30 Dezember 2020

30. Dez, 2020


*"I enjoyed my Christmas Day." Paul George

von ANNO HAAK @kemperboyd | 30. Dez, 2020


Can't Jump... on THIS
Es gab eine liebe Zeit cineastischer Unschuld in dem bergigen Stadtteil von Los Angeles, in dem die großen Studios ihre Sitze haben. Es war eine Zeit, in der subtile Americana-Kritik wie "Forrest Gump" statt "Auf die Fresse"-Klassenkampffabeln aus dem Südteil des Landes, dessen Nordteil ein stalinistisches Paradies ist, Goldstatuetten abräumten.

Auf der B-Card jener Jahre bildete sich ein vermeintliches all-male-Traumpaar für eine ganze Serie von Buddy-Movies in einem Basketballfilm aus. Zwei wie Pech und Schwefel, ein Paar von Superhelden, lange bevor Amüsierparks sich getrauten, die eigene Entität als "Film" zu labeln, kurz: eine vieräugige Registrierkasse, eine Boxofficebonanza wie Kawhi und PG13 gegen Dallas.


Wesley Snipes und Woody Harrelson waren die Namen der rätselhaften beiden Protagonisten unseres zweiten Absatzes. Sie vereinten sich im Jahre des Herrn 1992, um einen Film zu drehen, dessen Titel ein offenbar intoxinierter oder unter Mindestlohn bezahlter (oder beides) Mitarbeiter der deutschen Division (ja, ich habe "Division" gesagt) des zuständigen Filmverleihers mit "Weiße Jungs bringen's nicht", äh, ja nun... übersetzte.

Es gibt in diesem Meisterwerk moderner Sportfilmkunst gar wunderbare Throwbackkatastrophen wie ein authentisches rotes Bulls-Leibchen von Michael Jordan und gar schauerliche Workout-Geschmacklosigkeiten von Trägerhemdchen und umgekehrt aufgesetzte 500-Farben-Mützchen auf den Köpfen der Protagonisten zu bestaunen. Letztere scheinen wie auch das verwaschene Alcindor-Jersey der Tinseltowner noch aus Aerobicvideos der 80er herübergerettet worden zu sein.

In meinem monatlich nebliger werdenden Langzeitgedächtnis ist zudem eine Szene aus diesem - die Kids damals hätten wohl gesagt - "Streifen" gespeichert, in der Harrelson und Snipes auf einer Streetballfestivität hergenommen werden. Die beiden Opponenten der Helden streiten sich humoristisch gebrochen darüber, ob die Sch...e "ZU leicht" oder "zu LEICHT" sei. Damen, Herren, Diverse, wir sind bei James Harden angekommen.


Über den MVP von 2018, seine rodamnesquen in-between-Games-Eskapaden und die Liste von präferierten Tradedestinationen ließen sich zwei Kolumnen befüllen, aber das wäre eben zu LEICHT oder ZU leicht.

Denn die Angabe, der überzeugte Linkshänder und Maskenverweigerer habe eine Dame aus dem Freundeskreis, die neuerdings ihre eigene Herr*in ist, unbürokratisch mit seiner Anwesenheit im Restaurant, das nur aussieht wie ein Nackedeiaerosoltempel (WHATUPPP LOUWILL?!?), beglücken wollen, parodiert sich im Grunde von selbst.

Harden, 31 Jahre alt, Pass-first-und-Houston-Allergiker sowie im Werden begriffener Milliardär versteht sich also selbst mehr als behaarte Ein-Mann-Förderbank für regionale texanische Startupunternehmer mit eigenen Lokalitäten, in denen sich junge Y-Chromosom-Vermisserinnen zum Amusement der zahlenden Gäste im Rhythmus der aus wahrscheinlich von Harden bezahlten Beatboxen dreuenden Musik der (vermutlich) Kleider aus der Russell-Westbrook-Kollektion für female Bosses entledigen.

Mir persönlich fehlt noch das "Entrepreneur" in Hardens Twitter-Bio, dann wäre seine Ausrede zwar immer noch lustig, aber wenigstens glaubhaft. "Entreprneurs" sind so Leute, die eigentlich den ganzen Tag nichts zu tun haben, also nichts außer 400 Dreier auf einen Clinickorb zu löten, aber mehr Geld als Master P vor dem Kauf von Sportschuhherstellern mit was auch immer gemacht haben.

