05 Januar 2021

5. Jan, 2021


In der Draft-Nacht am 18. November 2020 fanden 60 Basketballer eine neue sportliche Heimat in der NBA. Viele von ihnen haben bereits ihr Debüt gefeiert und schicken sich nun an, die Sportwelt im Sturm zu erobern. Weil das erste Jahr in der Karriere eines Basketballers besonders spannend ist, begleitet die #NBACHEF-Redaktion ausgewählte Talente und beleuchtet monatlich ihre Entwicklung.

von NBACHEFSQUAD @nbachef_de | 5. Jan, 2021


JAMES WISEMAN

2. Pick 2020 | #33 | Golden State Warriors | Center | 19 Jahre


Stats Dezember 2020:
12,5 PPG | 5,8 RPG | 1,5 BPG | 0,8 SPG | 43,9% FG | 64,3% FT in 4 GP

Highlight Game:
18 Pts, 8 Reb, 3 Blk bei der Niederlage gegen die Bucks [25.12.]

An James Wiseman schieden sich vor dem Draft die Geister. Kritiker argumentierten, dass die fehlende Sample Size und das Skill-Paket keinen Top-Pick gerechtfertigt, andere hingegen sahen in ihm einen der wenigen Spieler mit Star-Potential. Denn zu verlockend schienen die physischen Fähigkeiten, zu denen sich ein weicher Wurf gesellte.

Nach dem ersten gespielten „Monat“ haben beide Lager ihr Für und Wider. Wiseman startete furios mit 80% Dreiern (fünf Versuche) und beeindruckte mit seinem Tempo im Fastbreak. Als er gegen Milwaukee auch noch drei Würfe blockte, stürmten die ersten Twitter Nutzer auf seinen Hypetrain und überschütteten ihn mit Lob. Golden State verlor allerdings seine beiden Auftaktspiele mit insgesamt 65 Punkten Unterschied.


Nach den beiden Krachern zum Auftakt baute Wiseman ein wenig ab und sein Spiel wurde, wie Twitter, wieder ruhiger. Zum einen traten die Warriors gegen semi-interessante Gegner (Chicago Bulls, Detroit Pistons) an, welche beide geschlagen wurden, zum anderen kühlte Wiseman merklich ab.

Nach dieser geringen Sample Size von vier Spielen (immerhin eins mehr als am College) fällt es daher schwer, Wiseman ein Zwischenzeugnis auszustellen. Sein Dreier sieht gut aus, kann an manchen Nächten aber auch nicht fallen, dann fehlen hier bisher die Alternativen, denn am Ring hat er zwar ein paar nette Moves, doch generell ist er noch zu schmächtig und wird regelrecht durch die Zone geschubst. 

Defensiv sieht man seine Anlagen, was 1,5 Blocks bisher beweisen. Mit der Zeit dürfte auch das Verständnis für seine Mitspieler besser werden, denn Wiseman wurde regelrecht ins kalte Wasser geworfen, da er wegen seiner Covid-Erkrankung auch die Pre-Season verpasste.

Für den ersten Moment bleibt festzuhalten, dass die bisher gezeigten Ansätze gut sind (Fastbreak, Touch, Shotblocking), er jedoch ein langfristiges Projekt darstellt. Der zweite Pick wird zwar vermutlich kein neuer Anthony Davis, doch nach vier Spielen ist seine hohe Position bisher legitim.

– Leon Göhl @OlajuwonsE


LAMELO BALL

3. Pick 2020 | #2 | Charlotte Hornets | Guard | 19 Jahre


Stats Dezember 2020:
10,3 PPG | 4,8 RPG | 3,5 APG | 1,3 SPG | 45,2% FG | 83,3% FT in 4 GP

Highlight Game:
22 Pts, 8 Reb, 5 Ast beim Sieg gegen die Mavericks [30.12.]

Der am meisten polarisierende Spieler dieses Jahrgangs ist bisher auch der effektivste: LaMelo Balls Präsenz in Charlotte ist deutlich spürbar – und das obwohl ihm die Hornets den Übergang alles andere als einfach gestalten.

Ja, der Auftakt seiner NBA-Karriere gegen die Cavaliers war notorisch schlecht – null Treffer aus dem Feld, null Punkte, null sichtbar vom Playmaking-Flair, das ihn zum Top-Prospect gemacht hatte. Bereits in Spiel zwei legte der dritte Pick dann 13 Punkte in 15 Minuten auf.

