17 November 2020

17. Nov, 2020


Der NBA-Draft steht an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Das muss nicht viel heißen - vor allem für die projizierten Top- und Lottery-Picks. Diesmal: Deni Avdija 

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 17. Nov, 2020

Kontext
BasicsWing, 6'9", 6'9" Wingspan, Jahrgang '01

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Einordnung
Nicolas Batum hat unlängst bei den Charlotte Hornets seine Player Option gezogen und wird somit auch in der kommenden Saison als einer der überbezahltesten Spieler der gesamten Association gelten. An Spielern wie ihm scheiden sich generell die Geister in der NBA Community. Die einen argumentieren, dass Spieler wie er wichtig sind, und von allem ein bisschen liefern, andere wiederum wollen Spieler mit klaren Stärken und Schwächen.
 
Im diesjährigen Draft wird ein junger Israeli immer wieder mit Batum verglichen: Deni Avdija. Der Vergleich liegt nahe, denn sowohl Avdija als auch Batum sind Wings/Small Forwards, beide sind groß und robust, liefern sekundäres Playmaking, treffen solide, rebounden und fallen defensiv nicht ab.
 
Auch bei Avdija scheinen sich Experten nicht einig zu werden. Manche sehen in ihm das größte Talent auf seiner Position, während andere davor warnen, ihn zu früh zu ziehen. Diese Uneinigkeit machte sich auch vorab bemerkbar: in Draft-Prognosen pendelte er stets zwischen Pick 1 und 14. 

Avdija ist seit nunmehr drei Jahren Profi und wurde somit zum jüngsten Spieler in der Vereinsgeschichte Maccabi Tel Avivs. Dort brachte man ihm bei, was es bedeutet, zu gewinnen. In seinen drei Jahren dort gewann er jedes Mal die nationale Meisterschaft (kaum Konkurrenz) und setzte dies auch auf internationaler Bühne fort. 

Unter seiner Führung gewann Israel 2018 und 2019 die U20-Europameisterschaft. Folgerichtig wurde er dort auch stets als MVP ausgezeichnet. Diesen Award konnte er auch letzte Saison in der israelischen Liga gewinnen, wenn auch nicht gänzlich unumstritten.

Plus/Minus
Avdija fiel in Tel Aviv immer wieder durch seine gute Ballbehandlung auf und die Fähigkeit, Pick & Rolls zu initiieren. Schon bald kamen die ersten Fans darauf, ihn mit Luka Doncic zu vergleichen, doch dieser Vergleich ist weit gefehlt, da Doncic sowohl auf Landes- als auch europäischer Ebene mächtig zu überzeugen wusste. Letzteres blieb Avdija schuldig, was natürlich ein gefundenes Fressen für Kritiker war und bleibt. 

Diesen versucht der Israeli entgegenzukommen, indem er sich als unermüdlicher Arbeiter gibt, der immer weiter an seinem Game feilt. Ein Game, dass bisher durchaus Hoffnung auf mehr macht. 

So ist Avdija extrem kreativ im Passspiel und findet immer wieder seine Mitspieler. Ähnlich wie die meisten Prospects muss aber auch er noch an seinem Körper arbeiten, denn andernfalls könnte er in der NBA Probleme haben, da er nicht nur dürr, sondern zudem nicht der athletischste ist. 


Zu Beginn wird er dementsprechend wohl eher als Point Forward auflaufen und sich häufiger gegen Guards spielen sehen. Deswegen sollte er auch weiter an seinem Post Game arbeiten, denn auch aus dem kann er sowohl für sich, als auch für Mitspieler kreieren. 

Anders als die meisten anderen Ballhandler seiner Klasse weiß Avdija sich aber auch abseits des Balles gut zu bewegen. So cuttet er oft und schließt am Korb selbst mit Kontakt gut ab. 

Defensiv war er im Teamverbund stark und konnte durchaus mehrere Positionen verteidigen. In der NBA bleibt dies abzuwarten, da ihm die Athletik fehlen könnte und er so immer wieder attackiert werden wird. Fraglich, ob dies alles nur durch kluges spielen wettzumachen ist. 

Offensiv ist seine größte Schwachstelle der (Frei-) Wurf. Hot und Cold Streaks wechseln sich zu häufig ab und sein Wurf ist nicht immer im Rhythmus. Wenn er hier Kontinuität hineinbekommt, gibt es Hoffnung auf mehr, andernfalls müssen Teams damit leben, dass er an Abenden Licht und Schatten zeigen wird. 

Die letzte eklatante Schwäche ist sein rechtslastiges Spiel. Noch hat er es nicht geschafft, auch mit seiner linken Hand zu kreieren, was bisher zu großen Problemen in der Isolation geführt hat. 

Fit? 
Seine Schwächen scheinen aber allesamt nicht ausgeprägt genug zu sein, um ihn allzu tief fallen zu sehen. Avdija könnte zum Beispiel den Warriors gut tun, da er den Ball nicht immer braucht, aber die zweite Garde anführen kann. 

Auch Chicago (4.) und Atlanta (6.) gelten als Kandidaten. Viel tiefer wird er dann auch nicht fallen, da Teams keinen zweiten Luka verpassen wollen und sein All-Around Spiel bereits gut entwickelt ist.

Voraussichtlich kann Avdija bei guten Teams langfristig starten und als sekundärer Akzente setzen können, doch die Gefahr, ein zweiter Dragan Bender zu werden, ist ebenfalls gegeben. Auch der kam von Maccabi in die NBA. Nur vier Jahre später läuft er wieder für Maccabi auf.