22 Dezember 2020

22. Dez, 2020


NBA Basketball ist zurück. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch fliegt der orangene Ball endlich wieder durch die Reuse. 2020/21 ist immer noch vieles anderes. Aber nicht nur: Der #NBACHEFSQUAD hat auch dieses Jahr unmittelbar vor dem Tip-Off einen tiefen Blick in die hauseigene Glaskugel im Programm: Wer werden die Durchstarter, die Mitläufer und Rohrkrepierer... ? Die Lichter stehen grün!

von NBACHEFSQUAD @nbachef_de | 22. Dez, 2020


Homecourt East

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Zunächst vielleicht die Überraschung, wen ich nicht drin habe: die Brooklyn Nets. Das Team mag bei NBA2k rasieren, in der Realität habe ich aber so meine Fragen. Wie nah kommt Durant an seine Form vor der Verletzung heran? Bleibt Kyrie fit und fällt wieder mehr durch Killer-Crossover als durch Verschwörungstheorien auf? Ist Nash wirklich ein guter Trainer, nur weil er ein guter Point Guard war? Das reicht für mich nicht, um an Milwaukee, Boston, Miami und Philly vorbeizuziehen.

Leon Göhl @OlajuwonsE: Bud und Giannis alleine sollten diesen ominösen Heimvorteil gewährleisten, Morey ist ein Genie, Tatum und Brown haben nicht nur die besseren Verträge, sondern sind auch noch verdammt gut und Indiana ist das vielleicht konstanteste Team im Osten, mit der vermeintlich besten Starting Five. Bucks, 76ers, Celtics, Pacers.

Marc Lange @godzfave44: Der Kampf um Platz eins im Osten könnte dieses Jahr wieder etwas spannender werden. Ganz vorne sehe ich trotzdem die Regular Season Heroes aus Milwaukee. Die neuen 76ers unter Daryl Morey werden sich Platz zwei schnappen. Danach kommen die Brooklyn Nets mit Kyrie Irving und Kevin Durant. Zu guter Letzt sichern sich die Celtics auf Platz vier ihren Heimvorteil für die Playoffs.

Anno Haak @kemperboyd: Vorweg das regularseasigste Team seit den 1994er Supersonics, die Milwaukee Bucks. 60 Siege x 72/82 sind übrigens gerundet 53, call it the „Milwaukee Formula“. Die Sixers sind besser besetzt, gecoacht und gemanaget als vor einem Jahr. Die Celtics haben niemanden verloren, der einen Absturz begründet (nein, Hayward reicht nicht). Die Nets sind auf dem Papier das beste Team. Bucks, Celtics, Sixers, Nets.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Milwaukee und Boston sind klar. Brooklyn ist ebenfalls zu stark besetzt, um aus den oberen Vier zu fallen. Alle anderen nennen an dieser Stelle Philadelphia, mir reichen aber Danny Green und Seth Curry nicht, um aus einem sechstplatzierten Erstrunden-Sweep in der noch umkämpfteren Spitze des Ostens einen der Spitzenränge zu machen. Der vierte Platz geht wieder an die Heat, Außenseiterchancen für den temporären innerfloridanischen Rivalen aus Tampa.



Homecourt West

Lagenstein: 50 Prozent der Plätze gehen an die Teams aus Los Angeles. Auch Denver dürfte nach dem Einzug in die Conference Finals keine Probleme mit dem Erreichen des Heimvorteils haben - im Gegenteil zu Portland im letzten Jahr. Bei der vierten Mannschaft tippe ich auf die Mavs. Dallas hätte es schon letztes Jahr in die Top-4 geschafft, wenn Dončić und Co. nicht so absurd viele Spiele trotz hoher Führungen noch hergeschenkt hätten. Das wird 2021 nicht mehr passieren.

Göhl: Der Westen erinnert ein wenig an die Formel 1, da stehen immer beide Mercedes-Piloten ganz oben, das Äquivalent im Westen ist Los Angeles. Paul Georges revenge-season sorgt für den Platz an der Sonne, LaLaLakers ist das egal im direkten Duell hat man eh Homecourt. Die bessere Variante von Aminu und Harkless, lässt Lillard komplett am Rad drehen und das 400 Millionen-Investment aus dem Mormonenstaat dürfen in Runde 1 in der eigenen Halle anfangen. Clippers, Lakers, Trail Blazers, Jazz.


