22 November 2020

22. Nov, 2020


Draft Season und Free Agency kondensiert auf vier Wochen yo. Die Spülmaschine in der Chefkoche läuft im Schichtbetrieb, weils in allen Pfannen auf allen Platten brutzelt. Trades rösten heißt das Gebot der Stunde. Heute: Sparfuchsfalke und die Sinnsuche von Detroit.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 22. Nov, 2020

Start
Die Hawks wollen im kommenden Jahr in die Playoffs, um fast jeden Preis. Innerhalb der Organisation gebe es "wachsende Frustration" über die lange Postseasonabsenz, wollen die Würste aus dem grillheißen Süden wissen. Das wirkt wie vieles in den letzten zwei Jahren im Rostermanagement doch etwas überstürzt, wenn man weiß, dass die letzte Playoffserie vor gerade mal drei Jahren gespielt wurde. Wenn drei Jahre Heimfahrt im April zu Frust führen, was haben sie dann in Sacramento?

Dennoch: Trae Young, für den man Luka Doncic Luka Doncic sein ließ wie ich die Sonderzeichen auf dem Namen des Slowenen, soll 2021 per Superduperübermax vorzeitig verlängert werden. Dafür muss geliefert werden, wenigstens eine Perspektive für eine zeitnahe Rückkehr zur 60-Siege-Gloria des Jahres 2015.


Aus diesem Grund hatte man sich den auch nicht gerade lohnigen Capela-Vertrag importiert. Deshalb schnüffelte man schon vor Free Agency Beginn auf dem Markt der Vertragsfreien nach Überbezahlkandidaten wie Hayward und Gallinari. Deshalb stand ein Trade des sechsten Picks im Draft vom letzten Mittwoch lange im Raum. Deshalb hatte man zur Deadline neben Capela auch noch den eigentlich überzähligen Dewayne Dedmon zurückgelotst.

Die Pistons sind der Inbegriff von "zwischen Baum und Blake". Für einen vollständigen Rebuild fehlt es an nahezu allem. Josh Smith bezahlt man zwar ab 2020 nicht mehr (HALLELUJAH!). Aber allein der vertragspapierne Albatros von Meister Griffin passt allerspätestens seit dem seltsamen Abgang von Andre Drummond überhaupt nicht mehr in die Neuaufbaulandschaft, die ähnlich verwüstet wie die Industrieruinen in der Hauptstadt des Rostgürtels aussehen sollte, um prestiesque schlechte Verträge und gute Picks aufnehmen zu können.

Schuss
Die Pistons bekommen einen nur teilweise garantierten Vertrag, mit dem sie Raum schaffen. Die Hawks sparen noch ein wenig Cap Space, um Free Agents zu jagen. Listengold:

ATL: Tony Snell, Khyri Thomas
DET: Dewayne Dedmon

Pistons
Es gibt Teams, da sieht ein Trade nach den ersten Offseason Moves ex post besser aus. Es gibt Teams, da sieht ein Trade nach den ersten Offseason Moves noch fragwürdiger aus. Und dann gibt es diesen Trade und die Detroit Pistons. Was zum [hier gehört das deutsche Wort rein, das sich auf 'dick' reimt]?

Dedmon wird gefeuert und gestretcht. Er wird also Josh Smiths Platz einnehmen. Nun kann man das natürlich mal so machen, der Cap Hit für den auch nicht benötigten Dedmon beläuft sich auf rund 5 Mio. p. a. statt auf 13 Mio. Danke, kann ich auch rechnen.

Nur: das ist Deadcap. Den nehme ich in Kauf, wenn ich einen großen, aber einen richtig großen Plan habe, der das zwingend nötig macht, so einen Plan wie "Für Gordon Hayward kann man summiert mal 40 Mio. pro Jahr ausgeben, der bringt uns ins gelobte L...", okay schlechtes Beispiel, aber ein großer Plan eben.


