09 August 2020

9. Aug, 2020


Die NBA Playoffs stehen vor der Tür. Bevor sich die finalen Entscheidungen ergeben und die Begegnungen der ersten Runde feststehen, diskutiert die #NBACHEF-Redaktion: Wer wird sich den letzten freien Platz im Westen sichern? Wer profitiert von den Ausnahmebedingungen in der Orlando-Bubble, wem schaden sie? Wer sind die X-Faktoren? Und welche Serien wollen die Redakteure unbedingt sehen?

von NBACHEFSQUAD  | 9. Aug, 2020


Play-Ins West

Marc Lange: @godzfave44 Bei Memphis müsste schon einiges schieflaufen, um am Ende komplett aus den Play-Ins zu rutschen. Alle übrigen Spiele müssten die Grizzlies verlieren und die Konkurrenz darf sich im Gegenzug keinen Fehler mehr erlauben. Trotz des holprigen Starts wird Memphis den achten Platz daher wohl nicht mehr hergeben. Auf Platz neun sehe ich die glühend heißen Suns. Mit fünf Bubble-Siegen in Folge ist Phoenix das Team der Stunde. Dementsprechend hoffe ich, dass Devin Booker & Co. in den Play-Ins weiter über ihren Verhältnissen spielen und Memphis eliminieren. Gegen die Lakers wird dann Schluss sein. Aber mit all dem Rückenwind und getankten Selbstvertrauen vielleicht nicht unbedingt schon nach vier Spielen.

Jonas Röhrig: @jonasRo19 Ich tippe, Memphis wird von seinem Restprogramm (Raptors, Celtics, Bucks) maximal noch ein Spiel gewinnen und von Portland überholt werden. Für die Suns und Spurs wird es dann nicht mehr reichen, um Memphis Rang Neun noch streitig zu machen. In den Play-Ins sind die Blazers dann im direkten Duell zu stark und schicken die jungen Grizzlies souverän in den Urlaub.

Anno Haak: @kemperboyd Ich glaube immer noch an die Memphis Grizzlies und die Portland Trail Blazers. Erstens hoffe ich für die Juniorbären einfach immer noch, dass sie für ihre Saison belohnt und für Corona nicht bestraft werden. Für die Suns hoffe ich nichts Gutes, weil der schlechteste Besitzer westlich von New York und östlich von Sacramento und für uns alle hoffe ich auf Melo in einer Serie gegen LeBron.

Gerrit Lagenstein: @GAL_Sports Portland gehört zu den wenigen Teams, die in Orlando besser spielen als vor der langen Pause. Das zeigt, wie wichtig Jusuf Nurkić für die Trail Blazers ist. Nachdem Rip City Memphis von Rang acht verdrängt hat, werden sie die Grizzlies auch im Play-In Spiel schlagen. Mal schauen, wie sehr Dame die Lakers danach mit seinen berüchtigten Playoff-Buzzer-Beatern ärgern kann.


Daniel Schlechtriem: @W14Pick Ausschlussverfahren! Die Kings sind raus, bei den Pels fehlt die Kontinuität, San Antonio spielt (wieder mal) über den Erwartungen, wird aber angesichts des toughen Spielplans nicht mehr zwei Ränge gut machen. Bleiben die Grizzlies, Blazers sowie – Achtung, schlechtes Wortspiel – Phoenix aus der Asche. Die Bären müssen nur noch eine Partie gewinnen, ihre Gegner haben es aber in sich. Den Suns traue ich derweil inzwischen alles zu und gehe daher mit dem Trend: Memphis verliert die restlichen drei Spiele und fällt raus, Portland schiebt sich dadurch auf den achten Platz, die Suns auf den neunten. Im direkten Duell siegt dann die Qualität und Reife von Lillard. Als Herausforderer der Lakers wären die Blazers sowieso die spannendere Option.


Disney Plus

Lange: Grundsätzlich genießt Orlando durch die besondere Situation und den Bubble-Standort einen kleinen Vorteil. Spielt das am Ende eine Rolle gegen die Bucks? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Ansonsten sollten Mannschaften mit starker Team-Chemie wie die Thunder, Celtics oder Raptors von den Umständen profitieren. Gleiches gilt für Teams, die im Laufe der Saison auch auswärts zu überzeugen wussten. Dazu zählen, neben den Top-Seeds, vor allem die Mavs (22-13) und erneut die Raptors (25-9).

