12 Oktober 2020

12. Okt, 2020


Das Thema ist die Zeit. Wenn es die Richtigen aufbringen, kann man damit anfangen, was der Mensch will. Mir hat es die Richtige aufgebracht. Die lange Saison ist um. Zeit für die Hymne, die nur LeBron James triggern kann. Die Zeit und wie man sie besiegt.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 12. Okt, 2020

Tictac
Die Zeit, ob man sie als Vater oder Mutter gendert, ist unbezwungen. Die Höllenmaschine, deren Passagiere wir alle sind, von der wir wissen, dass sie mit uns allen und uns alle vor die Wand und in die Erde fährt, ist nicht zu schlagen.

Der Erste, der einem Siegt nahekommt, ist er. Nicht Gott, nicht Gott verkleidet als Michael Jordan (näher kommen wir der Ziegendebatte hier nicht mehr). Ein vom Allmächtigen, der die Zeit aussetzen muss, um das Paradies zu generieren, von Ihm genetisch Beschenkter aus Akron/Ohio, könnte einen No-Contest erreichen.

17 Jahre
Wer (spät) im kommenden Jahr volljährig wird, war noch nicht geboren, als LeBron Raymone James die Best-of-39-Serie gegen die Messeinheit des Verfalls aufnahm. Jetzt, da er in die dritte Dekade einer beispiellosen Karriere gestartet ist, führt er 17-0.

Zwei. Tausend. Drei. Ich schenke allen die "Zuckerberg hatte 3,50 $ auf der Bank und die Eingangsszene von 'The social network' noch nicht erlebt"-Takes. Menschheits- und Basketballgeschichte kann ich niemandem ersparen.


Gerhard Schröders Wiederwahl war ein Jahr her. Saddam Hussein lebte noch. Lonzo Ball war noch nicht in der Grundschule. Jimmy Butler war noch nicht auf der High School. Steph Curry hatte Jahr eins derselben hinter sich. Steph Curry, geboren in Akron/Ohio (auch das kann ich keinem ersparen).

Damals, als die Welt eine andere, 9/11 noch ein Ding und Corona nur ein Bier war, damals, 6.192 Tage vor dem vierten Ring, bestieg der König seinen Thron. Bis heute, 34.241 Punkte später, hat er ihn nicht mehr hergegeben. Der Beste oder nix. No-Contest.

#1
17 Jahre nach dem Draft begann Michael Jordan sein albernes Abenteuer in der Hauptstadt. Magic Johnson hatte 5 Jahre vor Jahr 17 seine Karriere beendet. Larry Bird kennt die 17 nur von der Hallendecke in Boston. In einer Liga, in der Karrieren im Schnitt wenige Jahre und Primes bestenfalls 60 Monde zu dauern pflegen, dominiert 'er' seit eineinhalb Jahrzehnten.

Wer war in Jahr 17 nur in Rufweite eines MVP-Titels? Wer lief in Jahr 15 in Sichtweite von 30-12-9 herum? In den fucking Finals? Wer hat die Dauer einer Adoleszenz an der Spitze der Nahrungskette einer ähnlich kompetitiven Organisation verbracht?


Konstanz ist ein zu kleines Wort. Der Jubelperser in mir muss das Sonntagsgeschirr und das große Besteck herauskramen. Ali, Schumacher, Brady sind die einzigen Namen, deren Magnitude auf seinen Schatten passen. Vier Titel mit drei Franchises als Franchise Player ist unmatched. Die Zahl der Triple Doubles kann nur Magic. Vier Finals MVPs kann nur Jordan.

Jeder Rekord wird nur aufgestellt, um gebrochen zu werden. Jede historische Leistung ist eine Sternschnuppe, wenn Vater Zeit die Rollos schließt. Und doch: das wird bleiben. Er wird bleiben. GOAT-Debatte? No-Contest.

Fünf Dekaden
Wenn der beste Spieler der Welt etwas nicht schlagen kann, dann ist es nicht die Zeit. Es ist die emotionale Tiefe des Titels vor vier Jahren. Vier mal so lang wie seine Karriere zu jenem Zeitpunkt andauerte, wartete die Gemeinde, die er Heimat nennt, auf einen Titel. In irgendeinem Sport.

Die Position gegen das 73-Siege-Monster von der Bay war hoffnungsloser, als das Kind einer minderjährigen alleinerziehenden Mutter in Ohio zu sein. Der Mann, der als 17-jähriger Junge beschloss, eine Marke und ein Milliardär zu werden, war einmal übermannt.

