16 November 2020

16. Nov, 2020


Die alljährliche Talentewahl steht wieder an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Nicht zuletzt deshalb lohnt sich ein detaillierter Blick auf ausgewählte Prospects des Drafts. Denn auch 2020 tümmelt sich der ein oder andere Sleeper unter den zahlreichen Namen.

von AXEL BABST @BabstMadness | 16. Nov, 2020

Kontext
Basics: Small Ball Vierer, Hustle & Energizer, 6'5'' in Schuhen, ??? Wingspan, ??? Standing Reach, Jahrgang '97

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Team und Karriere: Mit der UNC Asheville zog Dwayne Sutton als Freshman direkt in das NCAA Tournament ein und machte von sich Reden. Ohne ein Stipendium zu erhalten, wechselte er im Folgesommer nach Louisville und verbrachte dort sein Redshirt Jahr als Walk-On. Erst als Sophomore erhielt er das ersehnte Stipendium sowie einen Platz in der Rotation. Ab seinem Junior Jahr war Sutton fester Bestandteil der Starting Five und präsentierte sich verstärkt als emotionaler Anführer, der mit seiner Härte und Unnachgiebigkeit den Ton angab.

Bedeutet: Sutton hat bereits eine Menge erlebt in den Jahren am College: zwei unterschiedliche Programme, mehrere Coaches und den Nachhall der Recruiting Affäre um Rick Pitino. All das ließ den Tweener ziemlich unbeeindruckt und er hauchte seinen Mitspieler die eigene Winnermentalität ein. Sutton wird sich in nahezu jedem Setting zurechtfinden und dort seine Visitenkarte hinterlassen.

Die Nische
Die Bezeichnung "Glue Guy" fällt fast schon inflationär häufig, wenn Dwayne Sutton in wenigen Worten beschrieben werden soll. So ausgelutscht diese Phrase auch sein mag, im Kern trifft sie schon gut, was Sutton auszeichnet. Er ist sich für keine Aufgabe zu schade und hat die Fähigkeit, auch jede Aufgabe zur Zufriedenheit seines Coaches zu erledigen. In erster Linie bringt er viel Härte in der Verteidigung und Uneigennützigkeit in der Offense mit.  


In der Verteidigung besticht Sutton mehr als nur durch Härte und Intensität. Es ist seine Vielseitigkeit, die ihn so interessant macht. Am College spielte er die Position Vier - trotz weniger als zwei Metern Körperhöhe. Dennoch konnte er Stretch Bigs genauso wie Lowposttänzern das Punkten gleichermaßen erschweren.

Sutton hat einen tiefen Körperschwerpunkt, kräfitgen Oberkörper, schnelle Füße und eine zermürbende Hingabe im Angebot. Gleichzeitig kann er im Pick & Roll/Pop nach Belieben switchen und auch Point Guards am Durchbruch in die Zone hindern. Mit seiner Defense entfacht er stets Emotionen bei seinen Teamkollegen und initiiert immer mal wieder Läufe auf diese Weise.

Im Angriff ist Suttons größte Stärke seine Genügsamkeit. Er nimmt brav an, was immer ihm gegeben wird und lässt sich auch nicht davon herunterziehen, wenn er mal eine ganze Weile leer ausgehen sollte. Sutton hat ein gutes Spielverständnis, was sich durch kluge Pässe oder Cuts im richtigen Moment manifestiert.  

Die Knackpunkte
Die Frage ist allerdings, ob die Offense ausreicht, um ihn dauerhaft in der NBA zu halten. Etwas mehr als neun Punkte pro Spiel stand am Ende der vergangenen Saison zu Buche. Sutton ist niemand, der sich seinen eigenen Wurf kreieren kann - das muss er aber auch nicht.

Entscheidender sind hingegen zwei andere Komponenten: Wie sicher ist sein Distanzwurf und kann er Closeouts geschickter attackieren? In seiner Zeit bei den Cardinals lag seine Dreierquote über drei Jahre ziemlich konstant bei etwa 35 Prozent. Das ist ein solider Wert, allerdings stellt sich die Frage, wie gut er die Umstellung auf die größere Distanz in der NBA verkraftet. Sutton wirft viel aus den Armen und könnte sich umstellen müssen.

Je verlässlicher er seinen Wurf trifft, desto leichter wird es auch für ihn, Closeouts zu attackieren. Hier muss er dringend effektiver werden. Mit seiner Gestalt ist er der ideale Slasher, doch dafür fehlen ihm Entschlossenheit, Ballhandling und Technik beim Finish. Das muss er dringend ausbessern.

In der Verteidigung sollte sich Sutton schnell an die NBA gewöhnen. Letztlich ist hier entscheidend: Kann er seinen großen Trumpf - nominelle Vierer wie Ballhandler gleichermaßen gut verteidigen zu können - auch in der NBA so anwenden? Ist er groß genug für die Bigs und schnell genug für die Guards?

Die Szenarien?
Realistisch betrachtet wird Dwayne Sutton nicht gedraftet, muss die Ochsentour durch G-League oder Europa auf sich nehmen, um sich dort seine Sporen zu verdienen und dann mittelfristig mit Ende 20 doch noch in der NBA zu landen. Sutton hat grundsätzlich viele Attribute, die ihm in der NBA helfen können und ihm dort eine Rolle gestatten. Die Konkurrenz ist allerdings groß und Sutton wird dafür weiter an sich arbeiten müssen.

Letzten Endes steht und fällt alles mit dem Wurf und der Übertragbarkeit seiner defensiven Fähigkeiten. Solange Sutton sich in diesen Bereichen nicht versuchen darf und seine Chance erhält, wird es schwierig für ihn, die Zweifel an seinen Fähigkeit auszuräumen. Bekommt er diese Chance, ist es angesichts seiner Mentalität wahrscheinlich, dass er sie auch zu nutzen weiß.