09 Dezember 2020

9. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 24: Die Minnesota Timberwolves...

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 9. Dez, 2020


Flashback
19-45, keine Playoffs

Plus
Ricky Rubio
Anthony Edwards
Rondae Hollis-Jefferson
Ed Davis
Leandro Bolmaro
Jaden McDaniels

Minus
James Johnson
Allen Crabbe
Evan Turner

Was ist Neu?
Der Anspruch in Minnesota ist ein gänzlich neuer, und das zum wohl schlechtmöglichsten Zeitpunkt. Der Westen war die letzten Jahre immer stark, doch so viele Teams mit Playoff-Ambitionen gab es wohl selten. 13 Klubs haben mehr oder minder verlauten lassen, dass die Postseason das erklärte Ziel sein soll.

Bedenkt man, dass die Timberwolves seit 2013 nun in Anthony Edwards den bereits vierten First Pick Overall in den Reihen hat, so erscheint, retrospektiv gesehen, eine einzige Playoff-Teilnahme massiv enttäuschend. Auch in Minneapolis ist das aufgefallen, daher hat der neue President of Basketball Operations Gersson Rosas alles unternommen, um Franchise Star Karl-Anthony Towns zufriedenzustellen (D-Lo „Ice in my veins“ Russell). Dennoch dürften die neuen Spieler nicht reichen, um ernsthaft Hoffnungen auf eine zugleich lange und erfolgreiche Saison zu haben.

Beste Addition
Ricky Rubio ...  Da D'Angelo Russell bereits vor der Offseason kam, fällt die Wahl hier auf Rubio. Der verlorene Sohn kehrt endlich zurück und soll diesem unausgewogenen Team mit seiner Erfahrung helfen, die Postseason zu erreichen.

Rubio ist zeit seiner Karriere ein unterbewerteter Point Guard, der eigentlich alles mitbringt, um ein All-Star zu sein. Alles, bis auf einen vernünftigen Wurf. Glücklicherweise wird dies seine geringste Sorge in Minnesota sein, da es mit Russell, Towns und Edwards genügend schießwütige Spieler gibt.


Der Spanier soll anführen, dirigieren und die Perimeter-Defense zumindest so weit verstärken, dass nicht jede Nacht zu befürchten sein muss, dass der Gegner 140 Punkte macht. Spoiler Warnung: das muss man trotzdem. Rubio verringert das Risiko aber zumindest und dürfte die Fans zufrieden gestimmt haben.

The Planet
Karl-Anthony Towns ... Es tut fast weh dabei zuzusehen, wie eine Franchise den eigenen Starspieler verheizt. Offensiv gehört Towns zu den besten zehn, wenn nicht gar fünf Spielern der Association, doch zu selten münzt er seine Qualität in Siege um.

Klar fehlte zumeist der Supporting Cast, doch soll diese Saison endlich erfolgreich verlaufen, so muss er anfangen, sein Team zu tragen und sich zudem am defensiven Ende des Felds verbessern. Denn anscheinend reicht es nicht aus, dass er über seine gesamte Karriere am 50-40-80 Klub kratzt.

Auch sein Versprechen an Kevin Garnett ist er bis heute schuldig geblieben. Damals versprach er, fortan (defensiv) zu übernehmen und zu führen. Ja, die Franchise hat ihm keinen optimalen Supporting Cast zusammengestellt, trotzdem braucht es einen Towns in MVP-Form, um im Westen ein Wörtchen mitzureden.

Rising Star
Anthony Edwards ... Die Erwartungen an einen First Pick sind immer hoch, so auch bei Edwards. Soll die kommende Saison erfolgreich werden, muss er gänzlich einschlagen, seine Wurfauswahl verbessern und beweisen, dass er am College trotz optimaler Anlangen schlicht und ergreifend keine Lust auf Defense hatte.


