22 November 2020

22. Nov, 2020


Draft Season und Free Agency kondensiert auf vier Wochen, yo. Die Spülmaschine in der Chefkoche läuft im Schichtbetrieb, weils in allen Pfannen auf allen Platten brutzelt. Trades rösten heißt das Gebot der Stunde. Heute II: Contenderwechsel und ein Rebuildteam als Pickschleuder.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 22. Nov, 2020

Start
Die Pistons, es ist möglich, dass das an dieser Stelle schon einmal erwähnt wurde, sind auf dem Weg in den Rebuild, leider dank Griffin und Rose eben nur auf halbem Weg bisher. Auch bei der 50%-Wegmarke Richtung Motor City Process bietet man sich aber an, Contendern gegen Assets bei allem zur Hand zu gehen, was so anfällt.

Die Clippers und die Nets wollen im Juli 2021 Gold Richtung Dach der dann hoffentlich wieder gefüllten Hallen recken. Beide wissen (oder jedenfalls: wussten zur Zeit der hier zu besprechenden Transaktion) noch nicht, wer von den Zweit- und Drittreihenpros aus dem eigenen letztjährigen Roster sich bereit finden würden, ihre auslaufenden Verträge auszudehnen.

Daher schnüffelten sowohl die Clippers als auch die Nets frühzeitig nach sofort hilfreichen Akquisitionen, auch um Argumente für Vertragsfreie wie Harrell, Morris, J. Green oder Harris zu liefern, über die Offseason 2020 beim Gewinn der Larry O'Brien-Trophäe zu helfen.

Schuss
Die Clippers und die Nets bekommen ihren Wunsch-(Ergänzungs-)Spieler, die Pistons kriegen, was sie wollen, ohne dass der Deal Sinn ergibt. Listengold:

DET: Saddiq Bey (19. Pick Draft 2020), Rodney McGruder, Dzanan Musa, Jaylen Hands (Draft Rights), 2nd Rd. Pick 2021 (BKN via TOR), Cash
BKN: Landry Shamet, Bruce Brown, Reggie Perry (57. Pick Draft 2020, Draft Rights)
LAC: Luke Kennard, Justin Patton, Jay Scrubb (55. Pick Draft 2020, Draft Rights), 2nd Rd. Pick 2023 (DET via POR), 2nd Rd. Picks 2024, 2025, 2026 (DET)

Clippers
Alle im Dunstkreis des anderen Teams aus Los Angeles erzählen von morgens bis abends jedem, der es hören will, und jedem anderen auch, wie verliebt man in die Talente dieses kleinen, dünnen Mannes sei. Nun, da die Möglichkeit gegeben war, nahm man seine Talente aber in die Hand und warf sie an den Hudson Beach.

Denn Luke Kennard und seine weiche linke Wurfhand liebten das Logo und der Windowsmagnat wohl noch ein bisschen mehr, und das nicht ganz zu Unrecht. Für nur unwesentlich mehr Geld und einen nur ein Jahr weniger langen Rookie-Deal bekommt man in Kennard den auf alle adjustierten Werte gesehen eindeutig produktiveren Spieler.


Defensiv stoppen beide kaum ein Ei vor dem Zerdeppern. Da zur Zeit des Trades unklar war, welche der Kurzfristveteranen aus dem letzten Jahr verlängern bzw. wen man bekommen würde, und vor allem, da "Gewinnen", und zwar alles, im kommenden Jahr eine Existenzfrage sein könnte, ist jedes aktuelle Upgrade sinnig.

Die minimal geringere Upside wird allein durch die Draftkompensation von insgesamt vier Picks mehr als aufgewogen. Das gilt erst recht, da Shamets Produktivität im zweiten Clippers-Jahr sogar leicht rückläufig war.

Nets
Für die Nets wiederum war die Gelegenheit an sich ein Nobrainer. Gerüchten zufolge hatten sie auch Interesse an Kennard. Shamet aber dürfte der dankbarere Sammler der Krümel sein, die Durant, Irving und eventuell in Bälde auch der Bart offensiv übrig lassen. Ein klares Upgrade gegenüber dem abgegebenen Bosnier Musa, der in seinem Sophomore Year 2020 bei 40 Einsätzen über je ca. 12 Minuten keine Bäume ausgerissen hatte (ORtg 102 per NBA Stats), ist er sowieso.


Ob Jay Scrubb, abgesehen vom Amusement auslösenden Namen, irgendwann mal wehtun wird, ist heute seriös kaum zu prognostizieren. Sieht man sich die durchschnittliche Karriere von Spielern an, die kurz vor dem 60. Pick über die Theke gehen, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering. Einen Zweitrundenpick für das Upgrade von Shamet über Musa zu zahlen, ist kaum kritikwürdig.

Pistons
Ijah, die Detroit Pistons. Justin Patton abzugeben spart (ein wenig) Geld. Luke Kennard wegzuladen, spart (ein wenig mehr) Geld. In Saddiq Bey mögen sie etwas sehen, das ich nicht kenne (ich bin bei Lowe: ab Pick 14 muss ich erst mal lernen, wie man die Namen buchstabiert).

Aber I: McGruder frisst den Spareffekt fast im Alleingang auf. Denn er hat per garantiertem annum den dicksten Vertrag aller involvierten Spieler. Der ist zwar 2021 zu Ende und könnte Richtung Deadline ein Asset werden. Aber vorne ins Schaufenster gestellt hatte er sich mit ziemlich mediokrer Performance in LA (Schlaglicht: 27% 3P, schlechtester Wert der Karriere) nicht, er ist 29 und in seinem dritten Jahr. Verkaufsschlager haben andere Erwerbsbiographien.


Aber II: Kennard ist selbst noch keine 25, war einer der produktiveren Spieler der schlimmen letzten Pistons-Jahre und ist noch ein Jahr im Rookie-Vertrag. Das ist eigentlich nicht die Art Spieler, die man abgibt, um Zukunftsassets zu akquirieren. Für den ebenfalls noch welpenhaft umhertollenden Brown gilt das entsprechend mit Abstrichen. Selbst wenn man es als einen Replacement-Trade sieht: Bey müsste schon sehr schnell sehr nah an seine Talentdecke kommen, um eine Verbesserung gegenüber Kennard zu sein, selbst wenn man berücksichtigt, dass er bis 2024 billig ist.

Aber VOR ALLEM: warum um Gottes Willen legt man hier vier (!) Zweitrundenpicks in die Mitte des Tisches? Der Wertverfall von Erstrundenpicks in dieser Offseason ist den Pistons wohl entgangen. Drei eigene Wahlrechte plus den Portland-Pick zu opfern, um nach Ende der Lotterie 2020 einen einzigen Spieler holen zu können, ist im Angesicht des anstehenden Rebuild fast schon verantwortungslos.

Rechnung
Die Nets bekommen ein preisgünstiges Upgrade, das bestenfalls sogar beim Harden Trade helfen könnte (auch Bruce Brown jr., eventuell Füller eines solchen Trades, zeigte durchaus hoffnungsfroh stimmende Verbesserungsansätze in seinem zweiten NBA-Jahr), die Clippers bekommen ihren Wunschspieler, die Pistons (hoffentlich für sie) auch, bezahlen dafür aber viel zu viel (die Finge Pros Musa und Hands machen weder den Kohl noch die Rechnung fett).

Vorteil: Nets und Clippers