17 Dezember 2020

17. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 8: Die Philadelphia 76ers...

von BJÖRN PAHLKE @newera0813 | 17. Dez, 2020


Flashback
43-30, Playoffs Runde eins (0-4 vs. Boston Celtics)

Plus
Danny Green
Seth Curry
Dwight Howard
Terrance Ferguson
Tony Bradley
Ryan Broekhoff
Tyrese Maxey
Isaiah Joe

Minus
Al Horford
Josh Richardson
Zhaire Smith
Alec Burks
Raul Neto
Kyle O'Quinn
Glenn Robinson III

Was ist Neu?
Viele hielten den Prozess, Philadelphia allmählich zum NBA-Titel zu führen, für beendet – und beurteilten ihn als gescheitert. Kein Wunder, denn in der letzten Saison fand die wohl beste Starting Five der Liga nie wirklich zusammen und wurde in der ersten Runde der Playoffs von den Celtics gesweept. Doch es hat sich viel bewegt in Philly und auf einmal ist wieder alles möglich.

Der langjährige GM der Houston Rockets, Daryl Morey, ist der neue Boss der Sixers. Schon vor seiner Akquisition ersetzten sie Coach Brett Brown prominent mit Doc Rivers, der nun beweisen soll, dass er eine Meisterschaft wie 2008 mit den Boston Celtics in Philadelphia wiederholen kann.


Al Horford und Josh Richardson, die sinnbildlich für den Misserfolg der letzten Saison standen, machen Platz für Seth Curry und Danny Green in der Starting Five. Embiid und Simmons bleiben dagegen vorerst und sollen endlich zusammen funktionieren. Dabei helfen als Embiids Backups Dwight Howard und Tony Bradley. Sie sollen den kamerunischen All-Star entlasten und vor allem die fehlenden Big-Alternativen der vergangenen Spielzeit vergessen machen.

Beste Addition
Seth Curry ... Die perfekte Ergänzung. Zusammen mit Danny Green hat er das so schmerzlich vermisste Shooting der letzten Saison im Gepäck nach Philadelphia. Danny Green bringt zwar das Meister-Gen mit in die DNA der Sixers, doch Curry leistet eine viel wichtigere Aufgabe: Er macht Simmons besser.

Curry ist für Simmons nicht nur eine neue Anspielstation, er öffnet das Feld für den Australier. Dadurch werden sich automatisch mehr Lücken für Simmons beim Zug zum Korb bieten. Philadelphias Ballverteiler wird in naher Zukunft kein guter Schütze, aber das muss er auch gar nicht. Denn seine Stärke liegt im Passspiel und Attackieren der Zone. Mit Curry kann er beides perfektionieren. Mindestens genauso wichtig: Die Sixers haben endlich einen verlässlichen Schützen, der für die Mavs in der letzten Saison 45 Prozent seiner Würfe von Downtown traf.

The Planet
Ben Simmons ... Viele werden hier Joel Embiid erwartet haben. Auch durchaus vertretbar. Doch diese Saison wird Simmons der wichtigere Spieler werden, denn seine neuen Mitspieler machen ihn besser und er wertet sie auf. Rivers wird ihm die Freiheiten geben, die er braucht. Anders als Brett Brown fordert er nicht Würfe von außen, sondern will, dass Simmons dem Spiel seinen Stempel aufdrückt.


Der miserabler Wurf von außen ist seine große Schwäche, sonst sind seine Fähigkeiten aber unbegrenzt. In jedem Spiel ist er in der Lage, ein Triple Double aufzulegen, überquert mit wenigen Schritten den gesamten Court und ist gesegnet mit überragenden Spielmacher-Qualitäten. Außerdem offenbarte er sich in der vergangenen Saison bereits als Kandidat für den Defensive Player of the Year. Wie wichtig Simmons für die Team-Performance ist, hat die miese erste Runde gegen die Celtics gezeigt.

