15 Dezember 2020

15. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 12: Die Portland Trail Blazers...

von BJÖRN PAHLKE @newera0813 | 15. Dez, 2020


Flashback
35-39, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Los Angeles Lakers)

Plus
Robert Covington
Enes Kanter
Derrick Jones Jr.
Harry Giles III

Minus
Trevor Ariza
Hassan Whiteside
Mario Hezonja
Waynen Gabriel
Jaylen Adams

Was ist Neu?
Die Portland Trail Blazers waren aktiv in der Offseason. Robert Covington und Enes Kanter stehen Head Coach Terry Stotts nun zur Verfügung und verstärken den ohnehin schon soliden Kader. Covington gilt als einer der besten Flügelverteidiger der Liga und wird die Arbeit gegen den Ball auf ein neues Level bringen. Kanter wird hingegen als Back-Up für Jusuf Nurkić agieren, was das Niveau der zweiten Garde deutlich anhebt.

Die namhaftesten Abgänge Trevor Ariza oder Hassan Whiteside werden somit kaum bemerkbar gemacht. Besonders Whiteside agierte in der vergangenen Saison meist lustlos und wird mit keinem weinenden Auge vermisst werden. Der wiedergeborene Carmelo Anthony und der genesene Rodney Hood wurden als wichtige Stützen des Teams gehalten.

Zusätzlich wird das Team durch die Verpflichtungen von Finals-Teilnehmer Derrick Jones Jr. und Youngster Harry Giles in der Tiefe verstärkt. Ob sie allerdings viel auf dem Parkett stehen werden, wird bei der starken Konkurrenz abzuwarten sein.

Beste Addition
Robert Covington ... Hier fällt es schwer, die Wahl gegen Enes Kanter zu treffen, dem gerade wegen des Abgangs von Whiteside und der mangelnden Alternative auf den großen Positionen eine enorm wichtige Rolle in der kommenden Saison zuteil wird. Dennoch fällt die Entscheidung zugunsten des Ex-Rocket Robert Covington, weil Kanter vorerst von der Bank kommt.


Dass die Blazers ihre Offensive beherrschen, bedarf durch die Namen Lillard und McCollum keiner weiteren Diskussion. Mit einem starken Angriff ist es aber noch lange nicht getan. Die Lakers haben den Blazers in der ersten Runde der vergangenen Playoffs bewiesen, dass ohne Defense kein weiter Playoff-Run einzuplanen ist.

Mit Covington wird es für jeden Gegner ein enormes Stück schwerer, sich über den Flügel durchzusetzen. Zudem nimmt er auch in der Offensive Einfluss, was 12,7 Punkte im Schnitt in seiner Karriere belegen. Der Small Foward verbessert die dünne Flügelrotation der Blazers.

The Planet
Damian Lillard ... Auch im neunten Jahr in Folge dreht sich in Portland alles um den Superstar. In seiner Rookie-Saison scorte Lillard noch 19 Punkte im Schnitt, in jeder anderen Spielzeit schenkte er seinen Gegenüber durchschnittlich über 20 Punkte ein. Letzte Saison spielte er mit 30 Punkten und acht Assists pro Partie seine bisher beste Runde.

Ohne Lillard wären die Playoffs für das Team aus Oregon niemals möglich gewesen. Gerade seine Auftritte in der Bubble in Orlando werden jedem NBA-Fan imponiert haben. Ob sie mit ihm die Lakers geschlagen hätten, scheint sehr unwahrscheinlich (Lillard fehlte im entscheidenden fünften Spiel), doch bemerkbar wurde, dass sie ohne ihn gegen jede Playoff-Mannschaft Schwierigkeiten haben.


Er braucht sicher seine Unterstützung – die er in C.J. McCollum, Jusuf Nurkić, Carmelo Anthony und Robert Covington übrigens hat – doch, dass er in jedem Spiel in der Lage ist zu explodieren und 60 Punkte immer im Bereich des Möglichen liegen, machen ihn in der Offensive zu einem der besten Spieler der gesamten NBA. Umso wichtiger für Portland, dass Dame seit seinem Draft den Blazers die Treue schwört.

Rising Star
Gary Trent Jr. ... Bei den Blazers fällt es schwer, einen wirklichen Rising Star zu identifizieren. Der Kader besteht zum größten Teil aus etablierten NBA-Spielern, die ihr Potential bereits ausgeschöpft haben oder schon auf Star-Niveau agieren.

