13 Dezember 2020

13. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 16: Die New Orleans Pelicans...

von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 13. Dez, 2020


Flashback
30-42, keine Playoffs

Plus
Steven Adams
Eric Bledsoe
Hernangómez
Wenyen Gabriel
Kira Lewis Jr.

Minus
Jrue Holiday
Derrick Favors
E'Twaun Moore

Was ist Neu?
Der Mann an der Seitenlinie – und mit ihm die Aussicht, in den kommenden Jahren den Sprung unter die besseren Teams der Western Conference zu schaffen. Stan Van Gundy wagt nach zwei Jahren Abstinenz wieder den Sprung auf die Coaching-Bank und will das junge Team der Pelicans auf die nächste Stufe im mehrjährigen Rebuild führen: zurück in die Playoffs. Dort stand New Orleans nur ein Mal in den vergangenen fünf Jahren.

Neu in der Rotation sind auch Steven Adams, Eric Bledsoe und Lottery-Pick Kira Lewis Jr., die alle nach diversen Tauschgeschäften des umtriebigen Präsidenten David Griffin vor, um und nach dem Draft in den Bayou kamen (zusammen mit allen Draft-Picks der nächsten Jahre, die nicht in Oklahoma City gebunkert sind). Ohne Jrue Holiday und Derrick Favors liegen die Schlüssel künftig endgültig in den Händen der talentierten Youngster dieser Truppe: Zion Williamson, Brandon Ingram und Lonzo Ball. Sind sie den Aufgaben gewachsen? 


Beste Addition
Steven Adams ... Der Neuseeländer war die letzte Bastion ehemaliger Thunder-Teams, ehe auch er im Tausch für – ihr habt's erraten! – Draft-Picks verscherbelt wurde. Bei den Pelicans wird der Bolide die Rolle von Favors übernehmen: Rebounden, Verteidigen, Blöcke stellen, physisch austeilen und seine Mitspieler schützen.

Das kann er wie nur wenige andere in der NBA. Obwohl er kein Stretch Big ist und seine pro-Spiel Statistiken zuletzt nach unten gingen (spielte nur knapp 26 MPG), legte er die bisher besten Rebound- und Assistwerte per36 in seiner Karriere auf. Adams ist ein exzellenter Frontcourt-Partner für Williamson, ein idealer Pick-and-Roll Partner für die Spielmacher, dominiert an den Brettern, fällt nie aus und ist der vielleicht beste Teamkollege weit und breit. 

The Planet
Zion Williamson ... Es dauerte lange, bis Zion sein NBA-Debut geben durfte. Als es dann endlich so weit war, hatte die Rookie of the Year Trophäe den Bahnhof längst in Richtung Memphis verlassen. Williamson schlug dennoch ein wie eine Bombe: er erzielte 22,5 Punkte und 6,3 Rebounds pro Abend bei 58 Prozent aus dem Feld, in durchschnittlich weniger als 28 Minuten Einsatzzeit. 

Effektivität, Effizienz und Wurfprofil erinnerten an einen jungen Shaquille O'Neal – wenngleich die wechselhafte Saison einen kleinen Beigeschmack hinterließ bei allen, die Zion mehr als nur 24 Mal im Einsatz und New Orleans gerne in den Playoffs gesehen hätten. Ein älterer, reiferer, verletzungsfreier und körperlich optimierter Williamson will in seinem Sophomore-Jahr durchstarten und sein Spiel noch variabler gestalten.


Rising Star
Brandon Ingram ... Ingram schaffte in seinem ersten Jahr bei den Pelicans – und vierten in der NBA – den ersehnten Sprung zum All-Star. Career Highs bei den Punkten, Rebounds, Assists, Dreiern, Freiwürfen, Usage-Rate, Dreier-Versuchsrate und True Shooting waren nur die Spitze des Eisbergs.

Der 23-Jährige zeigte sich robuster, aggressiver und vielseitiger als je zuvor in seiner Profilaufbahn und den Pelicans-Machern, dass er noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung als Spieler angelangt ist. Auch dank seinem Wachstum als Playmaker hatte Griffin kein Problem damit, Holiday nach Milwaukee zu traden. Williamson ist der bekannteste und spektakulärste Spieler der Pels; Ingram ist und bleibt vorerst ihr bester. 
 
Don’t Sleep! 
Stan Van Gundy ... Van Gundy ist die seltene Sorte NBA Head Coach, deren Einfluss sofort spürbar ist und den Unterschied macht. Der 61-jährige Übungsleiter ließ auch bei seinem vierten NBA-Team keine Sekunde verstreichen, um seine Säulen Defense, Disziplin und Kontrolle zu implementieren. Während sein Vorgänger Alvin Gentry den Spielern alle Freiräume ließ, neigt Van Gundy zum Mikromanagement als Coach.