Übermannt von den eigenen Gefühlen, den Tränen des Triumphs, der Genugtuung, die brennenden Trikots vergessen gemacht zu haben. Von dem Gefühl, Geschichte mit den eigenen Händen auf den Boden der Halle geschrieben zu haben, die niemand erobern konnte, bis er kam. 52 Jahre ungeschehen machen mit einem Block. Einem Block! Der emotionalste Verteidiger aller Zeiten. Not even close. No-Contest.

356 Tage
Die längste Prime der NBA-Geschichte findet ihren vorläufigen Höhepunkt am Ende der längsten Saison aller Zeiten. Fast ein Jahr nach der Auftaktpleite gewinnen die Lakers alles. Damals, gegen die Clippers, den Favoriten, den besten 12er der Liga.

An gefühlt jedem Tag, der nicht komplett mit Virus-Prognosen befüllt wird, findet man einen Artikel dazu, warum die Ex-Braves ein unmatchbares Matchup für die einst unbesiegbare Franchise aus Inglewood sei. Statt bestem Team aller Zeiten nicht mal bestes Team der Stadt.

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Mission Accomplished: Legacy Left

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James kennt diese Takes, da darf man sicher sein. Wenn er sagt, ihn interessiere das nicht, hört man zwischen den Zeilen immer, dass das periphere Tangieren das Ergebnis des Blicks in die eigene Glaskugel ist. 

Es interessiert ihn nicht, weil es yesterday's news sein werden, wenn er sie widerlegt haben wird. Im Futur drei, der Zeit, die er selbst erfunden haben wird, wenn wir alle noch Debatten über alle Zeiten und ihren Größten führen. Ziege. Kein Bock. No-Contest.

a-changin'...
Wenn sie ihn jetzt zum Sozialrevolutionär hochschreiben, zum BLM-Engel, der Colin Kaepernick vom Knieteufel zum standhaften Monster promoviert, kann ich wenig anfangen damit.

Jede Ikone seiner Größe bekommt Bedeutung über sein Spielfeld hinaus, ob gewollt oder ungewollt. Ob einem das inhaltlich gefällt, ist Geschmacksache. Wer glaubt, Jordans Dictum vom Republikaner, der seine Schuhe auch kauft, sei unpolitisch, hat den Begriff nicht verstanden.

Indes: MAGA-Zellhaufen, die im Vogelscheuchengewand Waffen auf Demonstranten richten, kaufen eher keine 'LBJs 13 flat'. Die Erzählung, er kämpfe gegen alles, was gegen Liebe stehe, die er bei Nichols am Streckmikro aufmachte, ist Identifikations- und Projektionsfläche für alles und jeden, für nichts und niemanden. Das ist ihm nicht vorzuwerfen, und ich liebe mehr, als ich hasse, nur: revolutionär ist es nicht.

Und Widerspruch droht in der NBA-Blase, und nicht nur der von Orlando, nicht. Der Mut des M. Ali oder der Sprinter von Mexiko City ist eine andere Liga als das. Die Zeiten sind anders, der Strom der Zeit reißt ihn mit, wenigstens hier: a-changin'. No homo politicus, No-Contest.

01/26/2020, 9:45 A.M.
Diesem Moment in der Zeit ist sie gewidmet, die 17. Meisterschaft der Purpur-Goldenen.

Eine Schwangerschaft minus 2 ist die Zäsur dieser Lakers-Saison her. Nicht viele Franchises können in der Corona-Spielzeit behaupten, diese Zäsur läge nicht im März. Die Lakers können. No-Contest, not even close.

An einem trüben Januar-Sonntag verschwindet ein Hubschrauber vom Radar. Mit seiner Tochter und anderen an Bord wird sein Leben viel zu früh ausgelöscht. Ein Leben für den Basketball. Der Größte in einer Franchise der Großen musste vor der Zeit gehen. Die Familie weint, der GOAT hat keine Angst vor Memes, ein Absturz auch für die Basketball-Welt.

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Gianna Bryant. Family Forever. ❤️

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Man muss LeBron James nicht persönlich kennen, um zu wissen, wie viel ihm ein Glückwunsch des wohl einzigen Menschen, der es mit ihm an Ehrgeiz, Siegeswille, aber auch rücksichtsloser Selbstoptimierung aufnehmen konnte, zu seiner vierten Meisterschaft bedeutet hätte.

Es wird nicht passieren. Das Schicksal wollte es anders, hat ihn abberufen, vor... ja vor der Zeit, vor LeBron J. Es fehlten ein bisschen Glück und zehn Monate. Niemand schlug die Zeit, auch Kobe nicht. Aber das Majestätischste, das der Basketballfan sehen kann, ist der Versuch von LeBron James, es zu versuchen. Die Zeit ist unbesiegt. Mamba out.