Lange: Wenn keine Verletzungen bei Anthony Davis oder LeBron James dazwischenfunken, ist das Team von Coach Frank Vogel nicht nur der Top-Favorit auf durchgehenden Heimvorteil in den Playoffs, sondern auch auf die Meisterschaft. Knapp dahinter reihen sich die Clippers, Nuggets und Mavericks ein.

Haak: Der Champ, der uneheliche Bruder vom Champ, Klumpen und Pegasus. Klingt wie eine „Kindercartoonserie gone terribly wrong“, meint aber Lakers, Clippers, Nuggets und Mavericks.

Schlechtriem: Das doppelte LA-chen ist klar. Dahinter die Nuggets, die auch in Pandemiezeiten den Höhenheimvorteil nicht verlieren und Rückendwind aus Orlando mit nach Hause gebracht haben. Rang vier bleibt völlig offen und entscheidet sich wahrscheinlich wegen eines Spiels oder sogar wegen des direkten Vergleichs. Utah, Dallas, Portland, alle könnten sie dieselbe Bilanz aufweisen. Deshalb gibt's von mir den Dark Horse Pick: Phoenix Suns.


Volle Fahrt voraus

Lagenstein: An die direkte Qualifikation für die Playoffs glaube ich in Minnesota zwar nicht. Aber es würde mich nicht wundern, wenn die Wolves lange auf den Play-In-Plätzen liegen und nicht wie vom Chef-Orakel zu den zwei schlechtesten Teams im Westen gehören. Die beiden Kumpel Russell und Towns können erstmals seit dem Trade des Guards zusammen auflaufen. KAT wollte DLo unbedingt im Team haben. Jetzt ist der Zeitpunkt zu zeigen, dass die beiden eine Synergie bilden können.

Göhl: O.G. Anunoby. Seit Jahren heißt es vor der Saison, dass der nächste Schritt nun kommen muss und dieses Jahr ist es so weit. Anunoby gehört defensiv zu den besseren Vertretern und deutete letztes Jahr seine offensiven Fähigkeiten an, diese wird er fortan in einer größeren Rolle unter Beweis stellen dürfen und erhält damit folgerichtig den Most Improved Player-Award.

Lange: Die Atlanta Hawks waren in der Offseason sehr aktiv und es wurde der genau richtige Ansatz verfolgt: Trae Young solide Veteranen an die Seite zu stellen. Gallinari und Rondo geben dem Team die nötige Reife, die in der vergangenen Saison noch fehlte. Mit Bogdan Bogdanović haben die Hawks außerdem nun einen unterschätzten Playmaker in den eigenen Reihen. Hinzu kommt ein exquisiter Frontcourt mit Collins, Capela und Rookie Onyeka Okongwu. Die Zukunft in Georgia sieht rosig aus!

Haak: Fanbrille aufgesetzt, den Süden in rosarot gefärbt, dreimal um die eigene Achse gedreht und dann sehen die Atlanta Hawks aus wie das Märchen in Jahr 21 des 21. Jahrhunderts. Hinter den vier Gesetzten von oben sehe ich alles offen, die Hawks scheinen mir von allen Restteams neben den Raptors am besten für die Fährnisse einer gedrängten Saison gewappnet. Ansonsten hat der Versuch der Wizards, ohne D einfach alles aus der Halle zu löten, Unterhaltungspotential.


Schlechtriem: Die Toronto Raptors kommen mir derzeit zu schlecht weg. Okay, sie haben Ibaka und den sowieso stark abbauenden Gasol verloren, aber mit Lowry, VanVleet und Siakam immer noch einen starken Kern, der Jahr um Jahr von einem neuen Durchstarter verstärkt wird. Toronto oder Tampa Bay, die Raptors haben letztes Jahr fast 74% ihrer Spiele gewonnen und ich sehe keinen Grund, warum das 2021 anders sein sollte.


Rückwärtsgang

Lagenstein: Ich traue es mich kaum zu schreiben, aber die Spurs sind für mich heißer Anwärter auf den letzten Platz im Westen. Stars sind Mangelware oder so in die Jahre gekommen wie ihre Spielweise. Mit ihren auslaufenden Verträgen könnten DeRozan, Aldridge und Gay auch allesamt Trade-Ziele sein. Im Gegenzug wird aber kaum etwas nach San Antonio kommen, was direkt hilft. Die Saison 2020/21 scheint für Pop mehr ein Scouting zu sein, wenn er mit dem Team USA zu Olympia mitnehmen will. Die Spurs werden früh genug raus sein, damit er sich entspannt auf Tokio vorbereiten kann.


