03 Januar 2021

3. Jan, 2021


2020 war in vielerlei Hinsicht anders. Die #NBACHEF-Redaktion lässt dennoch Normalität walten und wirft wie immer zum Jahreswechsel den Blick zurück und voraus. Erinnerungen an das vergangene, Prognosen und Wünsche für das neue Basketballjahr – das alles garantiert frei von (dies wird die einzige Erwähnung bleiben) COVID-19... so wie 2021 werden soll!

von NBACHEFSQUAD @nbachef_de | 3. Jan, 2021


Das NBA-Jahr 2020 bleibt in Erinnerung für...

Leon Göhl @OlajuwonsE: Das Mikro-Ball Experiment der Raketen. Nie zuvor hat es ein Team gegeben, das derart auf kleine Spieler setzte und Center fast schon diskriminierte. Zwar war das Ganze nicht vom Erfolg gekrönt, doch die switchwütigen Defensiv-Sequenzen dürften in Erinnerung bleiben, ebenso ein hart arbeitender P.J. Tucker gegen Steven Adams und Anthony Davis.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Vier schicke Spiele, die ich im März vor Ort sehen konnte. Jeweils in einem Satz zusammengefasst: Die Bulls verspielen gegen die Mavs fast eine Acht-Punkte-Führung in den letzten 25 Sekunden. Detroit hätte Christian Wood niemals gehen lassen sollen. Andre Drummond dominiert bei Overtime-Drama. Seit dem Sieg gegen die Cavs haben die Bulls kein Heimspiel mehr gewonnen. War genug Kurioses dabei. Milwaukee gegen Boston wird dann beim nächsten Mal nachgeholt.

Christoph Lenz @NBAKenner: Die größten der Großen in der Geschichte des Sports! Die häufig müßige GOAT-Diskussion wurde in den letzten Jahren insbesondere durch die Erfolge und Misserfolge von LeBron James tangiert. Im Jahr 2020 war es wieder soweit, dass der „King“ mit dem Titelgewinn seiner Seite der Argumentation einen weiteren wichtigen Baustein hinzufügte. Das besondere an 2020 war, dass auch Michael Jordan mit seiner Doku-Reihe „The Last Dance“ nach fast 20 Jahren wieder mehr oder weniger aktiv an seiner Legende arbeitete. Da auch LBJ beim jüngsten Titel mit Kameras (und teils identischem Personal wie bei der MJ-Doku) begleitet wurde, dürfte der Gesprächsstoff bei dieser Thematik noch weit bis nach dessen Karriere-Ende ausreichen.

Stefan Dupick @hoopsgamede: LeBrons ersten Ring in Los Angeles. Die Lakers waren das beste Team der Saison und King James gewann seinen vierten Ring – Dynastie loading?


Daniel Schlechtriem @W14Pick: Den ausgebliebenen „Battle of Los Angeles“ wegen der unnachahmlichen Aufholjagd der Denver Nuggets sowie letztlich LeBron James' finaler Krönung. Lange hat er die weitaus einfachere Eastern Conference beherrscht, nun aber auch den Wilden Westen unterworfen. Der Sprung von Lottery zu Larry ist ein gewaltiger und es bedarf eines Generational Talents wie James.


2021 wird ein gutes Jahr für...

Göhl: Die Lakers. Langweilig, 2021 wird tatsächlich ein gutes Jahr für die Indiana Pacers und Portland Trail Blazers, die beide mit starken Starting Fives zu überzeugen wissen und dadurch mindestens einen Favoriten auf dem Weg in die Conference Finals ausschalten werden. Sabonis entwickelt sich zu einem der besten Bigs der Liga und Dame wird MVP. Profiteur der Geschichte: Small-Markets, die ihren Stars nun nebst Giannis zeigen können, dass Erfolg auch abseits von Los Angeles möglich ist.

