17 November 2020

17. Nov, 2020


Der NBA-Draft steht an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Das muss nicht viel heißen - vor allem für die projizierten Top- und Lottery-Picks. Diesmal: Obi Toppin 

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 17. Nov, 2020

Kontext
BasicsBig, 6'9", 6'11" Wingspan, Jahrgang '98

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Einordnung
An Obi Toppin scheitern sich die Geister, wenn es darum geht ihn richtig einzuschätzen. Kritiker nennen sein Alter und die damit verbundene (fehlende?) Upside als Hauptargument gegen ihn, vergessen dabei aber immer wieder, dass Alter nicht unbedingt ein Indikator sein muss. 

Auch ein Malcolm Brogdon fand spät seinen Platz in der NBA. Andere dagegen sehen in Toppin einen Spieler der Amare' Stoudemire ähnelt. Er hat es geschafft, ein schlechtes Collegeprogramm in Dayton relevant zu machen. 
Wo aber steht Toppin wirklich, was sind seine Stärken und was seine Schwächen, und welches Team könnte einen Spielertypen wie ihn überhaupt gebrauchen? 

Toppin, so viel steht fest, gewann letzte Saison die Auszeichnung als bester College Spieler des Landes und ist somit Nachfolger von Zion Williamson.  Dass dieser Award aber nicht als Freifahrtschein für eine erfolgreiche NBA-Karriere steht, beweisen Jungs wie Frank Mason oder Jalen Brunson.  

Plus/Minus
Toppin hat seine klaren Stärken am offensiven Ende des Feldes. Er glänzt als vielseitiger Scorer, der in Ringnähe extrem gut finished. In Dayton entwickelte er sogar einen annehmbaren Dreier (39% bei drei Versuchen), das ist für eine NBA-Karriere im Jahr 2020 essentiell, für ihn aber umso wichtiger, da ihm seine fehlende Größe in der NBA Probleme bereiten könnte, wenn Verteidiger absinken. 

Seine Statur ähnelt einem Kyle Kuzma, John Collins oder Aaron Gordon. Offensiv haben auch diese Spieler wenig Probleme mit dem Scoring in der NBA, und genau hier dürfte sich Toppin einreihen. Was ihn in Dayton ebenfalls auszeichnete, war seine Fähigkeit die eigenen Mitspieler besser zu machen und die Uni in ein Powerhouse (29-2) zu verwandeln.


Die größten Fragezeichen stehen hinter seiner Defense. Am College war er hier solide, spielte die meiste Zeit aber auf Center. In der NBA wird er über kurz oder lang die meisten Minuten als Power Forward spielen, sofern er nicht in Houston landet. 

Auf der Vier wird er sich schwerer tun, da es ihm an der nötigen Geschwindigkeit mangelt und er immer wieder einen Schritt zu spät kommt. Mit Montrezl Harrell gibt es zwar auch Beispiele, dass solche Spielertypen funktionieren können. Ob das Teams aber einen hohen Pick ist, bleibt fraglich. 

Die Sache mit der Upside ist abstrakt. Mittlerweile scheint das Alter als unumstrittenstes Argument zu ziehen. Auch wenn ein Spieler vermeintlich mehr Potential hat, so kann es doch sein, dass er nie auf das Level eines 22-Jährigen wie Toppin kommt. 

Wie bereits erwähnt, zeigten Seniors wie Brogdon, dass eine lange College-Karriere kein Fehler ist. Wenn man sich Toppins Sprung zwischen den beiden letzten Saisons anschaut, dürfte das einigen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.  

Fit? 
Trotzdem erweist es sich als schwierig, Toppin klar einem Team zuzuordnen. Zu Minnesota könnte er passen, die Wolves werden aber eher darauf spekulieren, dass er noch an Stelle 17 zu haben ist. Sowohl Golden State als auch die Hornets und Bulls haben ihre Power Forward Position besetzt und andere Needs. Bei Cleveland bleibt abzuwarten, was sie mit ihren Big Men am Draftabend machen. 

Die Hawks haben John Collins, die Pistons Christian Wood und die Knicks bereits diverse Power Forwards. Washington und Phoenix kommen in Frage. Die Spurs ziehen an elfter Stelle. Dort baut man seit Jahren lieber auf ältere Rookies und kitzelt meist noch einen wichtigen NBA Skill aus den Spielern heraus. Für Toppin wäre es wohl die ideale Lösung, denn Spieler wie er haben es heutzutage extrem schwer. 

Toppin wird, wie die meisten dieses Jahrgangs, kein All-Star, doch als Energizer von der Bank kann er durchaus bei ambitionierten Teams seine Rolle finden. Zum Starter bei Contendern fehlt ihm die Qualität in der Defense. Durch sein - relativ - hohes Alter ist die Bust Gefahr aber gering, Teams dürften wissen, was sie in ihm bekommen und was nicht. Toppin dürfte, offensiv zumindest, der sicherste Pick unter den Big Men dieses Jahrgangs sein.