In Spiel vier ließ Ball dann endgültig aufhorchen, als er die Hornets mit 22 Punkten, acht Rebounds und fünf Assists zum Sieg gegen die Dallas Mavericks führte. Und obwohl er weiterhin nur von der Bank kommt, gehen Head Coach James Borrego langsam die Argumente aus, warum er Ball nicht mit den Startern aufs Parkett schicken und in Crunchtime drauf lassen sollte.


Die Pässe, die Übersicht und die Länge am defensiven Ende waren so vielleicht zu erwarten. Überrascht dürfte der ein oder andere Beobachter hingegen von seinem bisher mehr als brauchbaren Distanzwurf (43 Prozent Dreierquote, 55 Prozent True Shooting), überdurchschnittlichen Effizienz-Wert und positiven Impact trotz höchster Nutzungsrate unter allen Rookies sein.  

Ja, sein Wurf sieht ulkig aus; ja, sein Decision-Making ist manchmal zum Haareraufen; und ja, ein diverses Angriffsspiel (vor allem innerhalb des Halbkreises) sieht anders aus. So gut wie alle fortgeschrittenen Metriken platzieren Ball aber unter den Besten seiner Klasse – und das, obwohl er häufig Off-Ball agieren und Gordon Hayward, Terry Rozier und Devonte' Graham den Vortritt beim Playmaking lassen muss.

Charlotte sollte alles daran setzen, schleunigst mehr Spielzeit und -anteile für einen seiner besten und meistversprechenden Akteure zu finden. Gerne auch in Drei-Guard-Lineups, neben den angesprochenen Veteranen. Ball platziert als einziger Frischling bei Punkten (3.), Rebounds (7.), Assists (2.), Steals (1.), Blocks (5.), Usage (1.) und Effizienz (2.) unter den Top-Ten.  

– Seb Dumitru @nbachefkoch


PATRICK WILLIAMS

4. Pick 2020 | #9 | Chicago Bulls | Forward | 19 Jahre


Stats Dezember 2020:
10,6 PPG | 2,4 RPG | 1,2 APG | 1,0 BPG | 48,6% FG | 85,7% FT in 5 GP

Highlight Game:
16 Pts, 4 Reb, 1 Stl bei der Niederlage gegen die Hawks [24.12.]

Als die Chicago Bulls an vierter Position des Drafts 2020 Patrick Williams an Land zogen, runzelten nicht wenige die Stirn. Williams hat in seiner College-Zeit bei Florida State meist von der Bank agiert und war nicht unbedingt ein Spieler, dem eine so hohe Draft-Nummer zugetraut wurde. Dennoch ist sich das Front Office in Chicago einig, dass der Rookie ein wichtiger Teil im Neuangriff auf die Playoffs sein wird.

Die ersten Eindrücke aus der Preseason waren auch direkt vielversprechend. In seinen Premieren-Spielen der Vorbereitung scorte er zwölf bzw. 13 Punkte von der Bank, sodass ihn Coach Billy Donovan überraschend in Spiel drei für Otto Porter Jr. in die Starting Lineup beförderte. Neben 13 Punkten überzeugte er dann auch noch mit sieben Rebounds und zwei Assists. Gepaart mit einer guten defensiven Leistung wurde dies mit einem festen Platz in der ersten Fünf belohnt.

Patrick Williams startete in allen fünf Spielen im Dezember. Im Schnitt kam er dabei auf 24 Minuten und war zum Saisonauftakt gegen die Atlanta Hawks sogar 33 Minuten auf dem Parkett. Mit 16 Punkten erzielte er dort auch gleich mal sein bisheriges Career High.

Problematisch war der Start trotzdem, denn die Bulls kamen sowohl gegen die Hawks als auch gegen die Indiana Pacers ordentlich unter die Räder. In seinem zweiten NBA-Spiel legte Williams nur neun Punkte auf und kam anschließend in der knappen Niederlage gegen die Warriors mit sechs Punkten zum zweiten Mal nicht auf einen zweistelligen Score.

