17 November 2020

17. Nov, 2020


Der NBA-Draft steht an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Das muss nicht viel heißen - vor allem für die projizierten Top- und Lottery-Picks. Diesmal: Anthony Edwards 

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 17. Nov, 2020

Kontext
BasicsGuard, 6'5", 6'9" Wingspan, Jahrgang '01

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Einordnung
"With the first pick in the 2020 NBA Draft, the Minnesota Timberwolves select: Anthony Edwards...". Geht es nach Anthony Edwards, wird Adam Silver dies am Mittwoch Abend genau so verkünden. Doch nicht nur Edwards sieht sich selbst als bestes Nachwuchstalent, sondern auch viele Experten und Fans.

In den meisten Mock Drafts, die vor dem großen Event morgen Abend kursieren, platziert Edwards auf Rang eins - noch vor LaMelo Ball, James Wiseman und Konsorten. 

Plus/Minus
Der junge Guard bringt auf seiner Position fast alles mit, was man sich als Team wünscht. Sein Potential überstrahlt das der restlichen Klasse - nicht zuletzt wegen seinem Gardemaß für einen NBA-Guard.
 
Dass er nicht unumstritten dort steht, wo er sich selbst sieht, liegt aber daran, dass auch er eklatante Schwächen in seinem Spiel hat. 
Aber der Reihe nach. Es gibt Spiele, in denen explodiert Edwards förmlich und wirft sich in eine Art Rausch. Dann wiederum taucht er phasenweise komplett ab und wirkt fast schon lustlos. 

Letzteres kann man auf das unterirdisch schlechte Georgia Team zurückführen, in dem kaum ein Spieler neben Edwards für Gefahr sorgte und damit seinen Raum für Drives erstickte. In der NBA wird das anders laufen - was ihn gefährlich macht. Sein Tempo und Koordination ist beeindruckend, es scheint ihm leicht zu fallen urplötzlich die Richtung zu wechseln, um daraufhin in Ringnähe stark abzuschließen.

Auch auf der anderen Seite des Feldes dürfte ihm das helfen. In Kombination mit seiner Masse dürfte kaum ein Angreifer einfach so an ihm vorbeiziehen können. So könnte er auch größeren Spielern nach Switches den Wurf erschweren, da er über eine gute Spannweite verfügt. Hinzu kommt, dass er ein enormer Athlet ist, der immer wieder in den Highlight Plays auftaucht.
 
Jedoch darf man ihn nicht darauf reduzieren, denn sein Sprungwurf sieht trotz magerer 29% Dreierquote gut aus. Zusätzlich warf er ein hohes Volumen. Dies dürfte in der NBA signifikant abnehmen, was im Normalfall mit einer Steigerung der Quote einhergeht. Edwards war der einzige Bulldog, der überhaupt über einen Jumper verfügte. 


Dank seiner Athletik und Masse war es ihm immer leicht, Räume für sich zu schaffen und aus allen erdenklichen Lagen abzudrücken. Auch dies dürfte sich nun ändern, da er nicht mehr der Local Hero ist, sondern sich dem Team, das ihn wählt, unterordnen muss. Auf den ersten Blick wirkt seine Wurfauswahl in der NCAA verheerend, doch man darf sich wie gesagt nicht davon blenden lassen. 

Vom Können und Potential her, dürfte er ein Plusspieler an beiden Seiten des Feldes werden. Das größte Fragezeichen ist seine bisherige Inkonstanz. Oft tauchte er in defensiven Sequenzen ab, was aber kein Grund zur Sorge sein muss, da auch ein Ben Simmons am College keinerlei Interesse an Defense hatte und heute zu den Besten auf diesem Gebiet zählt. 

Woran Edwards definitiv arbeiten muss und auch das schlechte Team nicht als Ausrede zählen kann, ist sein Decision- und Playmaking. Ihm fehlt bisher das Gespür, wann er sich vom Ball trennen muss und seine Mitspieler sich in einer besseren Abschlussposition befinden. Was das angeht, macht sein Gespür im Pick & Roll Hoffnung. 

Fit? 
Trotz dieser Schwächen, sollte Edwards vom Potential der Nummer 1 Pick sein. Für ihn problematisch kann sein, dass diesen Minnesota hält und manche Fans dort vielleicht schon Dèja vu-artige Rückblenden an einen ehemaligen 1st Pick haben: Andrew Wiggins. 

Auch dieser kam als athletischer Scorer mit defensivem Potential in die NBA, doch bis heute gilt Wiggins als Missverständnis - massiv überbezahlt und enttäuschend. 

Zwar wird auch Edwards vermutlich kein Superstar, doch das Potential zum Abo-All-Star birgt er allemal. Er erinnert ein wenig an eine größere Version von Eric Gordon oder Donovan Mitchell. 

Die zentrale Frage, die wohl gestellt werden muss: Kann Edwards sein Team wirklich besser machen, oder wird er ein reiner (ineffektiver) Scorer bleiben? In einer Klasse wie dieser sollte Minnesota das Risiko eingehen.