08 Dezember 2020

8. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 26: Die Charlotte Hornets...

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 8. Dez, 2020


Flashback
23-42, keine Playoffs

Plus
Gordon Hayward
LaMelo Ball
Vernon Carey Jr.
Nick Richards
Grant Riller

Minus
Dwayne Bacon
Willy Hernangómez
Kobi Simmons
Ray Spalding

Was ist Neu?
Es ist ein neues, altes Problem. Small-Market Teams müssen Spieler überbezahlen, was zwangsläufig zu angespannten Cap Space Situationen führt. Charlotte machte diesen Fehler nun erneut, indem sie Gordon Hayward mit einem Vertrag über vier Jahre und 120 Millionen nach Carolina lockte.

Über die Sinnhaftigkeit dahinter lässt sich streiten, im Hinblick darauf, dass das letzte Vertragsjahr von Nicolas Batum (27 Mio. $) gestretched wird, um eben jenen Hayward zu verpflichten, darf die Kompetenz des Front Offices durchaus hinterfragt werden. Denn sowohl kurz-, als auch langfristig wird Hayward sie zu keinem ernsthaften Contender machen.

Vielleicht wurde ihm dieser Deal nur unterbreitet, da der Zirkus knapp eine Woche vorher in Charlotte halt machte. Mit Zirkus ist selbstredend die Familie Ball gemeint, deren jüngster Zögling fortan nun für die Hornets auflaufen wird.

Es bleibt spannend, ob Michael Jordan vielleicht ein drittes Mal aus der Rente zurückkehrt, sei es nur für ein 1-on-1 gegen Vater LaVar Ball.

Beste Addition
Gordon Hayward ... Ja, Haywards Vertrag ist fatal. Ja, Hayward war lange verletzt. Ja, Utah wurde erst nach seinem Abgang richtig gut und ja, Boston gewann auch ohne ihn.

Dennoch bringt der mittlerweile 30-Jährige Erfahrung mit und dürfte dieses Team durchaus besser machen. Er besetzt eine eklatant klaffende Lücke auf dem Flügel und bringt ein gutes All-Around-Game mit. Er liefert sekundäres Playmaking und kann sowohl für sich, als auch andere Würfe kreieren.


Zudem braucht er den Ball nicht so oft in der Hand, um effizient zu scoren. Wäre da nicht das Preisschild von 30 Mio. $ per annum, so würden auch wieder die sportlichen Qualitäten von Hayward in den Vordergrund gerückt werden.

Davon abgesehen kann Hayward persönlich nichts dafür, dass es immer noch hirnrissige Front Offices gibt, die ihm einen solchen Vertrag unterbreiten. Finanziell fraglich, sportlich aber über allem erhaben und somit die beste Kader-Akquisition.

The Planet
LaMelo Ball ... Es spricht nicht gerade für Charlotte, dass ein Rookie hier steht. Klar, man könnte durchaus auch Argumente für Devonte' Graham finden, doch der Name Ball allein besitzt zu viel Strahlkraft, als dass hier Alternativen genannt werden dürfen. Der jüngste Ball-Spross soll in die Rolle als Star wachsen, was äußerst gewagt ist bei einem Spieler, der über keinen Wurf und nur ganz rudimentär ausgeprägte defensive Qualitäten verfügt.

Doch LaMelo ist der mit Abstand beste Passer und Ballhandler der Teams und dürfte die Zügel in die Hand bekommen, sodass er mutmaßlich die Rookies in Assists anführen wird, vielleicht sogar sofort in dieser Kategorie zur Ligaspitze zählt.


Abseits davon bleibt abzuwarten, wie er sich an die NBA anpasst. Sein Körper ist noch lange nicht ready, um konsequent zum Korb ziehen zu können und die beste Shotcreation bringt nichts, wenn man dann keinen Wurf trifft. In den letzten Saison bei den australischen Illawara Hawks sahen seine Rotationen defensiv okay aus, vor allem angesichts dessen, dass es seine erste Spielzeit im geregelten Profi-Basketball war.