Dennoch schenkte Donovan dem Rookie weiterhin das Vertrauen in den zwei wichtigen Spielen gegen die Washington Wizards, die genau wie Chicago mit drei Niederlagen starteten. Williams zahlte das Vertrauen zurück und kam zurück in die Spur. In beiden Spielen legte er zusammen 22 Punkte, zwei Rebounds und zwei Assists auf. Besonders seine Wurfquote belegt, dass er von den Bulls in den richtigen Momenten eingesetzt wird und nicht zu viel will. Überragend ist seine Entscheidungsfindung, denn er braucht nur wenige Millisekunden bis er seine Entscheidung gefunden hat und zögert kaum. An den beiden Siegen gegen Russell Westbrooks Wizards trägt er große Mitverantwortung.


Seine Offensive ist zwar nicht überragend, aber zumindest solide. Zudem macht er seinen Job in der Defensive, wodurch seine Gegenspieler Probleme haben, Würfe zu bekommen. Nachdem Donovan in den ersten drei Spielen unheimlich viel ausprobierte, war der Startplatz von Williams eine der wenigen Konstanten im System des neuen Cheftrainers. Er wird ein wichtiger Bestandteil im neuen Projekt der Bulls werden.

Im offensiven System wird er noch zu oft ignoriert. Er gehört definitiv nicht zu den ersten drei bis vier Scoring-Optionen, obwohl er unter Zugzwang bereits oft gezeigt hat, dass er den Ball durchaus öfter in den Händen halten könnte. Williams hatte seinen Anteil daran, dass die Bulls den schwachen Saisonstart mit zwei Siegen gegen die Wizards vergessen machen konnten.

Es reicht vielleicht nicht, um am Rookie of the Year-Rennen mitzuwirken, doch er bekommt genug Minuten, um viel Erfahrung zu sammeln. Seine Leistungen zeigen aber, dass die Bulls mit ihrem Erstrunden-Pick eine richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Kritiker verstummen allmählich.

– Björn Pahlke @newera0813


OBI TOPPIN

8. Pick 2020 | #1 | New York Knicks | Forward | 22 Jahre


Stats Dezember 2020:
9,0 PPG | 3,0 RPG | 1,0 APG | 2,0 BPG | 25,0% FG in 1 GP

Highlight Game:
9 Pts, 3 Reb, 2 Blk bei der Niederlage gegen die Pacers [24.12.]

Obi Toppin laboriert aktuell an einer Wadenzerrung und kam deshalb nur in der Pre-Season (7,3 Punkte und 6,0 Rebounds in vier Partien) und im Season Opener der Knicks zum Einsatz. Dennoch erhielt man in seinen wenigen NBA-Minuten einen ersten Eindruck vom neuesten New Yorker Nachwuchstalent.

 Dem Erstrunden-Pick eilte der Ruf voraus, er sei ein Rookie, der mit seiner Offensive einem Team von Tag eins an helfen könne. Nach einer starken Halbzeit in seinem ersten Vorbereitungsspiel zeigte sich allerdings, dass eine Eingewöhnungsphase auch Toppin bevorstehen wird.


Toppin präsentierte sich aktiv und willig. Seine Rolle im New Yorker Team und das Zusammenspiel mit seinen Frontcourt-Partnern sind jedoch noch nicht richtig definiert. Sowohl Mitchell Robinson als auch Nerlens Noel sind nicht in der Lage, den Dreier zu treffen. Julius Randle nur mit Abstrichen. So zog es Toppin immer wieder raus an den Perimeter, wo er auf seine theoretische Funktion als Schütze reduziert wurde. Mit lediglich vier verwandelten Dreiern bei 18 Versuchen brachte dies nur mäßigen Erfolg.

Seine Qualitäten als Roll-Man oder in Transition stellte er nur in Ansätzen unter Beweis. In wenigen Post-Ups wirkte er nervös und überhastet. Sicher spielt dahingehend auch das Fehlen der Summer League und eines regulären Training-Camps eine Rolle.

Positiv stach hingegen das Passing des 22-Jährigen hervor, auch wenn es die rohen Assistzahlen auf den ersten Blick nicht vermuten lassen. Er fand seine Mitspieler unter anderem mit Kick-Outs und Bounce-Passes. Bemerkenswert ist dies vor allem, da dieser Teil seines Spiels in der Vergangenheit kaum im Fokus stand. Toppin bewies ein gutes Auge und die Fähigkeit nicht nur offensichtliche Pässe an den Mann bringen zu können – das lässt auf mehr hoffen.

