13 Dezember 2020

13. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 15: Die Indiana Pacers...


von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 13. Dez, 2020

Flashback
45-28, Playoffs Runde eins (0-4 vs. Miami Heat)

Plus
Jalen Lecque
Cassius Stanley

Minus
T.J. Leaf
Alize Johnson

Was ist Neu?
Nate Bjorkgren. Nach dem erneuten chancenlosen Erstrundenaus wurde (Erfolgs-)Coach Nate McMillan frisch nach einer Vertragsverlängerung entlassen. Bjorkgren, der ehemalige Assistenztrainer der Toronto Raptors, soll die stagnierenden Pacers nun endlich auf eine neue Ebene hieven. Denn Indiana war über die letzten Jahre gesehen eins der erfolgreicheren Teams der Association, wenn man Playoffs als Erfolg wertet: Seit 2015 sind sie durchgängig dabei – kamen in fünf Anläufen aber nie über die erste Runde hinaus und wurden gleich drei Mal gesweept, zuletzt zwei Mal in Folge.


Der Wechsel auf der Trainerbank war daher nur konsequent, denn am Spielermaterial ließ sich wenig drehen: Der volle Cap mit elf garantierten Verträgen aus dem Vorjahr ließ abgesehen von der unerlässlichen Vertragsverlängerung Justin Holidays nicht einmal ein Mindestmaß an Aktivität zu. Daher gehen die Pacers mit einem beinahe unveränderten Kader ins neue Jahr.

Beste Addition
Victor Oladipo ... Bei allem Respekt für Jalen Lecque und Cassius Stanley, aber ein ungedrafteter Sophomore oder der 54. Pick des jüngsten Drafts darf nicht als beste Addition gelten und auch Bjorkgren kann erst später beurteilt werden.

Wie gut, dass Oladipo endlich wieder fit zu sein scheint und versuchen wird, an seine Form aus der Saison 2017/2018 anzuknüpfen. Da die meisten Kontrahenten nur über maximal einen elitären Flügelverteidiger verfügen, dürfte das Zusammenspiel mit Orlando-Bubble Explosion T.J. Warren extrem spannend werden . Denn die beiden (wenn fit) gehören zu den offensiv besseren Vertretern ihrer Zunft und gestalten die zuletzt träge Offensive der Pacers variabler und gefährlicher.

Auch defensiv bringt Oladipo alles mit, um als überdurchschnittlich zu gelten. Wer daran zweifelt, soll sich nochmals die Highlights der ersten Playoffrunde 2018 ansehen und danach drei Spieler nennen, die im Vollsprint auf LeBron James zulaufen und mit einer Selbstverständlichkeit den Dreier einschweißen.

Der Erfolg der Saison der Pacers steht und fällt mit ihrem Franchise Star.


The Planet
Victor Oladipo ... Der Erfolg der Saison der Pacers steht und fällt mit ihrem Franchise Star, wirklich!

Bleibt er gesund, ist das Team stark genug, um die Eastern Conference (in der Regular Season) ein weiteres Mal zu überraschen. Findet er nicht mehr zu seiner Form zurück, wird es wieder nicht mehr als die erste Playoffrunde geben. Klar ließen sich an dieser Stelle auch Domantas Sabonis oder Malcolm Brogdon nennen, beide profitieren aber mehr von einem guten Oladipo, als Oladipo von ihnen profitieren würde.

Rising Star
Domantas Sabonis ... Indiana hat ein ausgewogenes Team, das kein wirkliches Supertalent hat, geschweige denn junge Spieler. Der Kern ist zwischen 24 und 30 Jahren alt und gilt somit eigentlich als gestanden.

Sabonis bekommt an dieser Stelle den Zuschlag, da sich der Litauer die letzten Jahre über stetig entwickelte und bis zum All-Star verbesserte. Sein Punkte- und Reboundschnitt optimierte er in jedem seiner vier NBA-Jahre. Sollte sich diese Entwicklung auch in der kommenden Saison so fortsetzen, dürfte er starker Anwärter auf ein All-NBA Team werden. Lediglich im Zusammenspiel mit Myles Turner bleibt Luft nach oben.

Don’t Sleep! 
Myles Turner ... Turner wurde von den Basketball-Göttern gleichermaßen gesegnet und verflucht. Auf der einen Seite dieses sogenannte „Unicorn“, das eigentlich alles können müsste. Auf der anderen lässt er Fans Nacht ein Nacht aus verzweifeln, da seine Fußarbeit grauenhaft ist, er offene Würfe verweigert und im Angriff nie so zur Entfaltung kommt, wie sich das einige wünschen oder erhofft haben.

Wenn sich Turner in diesen Bereichen nicht verbessert, dürfte seine Zeit in Indiana bald zu Ende sein, da Sabonis der klar wertvollere Spieler für die Franchise ist und der Fit mit beiden Bigs nicht unbedingt modern erscheint. Für Turner ist die kommende Saison eine Bewährungsprobe, geradezu richtungsweisend für seine persönliche Zukunft.

Beste Fünf
Brogdon – Oladipo – Warren – Sabonis – Turner


Good News
+ Oladipo ist zurück (die Orlando-Bubble zählt nicht)
+ Ein eingespielter Kern, der für jeden unangenehm zu bespielen ist
+ Neuer Coach, der frischen Wind aus Toronto mitbringt
+ Die erste Fünf muss sich vor der Elite des Ostens nicht verstecken

Bad News
- Oladipos Gesundheit/Krankenakte
- Unausgewogenes, eindimensionales Team
- Der Osten ist tendenziell stärker, nicht schwächer
- Bubble-Star T.J. Warren fehlt verletzungsbedingt wohl bis ins neue Kalenderjahr


Was fehlt?
Es fehlt an Tiefe, denn nach der ersten Fünf gibt es einen nicht zu übersehenden Leistungsabfall, der dringend adressiert werden müsste. Ein kolportierter Trade von Myles Turner zu den Boston Celtics im Austausch für Gordon Hayward scheiterte an der Intervention der Charlotte Hornets. So bleibt die Bank dünn besetzt, auch weil die sportliche Führung nicht gewillt zu sein scheint, ins Hier und Jetzt zu investieren und stattdessen offenbar mit Blick auf die in den Playoffs weniger relevante Tiefe auf eine gesunde Starting Five hofft.

Check 1,2
Die Pacers sind nach wie vor ein gutes Team, das sich berechtigte Hoffnungen auf die Postseason, im günstigsten Fall sogar auf den Heimvorteil machen darf. Doch alles steht und fällt mit der Gesundheit von Oladipo. Kann er an seine 2018er Form anknüpfen, entwickelt sich Sabonis weiter und kann Turner schlauer spielen? Wenn diese Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, ist Indiana wieder ein ernst zunehmender Gegner.

Andernfalls wird es wohl zur Deadline mehr Bewegung geben, als in der diesjährigen Offseason und endlich ein Weg aus dem Mittelmaß gefunden, egal in welche Richtung.

Die Rechnung, bitte