14 November 2020

14. Nov, 2020


Die alljährliche Talentewahl steht wieder an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Nicht zuletzt deshalb lohnt sich ein detaillierter Blick auf ausgewählte Prospects des Drafts. Denn auch 2020 tümmelt sich der ein oder andere Sleeper unter den zahlreichen Namen.

von AXEL BABST @BabstMadness | 14. Nov, 2020

Kontext
Basics: Combo-Guard, 3-and-D, 6'4'' in Schuhen, 6'8'' Wingspan, 8'4'' Standing Reach, Jahrgang '98

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Team und Karriere: Ty-Shon Alexander verbrachte all seine drei Jahre in Nebraska an der Creighton University. Als ehemaliger Top80-Rekrut seines Highschool-Jahrgangs (zumindest laut ESPN), hatte er zunächst Anpassungsschwierigkeiten. Creightons Offense ist nah am Zahn der Zeit, an der NBA und auch europäische Einflüsse lassen sich identifizieren. In Teilen ist Creighton sogar Vorbild für Spielzüge in den Playbooks so mancher NBA-Teams - eine Art Ritterschlag für Greg McDermott und Staff.

Bedeutet: Für Alexander sollte die Akklimatisierung in der NBA deutlich schneller gelingen als noch der Übergang von Highschool zu College. Viel ändern sollte sich in der Spielweise nicht. Vom Rotationsspieler mauserte sich Alexander zu einem der zwei Leader des Teams, neben Mitch Ballock (a.k.a Der-dessen-Name-nicht-ausgesprochen-werden-kann).

Die Nische
Abseits der Lottery-Kandidaten hat Alexander gute Argumente zur Hand, um als einer der besten - vielleicht der beste - Verteidiger am Perimeter betrachtet werden zu können. Der Combo-Guard hat sich in der vergangenen Saison mit der Rolle als 3-and-D-Spieler arrangiert und gehörte damit am College zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs sicher zur Crème de la Crème. 

In der NBA sollte der Junior auch viele seiner Eigenschaften und Fähigkeiten sofort zur Anwendung bringen können. Seine Fußarbeit ist exzellent. Entweder ist er schnell genug, um vor dem Gegner zu bleiben, oder gibt sich zumindest so widerspenstig, dass er den Angreifer entscheidend abdrängen und zu einem schwierigen Abschluss forcieren kann. Hierbei hilft ihm seine Spannweite enorm. 


Auch als Teamverteidiger ist Alexander große Kompetenz zu bescheinigen. Er erahnt brenzlige Situationen im Vorhinein, greift daher präventiv ein oder entschärft sie mühelos. Schnelle Hände und gute Technik bei Closeouts oder Hilfssituationen erweisen sich ebenfalls als hilfreiche Werkzeuge.

Offensiv muss sich Alexander vor allem auf seinen Distanzwurf verlassen. Fast 40 Prozent seiner 6,5 Versuche pro Spiel fanden ihr Ziel - damit gehört Alexander zu den kompetentesten Werfern des Jahrgangs. Wichtiger noch: Alexander ist ein variabler Schütze. Aus dem Catch & Shoot gibt er sich ohnehin selten die Blöße. 

Die Blue Jays liefen darüberhinaus aber auch gezielt Setplays für ihn, an deren Ende er aus der Bewegung abdrücken sollte. Meist waren diese Plays auch von Erfolg gekrönt. Dank seiner guten Fußarbeit ist Alexander fast immer in Balance, wenn er das Leder auf die Reise schickt. 

Die Knackpunkte
Am College konnte Alexander noch sehr unterschiedliche Spielertypen in Schach halten. In der NBA werden seine Matchups größer und schneller sein - das wird sein Leistungsvermögen deutlich einschränken. In diesem Zusammenhang muss sich Alexander vor allem als geeigneter Switch-Verteidiger beweisen. 

Gelingt ihm dies nicht, würde das sein defensives Potential zusätzlich einschränken. Hoffnung gibt hier, dass Alexander eine gute Mischung aus Spielintelligenz, technischer Grundausbildung und körperlichen Voraussetzungen mitbringt.

Offensiv wird Alexander über seine Rolle als Schütze kaum hinauswachsen. Bei den Blue Jays wurde er selten als Ballhandler genutzt - anders als noch in seinen ersten beiden Jahren. Mit der Ankunft von Mitspieler Marcus Zegarowksi konnte sich Alexander viel mehr offball tummeln und dieses Zusammenspiel harmonierte im Laufe der Zeit immer besser. 

Das hatte zur Folge, dass er deutlich effizienter agierte (steigerte Offensivrating von knapp 108 auf fast 119, TrueShooting von 55 Prozent auf 59 Prozent). Sein Ballhandling und seine Qualitäten als Finisher sind mäßig ausgeprägt, weswegen er selten das Kreieren für Mitspieler übernehmen wird.

Das muss er aber auch nicht. Viel wichtiger wäre, dass er konstanter in der Lage ist, Closeouts zu bestrafen. Zu häufig startet der Guard noch Drives mit einem Vorteil und verliert diesen dann, weil er sich selbst buchstäblich ausbremst. Alexander ist auf two-feet-Abschlüsse konditioniert und kann sie maximal noch zu einem Rondo-Fake ummodellieren. Darauf fällt jedoch kein Verteidiger herein. Hier muss Alexander variabler und entschlossener werden, um seine Rolle effizienter auszufüllen.

Die Szenarien?
Der Weg ist auf den ersten Blick sehr klar vorskizziert: Alexander wird darauf setzen müssen, sich eine Rolle als 3-and-D-Spezialist am Ende der Rotation zu erarbeiten und sich damit das Fundament für eine länger währende NBA Karriere zu legen. 

Die Rahmenbedingungen sind günstig: Er bringt die notwendigen Skills und Talente mit, hat diese Rolle schon am College in einem NBA-nahen System bekleidet und dieses Portfolio ist in der derzeitigen NBA eine sichere Anlage.

Auf der anderen Seite geht Alexander so ein wenig das glasklare Alleinstellungsmerkmal abhanden. Dadurch wird es vor allem darauf ankommen, dass er eine günstige Situation findet, in der er seine neuen Arbeitgeber davon überzeugt, dass er eben doch eine Verlässlichkeit oder Stütze bildet, die andere 3-and-D-Prospects bzw. etablierte Spieler nicht zu bieten haben.

Ein NBA-Spieler ist Alexander also auf jeden Fall. Die Frage ist: Wie lange kann er sich diesen Status in welchem Umfang erstreiten?