07 Dezember 2020

7. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 27: Die New York Knicks...

von MAX SEELINGER @urboimacks | 7. Dez, 2020


Flashback
21-45, keine Playoffs

Plus
Obi Toppin
Immanuel Quickley
Austin Rivers
Nerlens Noel
Alec Burks
Michael Kidd-Gilchrist
Omari Spellman
Jacob Evans

Minus
Bobby Portis
Maurice Harkless
Wayne Ellington
Taj Gibson
Damyean Dotson

Was ist Neu?
Mal wieder ein neues Regime in New York. Präsident Leon Rose übernahm bereits während der vergangenen Saison, über den Sommer wurde in Tom Thibodeau auch ein neuer Coach installiert. Die Free Agency und Draft 2020 waren somit die erste Möglichkeit, um herauszufinden, wie das neue Front Office agiert.

Auf den ersten Blick ist nicht viel anders gelaufen als in der Offseason 2019. Die Knicks wären nicht die Knicks, hätten sie nicht über „große“ Namen nachgedacht. Chris Paul, Russell Westbrook und Gordon Hayward wurden alle mit New York in Verbindung gebracht. Zwar hat keiner dieser Spieler seinen Weg in den Big Apple gefunden, jedoch ist die Richtung der Verantwortlichen eindeutig: Ewig soll der Erfolg nicht auf sich warten lassen!


Am Ende wurden erneut Einjahresverträge an (einen Haufen) Spieler vergeben, die nicht miserabel, aber auch nicht wirklich überzeugend sind. Nichtsdestotrotz wirken die Neuzugängen dem eklatanten Shooting und Playmaking des letztjährigen Kaders entgegen. Währenddessen wurden sogar noch vier 2nd Round Picks eingesammelt. Die Verpflichtung eines vielversprechenden Point Guards blieb allerdings aus, womit die Rotation aus Dennis Smith Jr., Frank Ntilikina und Elfrid Payton nach wie vor das größte Fragezeichen darstellt.

Beste Addition
Obi Toppin ... Trotz des Qualitätsmangels auf den Guard-Positionen entschied sich New York mit dem achten Pick für einen Big Man. Der Power Forward legte in seinem zweiten Jahr für die University of Dayton durchschnittlich 20 Punkte, 7,5 Rebounds und 2,2 Assists auf. Dies sicherte ihm den John R. Wooden Award als College Spieler des Jahres und prägte die Wahrnehmung, dass er einer der sichersten Prospects in der Lottery sei.

Offensiv kann der 22-Jährige sowohl von draußen als auch aus der Mitteldistanz Würfe versenken. Die größte Gefahr entwickelt er jedoch, wenn er mit Geschwindigkeit Richtung Korb zieht. Seine Dunks haben die Zuschauer in Dayton regelmäßig elektrisiert und zeigen, wozu er athletisch in der Lage ist. In der Defensive wird er hingegen zunächst ums Überleben kämpfen. An dieser Stelle ist Thibodeau gefragt, seinem Ruf als Defensivspezialist nachzukommen und mit dem gebürtigen New Yorker zu arbeiten.


The Planet
Leon Rose ... Der ehemalige Kopf der Creative Artists Agency (CAA) hält alle Zügel in der Hand. Die Tatsache, dass er beim Buhlen um Gordon Hayward eine gewisse Grenze nicht überschreiten wollte oder die hauseigenen Assets nicht für Russell Westbrook auf den Tisch legte, darf mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen werden.

Den Zuschlag für den Job erhielt er allerdings nicht zuletzt aufgrund seiner Vergangenheit als Agent und seinem Ruf, einer der besser vernetzten Persönlichkeiten der NBA zu sein. Auch die Personalie Leon Rose unterstreicht also das Bestreben der Knicks, endlich in die oberen Riegen der Liga aufzusteigen, auch in Sachen Free Agency. Wie geduldig er sich in seiner Herangehensweise zeigt und wie viel Vertrauen er in den jungen Kern der Mannschaft wirklich hat, bleibt abzuwarten.

Rising Star
Mitchell Robinson ... Der Zweitrunden-Pick von 2018 war in den vergangenen beiden Jahren bereits der vielversprechendste Fünfer der Knickerbockers. Dieses Jahr sollten die Wünsche der Fans wohl endlich erhört werden und Robinson endgültig zum Starter avancieren.

