17 Dezember 2020

17. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 7: Die Dallas Mavericks...

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports | 17. Dez, 2020


Flashback
43-32, Playoffs Runde eins (2-4 vs. LA Clippers)

Plus
Josh Richardson
James Johnson
Josh Green
Wesley Iwundu
Tyrell Terry

Minus
Seth Curry
Delon Wright
Michael Kidd-Gilchrist
Justin Jackson
J.J. Barea

Was ist Neu?
Nicht viel. GM Donnie Nelson hielt sich im Werben um Mittelklasse-Free Agents dezent zurück und mehr war in der diesjährigen Postseason schlicht nicht zu haben. Statt teures Geld für einen Spieler zu bezahlen, der das Team nicht wirklich besser macht (Hust, Gordon Hayward, Hust), behalten die Mavs ihre finanzielle Flexibilität.

Ob das europäische Dream Team von Giannis und Luka zwar wirklich realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt, aber wer es nicht probiert, der kann auch nicht gewinnen. Eine Verbesserung in der Western Conference ist auch ohne prominente Neuzugänge möglich. Dafür müssten die Mavs schlicht ein paar der engen Spiele gewinnen, die sie in der letzten Saison - oft nach riesigen Führungen - noch hergaben.

Weitere Additionen kommen außerdem von innen. In der Bubble musste Dallas von Anfang an auf Jalen Brunson und Dwight Powell verzichten. In den Playoffs kam noch der Ausfall von Kristaps Porzingis dazu. Die ersten beiden sind definitiv fit für den Start des Trainings-Camps. Das Einhorn bekommt nur aus Vorsichtsmaßen noch ein paar Wochen mehr Pause.

Beste Addition
Josh Richardson ... Die größte Baustelle der Mavs 2020 war der Flügel. Es schien, als könnten die Mavs nur entweder Spieler für die Offense oder für die Defense einwechseln. Was vorne gewonnen wurde, wurde hinten wieder abgeschenkt und umgekehrt. Die Hoffnung liegt nun darauf mit Josh Richardson einen verlässlicheren Three-and-D-Spieler in den Reihen zu haben.


Der 27-Jährige hat einen Karriereschnitt von 36 Prozent von Downtown. Schlechter als Seth Curry, der für ihn eingetauscht wurde, aber definitiv gut genug. Am anderen Ende spielte Richardson 2019/20 zwar keine alles erstickende Verteidigung, doch besser als Drehtür Curry. Sein Vertrag ist mit knapp 11 Millionen human und könnte auch schon nächsten Jahr auslaufen.

The Planet
Luka Dončić ... „El Matador“, „The Don, „Wonder Boy“, „Swaggy L“, „Luka Legend“, „Halleluka“, „Luka Magic“. Nicht viele NBA-Spieler hatten nach ihrem zweiten Liga-Jahr schon so viele Spitznamen und die alle mehr als verdient. Nun war Dončić natürlich auch kein normaler Sophomore. Bevor er auch nur eine NBA-Minute spielte, hatte er schon den Euroleague-MVP-Award und die EM 2017 gewonnen.

Trotz all der Erfahrung ist der Slowene erst 21 Jahre alt und das sollte der Konkurrenz Sorgen machen. Auch wenn es die Zahlen kaum zulassen, lässt sich durchaus prognostizieren, dass Dončić nochmal einen erheblichen Sprung nach vorne machen wird. Vielleicht mit einer optimierten Wurfauswahl und weniger Diskussionen mit den Schiedsrichtern. Dann sollte er endgültig im MVP-Rennen ankommen.

Rising Star
Tyrell Terry ... Von Guard Terry sollten die Mavs-Fans in seinem Rookie-Jahr keine Wunder-Dinge erwarten. Ein echter Glücksgriff ist der 20-Jährige für Dallas dennoch. Die Texaner zogen Terry mit dem 31. Pick, was ihn für die Experten von „The Ringer“ zum Steal der diesjährigen Draft machte.


Der wurfstarke Guard sollte sich im dreierlastigen System der Mavs mehr als wohlfühlen. Mit seinem vor dem Draft explizit gelobtem Basketball-IQ könnte er direkt zum Anführer der zweiten Fünf werden, wenn Luka mal eine kurze Pause braucht. Auch weil die Mavs nun Terry in ihren Reihen wissen, vollzogen sie den tränenreichen Abschied von Franchise-Legende J.J. Barea.

Don’t Sleep! 
Jalen Brunson ... Jalen Brunsons Fähigkeiten als Backup-Balltäger wurden in der Bubble schmerzhaft vermisst. Nicht weil der Basketball-Zwerg bereits so ein elitäres Level hatte, sondern weil die Mavs auf Point Guard einfach nicht gut aufgestellt waren. In der Draft kam zwar besagter Terry, dafür wurde aber auch Delon Wright nach Detroit geschickt. Das Vertrauen von Rick Carlisle scheint also weiterhin da zu sein. Jetzt liegt es an Brunson dieses zu bestätigen.

Beste Fünf
Dončić – Richardson – Hardaway Jr. – Kleber – Porziņģis

Good News
+ Die Offensive wird wieder zu den besten der Liga zählen
+ 2020 war kein Playoff-Team im Westen heimschwächer: Wie gut, dass es keine gewohnten Heimspiele geben wird
+ Dank Boban Marjanović ist gute Stimmung in der Kabine garantiert
+ Die City Edition Trikots sehen bedeutend besser aus als letztes Jahr


Bad News

- Komprimierter Schedule erhöht Risiko für verletzungsanfällige Spieler wie Porzingis
- Generell fünfschwerster Schedule
- Texas hat die meisten Corona-Fälle in den USA, hohe Wahrscheinlichkeit für Ansteckungen und Ausfälle
- Viele defensivstarke Spieler haben offensiv weiter wenig anzubieten (Kleber, Iwundu, Johnson, Willie Cauley-Stein)

Was fehlt?
Klarheit, ob Kristaps Porziņģis mal eine Saison gesund zu Ende spielen kann. Der Meniskus-Riss war, was die Verletzung angeht, nicht schwerwiegend, für die Playoff-Hoffnungen der Mavs allerdings schon. Ohne seinen zweitbesten Spieler hat es jedes Team schwer und so langsam steigt die Befürchtung, dass beim Letten immer irgendetwas ist. Fällt er wieder aus, sitzt Dallas auf einer Menge totem Geld.

Check 1,2
Der Divisions-Titel war schon letztes Jahr nur einen Sieg weg. Da die Houston Rockets eher schlechter als besser geworden sind, winkt das erste Banner seit 2010. Auch Heim-Vorteil in den Playoffs und der Einzug in die Conference Semi-Finals scheinen realistisch. Für mehr müsste schon sehr viel richtig laufen. Das muss es aber 2021 noch gar nicht.


Klubboss Mark Cuban wäre sicherlich nicht allzu enttäuscht, wenn das Team diese Saison nur einen kleinen Sprung nach vorne macht, dafür 2021 aber einen dicken Fisch in der Free Agency an Land zieht. Das ist Dallas zwar schon ewig nicht mehr gelungen. Die Mavs hatte aber seit Nowitzkis Prime auch keinen MVP-Anwärter mehr in ihren Reihen. Das macht den Champion von 2011 jetzt deutlich attraktiver.

Die Rechnung, bitte