21 Dezember 2020

21. Dez, 2020


*Nr. 31 ist für (Shawn) Marion. First in line since 31.10.2017. Call it a comeback!

von ANNO HAAK @kemperboyd | 21. Dez, 2020

Wir starten zu Ehren der Nummer 31 und des Nachnamens der Künstlers in die Kolumnenwelt des neuen Jahrzehnts mit einem Gemälde von einem Instagrampost:


Despite
Die ewig wachende Welt der global verbundenen Nullen und Einsen, das Internet, spuckt auf die Frage des Unterzeichners nach denkbaren deutschen Wortbedeutungen des Begriffs "despite" konsensual an erster Stelle das Wort "trotz" aus.

Der Konzern, dessen Einnahmen ich durch einen der wenigen Kinobesuche des zu Ende gehenden Jahres in der Fortsetzung der Geschichte einer Königin pämperte, die Schlösser aus Eis baut, indem sie mit dem Finger schnippt, schickte zwei seiner Starreporter innen (und außen) auf Recherchereise. Es kommt gleich beides zusammen. Bringen Sie bitte noch einen Absatz lang Geduld auf.

Die beiden Reporter, nennen wir sie wie ihre Freunde: Momo und Woj, Momo und Woj also wussten zu belegen, der Haarigste seit Bill Waltons ausgewechselter Rasierklinge Stand Dezember 1977 lasse sich von der Ankunft des Tätowiertesten seit Chris "Michael Keaton" (Sie kommen mit der Bilderflut noch klar?) Andersen nicht vom Masterplan abbringen, dem Prozess oder dem einstigen Mitspieler aus Zeiten zu trauen, als Sam Presti Erstrundenpicks nutzte, um damit MVPs in Serie zu draften statt sie als Trophäengeweih über den Schreibtisch zu laminieren.

"Despite" Wall. Trotz der Wand. Donnerwetter. Harden also ändert seine Zukunftspläne nicht. Despite der Ankunft eines Spielers, der ca. 140 Restmillionen bis 2023 zu kriegen hat, nachdem er seit 2018 keinen Basketball mehr in der Hand hatte, und dessen Kopf nach allem, was man so aus dem Paralleluniversum sozialer Medien sieht und hört, nicht immer vollständig gerade auf dem inzwischen vollständig einkolorierten Hals sitzt.

Das einzige, was noch mehr nervt als das Aufblasen von Nichtnachrichten zu berichtenswerter Recherchearbeit, sind Kolumnisten, die sich darüber aufregen, dass Nichtigkeiten... Nur ist gerade Jahresendurlaub im Lockdown und die Chips sind leer. Abschlussbild:



Ehrlich rebuildet am längsten
Die NBA ist Geschäft. Geschäft ist Poker. Es wird getäuscht, getrickst, es werden Nebelkerzen geworfen, als wäre Silvester vor Pandemiezeiten. Man lässt Testballons steigen und wartet die öffentliche Reaktion ab. Sticht die mit Nadeln Löcher in die Luft, lässt man letztere aus dem Ballon wieder heraus. So weit, so normal.

Kurz: ich erwarte nicht, dass GMs oder ihre Adlaten mir oder anderen geneigten Betrachtern des Balls, der niemals lügt, ständig ungefragt oder dumm gefragt die Wahrheit über ihre 16 Monate in der Zukunft liegenden Pläne verraten. Doch wo, um Himmels Willen ist die Kunst des gehobenen PR-Sprechs geblieben? Bringt man einem GM heute nicht mehr bei, wie man redet, ohne etwas zu sagen, wie man sich Türen offenhält, indem man sie Journalisten vor der Nase zuschlägt?

Dass also, um konkret in 2020 zurückzukehren, Tommy Sheppard im November dieses Jahres auf Befragen nicht unter Bluthochdruck ausrief, man werde den Toppick vom Jahrzehntbeginn mit seinem albatrossigen Vertrag und seinem fusseligen Haupthaar achtzigkantig aus der Hauptstadt jagen, kann ich nachvollziehen.


