20 Dezember 2020

20. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 1: Die Los Angeles Lakers...

von ANNO HAAK @kemperboyd | 20. Dez, 2020


Flashback
52-19, NBA Champions

Plus
Montrezl Harrell
Dennis Schröder
Marc Gasol
Wesley Matthews

Minus
Danny Green
Rajon Rondo
Dwight Howard
JaVale McGee
Avery Bradley
Quinn Cook

Was ist Neu?
Im Grunde die gesamte Schwerrotation hinter den beiden Alphatieren und dem drittbesten Spieler der Playoffs. Die Kontrakte des Finals MVP und seines Adlaten wurden vorsorglich verlängert, das Championship-Duo James/Davis spielt bis mindestens 2023 zusammen in Purpur-Gold.

Dem Drittgenannten mit den drei Initialen, Kay. Cee. Pee., musste man, anders als weiland die kalifornische Justiz, gar keine Fußfessel anlegen. Es genügten 40 Mio. $ und drei Vertragsjahre, schon war das Zusammenbleiben der Big „Two and a half“ Men gesichert.

Dahinter allerdings mischte GM Rob Pelinka das Roster teils volens, teils nolens kraftvoll durch. Volens: der als drittbester Profi der letzten Saison eingeplante Danny Green wurde dem Vorschusslorbeer nicht in Gänze gerecht und wurde für Dennis Schröder verdealt.

Der als bester Verteidiger neben James in der Spielfeldprärie gedachte Avery Bradley erwies sich wegen der Blasenabsage während der Postseason als verzichtbar. Den einstigen Shaqtin MVP JaVale McGee opferte Pelinka auf dem Altar des Salary Cap, vor allem aber dem Upgrade, das der oben genannte Spanier mit dem Gesichtsteppich darstellt.


Nolens: Playoff-Rondo, für den man nur die frühen Vogelrechte hatte, die den Wurm eben nicht fangen, ließ sich aus finanziellen Gründen nicht auf einen weiteren Vertrag in Los Angeles ein. Warum Howard via gelöschtem Tweet dann doch in Philly landete statt den zweiten Stint in Tinseltown auszudehnen, ist immer noch nicht ganz klar. Klar ist nur, dass nach dem Tweet kein Kontakt mehr mit Pelinkas Team bestand.

Dafür gelang es, von der anderen Seite der Stadt den besten sechsten Mann der letzten Saison wegzulocken. So haben die Lakers ihre Big-Rotation komplett und die Guard- und Flügelgruppe praktisch komplett erneuert. Zusammen mit den Verlängerungen von Caldwell-Pope, Markieff Morris und Jared Dudley bildet das eine nahezu perfekte Offseason des NBA-Champions.

On a more serious note: es wird die erste komplette Saison seit dem Draft von Magic Johnson ohne Kobe Bryant unter uns. Rest easy!

Beste Addition
Dennis Schröder ... Deutschland bester aktiver Basketballer verschönert das Bild der Guard-Rotation der Lakers im Alleingang. Der Snub für den besten sechsten Mann des Jahres ist als vierte Option das Beste, was man derzeit als Contender haben kann.

Er bringt ein wenig Playmaking ein, ohne den Ball ständig den Händen des Königs oder der Braue entreißen zu müssen. Er bringt den Dreier, ohne zum Slashing unfähig zu sein. Er spielt für den nächsten dicken Vertrag, ohne als Egozocker zu gelten. Er verteidigt besser als sein Ruf. Kurz: er ist der jahrgangsbeste Absolvent der Chris-Paul-Akademie für Point Guard-Talente.

The Planet
LeBron James ... Auch in Jahr 18 lebt und stirbt jeder Contender, den er anführt, mit ihm. Auch diese Lakers. Die beste individuelle Saison seit 2016 liegt hinter ihm.


Es gibt Menschen, und das sind keine ahnungslos verstrahlten Fanboys, die ihn für einen Snub bei der Auswahl des letztjährigen MVP halten. Er war, er ist, er bleibt, spätestens die Finals 2020 haben das bewiesen, der beste Basketballer der Welt und Mono hin, Braue her DAS Zentralgestirn des amtierenden Meisters.

Rising Star
Talen Horton-Tucker ... Der Kader der Lakers ist eine veteranendurchsetzte Win-Now-Truppe. Geht man davon aus, dass Anthony Davis mit dem Schritt zu einem der besten Verteidiger überhaupt und der Fortschreibung seines Status als einem der besten Scorer sein (himmelhohes) Ceiling erreicht hat, bleibt unter den verbleibenden Spielern nur der gerade erst 20 Jahre alt gewordene 46. Pick des vorletzten Drafts.

