14 Dezember 2020

14. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 14: Die Phoenix Suns...

von LUCAS KRÖGER @kicktherim | 14. Dez, 2020


Flashback
34-39, keine Playoffs

Plus
Chris Paul
Jae Crowder
Langston Galloway
E'Twaun Moore
Abdel Nader
Jalen Smith
Damian Jones

Minus
Kelly Oubre Jr.
Ricky Rubio
Aron Baynes
Cheick Diallo
Frank Kaminsky
Ty Jerome
Jalen Lecque
Elie Okobo

Was ist Neu?
Devin Bookers Aufstieg zum All-Star. Eine eindrucksvolle Bubble-Bilanz von acht Siegen ohne Niederlage. Der Trade für Chris Paul.

Die jüngsten Entwicklungen in Phoenix verdeutlichen vor allem Eines: Aus der (verzweifelten) Hoffnung auf einen Playoffplatz erwächst nun eine echte Erwartungshaltung. In der vergangenen Saison stand Booker zum ersten Mal in seiner Karriere mit echtem NBA-Talent auf dem Feld. Prompt verdoppelte sich die Siegesquote im Vergleich zum Vorjahr und die Valley Boyz flirteten zeitweise mit Platz acht im Westen. Das versprühte Hoffnung auf bessere Zeiten.

Vom behüteten Nachwuchs, dem Fehler eingestanden werden, bleibt für 2020/21 nicht viel übrig. GM James Jones rüstete gezielt mit den Veteranan Crowder, Galloway und Moore nach. In der kommenden Spielzeit wäre ein erneutes Verpassen der Playoffs schwer zu rechtfertigen. Die Schonzeit ist vorbei, jetzt werden die Suns an Erwartungen gemessen.

Beste Addition
Chris Paul ... Paul ist einer der Hauptgründe, warum der Druck in Phoenix steigt. Inwieweit kann mit ihm über die nächsten zwei Jahre hinaus geplant werden? Wieviel hat der „Point God“ noch im Tank? Zeit gewinnt die Wüstenfranchise mit dieser Addition nicht.

Zugleich ist Paul allerdings auch der Grund, warum die Suns das Zeug dazu haben, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Die vergangene Saison zeigte, dass sein Abschied aus Houston kein Vorbote des Verfalls war. Aus allen Spielern, die in der Regular Season 2019/20 mindestens 100 Minuten Crunch-Time sahen und dabei 100 oder mehr Punkte erzielten, traf nur Terry Rozier (yep, „Scary Terry“) seine Würfe hochprozentiger als CP3 (168 Minuten, 150 Punkte, 52,2 FG%).


Mit neu gewonnener Fitness und dem gewohnten Spielwitz führte er die Thunder in die Playoffs und verlangte den Rockets in sieben Spielen alles ab. Folgerichtig zählte Paul zum ersten Mal seit 2016 wieder zu einem All-NBA-Team.

Seine Qualitäten als Orchestrator hat er über die Jahre keineswegs verloren. Das Pick-and-Roll läuft er immer noch wie kein anderer. Gibt es in der Defense Lücken, findet Paul diese. Einen solchen Backcourt-Partner gab es für Devin Booker bisher nie. Das dürfte für Phoenix den Unterschied und sie endlich zu einem veritablen Playoffkandidaten machen.

The Planet
Devin Booker ... Natürlich dreht sich trotz der Verpflichtung von CP3 alles um Booker. Auch Paul selbst weiß das: „Ich komme nicht hierher, um alle nur zu belehren. Ich bin sein Teammate.“ Für Phoenix geht es darum, dass die Entwicklungskurve des 24-Jährigen weiter nach oben geht. Endlich soll er die Chance bekommen, sich auf dem Top-Level zu etablieren.

GM Jones verpflichtete Paul, um D-Book zu entlasten, ihm die nächsten Schritte in seiner Entwicklung zu erleichtern. Ähnliches wurde während der letzten Offseason über Ricky Rubio gesagt. Allerdings sollte jedem klar sein, dass Rubio und Paul in zwei verschiedenen Ligen spielen. Booker wird von der Gefahr Pauls profitieren und gegnerische Defensiven – besonders ohne Ball – noch mehr beschäftigen, als das mit Rubio der Fall war.