– Max Seelinger @urboimacks


DENI AVDIJA

9. Pick 2020 | #9 | Washington Wizards | Forward | 19 Jahre


Stats Dezember 2020:
7,2 PPG | 4,8 RPG | 2,6 APG | 1,0 SPG | 50,0% FG | 60,0% FT in 5 GP

Highlight Game:
9 Pts, 9 Reb, 2 Ast, 2 Stl bei der Niederlage gegen die Magic [28.12.]

Mit Blick auf die ersten Eindrücke und Stat-Lines, die der Israeli Deni Avdija in der NBA hinterlassen hat, drängte sich ein aus Poker-Kreisen stammender Spitzname auf: „German Virgin“, was in Las Vegas die Handkarten 9-9 („Nein, Nein“) meint. Der 2001 geborene Small Forward trägt die Rückennummer neun, erzielte in den ersten fünf NBA-Spielen zweimal neun Punkte und holte zusätzlich in Spiel drei, wo er mit 36 Minuten auch die meiste Zeit auf dem Court stand, noch neun Rebounds.

Um bei den Spitznamen zu bleiben: Bei seinem Draft-Style in Kombination mit dem Teamnamen führt kein Weg vorbei an Harry Potter. Die Zauberei auf dem Basketballfeld schlägt sich bisher noch nicht in spektakulären Stat-Lines wieder, doch sowohl in der Pre-Season als auch in den ersten Zügen der Regular Season ist Avdija ein fester Bestandteil der Wizards-Rotation.


Sicher geprägt durch seine Erfahrung in Europa wirkt er dabei meist nicht wie der jüngste Spieler auf dem Court, sondern strahlt eine Selbstsicherheit aus, trifft überdurchschnittlich den Dreier und holt Steals ohne wilde und riskante Aktionen einzugehen. Die Souveränität und das Vermeiden von individuellen Fehlern in der Offensive sowie (für einen Rookie noch bemerkenswerter) der Defensive verdienen ihm dabei schon früh Respekt im eigenen und bei gegnerischen Teams.

Bei aller Abgeklärtheit ist Avdija derzeit noch kein Spieler für die ganz großen Momente und die in der heutigen NBA so gefragten Highlights. Einem NBA-Trainer und sonstigen Team-Offiziellen dürfte ein „langweiliger“ Spieler, der gut für den Teamerfolg ist, aber wesentlich lieber sein als ein spektakulärer Spieler mit negativem Einfluss.

Alles in Allem wirkt Avdija schon in den ersten Eindrücken in der besten Liga der Welt wie ein Spieler, der sich nahtlos in ein Team einfügt und einen positiven Einfluss auf das Spiel haben kann. Ob er in den nächsten Monaten das Spiel noch stärker an sich reißen kann, will, vielleicht sogar muss oder ob er sich „nur“ als idealer Rollenspieler erweist, ist aktuell noch völlig offen.

– Christoph Lenz @NBAKenner


TYRESE HALIBURTON

12. Pick 2020 | #0 | Sacramento Kings | Guard | 20 Jahre


Stats Dezember 2020:
10,6 PPG | 2,0 RPG | 4,4 APG | 1,0 SPG | 52,9% FG | 87,5% FT in 5 GP

Highlight Game:
13 Pts, 6 Ast, 3 Stl, beim Sieg über die Nuggets [30.12.]

Haliburton wurde im Draft erst an 12. Stelle von den Kings gepickt, obwohl er als potentieller Top-5 Pick galt. Folglich landete der Kombo-Guard von der Iowa State University in der jährlichen Umfrage aller 30 GMs auf Rang eins in der Frage nach dem größten Draft-Steal.

Auch wenn der Fit in Sacramento an der Seite von De'Aaron Fox und Buddy Hield etwas fragwürdig erscheint, hat sich Haliburton schnell eingelebt. Er verfügt über ein komplettes Spiel und kann sowohl in der Offensive als auch in der Defensive Akzente setzen.


Die Stichprobe an Spielen ist natürlich noch sehr gering, dennoch hatte der 20-Jährige bisher nur ein wirklich schwaches Spiel, am 27.12. gegen die Phoenix Suns (zwei Punkte, 1-4 aus dem Feld). Nur einen Tag später machte er es gegen denselben Gegner schon deutlich besser (15 Punkte, 5-7 aus dem Feld).

