Jazz werden angeführt von einem der besten Center der NBA, Rudy Gobert, und seinem explosiven Backcourt-Partner, Donovan Mitchell. Die persönlichen Spannungen aus dem Frühjahr sind ad acta gelegt. Mitchell legt Karrierebestwerte bei den Punkten, Assists und den Quoten auf; Gobert reboundet und trifft besser denn je und macht sich berechtigte Hoffnungen auf die nächste Defensive Player of the Year Trophäe.

Denver hatte bereits während der regulären Saison massive Probleme gegen den langen Ball. Diese Schwäche ist in der Bubble zum absoluten Fiasko verkommen. Klar fehlen Harris und Barton, aber Denvers systemische Probleme (die aus kollektivem Zuhilfe-Kommen für Jokic am Ring resultieren), kann kein Team außen besser nutzen als diese Jazzer, die das treffsicherste NBA-Team von Downtown waren.

Eine weitere Schwachstelle der Goldklumpen war das Defensivrebounding. Zweite Wurfgelegenheiten und damit einfache Chancen sind die Tropfen, die eine enge Serie entscheiden können. Nicht vergessen: obwohl die Nuggets drei von drei gewannen, führte Utah in allen drei Duellen zwischenzeitlich zweistellig und verlor am Ende mit nur zwei, drei und sechs Punkten Unterschied.

Das Team von Quin Snyder bewies in Orlando phasenweise, wie es in den Playoffs zum Problem werden kann: Die Starter Conley, Mitchell, Royce O'Neale, Joe Ingles und Rudy Gobert bewegten den Ball und drückten aufs Tempo – viel mehr als noch während der regulären Saison. Das zentrale Mitchell/Gobert Pick-and-Roll, Mitchells Drives und Goberts Abroller, werden auch weiterhin hochqualitative Würfe vor allem aus den Ecken generieren. Die Rollenspieler müssen dann nichts anderes tun, als ihre Catch-and-Shoot Versuche durchschnittlich gut zu treffen.


X-Faktor Jazz

Mike Conley. Der Point Guard spielte zwar eine enttäuschende erste Saison in Utah. Sein Fehlen in mindestens zwei Partien und – aus Jazz-Sicht hoffentlich schnelle Rückkehr in die Bubble und aufs Parkett – wird jedoch einer der Schlüssel in dieser Serie sein.


Conley hat mehr als doppelt so viele Playoff-Partien auf dem Buckel (56) als die gesamte Jazz-Franchise (27) in den letzten sieben Jahren. Ohne Conley, der als Spielmacher, Initiator und Scorer vor allem nach Bogdanovićs Ausfall sehr wertvoll war, leistet noch mehr Verantwortung auf den Schultern von Mitchell und Sixth Man Jordan Clarkson.

Conleys Produktivität (14,4 Punkte, 4,4 Assists) stieg gegen Denver stark an: in zwei Partien kam der Veteran auf 20,5 Punkte, 7,0 Rebounds und 5,0 Assists im Schnitt, traf dabei 40% seiner Dreier. Utah braucht den Guard so schnell wie möglich wieder, um nicht zu schnell in dieser Serie ins Schwimmen zu geraten.


Marquee Matchup

Donovan Mitchell gegen Denvers Flügelarmada. Der junge Wing-Scorer krönte seine statistisch beste Leistung mit seiner ersten Ernennung ins All-Star Team. Jetzt muss der 23-Jährige beweisen, dass er diesen Klub auch als de facto Alleinunterhalter im Angriff tragen und durch die Postseason manövrieren kann.




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Snyder kann durch geschicktes X&O Geschachere dafür sorgen, dass Mitchell es nur selten mit Craig als primärem Verteidiger zu tun bekommt. Dann muss „Spida“ erbarmungslos attackieren; ohne Bogdanovic und Conley fehlen Utah fast komplett alle Playmaking und off-the-bounce Elemente im Angriff. Nur wenn Mitchell es schafft, seine individuellen Matchups – sei es gegen Craig, Jerami Grant, Murray oder sonstwen – zu dominieren, und seine Mitspieler aus der extra Aufmerksamkeit für den All-Star Profit schlagen – hat Utah in dieser Serie eine Chance aufs Upset.


Die Rechnung, bitte!