04 Dezember 2020

4. Dez, 2020


Eigentlich war die Trade-Season tot. Houston und Washington hatten andere Pläne. Lang lebe die Trade-Season! 

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 4. Dez, 2020

Start
Eigentlich ist ein unglaublich schönes Wort. Eigentlich wird gerne verwendet, wenn man für etwas argumentieren möchte, was so aber nicht eingetreten ist. Eigentlich müsste James Harden mehr als einen MVP-Titel haben. Eigentlich hätten die Rockets den Titel 2018 gewinnen müssen.
 
Eigentlich kehrte auch Ruhe in die Offseason ein. Die Teams hatten ihre Moves getätigt und die Training Camps hatten begonnen. Ja, eigentlich, denn anscheinend hat man das Rafael Stone und Tommy Sheppard nicht mitgeteilt. 

Die beiden Manager handelten in Windeseile einen Deal aus, der die beiden (Star-) Point Guards der Teams beinhaltete und von denen sich das jeweils aufnehmende Team einen neuen Impuls erhofft, um in der nächsten Saison den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. 

In der Hauptstadt möchte man mit Russell Westbrook den eigenen Star (Bradley Beal) zufriedenstellen und sämtliche Trade-Gerüchte im Keim ersticken. Zudem ist es der eigene Anspruch, endlich wieder die Playoffs zu erreichen. 

Russell Westbrook stand über die letzten Jahre hinweg genau dafür. Der 32-jährige kann immer noch Teams ins gelobte (Playoffs-)Land führen, für viel mehr reichte es dann bekanntlich nie. Houston dagegen trennt sich bereits nach etwas mehr als einem Jahr von Westbrook und hat damit eine der höchsten Point Guard Fluktuationen. 

In John Wall bekommen die Rockets, ähnlich wie bei Boogie, eine Wildcard, die sich auszahlen könnte -oder aber massiv enttäuscht. Zwar soll Wall über den Sommer so gut wie selten ausgesehen haben, abgesehen von neuen Hals-Tattoos hat der gemeine Fans bisher aber noch keine Veränderung erkennen können. Die Wahrheit liegt ja bekanntlich auf dem Platz und dort konnte man Wall zuletzt vor fast genau zwei Jahren begutachten.


Schuss
Für die finanziell versierten Leser: Es wurde ein grauenhafter Max-Contract gegen einen anderen grauenhaften Max-Contract getauscht. Immerhin: Washington spart sich 100.000 Dollar per annum, musste dafür aber noch einen zukünftigen First Round Pick als "Schmankerl" oben drauf legen. Dieser von Glanz und Gloria begleitete Trade liest sich also wie folgt:

HOU: John Wall, Protected 1st Rd Pick
WAS: Russell Westbrook

Rockets
Houston, wir haben ein Problem! Eigentlich (da ist es schon wieder) lässt sich das über die Rockets seit letztem Jahr sagen, und speziell in diesem Jahr haben die Rockets eine durchaus kurios anmutende Offseason hingelegt. 

Ja, man hat Picks ins Depot bringen können und ja, man hat Christian Wood in der Offseason verpflichten können. Man hat aber für Robert Covington Clint Capela aufgegeben, und für Westbrook Chris Paul, zuzüglich Unmengen Picks und 'Swap Rights'. 

Nun, im Dezember 2020 angekommen, spielt keiner der vier mehr in Houston. Ein paar Picks bekam man immerhin noch raus, wenn auch stark geschützt. Und ja, einen John Wall ebenso. Einen Spieler, der am 26. Dezember 2018 sein bisher letztes Spiel in der NBA gemacht hat, von seiner Athletik lebt und nun die 30 Jahre geknackt hat. 

Ach ja, und zu allem Überfluss hat Wall auch noch einen Maximalvertrag, der nicht im kommenden Sommer ausläuft. Nein. Wall wird für die kommenden drei Jahre in Houston zu unglaublich guten Bezügen seine Sneaker schnüren, denn ein weiterer Trade von ihm scheint ausgeschlossen. 

