12 Dezember 2020

12. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 17: Die Golden State Warriors...

von ANNO HAAK @kemperboyd | 12. Dez, 2020


Flashback
15-50, keine Playoffs

Plus
James Wiseman
Kelly Oubre Jr.
Kent Bazemore
Brad Wannamaker

Minus
Dragan Bender
Ky Bowman

Was ist Neu?
Die alte Anspruchshaltung ist zurück. Sie ist nicht neu, aber erneuert. Golden State versucht als zweites Team nach den Chicago Bulls der 90er eine vermeintlich bereits untergegangene Dynastie wiederzubeleben und fortzuschreiben. Die mit drei Ringen und fünf Finals in Folge dekorierte „Splash Bros. Dynasty“ soll es nach einem Zwischenjahr wieder regnen lassen.

Dafür gingen Lacob und Partner von Neuem finanziell All-In. Nach der 2019er Monsterverlängerung trotz Kreuzbandriss für Klay Thompson und dem letztlich in den drittschlechtesten Vertrag der Liga umgemünzten Sign-and-Trade für D'Angelo Russell nutzten sie nun eine Trade-Exception, um inklusive Steuer, mutmaßlich rund 80 Mio. $ in ein Jahr Kelly Oubre Jr. zu stecken.

Mit jenem Oubre, Kent Bazemore und dem zweiten Pick im Draft, James Wiseman, polstern die Warriors die seit dem Durant-Abgang löschpapierdünne Rotation im Frontcourt auf. Der Flügel wird dank der nächsten Horrorverletzung von Thompson dennoch häufig unbemannt wie russische Raumfahrt in den 50er Jahren wirken (Vergleichsquote 0,25 pro Preview: check).


Ansonsten bleibt alles beim Alten: Michael Jordans Adlat auf der Bank, Bob Myers darf pulvern, Ball in die Hände des Zweifach-MVP, Pick, Roll oder Pop, kurzer Spruch von Green mit auf die Reise, Ball an den Perimeter und gib ihm.

Beste Addition
James Wiseman ... Lange war seit dem Fall der Tischtennisbälle spekuliert worden, ob und gegebenenfalls für wen sie den zweiten Pick in diesem Draft traden würden. Am Ende drängte sich wohl kein Tausch wirklich auf und so landete der Center, wie für den Fall des Behaltes des Picks erwartet, bei den Warriors.

Damit gehen die Krieger, ohne dass die Voraussetzungen komplett vergleichbar wären, den – sagen wir – Tim-Duncan-Spurs-Weg. Wiseman soll mit seiner defensiven Präsenz und seiner geradezu brutal wirkenden Konsequenz im Pick-and-Roll sofort helfen und optimaler Weise der Brückenspieler in die nächste Warriors-Dynastie werden.

The Planet
Stephen Curry ... Wieviel besser der vielleicht unterschätzteste Superstar unserer Tage den Meister von 2015, 2017 und 2018 macht, zeigte sich spätestens letztes Jahr auch dem letzten Hater. Der einzige Back-To-Back-MVP der Moderne neben Tim Duncan, Michael Jordan, LeBron James, Steve Nash und dem Freak ist das Alpha und das Omega der besten Mannschaft der 10er Jahre. Er allein gibt dem Playoff- und Titelpush der Warriors 2021 die nötige Gravitas.


Rising Star
Kelly Oubre Jr. ... Ja, immer noch, in diesem Kader allerdings zugegeben auch ohne Alternative. Bei den Phoenix Suns hatte sich der Lefty in die Herzen der Fans gezockt. Es ist das Glück der Warriors, dass sich Oubre mit seiner Absenz in der 8-0-Blase und wegen der Chance auf Chris Paul entbehrlich machte.

Fast 36 % versenkte Dreier bei fast acht Versuchen auf 100 Besitze sind noch nicht Splash Territorium, zeigen aber, dass der Flügel in San Francisco einen Teil-Beitrag zum Ersatz von Klay Thompson wird leisten können.

Don’t Sleep! 
Eric Paschall ... 22 Spieler setzten die Warriors in der Übergangssaison 2019/20 ein, um die 15 Siege zusammenzustoppeln. Von den vielen Testballons, die die Minuten der verletzten oder abgegangenen Stars übernahmen, blieb kaum einer im Gedächtnis oder im Roster.

Auf den 41. Pick der 2019er Draft aber trifft das nicht zu. Er spielte sich mit 24 Punkten, acht Rebounds und vier Assists ins Blickfeld des Managements und erwirtschaftete das zweite Vertragsjahr. Mit deutlich besseren Mitspielern um ihn herum sollte der Gesamteinfluss herunter, aber die Effizienz heraufgehen. Paschall wird hinter den Veteranen Oubre, Andrew Wiggins und Kent Bazemore seine Minuten auf dem Flügel abgreifen.

Beste Fünf
Curry – Oubre Jr. – Wiggins – Green – Wiseman


Good News
+ Stephen Curry ist zurück
+ Die Owner bleiben spendabel, am Geld würde Nachladen nicht scheitern
+ Die Starting Five, NBA-Readiness von Wiseman vorausgesetzt, ist eine, gegen die niemand spielen will
+ Eins der besten Front Offices und Coaching Staffs der Liga.

Bad News
- Klay Thompson ist nicht zurück
- Es ist kaum Spielraum zum Nachladen da: Die Warriors sind hardcapped und luxusbesteuert
- Hinter der ersten Fünf wird es katemossdünn
- Der Westen bleibt trotz OKCs Abschied in den Process West Edition loaded

Was fehlt?
Klay. Thompson. Offensichtlich. Der wohl beste Offball-Scorer der NBA-Geschichte ist schlechterdings nicht zu ersetzen, finanziell wäre das auch gar nicht möglich. Die Warriors werden so lange kein Contender mehr sein, wie Splash Bruder Nummer zwei fehlt oder nicht annähernd gleichwertig ersetzt wird.

Ansonsten und mit Thompsons Verletzung einhergehend ist die Guard-Rotation auf den Plätzen zwei bis fünf hinter Curry die wohl schlechteste aller Playoffaspiranten. Schon Wiggins hat, nicht nur des albatrossigen Vertrags wegen, Fragezeichen en masse im Gepäck. Der (wohl) nächstbeste Guard ist dann schon Jordan Poole. Bei allem Respekt: aua.

Wiseman ist ihr bester Neuzugang, wegen der komischen Vita am College bleibt aber völlig unklar, ob er ein zweiter Pick der Klasse Jason Kidd/Gary Payton/Alonzo Mourning oder eher Jay Williams/Evan Turner oder, Gott bewahre, Hasheem Thabeet wird. Ob die Warriors angesichts der Anspruchshaltung überhaupt die Geduld haben, ihn vernünftig zu entwickeln, steht dahin.


Check 1,2
Die Warriors werden auch mit Curry weit von der Ligadominanz der Jahre 2016 bis 2019 entfernt sein. Die beiden L.A.-Teams, Denver und auch Utah und Dallas sind ohne Thompson realistischer Weise gar nicht, Houston (möglicher Harden-Abgang zu einem Contender seiner Wahl außen vor gelassen) und Portland nur schwer zu überrunden. Es bleibt die Hoffnung auf das Play-In und auf die Rückkehr von Klay Alexander Thompson im Oktober 2021.

Die Rechnung, bitte