11 Dezember 2020

11. Dez, 2020


Ho, ho, ho! Oktober bis Ostern war gestern. Nach der kürzesten (und trotzdem noch zu langen) Offseason der NBA-Geschichte steht das 72-Spiele Extravaganza namens Saison 2020/21 zur Weihnachtszeit vor der Tür. Als ersten Gang serviert die Chefküche wie gehabt 30 unwiderlegbare, wettspielbare Prognosen im Reverse Power Ranking Style. No. 19: Die Washington Wizards...

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 11. Dez, 2020


Flashback
25-47, keine Playoffs

Plus
Russell Westbrook
Robin Lopez
Deni Avdija
Raul Neto
Anthony Gill
Cassius Winston

Minus
John Wall
Jerian Grant
Ian Mahinmi
Shabazz Napier
Admiral Schofield
Gary Payton II
Jarrod Uthoff

Was ist Neu?
Die Ära John Wall ist zu Ende. Russell Westbrook spielt neuerdings in der Hauptstadt, Wall nach zehn Jahren nicht mehr. Gerade als es so aussah, als würde Ruhe in die Front Offices einkehren, überraschten Rafael Stone und Tommy Sheppard nochmals die Liga aus dem Nichts, indem sie Westbrook und Wall eins zu eins (plus ein geschützter Erstrunden-Pick nach Houston) tauschten. Schlechter Max-Contract für schlechten Max-Contract.

Mit diesem Tausch geht einher, dass der Anspruch in Washington durchaus gestiegen ist und der achte Platz nicht aus Selbstverständlichkeit an die Orlando Magic gehen darf. Gemeinsam sollen Westbrook und Bradley Beal nun also für Erfolg sorgen, den die Wizards gewohnt waren, bevor sich Wall dauerhaft mit Verletzungen herumplagte. Lang, lange ist es her.

Und nicht zu vergessen, Shooting allein ist heutzutage ein jährliches Salär von 20 Mio. $ wert. Glückwunsch, Dāvis Bertāns.

Beste Addition
Russell Westbrook ... Wer soll hier auch ansonsten stehen? Es gibt noch sieben Teams mit sieben aktiven MVPs. Westbrook ist einer davon und die Wizards haben ihn nun in ihren Reihen. Zwar spielt Westbrook schon länger nicht mehr, wenn er das je getan hat, wie ein Top-5 Spieler, doch speziell für die Regular Season ist die wandelnde Triple Double Maschine unglaublich wertvoll. Denn er kann ein Team immer noch schultern und zu Siegen führen, dies ging die letzten Jahre ein wenig vergessen.


Auch gibt es in Washington die Möglichkeit, ihm Lineups aufzustellen, die viel Shooting beinhalten. In diesen Szenarien wird RW0 (jetzt RW4) aufblühen. Energische Drives und entweder der eigene Abschluss oder ein Kickout-Pass. Er dürfte Washington so zu einem ernsthaften Playoff-Contender reifen lassen. Wie viel mehr es werden kann, muss er dann schlussendlich in der Postseason zeigen.

The Planet
Bradley Beal ... Beal ist dem Status des Rising Stars entwachsen und spielte 2019/2020 seine beste Saison. Er knackte die allabendliche 30 Punkte-Marke und war über weite Strecke der einzige Spieler in den Farben der Zauberer, der zu kreieren wusste. Ähnlich wie sein neuer Teamkamerad bei den Oklahoma City Thunder war er das offensive Spielsystem und hatte Narrenfreiheit.

Das Team wurde nun um ihn herum verstärkt, um zu gewährleisten, dass Beal zufrieden ist und seine besten Jahre, die nun anfangen werden, in Capitol City verbringt. Westbrook wird ein wichtiger Baustein sein, doch solange Beal nicht funktioniert, wird auch dieses Team nicht funktionieren.


Er muss es anführen und einen Balanceakt meistern, der beinhaltet, dass er es schafft eine vernünftige Beziehung zu Westbrook aufzubauen. Etwas, das ihm und Wall niemals nachgesagt wurde. Wenn er all das schafft, so könnte Beal sogar zu einem Außenseiterkandidaten auf den MVP Award werden. Für den Anfang ist er hier erstmal „nur“ Franchise-Star.

Rising Star
Rui Hachimura ... Hachimuras Entwicklung dürfte den Verantwortlichen aus reinen Marketing-Gründen eminent wichtig sein, füllt er doch eine Marktlücke in Japan. Seine Rookie Saison liest sich dabei vielversprechend. 13,5-6-2, es gab bereits Schlechteres in der Lottery.

