14 November 2020

14. Nov, 2020


Die alljährliche Talentewahl steht wieder an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Nicht zuletzt deshalb lohnt sich ein detaillierter Blick auf ausgewählte Prospects des Drafts. Denn auch 2020 tümmelt sich der ein oder andere Sleeper unter den zahlreichen Namen.

von AXEL BABST @BabstMadness | 14. Nov, 2020

Kontext
Basics: Combo-Guard, 3-and-D, 6'4'' in Schuhen, 6'6'' Wingspan, 8'3'' Standing Reach, Jahrgang '97

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 

Team und Karriere: Skylar Mays begann seine LSU-Karriere zunächst als Bankspieler, konnte jedoch relativ schnell als Freshman mit seiner abgezockten Art und Weise überzeugen und eroberte so einen Platz in der Starting Five - allerdings als Point Guard. Das war weder damals noch ist es heute seine natürliche Rolle. 

Doch er meisterte die Herausforderung souverän und konnte in den folgenden drei Saisons rutschte Mays dank der Ankunft von Tremont Waters bzw. Javonte Smart in seine angestammte Rolle als Combo Guard. Gerade in den letzten beiden Jahren entwickelte er sich zu einem der komplettesten Spieler der Conference, der an beiden Enden des Courts seiner Anführerposition gerecht wurde. 

Der verdiente Lohn war die Auszeichnung als Academic All American Player der vergangenen Saison. Sollte Mays' der Sprung in die NBA widererwartend nicht dauerhaft gelingen, hat er seinen Plan B schon fest vor Augen: Die Rückkehr ans College, um sein Medizinstudium abzuschließen.

Bedeutet: Mays hat seine Variabilität und Adaptivität unter Beweis gestellt. Er ist erfahren und NBA Athletik aus den Kadern seiner Tigers gewohnt. Das sind gute Voraussetzungen für eine schnelle Eingewöhnung und eine fortwährende NBA Karriere.

Die Nische
Skylar Mays ist der perfekte Rollenspieler in der NBA, da er mehrere Rollen ausüben und seinem künftigen Team somit auf eine Vielzahl an Arten weiterhelfen kann. Neben seinen grundlegend vorhandenen Fähigkeit besitzt Mays das zusätzlich Geschick, sich mit diesen Rollen auch wunderbar zu arrangieren.  


In erster Linie wird für Mays der Distanzwurf von zentraler Bedeutung sein - wie sollte es in der heutigen NBA auch anders sein? In der abgelaufenen Saison verbuchte er einen persönlichen Spitzenwert mit 39,4 Prozent Erfolgsquote. Allerdings muss er diesen Wert in der NBA erst noch bestätigen. Eine flache Wurfkurve und 31,3 Prozent in der Vorsaison geben hier Anlass zu leichter Nervosität. Neben seinem Shooting kann Mays auch mal als Ballhandler einspringen. Er hat durchaus eine Vielzahl an Moves gegen verschiedene Verteidigungsformen im Repertoire.

Die Defense ist jedoch das eigentliche Steckenpferd von Mays. Obwohl er der beste Spieler seines Teams war, war er sich keinesfalls zu schade, den wiederum besten Offensivspieler des gegnerischen Teams zu bewachen. Mays ist dafür prädestiniert: Bullige Statur, exzellente Fußarbeit, gute Rumpfstabilität und viel Hartnäckigkeit geben ihm ein Grundpaket, das er auch in der NBA ohne größere Schwierigkeiten zur Anwendung bringen wird. 


Die Knackpunkte
Wenn der Wurf sich als zu wackelig herausstellen sollte, muss Mays andere Wege finden, sich einzubringen. Entsprechend wäre es wichtig, dass er sein gewonnenes Selbstvertrauen ausnutzt und eventuell ausweitet, um weitere Schritte in seiner Entwicklung als Ballhandler zu machen. Vor gut zwei Jahren wäre der Vergleich mit Malcolm Brogdon noch gänzlich außer Reichweite gewesen. Heute ist er zumindest diskutabel, auch wenn beide selbstverständlich andere Spielertypen sind und Brogdon deutlich näher am Idealbild des Point Guards anzusiedeln ist.

Daneben wäre wichtig, dass Mays seine Effizienz als Spieler abseits des Balls erhöht. Grundsätzlich fühlt er sich hier ohnehin nicht unwohl. Allerdings muss er noch ein besseres Verständnis für Cuts, Timing und Spacing entwickeln. Hier waren die Strukturen an der LSU nicht stabil genug, um eine gesunde Spielkultur im Halbfeld kennenzulernen.

In der Verteidigung gibt es prinzipiell wenig Problemstellen. Eine Frage drängt sich jedoch auf: Kann Mays auch Wings verteidigen? Am College ging das zwar sehr gut, allerdings sind Physis, Länge und Sprunggewalt kaum miteinander zu vergleichen. Hier könnte Mays Probleme bekommen. Er ist zwar bullig, verfügt aber nur über eine geringe Spannweite und Standing Reach. Das kann gerade bei Closeouts den Störfaktor für seine Gegner minimieren.

Die Szenarien?
Grundsätzlich kann jedes NBA Team einen Spieler wie Skylar Mays gebrauchen. Er vereint vieles, was in der NBA bei Spielern ab Kaderspot sieben oder acht gern gesehen ist: Defense, Shooting(?), ein wenig Ballhandling, viel Spielverständnis, viel Toughness und Leadershipqualitäten.

Wie bei so vielen Spielern dieser Kaste stellt sich letztlich die Frage, ob sich ein Team findet, dass einen Narren an Mays frisst. Passiert das, kann er sich durchaus eine dauerhafte Rolle erkämpfen und dürfte über Jahre mit seinen Sneakern durch die Arenen der NBA quietschen.