Von diesem einen Off-Game abgesehen bringt Haliburton konstante Leistungen von der Bank und wird bei ausreichender Spielzeit in das Rennen um den Rookie of the Year-Award einsteigen. Der Guard spielt clever, macht wenig Fehler, nimmt gute Würfe und tritt als Teamplayer auf, bisher der Traum-Rookie für jeden Coach. Auch seine Kollegen sind voll des Lobes: „Er versteht das Spiel so gut... man könnte denken, dass er schon seit ein paar Jahren [in der NBA] spielt“, konstatiert Sacramentos Franchise Player Fox.

Wegen einer Verletzung am Handgelenk kam Haliburton im Januar noch nicht zum Einsatz und muss noch mindestens bis Ende der ersten Kalenderwoche 2021 pausieren.

– Stefan Dupick @hoopsgamede


COLE ANTHONY

15. Pick 2020 | #50 | Orlando Magic | Guard | 20 Jahre


Stats Dezember 2020:
8,7 PPG | 5,0 RPG | 3,3 APG | 0,6 SPG | 33,3% FG | 100,0% FT in 5 GP

Highlight Game:
12 Pts, 7 Reb, 3 Ast, 6-6 FT beim Sieg über die Wizards [28.12]

MVP beim Hoop Summit, dem McDonald's All American und dem Jordan Brand Game. Cole Anthony wurde von North Carolina als einer der gehyptesten Guards seines Jahrgangs rekrutiert. Die 34 Punkte im Debüt für UNC verewigten ihn direkt in den Rekordbüchern der Tar Heels. Folgerichtig wurde Anthony schnell als einer der Top-Picks der NBA Draft 2020 gehandelt. Doch dann kam die Operation am Meniskus und die miese Bilanz seines Teams. Sein Draftstatus sank quasi wöchentlich.

Auch nach seiner Verletzung konnte er seine Kritiker nicht ruhigstellen: zu klein, zu schlechte Wurfauswahl, kein echter Playmaker! Nichts davon hielt die Orlando Magic davon ab, Anthony mit dem 15. Pick nach Florida zu holen.


Wie schlug sich der gebürtige New Yorker in seinen ersten fünf NBA-Partien? In Sachen Playmaking ist definitiv noch viel Luft nach oben. Seine Reads müssen besser werden. Er wirft keine Laserpässe über mehrere Stationen. Auch einfache Zuspiele bringt er noch zu oft ohne Präzision an den Mann. Gut, wer die meiste Zeit mit Michael Carter-Williams, Aaron Gordon und Khem Birch auf dem Feld steht, wird sicher nicht mit Spacing gesegnet. Zudem muss Anthony zugute gehalten werden, dass er vor seiner Freshman-Season auf jedem Niveau als Passgeber überzeugte.

Hoffnung auf eine positive Entwicklung als Ballhandler macht zum Beispiel sein sicheres Dribbling, das er nah am Boden führt. Kommt er damit an seinem Gegenspieler vorbei, deutet die Nummer 50 der Magic an, ein fähiger Scorer zu sein. Er kann direkt am Ring abschließen (57,1 Prozent in der Restricted Area, Dritter unter Rookie-Guards mit mindestens sieben Versuchen), Fouls ziehen (Zweiter in Freiwurfversuchen auf 36 Minuten gerechnet unter allen Rookies mit mindestens 100 gespielten Minuten) und hat den Touch, um für den Floater zu gehen.

Ein weiterer Aspekt seines Spiels, der ihm gut tun wird: Anthony hat das Zeug dazu, sein bereits im College herausragendes Pull-Up-Shooting langfristig auch in der NBA abzurufen. Seine Trefferquote spiegelt das bisher allerdings noch nicht wider.

Damit zu tun hat mit Sicherheit auch seine schlechte Wurfauswahl. Zu oft macht er es sich schwer, wenn er überhastet Abschlüsse am Gegner forciert. Hier muss er als Entscheidungsfinder einfach noch reifen. Die klar definierte Rolle, die Coach Steve Clifford ihm zu Saisonbeginn zuteilt, könnte ihm dabei helfen. Die Magic bauen ohnehin auf Starter Markelle Fultz, in dessen Schatten Anthony sich in Ruhe entwickeln und sicherer werden kann.