Röhrig: Wegen der Isolation verbringen die Teams viel mehr Zeit miteinander, als es sonst üblich ist. Daher ist es wahrscheinlich, dass Mannschaften, die sich untereinander gut verstehen, einen Vorteil aus der Situation in der Bubble ziehen. Eine gute Teamchemie wie die der Thunder, Bucks oder Heat könnte durchaus einen Einfluss im Verlauf der Playoffs haben. Abgesehen davon haben die bisherigen Spiele in der Bubble gezeigt: Die Offensiven funktionieren bereits auf Playoff-Niveau, während die Defense vieler Teams noch sehr uninspiriert daherkommt. So könnten sich Teams wie die Raptors mit einer defensiven Identität und gutem Coaching einen Vorteil verschaffen.


Haak:: Ich sehe wenig Grund anzunehmen, dass der Kevin Durant der Orlando Festspiele sein Highlightmomentum nicht auch in die Playoffs transportieren kann. Hätte ich Geld rum liegen, für das ich nicht sowieso schon wenig Ertrag erhalte, würde ich ergo auf T. J. Warren setzen.

Lagenstein: Die Clippers, wenn sie in den Playoffs auf die Lakers treffen sollten. Was in Los Angeles eine Sieben-Spiele-Auswärtsserie geworden wäre, verspricht nun ein völlig neutrales Duell zu werden. Es wird also wirklich die Mannschaft gewinnen, die besser ist und nicht die, die von den Rängen mehr gehypet wird.

Schlechtriem: Der Heimvorteil entfällt bei den Playoffs 2020. Das wird den Osten nicht weiter beeinflussen, abgesehen vielleicht von der Serie Vier gegen Fünf. Im Westen dagegen gleicht es die Chancen aus. Denver kann nicht auf den Höhenvorteil der Mile High City zählen, ebenso die Jazz oder Thunder mit ihrem lautstarken Publikum. Unabhängig von den Beteiligten und ihrem Matchup: Wer im Westen auf Fünf und Sechs landet hat es in der Bubble definitiv einfacher als außerhalb.


Disney Minus

Lange: Vor heimischer Kulisse ist Philadelphia diese Saison eine Macht: Sage und schreibe zwei Partien haben die 76ers im Wells Fargo Center nur verloren. Diese Stärke kann das Team um Joel Embiid nun nicht mehr ausspielen. Die bisherigen Siege in der Bubble sind auch eher dem machbaren Spielplan zu verdanken: Erfolge gab es nur gegen die Spurs, Wizards und Magic. In den Playoffs warten voraussichtlich mit den Celtics jedoch ein ganz anderes Kaliber. Das (bevorstehende) Saison-Aus von Ben Simmons erschwert die Dinge für Philly zusätzlich.

Röhrig: Den 76ers wird schon länger eine eher unterdurchschnittliche Atmosphäre im Kader nachgesagt. Es existieren viele Kleingruppen innerhalb der Mannschaft und es gibt Fragen, ob Simmons und Embiid das Team auch emotional führen können. Dass nun Simmons verletzt ausfällt und operiert werden muss macht die Situation nicht besser. Besorgniserregend ist außerdem die Diskrepanz zwischen der Bilanz in eigener Halle (31-2) und der Auswärtsbilanz (11-25). Sollten die Sixers in den Playoffs in Rückstand geraten, könnte die Stimmung im Locker Room kippen.

Haak: Offenbar für die Mavs, obwohl sie ja im Grunde nur tun, was sie prä Blase auch getan haben. Stark anfangen, also hoch führen, stärker nachlassen, Spiele knapp verhühnern, Herzen eigener Fans brechen. Bei den Spielern würde ich aufs erste Geratewohl hin mit Magic City Stadttraveller Lou „On the Six“ Williams gehen.

Lagenstein: Die Bucks spielen eine der besten Saisons ihrer Franchise-Geschichte. Die Belohnung dafür fällt recht mager aus: das Freilos in der ersten Runde der Playoffs. Schon in den Conference-Semis wartet dann ein Gegner, der ohne die eigenen Fans im Rücken eklig zu bespielen sein wird.

Schlechtriem: Die 76ers sind der offensichtliche Verlierer, weil ihnen sämtliche Fehler seit der Demission Sam Hinkies nach und nach um die Ohren fliegen. Philadelphias durchwachsenes Abschneiden hat seinen Ursprung sicherlich nicht in den außergewöhnlichen Verhältnissen rund um Orlando, manifestiert sich hier jedoch immer stärker. Der sechste Platz kann kaum ihr Anspruch sein, in der derzeitigen Verfassung und ohne Ben Simmons ist ein sang- und klangloses Ausscheiden gegen die Celtics in der ersten Runde unvermeidlich.