Göhl: Russell Westbrick. Die Trumpsche Mauer wird nun doch noch gebaut, in Washington von eben jenem Russell Westbrook, der auf solche Fragen nur auf seine Modemarke verweisen wird: „Why not?“ Querelen mit Beal scheinen vorprogrammiert und Fans der Zauberer werden sich ihre alte Mauer bald zurück wünschen.

Lange: Leider gewinnen zukünftige Erstrunden-Picks keine Spiele. Die OKC Thunder verabschiedeten sich in den letzten Monaten von den Erfolgsgaranten Chris Paul, Dennis Schröder, Danilo Gallinari und Steven Adams, die massiv zu der Überraschungssaison letztes Jahr beitrugen. Kann ein Kader um Lu Dort, Shai Gilgeous-Alexander und Al Horford den Erfolg wiederholen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. In Oklahoma City wird 2021 ein Gap Year.

Haak: Ich halte im Chef-Orakel wie in der allgemeinen Wahrnehmung vor allem ein Team für (immer noch) überschätzt: die Magic. Die Suns sind einen gerissenen Muskel von Chris „von 2016 bis 2019 minus 66 Spiele“ Paul von einer Enttäuschung entfernt. Außenseiterchancen räume ich dem Eastern Conference Champion ein, sollte die Blasenchemie eine Luftnummer gewesen sein.

Schlechtriem: Gemessen an den Erwartungen: Die Golden State Warriors. Nehmen wir mal den besten Fall und sagen, dass Steph Curry gesund bleibt und 72 absolviert (eher unwahrscheinlich), dann wird er dennoch jede Partie 13-14 Minuten nicht auf dem Parkett stehen. Und in diesen 13-14 Minuten richtet fast jeder Gegner irreparablen Schaden an. Draymonds Leistungskurve war schon in den Finals 2019 regressiv, Wiggins ist Wiggins und Wiseman wird wie die meisten Rookie Bigs einiges Lehrgeld bezahlen. Mit den Playoffs 2021 hat diese Truppe jedenfalls keine Berührungspunkte.


MVP Pole Position

Lagenstein: Es war LeBron James deutlich anzumerken, wie unzufrieden er dieses Jahr mit der Wahl von Giannis zum MVP war. 2021 könnte LBJ der älteste MVP der Geschichte werden. Dass er dazu noch das Zeug hat, sollte nach den vergangenen Playoffs nicht zur Debatte stehen. Einzig der toughe Spielplan könnte zum Problem werden. Aber die anderen Kandidaten gönnen sich ja auch gerne mal eine Pause.

Göhl: Homecourt, Loyalität, Highlights. Damian Lillard katapultiert Portland in den Contenderstatus, feuert astronomisch weiter und ist die sympathische Metamorphose aus James Harden und Stephen Curry. Gebt ihm den Award, sonst wird Aaron Gordons musikalisches Werk: 9/10 schnell in Vergessenheit geraten.

Lange: Mir fällt kein Grund ein, weshalb Giannis Antetokounmpo nicht identische oder sogar noch leicht bessere Zahlen auflegen sollte als vergangene Saison. Durch seine kleine Gehaltserhöhung und gute Verpflichtungen hat der „Greek Freak“ außerdem genug Rückenwind. Der amtierende MVP wird seinen Titel verteidigen.


Haak: „Alphabet“ schließe ich aus. Kaum auszudenken, was in den US of A los wäre, würden sie Antetokounmpo mit Larry Legend auf die Stufe stellen, zu der man Jordan und James den Zutritt verweigerte. Leonard und Butler pausieren zu viel. Tatum wäre zu „Derrick Rose 2011“. Hier ist der real hottake: Kevin Durant.

Schlechtriem: LeBron James ist der beste Spieler, neutralisiert sich aber im MVP-Rennen mit Anthony Davis gegenseitig, außerdem wird das Thema Load Management bei nur zwei Monaten Offseason größer geschrieben als in den letzten Jahren. Deswegen fällt auch Kawhi Leonard raus. Dončić müsste seine Pferdchen auf den dritten Platz im Westen führen, was ich ebenfalls nicht als gegeben sehe. Bleibt nur Antetokounmpo. Er selbst und seine Bucks sind im Osten zu dominant, als dass ein Herausforderer individuell und im Verbund dies überragt und Giannis den dritten Award in Folge streitig macht. Auch (oder gerade weil) das MVP-Rennen politisch angehaucht und zu subjektiv ist.