Vor allem das Offensiv-Rating deutlich unter 100 in gerade sechs Spielen in der letzten Spielzeit lässt ihn eigentlich durch das Raster dieser Kategorie fallen. Aber er ist noch jung, seine Rolle wird angesichts der vielen Abgänge im Backcourt fast zwangsläufig größer werden. In der Preseason hat Horton-Tucker in einem der beiden Stadtuelle mit 33 Punkten (4-5 Dreier) und zehn Rebounds ein echtes Ausrufezeichen gesetzt.

Don’t Sleep! 
Marc Gasol ... Ja, er hat in der Bubble schwer enttäuscht. Ja, ob er über gedrängte 72 Spiele plus Playoffs noch auf dem Niveau aus Tagen in Elvistown verteidigen kann, steht dahin. Dennoch ist er ein Minimumspieler, auf den zu achten ist. Hinzu kommt: wer rührselige Comebackstories mag, wird hier verwöhnt, bis der Bart fusselt.

Einst von den Lakers gedraftet und in Europa geparkt, für seinen Bruder Pau nach Memphis verdealt und als das schlechte Ende eines extrem einseitigen Trade geltend, kommt er im Herbst der Karriere als in Ehren ergrauter Star in die Stadt, die ihn verschmähte, zurück, um sie optimalenfalls zur alleinigen Rekordmeisterheimat zu machen zu helfen.


Beste Fünf
Schröder – Caldwell-Pope – James – Davis – Gasol

Good News
+ Die Lakers sind schon Champion – und nicht schlechter geworden
+ LeBron! James!
+ Das Starduo ist eingespielt, führungsstark und das aktuell wohl beste der Liga
+ Los Angeles bleibt auch in der Buyout-Season eine der beliebtesten Destiantionen, Nachladen wird möglich sein (Trevor Ariza?)

Bad News

- Hinter Schröder und Alex Caruso wird es dünn im Backcourt, was Wes Matthews noch im Tank hat, liegt im Dunkeln
- Der Altersknick bei James ist eine Frage der Zeit, wie hat der Marathonmann die kürzeste Pause aller NBA-Zeiten verkraftet?
- Ohne einen dritten Gasol-Frühling werden die Playoffs angesichts von Harrells Unspielbarkeit gegen dicke Brocken wie Jokić ein Abenteuer.
- Die eigene Division mit erstarkten Phoenix Suns und Golden State Warriors sowie dem „kleinen Bruder“ wird nicht zum Spaziergang des Vorjahres

Was fehlt?
Allenfalls ein überdurchschnittlicher Flügelverteidiger neben und hinter dem GOAT. An zukunftsfähigem Rollenspieler-Material gerbricht es naturgemäß bei einer Franchise, die seit gefühlt 60 Jahren im Win-Now-Modus ist.


Ansonsten nur noch ziemlich wenig. Die Lakers sind auf dem Papier das beste Team der Liga, das nicht nach einem Stadtteil benannt ist. Ein Matchup gegen Big Men klassischer Bauart, die es im Westen in für mich immer wieder überraschend großer Zahl (Nikola Jokić, Jusuf Nurkić, Ivica Zubac, Rudy Gobert, immer noch DeMarcus Cousins, wenn es James Harden nicht gen Osten zieht) gibt, ist vorne (Gobert) oder hinten (Jokić) nicht des Lakers Game-Planners feuchter Traum.

Der Safe ist nicht gerade mit Picks angefüllt, dem Davis-Trade sei „Dank“. Circa 20-Jährige, die etwa 2025 auf dem Höhepunkt ihres Schaffens sein werden, sind aber auch nicht gerade das Hauptbedürfnis des amtierenden Meisters mit der Zielsetzung Back-to-Back.

Check 1,2
Die Lakers haben die Portland Trail Blazers, Houston Rockets, Denver Nuggets und Miami Heat seriell aus dem Weg zur Meisterschaft geräumt und sind nicht schlechter geworden. Tinseltown stellt das beste Team der Liga, an der Spitze thront der beste Spieler der Welt. Alles unter den Conference Finals wäre eine Katastrophe. Es bleibt die Hoffnung auf ein dortiges Best of Seven mit der „anderen“ Mannschaft aus der Stadt der Engel.

Die Rechnung, bitte