Lagenstein: Die Phoenix Suns. Kein anderes Team hat sich in der langen spielfreien sowohl intrinsisch als auch in der Free Agency so stark verbessert. Am 31.12.19 stand das Team aus Arizona bei 13 Siegen und 20 verlorenen Spielen in den Niederungen der Western Conference. 366 Tage später grüßt die Sonne vom zweiten Platz. Klar, es sind erst wenige Spiele absolviert. Doch Phoenix ist auf dem Weg. Die ersten Playoffs seit 2010 werden kommen.

Lenz: Die wenigen Free Agents, die nicht bereits in dieser Offseason verlängert haben. Die einst gehypte und mit Spannung erwartete Free Agency Klasse sorgte dafür, dass einige Teams ihre Capspace-Verfügbarkeit auf genau diesen Jahrgang abgestimmt hatten. Nach den letzten Wochen gibt es weiterhin viel Capspace, aber durch die Extensions weniger namhafte Free Agents. Unterm Strich dürften dadurch altgendiente Stars wie Kyle Lowry und Mike Conley oder talentierte, aber nicht überragende Spieler wie Dennis Schröder und Evan Fournier profitieren.

Dupick: Die Phoenix Suns. Sie haben mit Chris Paul endlich den Kader zusammen, den sie für die Playoffs brauchen! Das Team verfügt über viel Talent und wird eine wichtige Rolle im Westen spielen.

Schlechtriem: Die Eastern Conference, weil sie so spannend wird wie lange nicht. Die Bucks um Giannis wollen endlich in die Finals, die Heat werden mit ihren zahlreichen Youngstern nicht freiwillig das Feld räumen, die Nets um ihr genesenes, kontroverses All-Star Duo begehrt auf, die beiden Jay-s der Celtics steigern sich immer weiter, die 76ers werden endlich anständig geführt und trotz Fehlstart lauert immer noch der Champion von 2019. Es gibt keinen Favoriten, nicht einmal auf die Conference Finals und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.



2021 wird ein schlechtes Jahr für...

Göhl: New York. Die Knicks setzen damit nur ihren unrühmlichen Lauf fort und Thibs vercoacht ihnen den ersten Pick. Soweit nichts Neues, doch auch Brooklyn wird Opfer des Coaches. Steve Nash gerät nach mittelprächtigen Ergebnissen unter Druck und verheizt seine beiden Stars in der Regular Season. Außerdem werden mindestens vier Teams aus dem Westen nach der Saison enttäuscht sein, da sie die Playoffs verpassen.


Lagenstein: Die Houston Rockets. Ob Harden nun geht oder nicht spielt keine Rolle. Nach Jahren im erweiterten Favoritenkreis können sich die Texaner 2021 freuen, wenn es überhaupt für die Playoffs reicht. Falls nicht, sind sie allerdings auch nicht so schlecht, dass sie ihren Draft-Pick behalten dürfen, der nur 1-4 protected ist und sonst nach OKC geht.

Lenz: Weniger talentierte Front Offices. In einer Liga, die sich in allen Facetten mehr und mehr professionalisiert, modernisiert und als Kollektiv „smarter“ wird, stechen die Ausnahmen von diesen allgemeinen Trends immer stärker hervor. In einer Liga, in der Vlade Divac von einem aus der Rockets-Schmiede stammende Monte McNair ersetzt wird, dürfte nicht mehr lange Platz für „Dinosaurier“ sein, die mit großen Reden versuchen Fehler zu kaschieren. Nur wenige Team-Eigentümer werden sich davon blenden lassen und die Entwicklungen der Liga verschlafen.

Dupick: Die Wolves! Es läuft einfach nicht viel zusammen in Minnesota. Trotz KAT, Russell und Number 1 Pick Edwards werde ich das Gefühl nicht los, dass die Chemie einfach nicht stimmt. Hier riecht es nach Beef.

Schlechtriem: Die Western Conference, weil sie an der Spitze einseitiger geworden ist, in der Tiefe aber immer noch erbarmungslos. Einzig die Thunder sind definitiv raus, für die Grizzlies wird es ohne Morant schwierig – aber dann? Am Ende müssen vier Mannschaften in das neue Play-In Format, die ihren Gegenstücken des Osten auf dem Feld die Hosen ausziehen würden. Das macht das Rennen im Westen, bei dem letztlich wieder ein oder zwei Siege zwischen Homecourt und Rang sechs bis sieben entscheiden, noch brutaler.