Seine Sprungkraft und Energie verleihen ihm die Fähigkeit, nahezu jeden gegnerischen Versuch zu beeinflussen. In limitierten Minuten brachte er es vergangene Saison auf zwei Blocks pro Spiel. Ligaweit konnten nur vier Spieler einen höheren Wert verzeichnen. Offensiv bringt er vertikales Spacing auf's Parkett – mehr aber auch nicht. Gemeinsam mit Toppin könnten die Knicks jedoch eines der athletischsten Frontcort-Duos der Liga stellen.

Don’t Sleep! 
R.J. Barrett ... Die Stärken und Schwächen des dritten Picks des letztjährigen Drafts waren während seiner ersten Profisaison eindeutig zu erkennen. Der Kanadier generierte regelmäßig Abschlüsse in Korbnähe und Freiwürfe. Trotz vollgepackter Zone und fehlendem Spacing insgesamt brachte es Barrett im Durchschnitt auf 14,3 Punkte, 5,0 Rebounds und 2,6 Assists pro Spiel. Durchaus beachtliche Werte.


Effizienz und Wurf sind dahingegen die Aspekte seines Spiels, die er verbessern muss. Lediglich 32% seiner Dreier und 61% seiner Freiwürfe verwandelte der ehemalige Duke Blue Devil. Schlichtweg zu wenig. Barretts Attitüde, neue Mitspieler und ein System mit mehr Struktur machen jedoch Hoffnung, dass er in Jahr zwei eine Schippe drauf legt.

Beste Fünf
Payton – Rivers – Barrett – Randle – Robinson

Good News
+ Toppin, Barrett und Robinson bilden einen entwicklungsfähigen jungen Kern
+ Die Akquisitionen der Offseason haben die finanzielle Flexibilität über die kommenden Jahre nicht eingeschränkt
+ Tom Thibodeau ist ein klares Upgrade zu David Fizdale
+ Mit den Rechten an fünf Erstrunden-Picks in den kommenden drei Jahren ist New York gerüstet für den Tank

Bad News
- James Dolan ist immer noch Besitzer der New York Knicks
- Die Point Guard Position ist mit Elfrid Payton, Dennis Smith Jr. und Frank Ntilikina unterdurchschnittlich besetzt
- Veteranen wie Julius Randle und Elfrid Payton könnten auch in diesem Jahr Minuten beanspruchen, die den jungen Spielern für ihre Entwicklung fehlen werden
- Die Knicks verwandelten bereits vergangene Saison die wenigsten Dreier pro Spiel, es darf zumindest bezweifelt werden, dass ein von Tom Thibodeau trainiertes Team diesen Trend umkehrt


Was fehlt?
Kontinuität. Einmal mehr blicken wir auf ein neues Front Office, einen neuen Coach und eine Vielzahl neuer Spieler. Lediglich das Konzept von jungen Prospects gepaart mit Veteranen in einem Vertragsjahr ist bereits aus der Saison 2019/2020 bekannt. Gefruchtet hat es allerdings nur bedingt. Ob oder wie lange das neue Regime seine Vision eines Contenders in New York umsetzen darf, wird abermals vom Ego des exzentrischen Besitzers abhängig sein.

Check 1,2
Mit Barrett, Robinson und Toppin haben die Knickerbockers drei hoch veranlagte Spieler in ihren Reihen. Bei Smith Jr., Ntilikina und Knox bleibt zumindest die Hoffnung, dass noch Entwicklungssprünge möglich sind. Ebenso sollten die Additionen von Quickley (25. Pick), Alec Burks und Austin Rivers immerhin in der Theorie eine Verbesserung gegenüber dem letztjährigen Personal darstellen.

Schafft es Thibodeau, eine homogene Truppe zu formen, die aus einer stabilen Defensive heraus agiert und im Angriff nicht vollkommen ideenlos ist, verfügt dieses Team über das Potenzial, näher an 30 Siege heranzurücken. Mehr ist in einer Division mit den Boston Celtics, Brooklyn Nets, Philadelphia 76ers und Toronto Raptors nicht drin.

Siege werden allerdings auch in diesem Jahr nur eine Nebenrolle spielen. Nach wie vor stehen Entwicklung und Bewertung des jungen Kerns ganz oben auf der Agenda.

Die Rechnung, bitte