Rising Star
Shake Milton ... Das dritte Profijahr soll der endgültige Durchbruch werden. Daryl Morey erkennt das Potential des Point Guards und gab sich überzeugt, dass die Liga noch nicht erkennt habe, wie gut Shake sein kann. Die 9,4 Punkte und 2,6 Assist in der abgelaufenen Spielzeit sollen nur der Anfang gewesen sein.

Auch Doc Rivers hält große Stücke auf Milton und will ihm mehr Verantwortung verleihen. Dafür wird vor allem die Defensive fokussiert werden. Sollte Simmons auf eine andere Position ausweichen, ist der Platz auf der Eins wohl für Milton reserviert. Bleibt der Australier auf seiner Position, wird Shake der sechste Mann im Roster.


Don’t Sleep! 
Tobias Harris ... Er mag überbezahlt sein, doch Harris ist keinesfalls eine schlechte Option. In Philadelphia hat er es nie geschafft, an seine besseren Tage im Trikot der LA Clippers anzuknüpfen, bei denen er 2019 bis zur Trade Deadline 43,4 Prozent von außen traf und knapp 21 Punkte pro Partie auflegte.

Doch wer coachte ihn zu seiner Hochzeit bei den Clippers? Genau, Doc Rivers. Die beiden sind nun wieder vereint und es wird Zeit, dass Harris zu alter Form zurück findet. Jeder weiß, dass das Team von Simmons und Embiid lebt, doch vielleicht ist gerade der Clippers-Harris der X-Faktor, den sie brauchen auf dem Weg zu Ruhm und Ehre. Sein Maximalvertrag läuft noch vier Jahre – Zeit, diesem gerecht zu werden.

Beste Fünf
Simmons – Curry – Green – Harris – Embiid


Good News
+ Daryl Morey und Doc Rivers sind massive Upgrades
+ Curry und Green bringen Shooting ins Team
+ Tiefe: Es sind nicht mehr nur fünf brauchbare Spieler im Kader
+ Simmons bekommt von Curry und Milton die Unterstützung im Aufbau, die er braucht

Bad News

- Rivers hat auch bei den Clippers keinen Ring geholt
- Die Erwartungen sind noch höher als im letzten Jahr
- Embiid und Simmons bleiben enorm verletzungsanfällig
- Alternativen auf den Forward-Positionen sind gering

Was fehlt?
Wenig. Die Sixers waren sehr fleißig in der Offseason und haben die richtigen Löcher gestopft. Was in dieser Saison fehlt, ist Ruhe. Die ohnehin nicht geringen Erwartungen sind jetzt noch größer, einen weiteren Rückschlag zu verkraften wird schwer.

2020/21 könnte zudem schon zur letzten Chance des Duos Simmons und Embiid werden. Sollten die beiden weiterhin nicht zueinander finden, wird ein Trade kaum mehr zu verhindern sein. Dann stellt sich die Frage, wer von beiden gehen muss. Eine Entscheidung, die man keinem wünscht.

Check 1,2
Auf dem Papier sind die Sixers ein absoluter Titelkandidat. Gerade die Starting Lineup sucht ihresgleichen. Die Playoffs zu erreichen wird kein Problem werden, sogar das Heimrecht in der ersten Runde absolute Pflicht. Dennoch läuft Philadelphia auch über Embiid und Simmons hinaus immer Gefahr, mit Verletzungen kämpfen zu müssen. Wenigstens können sie einen Embiid-Ausfall mit Howard und Bradley im Kader besser auffangen als in der Vergangenheit, zudem gibt die Bank mehr her als in den letzten Jahren.

Das Team muss sich aber erst einmal finden, ständig neues Personal war in Houston unter Morey üblich, entsprechend benötigt die Mannschaft Zeit, zusammen zu finden. Selbst die bereits etablierten Embiid und Simmons. Dennoch ist für Philly dieses Jahr alles möglich. Also: „Trust the Process!“ Aber haben wir das nicht auch schon letzte Saison... ?

Die Rechnung, bitte