17 November 2020

17. Nov, 2020


Der NBA-Draft steht an. Mal wieder wird von einem der schwächsten Jahrgänge des Millenniums gesprochen. Das muss nicht viel heißen - vor allem für die projizierten Top- und Lottery-Picks. Diesmal: Tyrese Haliburton 

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 17. Nov, 2020

Kontext
BasicsGuard, 6'5", 6'8" Wingspan, Jahrgang '00

Stats 19-20 (via Basketball-Reference): 


Einordnung
Denkt man an die besten Teams aller Zeiten, werden oft die Bulls um Jordan, die Showtime Lakers oder Spurs genannt. In den letzten fünf Jahren gesellte sich ein weiteres Team dazu: Golden State. 

Das Team war beziehungsweise ist mit Stars wie Stephen Curry, Klay Thompson und Draymond Green gespickt. Ein Name, der seltener genannt wurde, wenn es um die Säulen des Teams ging, war Shaun Livingston. Der Guard beendete 2019 seine Karriere und seitdem sind die Warriors auf der Suche nach einem Nachfolger für ihn. 

Im diesjährigen Draft halten die Warriors den zweiten Pick, sind jedoch ein extrem untypisches Lottery Team. Aufgrund zahlreicher Verletzungen, spielte man letzte Saison mit einer besseren G-League Mannschaft und möchte dieses Jahr wieder angreifen. 

Da der Draft kaum kommende Stars zu bieten hat, könnte man hier also eine Soforthilfe ziehen, die eine ähnliche Rolle spielt wie sie einst Livingston ausfüllte. Hier kommt nun Haliburton ins Spiel. 

Plus/Minus
Der Sophomore von der Iowa State Universität ist ein Allrounder wie er im Buche steht. Gute Defense, vernünftiger Dreier, wenig Fehler und ein gutes Aufbauspiel. 

Letzteres vereint alle vermutlichen Top-PGs des kommenden Drafts. Sie sind groß, schmächtig, verfügen über einen hohen Basketball-IQ und können ein Spiel leiten. Die Schnittpunkte sind somit extrem deckungsgleich. Auch Haliburton fällt es schwer, in die Zone zu kommen und dort Freiwürfe zu ziehen (in 57 Spielen nur 71 FTAs gezogen).

Was Haliburton von Ball und Hayes unterscheidet, ist sein Dreier, den er am College mit über 40% traf. Sein Dreier ist auf der einen Seite Stärke und Schwäche zugleich, da er ihn nur schwer für sich selbst kreieren kann, denn sein Release ist extrem niedrig. Bekommt er also keine freien Würfe, wird er den Dreier in der NBA kaum nehmen können, auch wenn er sich hierbei selbstkritisch zeigt.
 
Am anderen Ende des Feldes überzeugt er enorm. So kann er wegen seiner langen Arme mehrere Positionen verteidigen und wird ab und an Würfe blocken. Eben jene Veranlagung macht ihn auch zu einem guten Rebounder (5,9 RPG letzte Saison).


Fit? 
Haliburton scheint der perfekte sekundäre Ballhandler zu sein, der die Second Unit anführt und als 3-and-D Guard in jedes Team passt. Zwar muss er noch an seinem Körper und vorzugsweise auch an seinem Wurf arbeiten, aber es scheint mittlerweile als ausgeschlossen, dass er nicht unter den ersten zehn Picks landet. 

So könnten ihn die Warriors tatsächlich gut gebrauchen und als Small Forward starten lassen. Sollten die Warriors jedoch einen Center ziehen, dürfte Haliburton für Atlanta extrem interessant werden. Dort kann er Trae Young defensiv entlasten und offensiv von ihm profitieren. Ebenfalls interessiert scheinen die Knicks zu sein. 

Haliburton kann es relativ egal sein, denn er wird bei jedem NBA Team seine Stärken ausspielen können. Auch wenn kein Star in ihm zu stecken scheint, so gilt er sicherer Pick für weniger risikofreudige Teams. Seine Bust-Gefahr ist gering: zu gut sind Veranlagung, sowie Allround-Fähigkeiten des jungen Guards.