Ball ist schon jetzt das Gesicht der Franchise und ein Versprechen für bessere Zeiten. Bei einem Spieler mit so vielen Fragezeichen, fragt man sich, was Charlotte die letzten Jahre eigentlich gemacht hat.

Rising Star
P.J. Washington ... Der Sophomore spielte eine gute Rookie Saison und dürfte nächstes Jahr noch wichtiger werden. Als Blocksteller kann er sowohl abrollen, als auch den Dreier selbst nehmen und beeindruckt als athletischer Wühler unter dem Korb.

Washington, Graham und Ball geben ein spannendes Trio ab und bekommen infolge der Verpflichtung von Hayward noch mehr Freiräume. Es liegt nun an Paul Jamaine (P.J.), die starke Rookie-Kampagne zu bestätigen und den nächsten Schritt zu gehen. Charlotte dürfte dafür der perfekte Ort sein, da er Platz für Fehler hat und dennoch einen gewissen Leistungsdruck, da die Hornissen endlich in die Postseason zurückkehren wollen.

Don’t Sleep! 
Malik Monk ... Monk wird nächstes Jahr Restricted Free Agent und bisher wusste er eher spärlich zu überzeugen. Dies muss sich nun schleunigst ändern. Er wird vermutlich als Scorer von der Bank kommen und seinen Punkteschnitt drastisch anzuheben gedenken, um NBA Teams davon zu überzeugen, dass er in diese Liga gehört.

Viel mehr als ein reiner Scorer, wird er zwar nie werden, doch von der Bank aus könnte er seiner Karriere durchaus nochmal einen Schub verleihen. Andernfalls sieht es extrem schlecht für ihn aus. Speziell der Dreier muss wesentlich besser fallen, sonst wird er sich in die unrühmliche Reihe Lottery Picks einreihen müssen, die es nie geschafft haben, den Erwartungen gerecht zu werden.

Beste Fünf
Ball – Graham – Hayward – Washington – Zeller


Good News
+ Ball bringt Medienrummel und -reichweite mit
+ Der Young Core könnte durchaus Spaß machen und Spiele gewinnen
+ Offensive Playmaker hat man durch die Bank weg
+ Junger Coach, der letzte Saison bereits (relativ) erfolgreich „Jugend forscht“ betrieb

Bad News
- Nicolas Batum steht drei weitere Jahre in den Büchern
- Gordon Haywards Vertrag sieht wegen Batums Entlassung noch schlechter aus
- Wieso wollen die Hornets um jeden Preis in die Playoffs, ohne wirkliche Aussichten zu haben?
- Das Front Office ist nach wie vor nicht kompetent und könnte junges Talent für kurzfristiges Mittelmaß opfern


Was fehlt?
Eine klare Vision, was man wirklich möchte. Die Hornets haben ein unausgewogenes Team, das am defensiven Ende des Feldes fatal aussieht und eigentlich nur durch einen Shootout Partien gewinnen dürfte. Zusätzlich fehlt ein echter Leader, wie ihn Chris Paul letzte Saison bei den Oklahoma City Thunder ausfüllte. Am Ende wird wohl wieder ein mittlerer Erstrunden-Pick auf der Haben-Seite stehen, der das Team im Mittelmaß gefangen hält.

Check 1,2
Mit sehr viel Glück – sprich: alle Spieler bleiben fit, entwickeln sich weiter und erfüllen die in sie gesteckten Erwartungen – erreichen die Hornets über die Play-Ins einen der hinteren Playoffränge. Der primäre Fokus sollte auf der Entwicklung der Talente stehen, doch leider zeigt die Hayward Verpflichtung einen anderen Anspruch. Trotz alledem könnte Charlotte ein offensiv attraktives Team darstellen, dessen Spiele man sich hin und wieder anschauen sollte. Mittelfristig werden sie aber die graue Hornisse der Liga bleiben.

Die Rechnung, bitte