X-Faktor

Lange: Upset-Potenzial sehe ich ausschließlich im Westen. Auch in Bestbesetzung werden die Clippers kein leichtes Spiel mit den Mavericks haben. Luka Dončić und Kristaps Porzingis spielen seit Bubble-Beginn als One-Two-Punch richtig starken Basketball und sind der wohl undankbarste Gegner für die erste Runde. Hier ist gut und gern eine Sechs-Spiele-Serie möglich. Auch Utah ist eine Überraschung vermutlich gegen Denver zuzutrauen. So sehr ich das Starting Lineup der Nuggets mit Jokić als Point Guard auch feier, richtig gezündet hat die Anti-Smallball-Formation von Michel Malone bislang noch nicht.

Röhrig: Die Lakers werden froh sein, dass das Rennen um den achten Platz noch nicht zugunsten von Portland entschieden wurde. Denn die Blazers sind für LeBron und Co. ein denkbar schlechtes Matchup. Portland würde die Lakers, ohne deren einzigen defensiv fähigen Guard Avery Bradley, mit massenhaft Playmaking und Scoring im Backcourt durch Dame, C.J. und Bubble-MIP Gary Trent Jr. vor große Probleme stellen. Dazu hat Portland in Nurkić und Zach Collins sehr solide Big Men, die Anthony Davis zwar nicht stoppen, aber durchaus beschäftigen können. Doch die große Frage aus Blazers-Perspektive wäre: Wer verteidigt LeBron?

Haak: Im Osten in der zweiten Hälfte des Tableaus (darüber müssen wir wohl nicht über Upsets reden) niemand. Philly für mich nur, wenn Simmons, wonach es nicht auszusehen scheint, nochmal ein Bubble-Comeback gäbe. Im Westen wiederum alles von Fünf bis Sieben, wer auch immer da am Ende einläuft. Wenn ich einen nennen sollte, würde ich mutmaßen, dass sich niemand um eine erste Runde gegen die Jazz, sollten die in Hälfte zwei bleiben, reißen würde.


Lagenstein: Vor dem Re-Start hatte ich hier an die Mavs gedacht. Junges, talentiertes Team, das sich einfach wieder freut, Basketball spielen zu können. Mit seiner epischen Crunchtime-Schwäche disqualifiziert sich Dallas aber selbst. Daher gehe ich mit Portland, das nicht so weit unten in der Tabelle stehen würde, wenn sie die Mannschaft so wie jetzt die ganze Saison zusammen gehabt hätten.

Schlechtriem: OKC. Chris Paul, flankiert von Danilo Gallinari, Dennis Schröder, Shai Gilgeous-Alexander sowie dem unverwüstlichen Steven Adams... das ist kein wünschenswertes Rendezvous für eine Mannschaft im Westen, die unter normalen Umständen Heimvorteil hätte. Vor allem für die Jazz und Nuggets ist Oklahoma City ein gefährliches Matchup.


Diese Serie muss kommen

Lange: Lakers vs. Clippers. Battle of Los Angeles. Western Conference Finals. Jede andere Antwort ist nicht valide.


Röhrig: Seit der letzten Offseason warten wir alle auf das „Battle of L.A.“, daran ändert sich in der Bubble nichts. Beiden Teams werden uninspirierte Niederlagen (LAC gegen Phoenix) oder Schwächephasen (Lakers mit schlechtester Offense in der Bubble) fast kommentarlos verziehen, weil erwartet wird, dass sie in den Playoffs einen zweiten und dritten Gang haben. Doch die Clippers konnten die Seeding Games aufgrund von Verletzungen (Beverley), Trauerfällen in der Familie (Harrell) und Dummheit (Lou Williams) nicht nutzen, um ihre Rotation zu schärfen. Die Lakers dagegen spielen deutlich unter ihrem Niveau aus der regulären Saison und haben die vielleicht schwächste Guard-Rotation aller Playoffteams. Diese Serie muss kommen, weil ich endlich sehen will, ob beide Teams wirklich einfach so einen Gang hochschalten können und sie tatsächlich die Titelfavoriten Nummer eins und zwei sind.

Haak: Wie der Sternekoch sagte: Lakers Clippers Best of 11 bitte. Punkt.

Lagenstein: Lakers vs. Bucks. Bei aller Liebe für die anderen guten Teams. Was gibt es Besseres als die beiden MVP-Top-Kandidaten in den Finals im direkten Duell sehen zu können?

Schlechtriem: L.A. everywhere... vielleicht bin ich zu voreingenommen, aber ich sehe nicht die Lakers UND Clippers in den Conference Finals. Einer von beiden wird vorher die Segel streichen. Lila-Gold agiert aktuell nicht wie eine Mannschaft, die zwei Runden im Westen übersteht. Der kleine Bruder ist derweil immer noch der kleine Bruder und hat, egal in welcher Ära, in den entscheidenden Momenten versagt. Aber zurück zum Thema: Im Osten ein Re-Match zwischen den Bucks und Raptors um den Einzug in die Finals. Im Westen die Rockets zuerst gegen die Lakers, dann gegen die Clippers.