18 Dezember 2020

18. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 6: Die Denver Nuggets...

von JANEK BAIL @jbail_98 | 18. Dez, 2020


Flashback
46-27, Western Conference Finals (1-4 vs. Los Angeles Lakers)

Plus
JaMychal Green
Isaiah Hartenstein
Facundo Campazzo
R.J. Hampton
Zeke Nnaji

Minus
Jerami Grant
Torrey Craig
Mason Plumlee
Noah Vonleh

Was ist Neu?
Das Archiv der Scouting-Abteilung. Vorbei die Zeiten, in denen die GMs lediglich das Material aus dem College zur Verfügung hatten und externe Additionen untypisch waren. Die Nuggets steuern volle Fahrt Richtung Perlentauchen.

So spielten nur vier von sieben Ergänzungen im Land der Freiheit. Der Rest wurde von Real Madrid (Campazzo), Galatasaray Istanbul (Greg Whittington/Two-Way Deal) und den New Zealand Breakers (R.J. Hampton) akquiriert. So läuft das eben als Small Market-Team im Basketball-Geschäft.

Dass die neuen Gesichter aber sofort dazu beitragen können, Denver auf eine neue Stufe zu heben, scheint eher unwahrscheinlich, da mit Grant und Craig die so wichtigen Verteidiger im Ausgleich zu dem sonst anfälligem Lineup um Nikola Jokić, Jamal Murray und Michael Porter Jr. wegfallen.

Beste Addition
JaMychal Green ... Ein spektakulärer Neuzugang ist Green zwar nicht, aber ein guter Ersatz für den zu den Detroit Pistons abgewanderten Jerami Grant. Zu überzeugen weiß der 29-jährige Big mit seinem Ambitus an Anlagen. So kann er für Spacing mit 38,7% von Downtown bei durchschnittlich 3,8 Versuchen sorgen. Zusätzlich verfügt er über eine gute Pick-and-Roll Verteidigung und besticht vor allem dadurch, dass er in keiner Kategorie negativ auffält.

Lediglich sein aktives Offensiv-Spiel verfügt über Luft nach oben, aber von jener Sorte besitzen die Nuggets genug. Und manchmal ist so ein zusätzlicher Koch für den Brei auch nicht erfolgsbringend.

The Planet
Nikola Jokić ... Dieser Serbe wirkt so surreal, manchmal muss man sich schon kneifen. Denn das Erscheinungsbild gleicht eher dem des großen Introvertierten aus der Nachbarschaft. Nicht wie von jemandem, der mit 2,13 Meter neben natürlich gegebener Reboundstärke über Spielermacherqualitäten verfügt, mit welchen er kaum einem Guard der Liga nachsteht.


Abgerundet wird das Einhorn dadurch, dass im Post einfach irgendwie immer den Ball durch die Reuse genetzt wird. Die vergangene Saison hat sogar seine Nervenstärke in der Crunchtime demonstriert.

Was also fehlt für einen MVP-Titel? Athletik, Athletik, Athletik. Immer mal wieder versucht sich der ehemalige Cola-Abhängige in Form zu bringen, aber so richtig will seine Urlaubsstatur nie abfallen. Entsprechend fällt damit auch seine Defensive optimierungsbedürftig aus und muss weiterhin von einem Elite-Verteidiger auf der anderen großen Position ausgeglichen werden.

Rising Star
Michael Porter Jr. ... Wie der Phönix aus der Asche erhob sich letzte Saison Michael Porter Jr. Immerhin lag hinter ihm eine derart schlimme Rückenverletzung, welche ihn vom sicher geglaubten Top-3 Pick im Draft 2018 auf Platz 14 und damit in die offenen Arme der spülte.

Nach einem Jahr Geduld hat er vergangene Saison gezeigt, dass jenes Standing vor seiner Auszeit nicht übertrieben war. Sein Spiel erinnert sehr an das von Kevin Durant. Nicht nur seine Abschlussstärke (42 Prozent Dreier) mit 2,08 Meter und offensivem Drang sondern auch seine Verteidigung erinnert an dem MVP 2012/13 – leider ist diese sogar noch schlimmer.

In anderen Punkten wirkt eine gewisse Parallele zu einem weiteren NBA-Superstar nicht allzu weit. Denn seine Aussagen über den Coronavirus stehen genauso kontrovers zu Buche wie es sonst nur ein Kyrie Irving mit Theorien schaffen würde.


Don’t Sleep! 
Isaiah Hartenstein ... Gut, dass das Augenmerk hierbei vielleicht etwas subjektiv wirkt... geschenkt. Der erst 22 Jahre alte Deutsche ist mit seinen 2,13 Meter Körpergröße nicht zu unterschätzen. In den letzten Jahren ging Hartenstein im Zwergenhaufen der Houston Rockets einfach unter, weil er nicht in das implementierte Micro-Ball System passte. Da sind wir auch schon bei seiner größten Schwäche: Sein Scoring ist noch sehr ausbaufähig und für Spacing wird er auch bei den Nuggets nicht zuständig sein.

Vielmehr liegt im die Rolle für alles andere. Denn neben seinen schnellen Füßen besticht er mit einer guten Übersicht und kann daher ähnlich wie Jokić eingesetzt werden. Somit stehen die Chancen gut, dass Hartenstein von der Bank dauerhaft einen gewissen Einfluss auf das Spiel der Denver Nuggets nimmt.

Beste Fünf
Murray – Harris – Porter Jr. – Millsap – Jokić


Good News
+ Gute Ballverteilung (Assists 2019/20 auf Platz vier)
+ Viele junge Spieler mit unausgeschöpftem Potential
+ Jamal Murray hat den Sprung in All-Star Regionen geschafft
+ Mentalität und Charakter sind definitiv vorhanden – siehe letztjährige Playoffs

Bad News

- Die Schwierigkeiten in der Verteidigung (17. im Defensiv-Rating) wurden nicht behoben
- Qualitative Lücken auf dem Flügel
- Der Westen ist wieder einmal stärker geworden
- Jokićs Entwicklung schreitet kaum voran

Was fehlt?
Am defensiven Ende fehlt jemand, der Murrays, Jokićs und Porters Defizite ausgleicht. Coach Mike Malone muss hier eine Lösung finden, sonst wird eine Nachbesserung zur Trade Deadline - ein gehobener Perimeter Defender - unerlässlich. Als Trade Chip kommt Rookie R.J. Hampton in Frage, der in Denver nur schwer zum Zug kommen wird und mit seinen erst 19 Jahren eher als Langzeitprojekt gesehen wird.

Check 1,2
Die Nuggets können darauf setzen, dass sich der Kern des Teams gut kennt und eingespielt ist. Genau darin liegt aber auch die Gefahr: Dass sie zu durchschaubar sind. Mit Michael Porter als dritte Scoring-Option erweitert sich ihr Spektrum jedoch, sodass mit der fünftbesten Offensive des Vorjahres wieder zu rechnen sein wird.


Nach dem überraschenden Einzug in die Conference Finals gilt es für Jamal Murray und Nikola Jokić zu beweisen, dass die Postseason 2019/20 keine Momentaufnahme war und sie wirklich die Mittel zum Contender haben.

Die Rechnung, bitte