Edwards hat einen Körper, der wie für die NBA gemacht zu sein scheint und ist durchaus zu Recht die Nummer eins in diesem Jahr gewesen. Er scheint nur so vor Talent zu strotzen, doch Minnesota hat nicht unbedingt die besten Erfahrungen mit hohen Picks gemacht. Das Risiko, zu einem zweiten Andrew Wiggins zu verkommen, ist nicht ausgeschlossen und dürfte bei Wolves-Anhängern schon jetzt eine milde Panik auslösen.

Don’t Sleep! 
D'Angelo Russell ... Geht man mit Russell hart ins Gericht, so spielte er bisher lediglich eine Saison, die es legitimierte, ihn mit einem solch lukrativen Vertag auszustatten. Damals führte er Brooklyn völlig überraschend in die Playoffs und bestach mit gutem Shooting und einem gewissen Swag auf dem Feld.

In Minnesota spielt er nun mit seinem Buddy Towns und möchte die Franchise peu-á-peu an die Spitze führen. Ob das realistisch erscheint, darf zumindest angezweifelt werden. Zu schwach ist seine Defense, zu inkonsequent zieht er zum Korb.

Immerhin wird er in Rubio endlich konstant einen Mitspieler an seiner Seite haben, der ihn perfekt ergänzt. Nun liegt es an Russell, die in ihn gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Es ist so etwas wie eine kleine Do-or-Die Saison für ihn, genau wie für die gesamte Franchise.


Beste Fünf
Rubio – Russell – Edwards – Hernangómez – Towns

Good News
+ Towns darf endlich mit seinem Kumpel Russell spielen und dadurch motiviert genug sein, das Team in neue Sphären zu führen
+ Der verlorene Sohn Ricky Rubio kehrt heim und löst damit eine gewisse Aufbruchstimmung aus
+ Offensiv dürfte das Team (großartig) funktionieren
+ Edwards muss nicht zwingend direkt den Helden spielen, sondern kann sich im Schatten der/des Stars entwickeln

Bad News
- Towns und Russell sind verletzungsanfällig
- Wie werden die Würfe aufgeteilt? Die Shot Selection könnte zu Missstimmungen im Locker Room führen
- Der Westen ist zu gut und zu tief besetzt, als dass man ernsthaft aus eigener Kraft nach 72 Spielen mindestens Platz acht erreicht
- Der für teures Geld verlängerte Malik Beasley muss sich noch im Dezember wegen Drogen- und Waffenbesitzes vor Gericht verantworten und wird den Saisonbeginn verpassen


Was fehlt?
Defense. Ja, das Team dürfte offensiv zu den besten der Liga gehören, doch solange die Wolves nicht Abend für Abend 40% ihrer Dreier treffen, scheint es als ausgeschlossen, dass sie mehr Shootouts gewinnen als verlieren. Zählt man Edwards als Guard, so ist die Flügelrotation viel zu schwach. Auch sollte Juan Hernangómez bei keinem ambitionierten Team ein Starter sein.

Generell ist das hier keine sehr homogene Truppe. Rubio, Russell, Edwards, Jarrett Culver, Malik Beasley... die Guard-Rotation ist sehr tief und sofern Coach Ryan Saunder keine 3-4 Guard Lineups spielt, sollten sie sich hier von dem ein oder anderen trennen, um den Flügel zu verstärken – auch wenn die Verpflichtung von Rondae Hollis-Jefferson ein solider Anfang war.

Check 1,2
Wenn Towns sich defensiv verbessert und das Team offensiv trägt, kann er sie lange im Rennen um die Playoffs halten. Doch aktuell gibt es zu viele Teams im Westen, die homogener daherkommen und besser besetzt sind.

Aus eigener Kraft wird es extrem schwer werden, in die Playoffs zu kommen, da können nur gravierende Verletzungen bei Konkurrenten (wünscht man keinem) oder ein gewisses Overperformen des Teams helfen. Die Timberwolves haben dafür aktuell zu viele unbeantworteten Fragen.

Die Rechnung, bitte