Für die kommende Saison wird speziell sein Dreier wichtig werden. 1,8 Versuche pro Spiel und schwache 28,7% sind zu wenig für ein Team, das Russell Westbrook beschäftigt und auch zu wenig in der modernen NBA. Mit 2,03 Meter Körpergröße hat der 9. Pick des Vorjahresdrafts diverse Probleme gegen größere Wings, auch hieran muss er an sich arbeiten. Denn, wenn Moe Wagner seine Dreier trifft, könnten seine Minuten schwinden. Ansonsten bringt Hachi eigentlich alle Vorraussetzungen mit, um ein guter Starter in der NBA zu sein, wobei vermutlich kein All-Star in ihm schlummert.

Don’t Sleep! 
Moritz Wagner und Isaac Bonga ... Apropos Wagner: Mit Hachimura letztes und Deni Avdija dieses Jahr haben die Wizards jeweils direkte Konkurrenten für den Berliner verpflichtet. Er spielte zwar eine solide Vorsaison, wird aber angesichts des Konkurrenzdrucks seine Zeit auf dem Feld nutzen, sonst könnte es schnell dunkel werden für die zukünftige NBA Karriere.

Am wichtigsten für ein Team mit Westbrook ist der Dreier. Trifft er diesen hochprozentig, dürfte umgekehrt sogar ein Starterposten winken, denn an das Playmaking von Avdija kommt er nicht heran und Hachimura werden die Wizards auch als Sophomore noch stark fördern. Also Mo: es liegt an dir, lass es regnen!


Bonga hingegen spielte eine starke erste Saison in Washington, startete in 49 Spielen und wird dies vermutlich auch zur kommenden Saison als Starting Small Forward tun. Zum einen weil er einer der wenigen defensiv extrem starken Spielern im Kader ist, zum anderen braucht er nicht häufig den Ball in seiner Hand, um halbwegs effizient zu sein. Da viel offensive Last auf Westbrook und Beal fallen wird, wird es auch hier reichen, den Dreier zu stabilisieren und die offenen Würfe zu treffen.

Deutsche Fans sollten die Entwicklung des ehemaligen Frankfurters genau beobachten, denn in ihm schlummert weiterhin ein (Roh-)Diamant, der noch geschliffen werden muss. Trotz alledem darf auch er sich nicht ausruhen: Avdija macht ihm ebenfalls Konkurrenz und gilt ebenso manchenorts als Rohdiamant. Der Serboisraeli könnte auch Bonga die Position streitig machen, wenngleich er eher auf der Vier zum Einsatz kommen dürfte.

Beste Fünf
Westbrook – Beal – Bonga – Hachimura – Bryant

Good News
+ Mit Westbrook statt Wall stehen die Chancen auf die ersten Playoffs seit 2018 besser
+ Beal muss die Offensive nicht mehr alleine dirigieren und hat in Westbrook und Avdija adäquate Verstärkungen bekommen
+ In der Southeast Division warten mehrere direkte Duelle gegen unmittelbare Konkurrenten im Playoff-Rennen: Washington hat es in der eigenen Hand
+ John Walls Vertrag ist aus den Büchern


Bad News
- Westbrook wollte aus Houston raus, um die Nummer eins in einem Team zu sein: Hier gehört dieser Rolle aber Beal
- Defense ist in der ersten Fünf ein Fremdwort
- Extrem dünne Rotation
- Russell Westbrooks Vertrag ist in den Büchern

Was fehlt?
Es fehlt an so einigem. Zuallererst wäre da die Defense, die bei den wenigsten Spielern überdurchschnittlich erscheint. Auch ist das Team nicht sehr tief besetzt. Sollte ein Star ausfallen, wird es abermals zu einem Mammut-Akt, dieses Team in die Playoffs zu führen.

Washington verfügt über kaum Erfahrung auf dem Flügel, was eine Stagnation der jungen Spieler bedeuten könnte. Coach Scott Brooks muss sich innerhalb der nächsten drei Wochen einen vernünftigen Game Plan aneignen, da der Saisonstart dieses Jahr noch wichtiger sein dürfte als die letzten Jahre. Denn wer hier zu viel liegen lässt, wird es bei zehn Spielen weniger kaum rausreißen können, wie es einst die Utah Jazz oder Miami Heat taten.

Check 1,2
Washington dürfte mehr Siege als letzte Saison holen. Offensiv ist das Team gut besetzt und sollte es nicht wie gewünscht funktionieren, haben sie in Beal und Westbrook einen Backcourt, der jederzeit zu übernehmen bereit ist.

In der Hauptstadt wird nun von einigen in den Win-Now Modus geredet. Das mag zwar der eigene Anspruch sein, doch bewegen sie sich fernab der Elite und eher mit den Indiana Pacers, Atlanta Hawks und Orlando Magic auf Augenhöhe. Folglich sind die Zauberer von einem ernstzunehmenden Playoff-Run noch einige Jahre entfernt und mehr als ein frühes Aus in der ersten Runde 2020/21 nicht realistisch.

Die Rechnung, bitte