13 November 2020

13. Nov, 2020


Nachdem sowohl Russell Westbrook als auch James Harden zuletzt Bedenken ob der neuen Ausrichtung der Rockets-Franchise äußerten (GM Daryl Morey und Head Coach Mike D'Antoni wurden nach der Saison ersetzt), erhöht einer der All-Star Guards jetzt sogar den Druck!

von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 13. Nov, 2020

Russell Westbrook will raus bei den Rockets. Der ehemalige MVP, ex-Topscorer und 9-fache All-Star hat laut Shams Charania nach nur einer Saison in Texas die Schnauze voll. 


Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten und spielerische Inkompatibilität mit James Harden machen bereits länger die Runde. Damit wäre Westbrook nach Chris Paul der zweite Superstar, den Harden in Houston nach kürzester Zeit verschlissen hat. 

Ein Trade von Westbrook in den kommenden Wochen ist damit sehr wahrscheinlich geworden - wenngleich die logistische Herausforderung, ihn zu verpflichten, unverändert hoch bleibt. Interessenten müssen nicht nur über Westbrooks Alter (32), jüngste Verletzungshistorie (nicht ganz so schlimm wie berichtet) und exorbitantes Jahressalär hinweg sehen (41, 44 und 47 Mio. $ in den nächsten drei Jahren), sondern auch minimum 33 Mio. $ zusammenkratzen, um einen Trade erfolgreich durch die Ligazentrale zu boxen.


Westbrook, der es zwischen 2016 und 2019 auf drei Triple Double Saisons in Folge brachte, kommt auf Karrierewerte von 23.2 PPG, 7.1 RPG und 8.3 APG. Sein Vertrag ist monströs, die finanzielle Bindung riskant - aber nichts ist in der NBA untradebar. Das hat nicht zuletzt Westbrook selbst bewiesen, als er im Sommer 2019 von OKC nach Houston wanderte. Superstars sind rar gesät, RW ist ein Superstar... und plötzlich überraschend verfügbar. 

Wer also könnte den Tasmanischen Teufels-Pointguard akquirieren? Hier sind 18 (mehr oder minder realistische) Adressen, mit denen Westbrook in Verbindung gebracht wurde/wird, 18 Klubs die einen Deal auf die Beine stellen könnten. Wo würdest du 'Russ' in der kommenden Saison 2020/21 am liebsten auflaufen sehen?  


Charlotte Hornets
Der Klub von Michael Jordan sucht auch im bald siebten Jahr seit dem Rebranding 2014 vergeblich nach seinem ersten Superstar. Kemba Walker in Ehren, aber Westbrook operiert in völlig anderen Sphären. Er ist nicht nur Jordan Brands Aushängeschild in Sachen Vermarktung, sondern laut Aussage von 'His Airness' auch "der Spieler, der (mich) heute am meisten an (mich) selbst erinnert." Charlotte hat knapp 20 Mio. $ Platz unter dem Salary Cap und kann zudem mit den Verträgen von Nicolas Batum (27.4 Mio. $) und Cody Zeller (15.4 Mio. $) hantieren. Junge Guards wie Terry Rozier, Devonte' Graham oder Malik Monk dürften ebenfalls auf Houstons Wunschliste stehen. Von allen Szenarien ist CHA/HOU eines der realistischsten. 

Phoenix Suns
Die Suns, deren Bubble-Experience mit 8-0 Siegen exzellent war, sind bekanntlich auf der Suche nach einem Point Guard fürs nächste Level. Und das soll natürlich in der Playoff-Teilnahme 2021 kulminieren. Sowohl Chris Paul als auch Westbrook werden mit dem Wüstenteam in Verbindung gebracht, wo Devin Booker zwar zum Superstar heran reift, im Backcourt aber durchaus ein wenig Unterstützung gebrauchen kann. Ricky Rubio und Kelly Oubre Jr. sind - neben künftigen Picks - die größten Tradechips, die Phoenix in die Tischmitte schieben kann. Reicht das den Rockets?