Weavers Plan ist hingegen, eine Kollektion von unspielbaren Big Men zu verpflichten und das einzige hoffnungsvolle Talent, das man im eigenen Stall in den letzten Jahren gefüttert und entwickelt hat, nach Houston zu verschachern. Dafür Dedmon in die "Ben Gordon Hall of fame der Geldbverbrennung" aufzunehmen, ist vielleicht nicht das Dümmste, was ich je gehört habe, aber in 2020 - und meine Ohren bluten von den Verbalexkrementen, die ich mir geben musste - gehört es zu den top 5.

Das gerade gesparte Geld jetzt Mason Plumlee und Jahlil Okafor (Du liebe Güte) nachzuwerfen, wähend man selbst den 16. Pick für Big Man Isaiah Stewart verwandte, und das alles ein dreiviertel Jahr nach dem Unsinnstrade für Drummond, den man v. a. deshalb abgegeben haben wollte, weil man Angst vor der Spieleroption des 40%-Freiwurfschützen hatte und Geld sparen wollte. Die Pistons haben eine wirklich nachdrückliche Bewerbung um den "Sacramento des Ostens"-Titel eingereicht. Respekt dafür.

Hawks
Auch für die Hawks ist das weder originell noch ist der Trade ein Hund ohne Flöhe. Dedmon hatte man erst im Februar akquiriert. Schon damals wirkte Dedmon ein wenig redundant neben dem schon geholten Capela und dem bereits vor Ort befindlichen Collins. Allerdings war der Preis akzeptabel und die ganze Aktion ein wenig ein Russell-Westbrook-Trade (#whynot eben, ich möchte, dass man sich das als stehenden Begriff merkt, vielen Dank für Ihr Verständnis).

Dass Dedmon per Draft durch den dort an 6 gepickten Okongwu im Grunde zur Gänze überflüssig werden würde, was damals noch nicht absehbar. Im Gegenteil: der Pick galt bis vor wenigen Tagen eher als Trade Chip, sei es um herunterzutraden und sich spät in Runde eins sofortige Hilfe für den Postseasonpush zu organisieren, sei es, um sich einen Wunschveteranen in den reichhaltigen Cap Space zu laden.


Thomas kann man bei der Bewertung des ROI außen vor lassen, der ist bereits entlassen. Snell ist das, was man sich ligaweit so unter einem "soliden" Flügel vorstellt. Hier und da eigenkreierte Punkte, rund 40% Dreierquote, ordentliche Athletik. Dazu spart man unter dem Strich ein paar Dollars für das Vertragsfreienhallali.

Auf der Minusseite steht dann schon der Vertrag für das kommende Jahr. Jemand, der 10/3/2,5 in 36 Minuten abreißt und annähernd 12,2 Mio $, also nahezu Startergeld abgreift, ist nicht der Deal des Jahres. Zwar läuft der Kontrakt im Sommer aus, nur was kann Snell deutlich besser als die Flügelsammlung, die die Hawks jetzt schon im Roster stehen haben (Hunter, Huerter, Gallinari, Offer Sheet an Bogdanovic und ja, auch Collins)? Verteidigen jedenfalls nicht, das DRtg beläuft sich per BBallRef auf 117, wenn er auf der Platte steht (jaja, die Aussagekraft und die Pistons Dysfunktionalität und überhaupt).

Nur ist es eben ein Russell-Westbrook-Trade. Man kann ihn eher gebrauchen als den abgegebenen Dedmon, man weiß, was man bekommt und der auslaufende Deal kann zur Deadline ein neuer Trade-Chip werden. Insofern ist das ein solider Tausch und es verbleibt allen Beteiligten nur zu danken, dass man darauf verzichtete, 63,2 Draftwahlrechte zu involvieren, deren Schutz allein eine halbstündige Recherche erfordert.

Rechnung
Für die Hawks macht das Sinn, für die Pistons - jedenfalls im Kontext dessen, was sie während der für sie bereits wieder beendeten Free Agency veranstalteten - nicht.

Vorteil: Hawks