Der Neujahrsvorsatz der NBA

Göhl: „The Last Dance 2.0“. Die Machtverhältnisse in der NBA scheinen sich so langsam zu ändern. Die junge Generation wurde diesen Sommer bezahlt, Luka und Giannis sollen die neuen Gesichter der Liga werden. Die NBA wird alles daran setzen wollen, dass es in den Playoffs viele Duelle zwischen Altmeistern und Jungspunden gibt. Dallas gegen Lakers? Adam Silver sieht vermutlich jetzt schon die Einschaltquoten im obersten Segment.

Lagenstein: Die NBA ist dringend auf neue Einnahmequellen angewiesen. Eine davon wäre der Verkauf einer Expansion-Lizenz. Seattle hat die Key Arena modernisiert und weiterhin eine Fanbasis, die das Team begeistert aufnehmen würde. Einen besseren Zeitpunkt gibt es nicht. #bringbackoursonics


Lenz: Zum zehnten Mal in Folge könnte die Liga als kollektiv in Sachen „Pace“ und „Punkte pro Spiel“ den Vorjahreswert überschreiten. In den 1990ern gab es zuletzt einen so klaren Trend, also zehn Jahre in Folge sinkende Werte in diesen Kategorien erzielt wurden. Die Liga ist so offensiv und schnell wie fast noch nie, über die Attraktivität wird dennoch gestritten. Die NBA sollte im nächsten Jahr daher sehr gezielt und bewusst die positiven Aspekte des Spiels hervorheben und unterstreichen um diese Entwicklungen auch in der öffentlichen Wahrnehmung als positiv erkennbar zu machen.

Dupick: Mehr Spannung zum Ende der regulären Saison. Wegen des Play-In Turniers haben mehr Teams die Chance, in die Playoffs einzuziehen, eine super Entwicklung.

Schlechtriem: Die NBA hat einige interessante Neuerungen auf den Weg gebracht, ich hoffe weiterhin am meisten auf den Cup im Elimination-Format sowie auf die Aufhebung der Conferences ab den Final Four in den Playoffs, sodass die beiden besten Mannschaften in den Finals stehen. Tu es, Adam!


Mein Neujahrswunsch

Göhl: Aus rein persönlicher Sicht: Harden bleibt, Boogie und Wall bleiben fit und Houston ist plötzlich wieder Contender. Da dieses Szenario aktuell etwas unrealistisch erscheint, wünsche ich mir für die kommende Saison ein verbessertes Kings-Team, bei dem sich De'Aaron Fox die Krone endgültig aufsetzt und sie irgendwie in die Playoffs mogelt.

Lagenstein: NBA-Finals mit fitten Superstars auf beiden Seiten. Die letzten beiden Endspielserien hatten auch ihre Momente, doch kamen längst nicht an die 2016er-Version ran, wo beide Teams bis an die Zähne bewaffnet waren. Lakers vs. Bucks. Clippers vs. Nets. Oder wieder ein Außenseiter à la Heat. Meinetwegen gerne, solange sie mit der ganzen Kapelle kommen.

Lenz: NBA, bleib wie Du bist! Denn trotz vielen Unkenrufen und Aussagen wie „Es ist doch vorher klar was passieren wird“ ist diese Liga seit Jahren, selbst in den Jahren größter Warriors-Dominanz, sowohl auf dem Court als auch in Sachen Transaktionen absolut unvorhersehbar und die Kombination aus klaren Jägern und Gejagten sorgt für Favoritenstürze, für unfassbare Erfolgsgeschichten und vor allem für jede Menge Unterhaltung in der ohne Frage geilsten Liga der Welt!


Dupick: Trades, Trades und Trades. Nachdem es einige Extensions gab, wird der nächste Sommer eher mau, was die Free Agents angeht. Daher erhoffe ich mir viele spannende und kreative Trades.

Schlechtriem: Tilman Fertitta... sell the team!