In der vergangenen Saison hat sich Gary Trent Jr. allerdings einen Platz in der Rotation der Blazers erkämpft. Mit frischen 21 Jahren geht er in seine dritte Saison und legt besonders im Shooting bereits gute Zahlen auf. Er traf 41,8 Prozent seiner Würfe außerhalb der Dreierlinie und setzte besonders in der Bubble wichtige Akzente im Kampf um den letzten Playoff-Platz.

Das Potential eines All-Stars schlummert nicht unbedingt in ihm, doch im Kampf um einen hohen Rotationsplatz wird er es Derrick Jones Jr. nicht einfach machen. Wenn er genug Spielzeit bekommt, kann er einen nächsten Schritt machen und sich für größere Aufgaben empfehlen.

Don’t Sleep! 
Carmelo Anthony ... Melo war schon lange totgesagt, bekanntlich leben Totgesagte aber länger. Der zehnfache All-Star hat in Portland die Chance bekommen, einen Neuanfang zu starten. Er fügte sich perfekt in seine Rolle ein und akzeptierte, dass die Stars im Team andere Rückennummern tragen. Wegen der Verpflichtung von Covington ist er wohl nicht einmal mehr der vierte Star im Team, doch einen Platz entweder als Starter oder als erster Bankspieler sollte er sicher haben.


Wer weiß, wie lange Melo uns noch in der NBA erhalten bleibt. Aktuell wissen wir, dass es mindestens noch ein Jahr in Portland geben wird. Dass er auch im fortgeschrittenen Alter über 15 Punkte auflegen kann, beweist, dass er noch nicht am Ende ist. Ein weiteres Jahr auf diesem Niveau ist ihm zuzutrauen und er kann sich für einen weiteren Vertrag empfehlen.

Beste Fünf
Lillard – McCollum – Covington – Anthony – Nurkić

Good News
+ Die Addition von Covington und Kanter schließen die größten Lücken
+ You can trust in Lillard
+ Die in den letzten Jahren verwaiste Bank zeigt Lebenszeichen
+ Die Bubble-Auftritte machen Mut


Bad News

- Covington alleine macht die Defensive nicht gut oder solide, vielleicht nicht einmal mittelmäßig
- Mindestens ein Spieler war/ist COVID-positiv und die Blazers mussten zum Saisonauftakt direkt sämtliche Trainingsanlagen schließen
- Der Abstand zu den Top-Contendern im Westen bleibt bestehen
- Die verletzungsanfälligen Bigs könnten erneut zum Problem werden

Was fehlt?
Für die aktuelle Saison sind die Blazers gut aufgestellt. Nach einem schwachen Start in die letzte Saison hat sich der Kader gefunden und die Playoffs erreicht. Der Kader wurde verstärkt und bietet nun deutlich mehr Alternativen. Dennoch geht zukunftsorientiert anders.

Mit Lillard (30) und McCollum (29) haben die Blazers einen Backcourt, der seinesgleichen in der NBA sucht, doch so langsam kommen auch sie in ein Alter, das nicht mehr viel Luft nach oben erlaubt. Melo (36) oder Covington (29) sind auch nicht die Spieler, auf die sie langfristig zählen können. Der letzte Schritt zu einem Contender, ein elitärer Frontcourt zum dominanten Backcourt, ist nicht in Sicht. Folglich müssen die Verantwortlichen kreativ werden, um das titelhungrige Guard-Duo zu ihren Langzeitverträgen auch emotional zu binden.

Check 1,2
Die Blazers haben mit einer guten Offseason ihren Kader verstärkt. Allerdings sind sie da in ihrer Conference und sogar in ihrer Division nur einer unter vielen. Bleibt das Team von Verletzungen verschont, sind die Playoffs selbst im starken Westen ziemlich sicher. Der Abstand zu den Top-Teams ist geschrumpft, aber noch immer vorhanden.

Wie immer wird es Spaß machen, Dame und C.J. beim Schießen zuzuschauen. Die Defizite in der Defense scheinen aber zu groß, um einen ganz tiefen Playoff-Run zu erwarten. Dennoch sind die Blazers als Geheimfavorit nicht ausschließen – es wäre Lillard zu gönnen. Die Rückkehr in die Conference Finals bleiben in Portland ein Traum.

Die Rechnung, bitte