New York Knicks
Ein Superstar ist zu haben. Die Knicks haben Interesse. 'What else is new' im Big Apple? Wenngleich umsichtige Knicks-Fans hoffen, dass endlich geduldig und von Grund auf ein zukunftsträchtiges Team errichtet wird, sieht die Realität anders aus: dieser Klub hat spielerisch nichts zu bieten, hat nach wie vor keinen Franchise-Player, keinen Star, und James Dolan als Besitzer. Enter Russ! Westbrook würde diesem chronisch lappigen Team und dem MSG endlich wieder Enthusiasmus einimpfen, wäre der erste echte Fan-Magnet seit Carmelo Anthony. Geld spielt bekanntlich keine Rolle, ergo wären auch 40+ Mio. $ p.a. bis 2023 kein Problem. Bobby Portis, Taj Gibson und Julius Randle sind nur einige der Namen, die in einem Paket landen könnten, zusammen mit einem der vielen mutlosen Youngster im Kader. 


Detroit Pistons
Die Pistons stecken in der Sackgasse. Den Monstervertrag von Blake Griffin an der Backe zu haben lohnt sich nicht, wenn der Klub keine klare Richtung kennt. Was wäre aber, wenn man Griffin und Westbrook zusammen steckte? Der neue General Manager Troy Weaver kennt Russ noch aus OKC - und hat knapp 30 Mio. $ Platz unter dem Salary Cap, sowie alle Draft-Picks in der Tasche. Nimmt man Tony Snells Vertrag mit hinzu, macht das fast genau 42 Mio. $. Und wer verdient in der kommenden Saison fast genau 42 Mio. $? Genau. Detroit hat Optionen, um einen Deal zu realisieren.

Chicago Bulls
Russ wiedervereint mit seinem Ex-Coach? Unter dem neuen Bulls-Chef Billy Donovan produzierte Russ in Oklahoma City Historisches, durfte sich im Angriff nach Belieben austoben. Die Bulls sind blutjung und brauchen eine erfahrene Führungshand auf dem Parkett, um wieder die Playoffs zu erschnüffeln. Coby White und Zach LaVine sind gesetzt, Lauri Markkanen und Wendell Carter vielleicht ebenfalls, aber danach ist niemand sicher. Otto Porter Jr. plus Kleinkram plus Pick für Westbrook - Wer sagt Nein? 

Los Angeles Lakers
Der amtierende Champion ist endlich wieder ganz oben - und will da natürlich bleiben. Ob LeBron James und Anthony Davis erneut reichen werden, um sich die Schar der Mitkonkurrenten im brutalen Westen vom Leib zu halten? Warum nicht einige der angesammelten Güter konsolidieren und für einen dritten Star traden? Kyle Kuzma, Danny Green, Alex Caruso, Avery Bradley, Kentavious Caldwell-Pope, Javale McGee... sicherlich wichtig für L.A., aber mitnichten unverzichtbar, mitnichten nicht über den Veteran's Free Agency Markt ersetzbar. Houston könnte im Tausch für einen Vergraulten viel Tiefe und Qualität zurück erobern, um unverändert 50 Siegen nachzujagen. Die größte Hürde hier: Finanzen. Und Westbrooks Wunsch nach einer ähnlichen Rolle wie in OKC.  

L.A. Clippers
Dann vielleicht eher die Clippers? Westbrook in seiner Geburtsstadt auflaufen zu sehen, wäre verlockend. Natürlich müsste Kawhi Leonard einen Deal absegnen, müsste bereitwillig Playmaking und den Spalding mit dem balldominanten Lead Guard teilen wollen. Solange Larry O'B aber näher rückt, vermutlich ein lösbares Problem. Weniger lösbar ist, dass ohne Montrezl Harrell und Marcus Morris auf den Büchern nur eine Möglichkeit bleibt, um auf das notwendige Jahressalär zu kommen: ein Drittel des Kaders, mindestens vier Spieler, müssten gruppiert werden - darunter mit Sicherheit Lou Williams, Pat Beverley und Ivica Zubac. Ist eine Big Three das Zerstückeln der halben Clippers-Rotation wert?  


