16 Dezember 2020

16. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 10: Die Toronto Raptors...

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 16. Dez, 2020


Flashback
53-19, Eastern Conference Semi-Finals (3-4 vs. Boston Celtics)

Plus
Aron Baynes
Malachi Flynn
DeAndre' Bembry
Alex Len

Minus
Serge Ibaka
Marc Gasol
Rondae Hollis-Jefferson
Malcolm Miller

Was ist Neu?
Ohhhh, Canada. Im Sommer 2019 war die Hymne in den Straßen Torontos omnipräsent. Seitdem hat sich so einiges geändert. Eckpfeiler verließen das Team. Erst Kawhi Leonard, jetzt Marc Gasol und Serge Ibaka. Demgegenüber hielten die Raptors in Pascal Siakam und Fred VanVleet die Zukunft der Franchise für teures Geld.


Ansonsten hat Masai Ujiri weiterhin alles auf die Free Agency 2021 ausgelegt. Die Playoffs sind das erklärte Ziel, da der Kern aber bereits einen Titel gewonnen hat, ist der Druck für Kyle Lowry und Co. nicht allzu groß.

2020/21 ändert sich für die einzige Nicht-US Mannschaft vor allem die Spielstätte. Aufgrund der COVID-19 Reiserestriktionen ist ständiges An- und Ausreisen unmöglich. Die Raptors entschieden sich daher für Tampa im sonnigen Florida als Ausweichstandort.

Beste Addition
Aron Baynes ... Der mittlerweile 34-Jährige ist zwar kein absoluter Schlüsselspieler, da Toronto in der Offseason aber sonst ruhig blieb, bekommt Baynes an dieser Stelle den Zuschlag. Zuletzt kam der Australier häufig von der Bank, kann aber immer noch starten, arbeitet hart, setzt Picks, die der Gegner des Häufigeren zu spüren bekommt und beschränkt sich auf die sogenannten „Fundamentals“.

Sollte der hausinterne Gasol-/Ibaka-Ersatz Chris Boucher nicht liefern, haben die Raptors mit Baynes einen Spieler parat, der jederzeit einspringen kann, ohne dass Toronto plötzlich merklich schlechter wird. Kurzfristig ist er eine Absicherung auf den großen Positionen, um in den Playoffs erneut anzugreifen.

The Planet
Pascal Siakam ... Kyle Lowry ist ein wenig zu alt, VanVleet eine gute bis sehr gute zweite oder dritte Option und Nick Nurse wäre hier vielleicht auch unangebracht, da es um die Spieler geht und nicht um den Trainer, auch wenn er durchaus Argumente hat.

Seit Kawhis Abgang im Sommer 2019 ist „Spicy P“ der Fixpunkt der Raptors. Mit mittlerweile 26 Jahren kommt er langsam in seine Prime. Die Frage, ob seine rasante Entwicklung noch weitergehen kann oder die zuletzt gezeigte Stagnation ein maximales Leistungsvermögen darstellt, bleibt vorerst unbeantwortet. Torontos akribische Vorbereitung auf den Sommer 2021, wenn zwar der große Preis – Giannis Antetokounmpo – nicht mehr verfügbar sein wird, dafür aber immerhin Victor Oladipo, Rudy Gobert, DeMar DeRozan (wer würde es nicht feiern?) oder auch Kawhi Leonard (ist es kategorisch auszuschließen?) Free Agents werden, spricht zumindest nicht für Urvertrauen in Siakam als Franchise Player.


Eine erste Option wird er in diesem Leben wohl nicht mehr, steht ihm aber ein weiterer Superstar an der Seite, glänzt Siakams Stern heller, da der offensive Fokus auf dem Flügel nicht mehr so sehr auf ihm ruht.

Zu seiner Verteidigung darf nicht vergessen werden, dass das Volumen des Kameruners in der Offensive zuletzt drastisch erhöht wurde. Mit einer weiteren Offseason Abstand bekommt er nun die Chance zu zeigen, dass er anpassungsfähig ist und auch der gestiegenen Verantwortung gewachsen ist.