Dass er, während er bereits mit dem Frontoffice der Raketenheimat über den Pickpreis für Westbrook schäkerte, "We have no intention whatsoever to move John Wall" in den Äther meiner Wahrnehmung blies, hat dann schon etwas von "Niemand hat die Absicht, einen Wall zu bauen". Dafür habe ich bei einem Mann mit einem Vierteljahrhundert Erfahrung auf den Bürofluren der NBA kein Verständnis. Das ist mir zu plump, das geht besser. Ich gebe die Hoffnung auf ein wenig mehr Dementierbarkeit nicht auf.

Wie es semi-richtig geht, zeigt der Ex-GM des NBA-Champions von 1994 und 1995. Ben Simmons, heißt es da in der PM des Tradegrauens sinngemäß, sei ein wichtiger Bestandteil der Sixers-Zukunft. Das stimmt nun - mit ein wenig Interpretationsbereitschaft - unabhängig davon, ob Harden demnächst Fusseln auf die Glocke regnen lässt oder nicht.

Denn entweder bringt Simmons Harden und dessen ja auch immerhin noch drei Jahre in die, Sie ahnen es: Zukunft, weisenden Vertrag als Gegenwert oder er spielt selbst auf seinem noch bis 2025 datierten Arbeitspapier in der Stadt der brüderlichen Lügen. Zur Nachahmung empfohlen an Travis S., wenn demnächst die Frage auftaucht, ob man John Collins für Al Horford und ein Tonkabohneneis nach OKC verschachern will.

Eine neue Saison
Ich las am vergangenen Wochenende nachstehenden Tweet von einem der großen Helden der Sloan-Welt der Zahlen und Metriken:



Wenn mich die Überreste des Versuchs dreier verzweifelter Gymnasiallehrer, mir Mathematik und ihren Zauber näherzubringen, nicht gänzlich täuschen, nennt man den Strahl, der mich hier massiv irritierte, wohl "Y-Achse". Auf ihr sind die in Karriere erworfenen Punkte abgetragen (heißt das so?).

Ohne groß darüber nachzudenken, stand für mich fest, dass sich da nun jemand peinlich vertan haben muss, der vielleicht ein Koordinatensystem auswendig lernen, aber nicht bis 40.000 zählen kann. Denn dass niemand die Schallmauer von 40k erzielten Punkten durchbrochen habe, das wisse ja nun wirklich jeder, der sich mal "Lew Alcindor" ergooglet hat.

Kurz bevor ich eine Klugscheißerantwort zu Ende getippt hatte, wurde mir wieder gewahr, dass die NBA in ihren offiziellen Alltimescoringlists, die Abdul-Jabber mit irgendwas mit 38.000, wie ich auswendig zu wissen glaube, als Nummer 1 führt, nur Punkte aus regulären Saisonspielen listet. Warum, ist die Frage, die auch Goldsberry vermutlich nicht schlüssig beantworten kann.

Warum soll ich die Punkte aus Postseasonspielen nicht wie der Rechenkünstler Kirk zu den Punkten aus der "regelgerechten" Saison addieren? Was genau will mir das sagen? Playoffs rechnen nicht mit, weil da nicht alle anwesend sind? Das ist eine "neue Saison"? Der Osten ist zu shaky, deshalb zählen wir bei LeBron, Kareem und demnächst KD nur zwischen Weihnachten und Ostern? Es gibt in der NBA Unfug, den ich nie begreifen werde. Dazu gehören "Escrow", die Tattoos von John Wall und diese Zählung der Alltimescorer. Wenigstens Letzteres wäre noch zu ändern!

Fundstück der Woche
Drei Dinge in einem Abschnitt zum schlechten Schluss, der ein Anfang sei:

31. Happy new season!

24. Keep ballin'!

8. Schnief...