Spoiler: James Harden ist noch immer nicht zum Start der Camps erschienen, wo er sich doch DeMarcus Cousins gewünscht haben soll, der endlich mit seinem Buddy aus Kentucky-Zeiten, Wall, zusammenspielen darf. 

Lieber Rafael Stone, die NBA ist ein Business und nicht "wünsch dir was". Betrachtet man den Deal nüchtern, so sieht er immer noch furchtbar aus, aus Rockets-Sicht. Lediglich die Hoffnung bleibt, dass Wall und Cousins an ihre All-Star Zeiten anknüpfen können, dann dürfte Houston weiterhin ein legitimer Contender bleiben. Obwohl man stark bezweifeln darf, dass mehr als die zweite Runde mit "Westbrick" möglich gewesen wäre. In diese bringt einen auch ein James Harden alleine. 

Stone wird nun den Saisonstart abwarten und dann evaluieren, ob Boogie und Wall dem Team wirklich weiterhelfen, oder ob man zur Deadline hin die Zelte einreißt und tatsächlich das letzte Tafelsilber an verzweifelte Teams verschifft. Es dürfte nicht ruhig um Houston werden, obwohl es das doch eigentlich schon war.


Wizards
Washington ist Walls Vertrag endlich los. Und das für einen durchaus annehmbaren Gegenwert, denn Russell Westbrook dürfte 2020 noch mehr Spiele für die Wizards bestreiten, als das Wall seit Januar 2019 tat. 

Bradley Beal ist nicht mehr auf alleiniger Flur und darf jetzt beweisen, dass er zurecht den Vorzug als Washingtons Franchise-Spieler erhalten hat. Er allein hat letztes Jahr bereits für die Bubble gereicht.

Mit Westbrook hat er nun einen Spieler neben sich, der helfen sollte, die Playoffs realistischer erscheinen zu lassen. Ob man sich in Washington aber zufrieden gibt mit einem frühen Ausscheiden in der Postseason, darf angezweifelt werden. Für viel mehr reicht der Kader momentan nicht. 

Zusätzlich hat man diesen Kern nun für die nächsten drei Jahre beisammen, denn sowohl Westbrook als auch Davis Bertrans belasten den Cap Space zu großen Teilen. Sheppard wird also kaum Handlungsspielraum haben, um das Team wirklich besser zu machen. 

Washington droht mittelfristig, eine graue Maus zu bleiben, und vielleicht kochen dann die Gerüchte um Beal schneller wieder hoch, als das es den Verantwortlichen lieb ist. Wo doch genau das die nächsten Jahre eigentlich nicht mehr passieren sollte. Eigentlich. 

Rechnung
Houston sorgt für eine dunklere Zeit vor und fängt endlich an, Draft-Kapital zu horten, um einen Rebuild vom Vorbild Brooklyns zu vermeiden. Das Kapitel Westbrook hat sich als Fehler herausgestellt, doch hinterher weiß man ja bekanntlich immer mehr. 

In Wall hat Houston nun einen Spieler, den man frühestens im März bewerten kann. Sollte James Harden dann immer noch in Houston spielen, dürfte es als Erfolg gewertet werden und den viel zitierten Eindruck von Wall bestätigen.

Washington bekommt einen Spieler, der ihnen fast schon eine Garantie für die Playoffs gibt, wo in Runde eins dann im Normalfall Schluss sein sollte. Diese hätte man vielleicht auch mit Wall erreichen können. Dafür dann einen Erstrundenpick zu opfern, erscheint merkwürdig. Sollte es aber helfen, Beal in der Hauptstadt zu halten, dürfte auch dies als Erfolg gelten. 

Dieser Trade war der letzte Akt zweier verzweifelter Teams. Die Fans können sich nun eigentlich auf ein furioses Finale während der regulären Saison einstellen. Eigentlich. 

Vorteil: Wizards