Rising Star
O.G. Anunoby ... Manche werden den jungen Briten erst seit seinem spektakulären Game-Winner aus Spiel drei der Conference Semi-Finals gegen die Boston Celtics kennen. Dabei dürfte Anunobys Buzzer erst den Anfang einer langen Reise darstellen.

Defensiv bewies der 23. Pick des Drafts 2017 schon immer enorme Qualität, langsam aber sicher findet er sich auch offensiv immer besser zurecht. Der Dreier fällt gut (41,5% bei knapp vier Versuchen pro Spiel in den Playoffs 2020) und wird auch diese Saison nochmals eine größere Rolle in seinem Spiel einnehmen. Zusammen mit VanVleet, Lowry und Terence Davis bildet Anunoby eine der am ekligsten zu bespielenden Guard-Flügelrotation der Liga.

2020/21 wird er in Ballbesitz weiter viele Freiräume sehen, da eben besagte Lowrys, VanVleets und Siakams alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sodass O.G. relativ viele freie Dreier bekommt und zudem bei guten Cuts leichte Punkte unter dem Korb. Da die Würfe von Serge Ibaka neu verteilt werden müssen, darf er auch hier häufiger den Ball erwarten und somit seine Zahlen weiter steigern. Eine 15-6-2-1-1 Saison liegt im Bereich des Möglichen.

Don’t Sleep! 
Terence Davis II ... Davis spielte 2019/20 ein auffällig gutes erstes Profijahr und wurde zurecht ins All-Rookie Second Team berufen.

Seine weitere NBA-Karriere sah rosig aus, bis Mitte November Berichte aufkamen, dass Davis in New York in Haft sei, da er eine Frau gewalttätig bedrängt haben soll. Bis heute ist dieser Fall ungeklärt und es gilt die Unschuldsvermutung. Davis spielt auch bislang in der Preseason für die Raptors, die ihn entgegen aller Erwartungen nicht aus dem Kader strichen (weil er ein Undrafted Rookie ist wäre dies ohne Kosten möglich gewesen).

Davis muss nun diesen Vertrauensbeweis zurückzahlen, sich nicht von den Geschehnisse ablenken lassen an seine starke Rookie-Saison anknüpfen, Denn in Matt Thomas haben die Raptors bereits eine Alternative zu ihm in den eigenen Reihen. Für den 23-Jährigen geht es in der kommenden Saison um seine Ruf und seine weitere Karriere.

Beste Fünf
Lowry – VanVleet – Anunoby – Siakam – Baynes


Good News
+ Nick Nurse ist der vielleicht zweitbeste Trainer der Association
+ Terence Davis darf vorerst weiter für die Raptors spielen
+ Defensiv macht ihnen kaum jemand etwas vor
+ Masai Ujiri hat bislang allen Lockrufen aus New York City die kalte Schulter gezeigt

Bad News

- Keine wirklichen Heimspiele
- Kein gleichwertiger Ersatz für Gasol und Ibaka
- Teilweise unerfahrenes, dünnes Team
- Die Hoffnungen auf Giannis wurden frühzeitig begraben

Was fehlt?
Erfahrung und Tiefe auf dem Flügel und den Big Men Positionen. Baynes ist ein guter Spieler, reicht aber nicht an das Level Gasol/Ibaka heran. Davis und Thomas müssen ihre Vorsaison bestätigen und Boucher ist auch noch sehr roh. Wie viele Minuten hat Lowry noch im Tank? Auf Nick Nurse kommt einiges an Arbeit zu, doch bereits letzte Saison kaschierte er den Leonard Weggang hervorragend und wird auch hier wieder Lösungen finden.


Check 1,2
Die Raptors sind weiterhin ein Playoff-Team, Nick Nurse ist in der Top-Riege der Coaches aufgestiegen und schreckt nicht vor unkonventionellen Entscheidungen zurück. Die Mannschaft ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus oftmals übersehenen Spielern, oder solche die über ihre Karriere chronisch unterschätzt wurden.

Der gemeine Fan neigt dann oftmals genau so zu reagieren, doch sowohl offensiv, als auch defensiv muss sich Toronto vor niemandem verstecken. Die zweite Runde ist erneut möglich und kein Gegner wird sich über eine Serie gegen die Raptors freuen.

Die Rechnung, bitte