Miami Heat
Miami war einer der großen Gewinner der abgelaufenen Bubble-Saison, scheiterte erst im Finale 2-4 an den Lakers. Pat Riley und Erik Spoelstra haben ein hartes, dreckiges, diszipliniertes, smartes und eingeschworenes Team. Das heißt nicht, dass am South Beach nicht weiter von Stars geträumt wird. Westbrook könnte in die vakante Rolle von Goran Dragic schlüpfen und zusammen mit Jimmy Butler und Bam Adebayo den Osten aufmischen. Miami müsste jedoch auf seine Free Agents Dragic und Jae Crowder verzichten, jemanden wie Kelly Olynyk abstoßen und sich auch die Giannis-in-2021 Träume abschminken.

Milwaukee Bucks
Apropos: Kaum ein Team hat zur Zeit mehr Druck, weil eben: Giannis! Schaffen es die Bucks, ihrem back-to-back MVP einen fähigeren Unterbau anzubieten als zuletzt? Chris Pauls Name fällt am häufigsten, wenn von Upgrades für Milwaukee gesprochen wird. Sollte CP3 aber nicht (mehr) verfügbar sein, warum nicht Westbrook? Die Bucks hätten über Nacht ein formidables, explosives Duo zur Hand. Vielleicht nehmen die Rockets ja dankend ein paar Veteranen aus Wisconsin an (Eric Bledsoe et al.), um mit Harden wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Three-Team-Deal wäre ebenfalls denkbar, um Einigung zu erzielen.

Brooklyn Nets
Kyrie Irving plus Kevin Durant plus... Russell Westbrook? #WhyNot? In Brooklyn wird bunt geträumt, und der Weg zum ersehnten Big Three Superstar Trio ist gar nicht so abwegig. Wenn Geld ohnehin keine Rolle spielt, warum dann nicht all-in gehen und schauen, was diese drei in den nächsten drei Jahren zustande bekommen? Brooklyn hat gleich vier Spieler im 10-16 Mio. $ Bereich, die allesamt zumindest diskutiert werden könnten: Spencer Dinwiddie (11.5), Taurean Prince (12.5), DeAndre Jordan (10.4) und der Rohdiamant, Caris LeVert (16.2). Dazu Draft-Picks, und fertig wäre eines der ansehnlicheren Tradepakete aus Rockets-Sicht.

Philadelphia 76ers
Daryl Morey heisst der neue GM in Philly. Und der hat bereits schon ein Mal für Westbrook getradet - vergangenen Sommer, als er noch für die Rockets arbeitete. Warum also nicht auch als Sixers-Entscheider? Die Verträge von Al Horford und Tobias Harris sitzen fett auf dem Cap, gehören zu den größten Albatrossen der NBA. Der GM könnte durchaus versuchen, die beiden inklusive ein oder zwei jungen Talenten plus Picks nach Houston zu verschiffen, und endlich drei Stars zusammenraffen - was ihm in Houston nie gelang. Das Spacing wäre im Eimer, aber sonst...


San Antonio Spurs
Es ist kein Geheimnis, dass sowohl DeMar DeRozan als auch LaMarcus Aldridge nicht mehr so ganz in die kurz- und mittelfristigen Pläne der Spurs passen. DeRozan und Harden gehen zusammen way way back, könnten in Houston vielleicht besser funktionieren als Russ + Beard. Auch LMA war häufiger mit den Rockets in Verbindung gebracht worden - würde jedoch neben Westbrook als Pick-and-Roll/Pop Partner passen. San Antonio hat den Schalter soft in Richtung Rebuild umgelegt. Solange Gregg Popovich aber noch da ist, ist noch Win-Now angesagt.