Nicht alle haben dabei so grenzbescheuerte Pfiffis wie Carsten Maschmeyer auf dem Kopf, manche tragen eben wie Harden auch Minizöpfchen spazieren, mutmaßlich um das lokale Friseurhandwerk zu representen, wenn man gerade Bock auf Tageslicht hat. Sie kaufen Firmen auf, die Sachen erfinden, die es schon im Übermaß gibt, um aus dem Schwachsinn weitere Millionen zu ziehen, die einen dann unabhängiger von Maximalverträgen machen. Durant hat auch so eine Bude.

Also bitte: schepper Dir doch "Startupinvestor" in die Beschreibung, "Link in Bio" dazu, einmal auf "The trade that doesn't let Bill Simmons rest, Inc." verdrahtet und schon ist man in der Online-Welt Unternehmer. Denn in diesem Internetz steht meistens die Wahrheit.

Aber eben nur meistens, weshalb die NBA und die Rockets-Franchise gemeinsam daran "arbeiteten", die Authentizität des wie Superspreader verbreiteten Videos von Harden ohne MNS im Tempel des exotischen Tanzes zu detektieren.

Vielleicht könnte man sich aus der Woody-Harrelson-Hanfkollektion eine Maske in der Größe "Bär" bestellen, um die Facialpalmierung ob solcher Meldungen und Stories mit einem Stück Schutzstoff zu gewährleisten. Aber die Lieferwege sind nicht vegan, deshalb ist mir das ZU schwer. Oder zu SCHWER. Ich geh "Demolition Man" gucken.

Season's Overreaction
Statt der Grüße zur Feiertagssaison gibt's im Zeitalter der Corona die Überreaktion auf erste NBA-Resultate, die sonst jahreszeitenbedingt in die Zeit um Thanksgiving fällt.

Dann bekommen Mannschaften, deren Name sonst auch gelegentlich in den Sportschau-NBA-Podcast reinhörenden Basketballkonsumenten nur schwer über die Lippen kommen will (vgl. "Heißt das 'die Miami Heats' oder 'das Miami Heat's'?") nationalen social-media-buzz, dass man meint, es stünde Wesley Snipes' Steuerstrafverfahren auf dem Speiseplan.

Sie müssen schlicht in der ersten Pflichtspielwoche der Liga als Team, das in den letzten zwei bis drei Free Agencys beim Spielerschrottwichteln das kürzeste Hölzchen gezogen hat, drei noch unter Ihnen in der Liganahrungskette zu stehen kommendes Powerhouse gedemütigt nach Hause entlassen. Man hat kaum gegooglet, wie man die jüngste Verletzung von Kevin Love auf deutsch bezeichnet, und schon sind die Sacramento Kings ein dark horse im Kampf um den Heimvorteil im Westen.


In all ihrer Kurzlebigkeit, unterboten nur von Allstarbuzz für Jamaal Magloire und Sternschnuppen im Nachtnebel, extrapolieren dann Twitterexpertensimulanten aus Sabonis den unterschätztesten Spieler der NBA, weil er die Gurken aus Chitown und NYC und die winterschläfrigen Celtics mit 75/65/124-Shootingsplits in die Jagdgründe der Lotterie verabschiedet hat.

Überkrass feiert man ab, dass die Cavs drei und null (!) stehen. Das gibt Gelegenheit, neben der Kreation von Memes mit Collin Sexton als Kyrie Irvings Urgroßvater gleich noch unnützes Partywissen ins Onlinearchiv, das nie vergisst, zu laden. "TIL: die Cavaliers haben außerhalb der 11 LeBron-Jahre in Saisonauftaktmonaten nur ein Mal mehr als 2,43 Spiele gewonnen." Wenn Sie nicht wissen, wie Sie die Vierjährige an Silvester zum Einschlafen bringen können: NBA-Twitter ist voll von solchen Kloppern.

Es bleiben aber am Ende des Tages doch nur drei Spiele. Von 72. Die Abfeierei macht Laune, ich fände sie nur wesentlich origineller, wenn sie irgendwann Mitte März aus dem Partykeller ans Tageslicht geholt würde, wenn sich die Magic von 19:24 auf 22:24 verbessern, indem sie die Thunder, die Wizards und die Timberwolves wegflanken. Nur dann sind drei Siege am Stück halt aufregend wie Rosie Perez, nachdem sie für den Film über den Überfall auf eine Geld-U-Bahn (nein, habe ich mir nicht ausgedacht) als Harrelson und Snipes-Sidekick durch Jennifer Lopez ersetzt wurde.

Fundstück der Woche
Denzel Washington hatte diese Woche Geburtstag. Und die zweithöchste Niederlage in der Historie der LA Clippers kam gegen die Seattle Supersonics zustande. Ich weiß schon, warum mir eher das jetzt einfällt als der Titel "Money Train", aber ich sage das erst im nächsten Jahr. Keep ballin'!