16 November 2020

16. Nov, 2020


Der NBA-Draft steht an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Das muss nicht viel heißen - vor allem für die projizierten Top- und Lottery-Picks. Diesmal: Devin Vassell 

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 16. Nov, 2020

Kontext
BasicsWing, 6'7", 6'10" Wingspan, Jahrgang '00

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Einordnung
Die kommende Draft Class ist erschreckend dünn besetzt, und dies im doppeldeutigen Sinne. Keinem Spieler wird wirkliches Star-Potential nachgesagt und so sind es unzählig durchschnittlich bis gute Spieler, die zur Auswahl stehen. 

Die vermeintlich zehn Besten haben auch fast allesamt etwas gemeinsam. Es stehen große Fragezeichen hinter ihren Körpern; bis auf Isaac Okoro erscheinen die meisten als zu schmal und leicht. 

Devin Vassell reiht sich hier nahtlos ein. Zwei Jahre lang entwickelte er sich bei Florida State, ehe er am Mittwoch den Sprung in die NBA wagen wird. 2018/2019 sah man in ihm noch einen reinen Shooter, ehe man ihn langsam an sekundäres Playmaking heranführte, wo er häufig für sich selbst kreieren sollte. 

Plus/Minus
Am liebsten nutzte er dafür Picks, um absinkende Verteidiger mit seinem Wurf zu bestrafen. Zwar stellte er sich als guter Shooter heraus, doch sein Wurf mutet durchaus merkwürdig an, was Verteidiger oftmals unterbewusst absinken lässt, da gegnerische Köpfe nicht nachvollziehen können, wie man zum einen so werfen und zum anderen konstant damit treffen kann. 

Vassell ist aber keinesfalls ein reiner Shooter, sondern sieht auch die Defense als wichtigen Bestandteil an. Zwar ist er etwas zu schmal und leicht, um final vorherzusagen, dass er dies auch auf NBA-Niveau tun wird, doch seine langen Arme helfen ungemein. Sowohl im Teamverbund, als auch in der On-Ball Defense weiß er zu beeindrucken, und obwohl er nicht so athletisch ist wie beispielsweise Okoro, verzeichnet er durchaus den ein oder anderen Block.
 
Seine Physis bleibt aber kritisch zu beobachten, denn NBA Spieler könnten ihn herumschubsen und seinen Impact so stark minimieren. Generell sind sämtliche athletische Komponenten des Spiels ein Problem für Vassell, da es ihm offensiv schwerfällt, abseits seines Wurfes zu kreieren. 

Er tut sich dadurch unglaublich schwer, in die Zone zu kommen und gelangt er dorthin, wirkt sein Abschluss alles andere als souverän. Speziell größere Gegenspieler bereiten ihm hier immer wieder Probleme. 

Vassell ist ein Spieler, der durchaus auch in der NBA funktionieren kann, sofern sein Wurf konstant bleibt und er sich auch in der Defense behaupten kann. Körperliche Defizite sind zudem eine Schwäche, die man mit Krafttraining adressieren kann. 


Fit? 
Teams dürfen von Vassell aber nicht zu viel erwarten. Man darf ihn nicht in eine Rolle zwingen, für die er nicht gemacht ist. Er wird niemals den Ballvortrag übernehmen können und auch niemals die erste Scoring-Option sein. 

Mit Vassell bekommt man eine zweite oder dritte Option, die Stars entlasten kann. Wenn er sich gut entwickelt, könnten Teams hier mit einem ähnlichen Spieler wie Kelly Oubre Jr. oder Kent Bazemore rechnen. Speziell erstgenannter würde Vassell für Washington und Phoenix (sofern Oubre getradet wird) interessant machen. 

Je nachdem, was sich Fans von einem mittleren bis späten Lottery-Pick erhoffen, wird man Vassell auch final bewerten können. Kann er eine Rolle wie Danny Green erreichen, dürfte man das als Erfolg verbuchen. 

Die größte Gefahr bei ihm ist jedoch, dass er keinen Körper für die NBA, so defensiv anfällig wird und offensiv Probleme mit dem Wurf bekommt. Die Gefahr einer Draft-Enttäuschung ist bei Vassell somit durchaus gegeben.