Jungen Teams wie diesem tut das in der Regel besser – vor allem in Punkto Spielkontrolle (die Pels belegten Rang 29 bei den Turnovers) und Defensiv-Rating (zuletzt Rang 19). Van Gundys Truppen platzierten in Miami, Orlando und Detroit neun Mal in seinen elf vollen Saisons als Coach defensiv unter den zehn besten ligaweit. Auch als Spielerentwickler genießt der jüngere Van Gundy einen exzellenten Ruf; diese Truppe ist die fünftjüngste der NBA.

Beste Fünf
Ball – Bledsoe – Ingram – Williamson – Adams


Good News
+ Zion Williamson ist fit und bereit für seine erste richtige NBA-Saison 
+ Coaching Department und Management-Etage gehören künftig zu den Besten ligaweit 
+ Die Defense wird sich dank Van Gundys Einfluss verbessert zeigen
+ Ingram hat den Sprung zum legitimen NBA-Allstar geschafft – und ist erst 23 Jahre jung
 
Bad News

- Die Ersatzgarnitur zählt zu den schwächsten ligaweit, nach den Top-7/8 Optionen wird's dünn für SVG
- Wo sind die Shooter? Van Gundy wird Probleme haben, genügend Schützen gleichzeitig aufs Parkett zu packen, in Transition wird dieses Team scoren, aber reichen die offensiven Waffen im Halbfeldangriff?
- Shotblocking und Rim Protection lassen sehr viel zu wünschen übrig
- Der Westen ist tiefer als der Marianengraben, der Spielraum für Schwächephasen und Fehler minimal

Was fehlt?
Vermutlich mindestens ein Jährchen, um das Van Gundy System vollends implementieren und perfektionieren zu können. Und mit „mindestens ein Jährchen“ ist nicht zwangsläufig nur zusätzliche Lern- und Entwicklungszeit für den (sehr) jungen Kern der Wasservögel gemeint, sondern extra Zeit für den opportunistischen VP Griffin, via Trade extra Talent nach Louisiana zu lotsen. Shooting, Defense, Tiefe – die Pelicans haben Baustellen, die in dieser Saison nicht vollends geschlossen werden können.   


Check 1,2
Viel Trara wurde vor allem aus der 2019/20 extrem potenten Lineup Holiday-Ball-Ingram-Williamson-Favors gemacht, die Gegner mit durchschnittlich 18 Punkten pro 100 Angriffen Unterschied vom Parkett ballerte (ja, NBA-Elite, aber auch geringer Stichprobenumfang gegen oft miese Gegner). Fakt ist aber, dass Williamson dank seines ganz speziellen Skillsets neben einem traditionellen Big Man wie Favors und jetzt Adams mehr als nur ein bisschen funktioniert – auch wenn er vielleicht nicht über eine volle Saison 42 Prozent von Außen lötet.

Hinter der Starting Five, einem in die Jahre gekommenen J.J. Redick und Josh Hart beginnen aber bereits die Fragezeichen. Mindestens einer oder zwei Rollenspieler müssen Verantwortung übernehmen und sich zu verlässlichen Rotationsoptionen entwickeln. Kann Nicolò Melli in seinem zweiten Jahr konstanter treffen? Kann Flummi-Mann Jaxson Hayes aufhören, alles und jeden zu foulen? Kann Nickeil Alexander-Walker eine Mini-Version seines Cousins Shai Gilgeous-Alexander werden? Ist Rookie Kira Lewis Jr. schon weit genug, um bereits als Rookie zehn produktive Minuten zu liefern? Findet Willy Hernangómez in seinem fünften NBA-Jahr endlich ein wenig Konstanz?  

Nur drei Spieler in diesem Kader haben mehr als vier Jahre NBA-Erfahrung auf dem Buckel: Adams, Bledsoe und Redick. Dennoch ist hier dank drei ehemaliger Top-Two Picks genügend Talent versammelt, um die 50-Prozent Siegesmarke zu knacken und einen Play-In Platz zu sichern – auch in dieser brutalen Western Conference. Dazu muss jedoch Van Gundys Spread Pick-and-Roll System von Tag eins umgesetzt und eine gesunde Balance zwischen Defense und Offense, zwischen Transition und Halfcourt gefunden werden. Williamson, Ingram und Ball haben das Zeug, dieses Team zu tragen. 

Die Rechnung, bitte