Nach nur fünf Partien ist allerdings auch zu erkennen, dass er unabhängig von seinem Reifegrad als NBA-Guard ein Plus ist für dieses Magic-Team. Der Sohn des langjährigen NBA-Centers Greg Anthony (spielte von 1991 bis 2002 für sechs verschiedene Teams) hat, wie so viele New Yorker Profis, die „Dawg-Mentality“ schon jetzt verinnerlicht. Jede Minute wird mit vollem Einsatz gespielt. Zu klein für die NBA? Das lässt sich Anthony nicht zweimal sagen. In den beiden Partien gegen die Washington Wizards trug er im vierten Viertel mit zwei Hustle-Plays merklich dazu bei, dass das Momentum sich zu Gunsten der Magic drehte. Die beiden Aktionen? Ein Offensivrebound und ein provozierter Charge-Call.

– Lucas Kröger @kicktherim


UND SONST SO... ?

No. 1. Pick Anthony Edwards (Minnesota Timberwolves) wurde nie als potentieller Gamechanger gehandelt und hat diesen Ruf in seiner bisher kurzen Zeit in der NBA kaum widerlegt. Der erst 19 Jahre alte Guard legte in seinen ersten vier Partien zwar durchschnittlich 15 Punkte auf, hat es aber selbst in Minnesotas mäßig begabter Truppe bislang nicht in die Starting Five geschafft. Wie befürchtet fällt vor allem der Distanzwurf alles andere als zuverlässig (33,3 Prozent bei sechs Versuchen im Dezember).

Bevor er von einem verstauchten Fuß und dazu noch vom COVID-19 Protokoll der NBA gestoppt wurde, war Isaac Okoro von den Cleveland Cavaliers auf dem besten Wege, früh die Spitzenposition in der Rookie-Klasse 2020 zu übernehmen. Der fünfte Pick des Drafts startete in den ersten beiden Partien der Cavs und kam auf 34 und gar 42 Minuten (Overtime). In der Pre-Season gelang dem athletischen Flügel ein Gamewinner gegen die Indiana Pacers mit 0,3 Sekunden auf der Uhr. Coach J.B. Bickerstaff hofft, seinen Rookie gegen Ende dieser Woche zurück auf dem Parkett begrüßen zu dürfen.


Von den drei Erstrunden-Picks der Detroit Pistons sticht bislang Saddiq Bey heraus. Der Shooting Guard aus Villanova kommt früh auf Starter-Minuten und hat, anders als Hoffnungsträger Kilian Hayes, seinen Touch früh gefunden.

Die Miami Heat erweisen sich derweil erneut als gutes Pflaster für junge Spieler. Ihr 20. Pick Precious Achiuwa (Anm.: Kein erwachsener Mann sollte „Precious“ heißen) hat sich sofort einen Platz in Coach Erik Spoelstras Rotation erkämpft. Der Nigerianer agiert als Backup für Bam Adebayo einsatzfreudig und energetisch unterm Korb.

Don't Sleep: Jae'Sean Tate, 2018 nicht gedraftet, wechselte nach zwei Lehrjahren in Belgien und Australien zu den Houston Rockets und überzeugt direkt mit großer Verteidigungslust, geradezu Beverley'esquer Kettenhundmentalität. Sollte der 25-Jährige einen einigermaßen zuverlässigen Dreier entwickeln (in Houston Grundvoraussetzung), steht mittelfristig ein Platz unter den ersten Fünf in Aussicht.

– Daniel Schlechtriem @W14Pick


ROOKIE POWER RANKING

1. LaMelo Ball (Charlotte Hornets)
2. James Wiseman (Golden State Warriors)
3. Tyrese Haliburton (Sacramento Kings)
4. Anthony Edwards (Minnesota Timberwolves)
5. Patrick Williams (Chicago Bulls)

Im erweiterten Kreis: Deni Avdija (Washington Wizards), Cole Anthony (Orlando Magic), Saddiq Bey (Detroit Pistons), Desmond Bane (Memphis Grizzlies), Jae'Sean Tate (Houston Rockets), Payton Pritchard (Boston Celtics), Immanuel Quickley (New York Knicks), Precious Achiuwa (Miami Heat)