Rising Star
Deandre Ayton ... Phoenix ist nicht mehr darauf angewiesen, dass Ayton schnellstmöglich den Durchbruch schafft – genau das wird ihm helfen. Wegen des Sprungs von Booker und der Ankunft von Paul kann sich der Big Man auf die grundlegenden Aufgaben konzentrieren: hart zum Korb rollen, den Ring beschützen, Bretter abstauben.

Die neuen Prioritäten sind andere, er muss nicht zwingend die klare zweite Option sein. Paul wird ihm Tag und Nacht in den Ohren liegen: „Du musst defensiv der Erste sein, der die Ansagen macht! Sei da!“ So, oder so ähnlich, wird es in jedem Training zur Sache gehen.


Ayton macht den Eindruck, als wäre er der Typ Spieler, der genau das braucht: Gruppenzwang. Bleibt er auf dem Feld und offen für Pauls Ratschläge, hat er gute Chancen, uns mehr von dem dominanten Two Way-Center zu zeigen, den sich Phoenix vom ersten Pick 2018 erhoffte.

Don’t Sleep! 
Mikal Bridges ... In der Orlando-Bubble kaschierte Bridges das Fehlen von Kelly Oubre Jr., nun soll er zum festen Kern des Teams heranwachsen und die Wing-Rotation anführen. Stand heute ist er auf einem sehr guten Weg dorthin: Seine Wurfquoten haben sich nach einem durchwachsenen Rookie-Jahr gefestigt. Von November bis zum letzten Spiel in Orlando traf er 51,4 Prozent aus dem Feld und 36,9 von Downtown. 39,8 Prozent seiner Würfe nahm der Sophomore jenseits der Dreierlinie, 41,3 direkt am Ring.

Eine clevere Wurfauswahl. Solide Quoten. Genau das brauchst Du von einem Flügelspieler neben Booker und Paul. Dass Bridges zudem nahezu jede Position verteidigt, macht ihn endgültig zum Core-Piece.

Beste Fünf
Paul – Booker – Bridges – Crowder – Ayton


Good News
+ Bookers Aufstieg zum Superstar ist gelungen
+ Der sonst knausrige Teambesitzer Robert Sarver hat Geld in die Hand genommen (höchste Payroll seit Jahren!)
+ CP3 maximiert die Leistungen seiner Mitspieler
+ Die Suns sind auf der Shortlist der Teams, die über Draft-Kapital, junge Talente und Salary verfügen, um für einen Hochverdiener zu traden

Bad News

- Der Druck steigt
- Sarver hat weiterhin keinen guten Ruf in der Liga: Ex-Spieler Oubre wirft ihm Oberflächlichkeit und falsche Prioritäten vor
- Hinter der Starting Five fehlt es an Playoff-Kaliber
- Sonnenauf- oder untergang liegt in den aufgerieben Händen (Knien) Chris Pauls

Was fehlt?
Tiefe. Zum Playoff-Lock fehlt den Suns eine verlässliche Bank. Flügel Cam Johnson überraschte in seinem ersten Jahr. Auch Jevon Carter hatte als Point Guard Backup seine Momente. Die neu verpflichteten Langston Galloway und E'Twaun Moore werden solide Minuten auf den Wing-Positionen spielen. Rookie-Big Jalen Smith könnte aufgrund der dünn besetzten Rotation auf Groß schon jetzt eine feste Rolle ausfüllen. Dario Šarić verlängerte seinen Vertrag um drei Jahre.

Alles schön und gut, doch welcher dieser Spieler reißt etwas in einer potenziellen ersten Runde gegen die Elite im Westen? Richtig... hier muss Phoenix definitiv nachbessern. Auch um Ausfälle oder Flops zu kompensieren.

Check 1,2
Nach etlichen Jahren der Dürre deutet in Phoenix Vieles auf eine neue Blütezeit hin. Die Suns sind zurück auf der Karte und gehen zurecht mit der Erwartung in diese Saison, Playoff-Basketball zurück nach Arizona zu bringen. Ihre Bubble-Performance machte Lust auf mehr und mit CP3 ist das nächste Level möglich.


Wenn unterm Strich jedoch schon wieder keine Playoffteilnahme steht, könnte die Stimmung schnell kippen. In Zeiten von verärgerten Stars, die Jahre vor Vertragsende Trades fordern, sollte Phoenix auch nur die kleinsten Anzeichen von Skepsis bei Devin Booker ernst nehmen. Sehr ernst.

Die Rechnung, bitte