Memphis Grizzlies
Russell Westbrook an der Seite von Ja Morant? Das dürfte vielen neutralen League Pass Anhängern gefallen. RW passt zwar mitnichten in den Langzeitplan der Grizzlies. Das Balance-Spiel zwischen Veteranen und jungem Elan ist aber bekanntlich der Schlüssel für (fast) jeden echten Playoff-Anwärter. Zumal die Grizzlies niemanden von Konsequenz abgeben müssten, um 33 Millionen zusammenzuraffen. Vielleicht schaffen die Bären auch so den logischen nächsten Schritt. Mit Westbrook wären die Playoffs aber fast garantiert.  

New Orleans Pelicans
Während Jrue Holiday auf seinen kolportierten Trade wartet, will GM David Griffin seinem neuen Coach Stan van Gundy das bestmögliche Team übergeben, um direkt durchzustarten. Mit Zion Williamson und Brandon Ingram stehen zwei junge Leistungsträger im Kader. Produktive Veteranen und athletische Youngster sind ebenfalls schon da. New Orleans verfügt über genau das Warenregal, aus dem sich Teams in einer Position wie Houston liebend gerne bedienen würden: Talent, Draft-Picks, auslaufende Verträge, Holiday. Wir sagen nicht, dass die Pelicans Westbrook umbuhlen sollten. Wir sagen nur, dass ein Deal ein Kinderspiel wäre, falls erwünscht. 

Utah Jazz
Vier Mal in Folge hat das Team vom Salzsee die Western Conference Playoffs erreicht, vier Mal in Folge war spätestens in Runde zwei Schluss - und das fast immer überdeutlich. Quin Snyders Teams brillieren oft mit exzellenter Verteidigung, lassen im Angriff aber Explosivität, Playmaking und Biss vermissen. Warum also nicht Westbrook an die Seite von Donovan Mitchell stellen und schauen, wozu dieses dynamische Duo im Westen imstande wäre. Mike Conley und Teile könnten derweil nach Houston, dazu ein Pick oder zwei. Win/Win? 

Indiana Pacers
Die Pacers haben ein Problem: Victor Oladipo hat keinen Bock mehr auf Indiana, ging angeblich bereits während der abgelaufenen Saison bei anderen Team hausieren. Warum also nicht ein Sorgenkind gegen das andere tauschen? Gab's schon häufig in der NBA, ging manchmal sogar für beide Teams gut. Oladipo plus Doug McDermott plus günstige Füller wie Aaron Holiday, Goga Bitadze oder TJ Leaf, dazu ein Pick... fertig.


Orlando Magic
Zeit für etwas Neues in Orlando, wo man sich regelmäßig in Runde eins aus den Playoffs kegeln lässt. Dieses Team braucht einen Scorer, braucht einen Star, braucht einen Franchise-Player und einen Floor General. All das bekommt es in Westbrook. Houston könnte im Gegenzug zum Beispiel Aaron Gordon und Terrence Ross verlangen - verdiente Veteranen, die ins weiterhin offene Harden-Fenster passen und dank ihrer Spielweise durchaus Mehrwert für die Rockets liefern. 

Atlanta Hawks
Atlanta hat als einziges Team der Liga garantiert genügend Platz unter dem Salary Cap, um Westbrook straight up und ohne Weiteres zu verpflichten. Bereits im Tausch für einen Draft-Pick könnte ein Deal gelingen. Ob die Hawks allerdings den Ball aus Trae Youngs Händen und sich selbst den finanziellen Spielraum für die nahe Zukunft nehmen wollen, ist zurecht fraglich. 

Boston, Cleveland, Dallas, Denver, Golden State, Minnesota, Portland, OKC, Sacramento, Toronto, Washington 
...Nah..!